Antrag auf EU-Rente

von
Regina

Guten Tag,
ich habe einen etwas komplizierten Sachverhalt:
Ich bin seit einem Monat arbeitslos, da ich nach einem Burnout in 2014 nunmehr den sechsten (!) Arbeitsplatz verloren habe. Ich habe immer noch eine starke Angsterkrankung. Das Arbeitsamt hat meinen Fall nun zur Prüfung an den medizinischen Dienst gegeben. Zwischenzeitlich habe ich mich entschieden, einen Antrag auf EU-Rente zu stellen und dafür auch Unterstützung von meiner Psychologin und Hausärztin. Soweit so gut. Da ich sehr wenig ALG 1 bekomme, weiß ich nicht so recht, wie ich überleben soll, bis über einen Rentenantrag entschieden ist. Jetzt meine Fragen:
Dürfte ich solange das Rentenantragsverfahren schwebend ist, einen Minijob machen? Oder gar ein neues Arbeitsverhältnis - sofern ich eines bekäme - "ausprobieren"? Kann man also auch einen EU-Rentenantrag stellen, wenn man in einem Arbeitsverhältnis in der Probezeit ist? Bekomme ich während des schwebenden Antragsverfahrens solange ALG 1 bis es entschieden ist? Sollte es positiv beschieden werden, bekommt man dann die EU-Rente rückwirkend ab Antragstellung? Falls ja, holt sich das Arbeitsamt den in dieser Zeit gezahlten Betrag zurück?
Sollte der Antrag abgewiesen werden und ich Widerspruche einlegen, zahlt dann immer noch das Arbeitsamt bis zum Entscheid über den Widerspruch?
Ich bin ganz verzweifelt. Vielen Dank für eine Hilfestellung!

von
R. Fischer

Hallo Regina,

Natürlich kann man einen Erwerbsminderungsrenten Antrag stellen wenn man in Arbeit steht. Es ist kein Problem, dass Sie einen Minijob oder gar in Arbeit sind. Ich hatte auch gearbeitet.

Alles Gute und ein schönes WE für Sie!

von
Jupp

Wenn das Alg I nicht ausreichend ist, hat man Anspruch auf Aufstockung durch Alg II.

von
W*lfgang

Zitiert von: Regina
Dürfte ich solange das Rentenantragsverfahren schwebend ist, einen Minijob machen? Oder gar ein neues Arbeitsverhältnis - sofern ich eines bekäme - "ausprobieren"?
Regina,

Sie dürfen alles machen/arbeiten, um sowohl Ihre Arbeitslosigkeit zu beenden, als auch einer 'Frühverrentung' zu entgehen. Wenn ein neues Arbeitsverhältnis passt, ist doch alles ok ...und wenn Sie die Zeit nutzen, die mit einem Minijob zu überbrücken, auch ok.

Denken nur daran, dann sowohl die AfA (bei zu viel Minijob-Einkommen wird das ALG gekürzt) wie auch die DRV zu informieren ...insbesondere die, warum Sie während eines laufenden EM-Verfahren 'plötzlich' anfangen zu arbeiten (Grund: aus rein finanziellen Gründen).

> Bekomme ich während des schwebenden Antragsverfahrens solange ALG 1 bis es entschieden ist?

Grundsätzlich ja, es sei denn, Sie erzielen aus Beschäftigung zu hohes Einkommen und/oder stehen dem Arbeitsmarkt zeitlich nicht mehr zur Verfügung, weil eine wöchentliche Arbeitszeit von wenigstens 5 Std. nicht mehr möglich ist. Fragen Sie doch einfach auch Ihre Arbeitsvermittlerin ...die beißt nicht gleich und hat auch Beratungspflichten.

> Sollte es positiv beschieden werden, bekommt man dann die EU-Rente rückwirkend ab Antragstellung?

Der Beginn/die Zahlung der EM-Rente hängt von der Feststellung des med. Leistungsfalles ab, ab wann Sie tatsächlich als EM eingestuft werden – das kann Antragsdatums, Beginn einer AU, aber auch ein anderes Ereignis (Unfall, frühkindliche Erkrankung) sein.

> Falls ja, holt sich das Arbeitsamt den in dieser Zeit gezahlten Betrag zurück?

Das Arbeitsamt erhält nur Monat für Monat die zustehenden Rentenzahlungen zurück – draufzahlen müssen Sie nichts, bleibt was über, gibt es eine Restzahlung von der DRV.

> Sollte der Antrag abgewiesen werden und ich Widerspruche einlegen, zahlt dann immer noch das Arbeitsamt bis zum Entscheid über den Widerspruch?

Ja, solange der ALG-Anspruch noch besteht.

Gruß
w.

von
Regina

Ganz herzlichen Dank! !!!

von
W*lfgang

Zitiert von: W*lfgang
weil eine wöchentliche Arbeitszeit von wenigstens 5 Std. nicht mehr möglich ist.
/Korrektur: 15. Std. muss es heißen.

Gruß
w.

Experten-Antwort

Die Ausübung einer Beschäftigung steht dem Rentenverfahren (Erwerbsminderungsrente) grundsätzlich nicht entgegen. In Abhängigkeit vom Rentenbeginn (ausschlaggebend ist der Leistungsfall / Eintritt der Erwerbsminderung) wird dann geprüft, ob Sie die Hinzuverdienstbeschränkungen überschritten haben. Der Anspruch auf Arbeitslosengeld ist abhängig von Ihrem Alter und ist mit der Agentur für Arbeit zu klären (unabhängig vom Antragsverfahren Ihrer Erwerbsminderungsrente). Das die Beschäftigungsaufnahme der Agentur für Arbeit zu melden ist, vielleicht die Rentenversicherung in Kenntnis gesetzt wird, wurde Ihnen bereits im Forum empfohlen.