Antrag auf Witwenrente zurücknehmen?

von
Witwe64

Mein Ehegatte (geb. 1963) ist am 19.04.2014 verstorben. Auf meinen wenige Tage später für mich und meine drei Kinder gestellten Rentenantrag erhalte ich rückwirkend ab dem Todestag Witwenrente und Halbwaisenrente.

Inzwischen habe ich erfahren, dass die Rentenansprüche aufgrund einer "verlängerten Zurechnungszeit" deutlich höher ausgefallen wären, wenn ich den Rentenantrag erst am 01.10.2014 oder später gestellt hätte. Ich hätte dann sogar rückwirkend alle Rentenbeiträge seit dem Todestag nachgezahlt bekommen, aber davon hat mir weder das Versicherungsamt bei der Antragsaufnahme noch der Rentenversicherungsträger im Bescheid (datiert vom 27.06.2014) irgendetwas verraten. Ich hätte wegen der Auszahlung einer Lebensversicherung auch keine Probleme gehabt, die paar Monate zu überbrücken, habe davon aber erst durch Zufall vor zwei Tagen davon erfahren.

Meine konkrete Frage: Weil mein Bescheid, datiert vom 27.06., noch nicht "rechtskräftig" ist, erwäge ich, einen Widerspruch dagegen einzulegen, weil ich nicht über die Alternative für eine höhere Rente in Verbindung mit einem Antrag erst ab Oktober aufgeklärt wurde. Reicht das bereits, oder muss ich ganz konkret den "alten" Antrag zurücknehmen, die Bescheide zurückschicken und die Zeit bis 31.07. bereits erhaltene Rentennachzahlung zurückzahlen, um dann Anfang Oktober nochmals den gleichen Antrag neu zu stellen? Oder gibt es hier rechtlich/juristisch gar keine Möglichkeit, einen bereits gestellten und bewilligten Antrag wieder zurückzuziehen?

Und im Falle der Rückzahlungspflicht: Kann dies nicht auch weniger bürokratisch handhaben, weil die "neue" Rente ja sowieso höher ausfallen wird und man das alles dann miteinander verrechnen kann.

Ich finde diese Regelung mit der nachgeschobenen Antragstellung ab Oktober absolut unverständlich und weiss im Augenblick nicht, ob ich darüber lachen oder weinen soll. Wobei das "Lachen" vielleicht etwas stärker ausfällt, wenn ich wirklich für mich und meine Kinder nachträglich eine höhere Rente bekommen sollte.

Vielen Dank an alle Experten im Voraus für hilfreiche Tipps.

von Experte/in Experten-Antwort

Wegen der neuen Rechtslage, die gerade mal eine Woche gilt, gibt es dazu sicherlich noch wenige Verfahren.

Es müsste funktionieren den Rentenantrag innerhalb der Widerspruchsfrist zurückzuziehen und ab dem 01.10.14 einen neuen Antrag zu stellen.

Wie bürokratisch dies dann gehandhabt wird, wie gesagt dazu gibt es noch keine Erfahrungswerte, das wird Ihnen Ihre DRV im Einzelfall mitteilen.

Kleines Problem am Rande: Wie soll sich ein Berater im Einzelfall verhalten?
Soll er eine Witwe zurückschicken und ihr sagen, sie solle im Oktober wiederkommen?

Da im Einzelfall das nötige Feingefühl oder Geschick zu haben, ist auch für die Berater keine ganz einfache Situation.
Und wie gesagt, es ist auch rechtlich eine neue Situation in der es noch wenig Erfahrungswerte gibt.

von
ähm...

Kann mir das bitte mal einer erklären, denn ich stehe irgendwie auf dem Schlauch...

Ich denke, das neue Recht ist zum 01.07. in Kraft getreten und ich denke, bezgl. der Verlängerung der Zurechnungszeit kommt es auf den Rentenbeginn an...

Wie soll sich denn da im vorliegenden Beispiel eine Besserung ergeben, nur weil der Antrag erst nach dem 01.10. gestellt werden würde?!?
Und überhaupt, wo kommt der 01.10. her?!?

von
Sozialröchler?

Was wollen Sie mit dem Antrag im Oktober 2014 erreichen? Den Tag des Leistungsfalls können Sie weder bei Hinterbliebenenrenten noch bei Renten wegen Erwerbsminderung "verschieben". Nur wenn der verstorbene Versicherte bei seinem Tod noch nicht 62 Jahre alt war und außerdem die Rente nach dem 30.06.2014 beginnt, wird die längere Zurechnungszeit berücksichtigt. Die Antragsfrist für Hinterbliebenenrenten beträgt 12 Kalendermonate. Eine Antragstellung im Oktober 2014 ändert also überhaupt nichts.

von
zelda

Zitiert von: Sozialröchler?

Was wollen Sie mit dem Antrag im Oktober 2014 erreichen? Den Tag des Leistungsfalls können Sie weder bei Hinterbliebenenrenten noch bei Renten wegen Erwerbsminderung "verschieben". Nur wenn der verstorbene Versicherte bei seinem Tod noch nicht 62 Jahre alt war und außerdem die Rente nach dem 30.06.2014 beginnt, wird die längere Zurechnungszeit berücksichtigt. Die Antragsfrist für Hinterbliebenenrenten beträgt 12 Kalendermonate. Eine Antragstellung im Oktober 2014 ändert also überhaupt nichts.

Schauen sich bitte mal den § 300 Absätze 1 und 2 des SGB VI an:

- Rentenantragstellung bis einschließlich 30.09.2014 --> Anwendung des bis zum 30.06.2014 geltenden Rechts nach § 300 Abs. 2 SGB VI --> ZZ bis voll. 60. Lebensjahr

- Rentenantragstellung ab dem 01.10.2014 : § 300 Absatz 2 kann nicht mehr angewandt werden ( Frist von 3 Monaten abgelaufen) --> neues Recht --> ZZ bis voll. 62 Lebensjahr

Der Rentenbeginn 19.04.2014 bleibt, da der Antrag auch im Oktober noch fristgemäß gestellt wurde.

Bei den Erwerbsminderungsrenten klappt dies nur nicht so einfach, da Sie im Oktober ggf. zu einer verspäteten Antragstellung mit einem späteren Rentenbeginn kommen oder aber ein Reha- Antrag ggf. als Rentenantrag gewertet wird.

MfG

zelda

von Experte/in Experten-Antwort

Danke an zelda, dass auch die Rechtsgrundlagen angegeben wurden (die ich mir am Sonntag um 11:40 h erspart habe).

Da eine Witwenrente immer dann rückwirkend ab Tod beginnt, wenn der Antrag innerhalb eines Jahres gestellt ist, geht mit Antragsstellung im Oktober wirklich kein Cent verloren, weil auch dann die Rente ab April beginnt.

Und da Witwe64 über Geld aus einer Lebensversicherung verfügt, ist es bei ihrer Frage wahrscheinlich überhaupt nicht tragisch, sollte über eine im Oktober beantragte Rente erst im Dezember entschieden werden und das Geld erst im Januar fließen.

In anderen Fällen könnte dies schlimm sein und die Witwe zum Sozialfall werden.

von
Zweifel

Nur das die Rechtsauslegung zum §300 SGB VI besagt, dass grundsätzlich das Recht zum Rentenbeginn anzuwenden ist. Was hier eine spätere Antragstellung daran ändern soll, ist mir schleierhaft...