Antrag Erziehungszeiten V0800

von
SEngler

Ich habe gestern im Zuge meines Scheidungsverfahrens mehrere Formulare der deutschen Rentenversicherung zur Sachstandsklärung erhalten. Unter anderem das Formular V0800 "Antrag zur Feststellung von Erziehungszeiten". Nun ist es so das bei den "ungeklärten Zeiten" 10 Monate liegen, in denen ich noch in Elternzeit war. Nun meine Fragen:
1. Muss ich zur Klärung dieser Fehlzeiten den Antrag V0800 ausfüllen?
2. Wenn ja, wie ist das mit dem Punkt 10.2? Es ist so dass ich alleine in Elternzeit und mein Exmann weiter beruflich tätig war. Zwei Jahre nach der Geburt haben wir uns getrennt und das Kind lebt bei mir. Jedoch haben wir das gemeinsame Sorgerecht und er sieht sein Kind regelmäßig.

Kreuze ich nun an :
"Die Erziehung erfolgte ohne Unterbrechung gemeinsam mit dem anderen Elternteil"
"Die Erziehung erfolgte ohne Unterbrechung alleine"
"Die Erziehung erfolgte teilweise alleine und teilweise gemeinsam"

Vorab vielen Dank für die Hilfe!!!!

LG
Sabrina

von
_ich

Ja, der Antrag ist auszufüllen.

Die Erziehung erfolgte teilweise allein und teilweise gemeinsam mit dem anderen Elternteil (
z. B.
wegenTrennung, Tod des anderen Elternteils). Für jedes in Ziffer 2 angegebene Kind ist ein Vordruck V0805auszufüllen. Bitte weiter bei Ziffer 11.

Vordruck V805:
4.1
Alleinige Erziehung
Datum der Trennung - lfd (wg Trennung)

gemeinsame Erziehung:
Geburt-Datum der Trennung
Wurde das Kind während der gemeinsamen Erziehung überwiegend von einem Elternteil erzogen?
Ja, von mir

Experten-Antwort

Hallo Sabrina,

der Vordruck V0800 dient der Feststellung von Kindererziehungs- und Kinderberücksichtigungszeiten. Hinsichtlich der 10-monatigen Lücke reicht grundsätzlich Ihre Angabe im Kontenklärungsantrag, dass Sie in dieser Zeit Elternzeit in Anspruch genommen haben und keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen sind.

Ungeachtet dessen müssen Sie natürlich auch den V0800 ausfüllen. Unter Berücksichtigung Ihrer Schilderung müssten Sie hierbei unter Pkt 10.2 das Kästchen „Die Erziehung erfolgte teilweise allein und teilweise gemeinsam mit dem anderen Elternteil (z. B. wegen Trennung, Tod des anderen Elternteils)…“ ankreuzen und anschließend auch den Vordruck V0805 ausfüllen. Den Vordruck können Sie hier abrufen:

http://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Inhalt/5_Services/04_formulare_und_antraege/_pdf/V0805.pdf?__blob=publicationFile&v=19

Darüber hinaus stehen Ihnen im Internet auch entsprechende Erläuterungen zu den Fragebögen zur Verfügung:

zu V0800:

http://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Inhalt/5_Services/04_formulare_und_antraege/_pdf/V0810.pdf?__blob=publicationFile&v=24

Zu V0805:

http://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Inhalt/5_Services/04_formulare_und_antraege/_pdf/V0811.pdf?__blob=publicationFile&v=12

Sollten sich weitere Fragen zu den Vordrucken ergeben, können Sie sich gern auch an eine Auskunfts- und Beratungsstelle eines Rentenversicherungsträgers in Ihrer Nähe wenden. Die Mitarbeiter sind Ihnen auch gern beim Ausfüllen der Vordrucke behilflich.

von
W*lfgang

Zitiert von: SEngler
2. Wenn ja, wie ist das mit dem Punkt 10.2? Es ist so dass ich alleine in Elternzeit und mein Exmann weiter beruflich tätig war. Zwei Jahre nach der Geburt haben wir uns getrennt und das Kind lebt bei mir. Jedoch haben wir das gemeinsame Sorgerecht und er sieht sein Kind regelmäßig.

> Kreuze ich nun an :
"Die Erziehung erfolgte ohne Unterbrechung gemeinsam mit dem anderen Elternteil"

Sengler,

Genau das, so ist es formal richtig. Insofern widerspreche ich mal meinen Vorrednern.

Dass Sie getrennt leben, hindert nicht an der gemeinsamen Erziehung von Kindern - über den jeweiligen zeitlichen Aufwand ist bei dieser Antwort noch nichts gesagt, das folgt erst in der nächsten Frage. Da Sie das Kind aber überwiegend erziehen, erhalten Sie sowieso die komplette Erziehungszeit ...und das Gewusel mit dem V0805 ist völlig entbehrlich.

Im Scheidungsfall ist es eh wurscht, bei wem in welchem Umfang die Erziehungszeiten angerechnet worden sind - der/die, welche/r die Werte im Rentenkonto hat, gibt davon die Hälfte ab.

Gruß
w.

von
Batrix

Zitiert von: W*lfgang

Dass Sie getrennt leben, hindert nicht an der gemeinsamen Erziehung von Kindern

und das ist so nicht richtig! Erziehung im Sinne der Rentenversicherung kann grundsätzlich nur vorliegen, wenn man mit dem Kind im gemeinsamen Haushalt lebt. Es sei denn, die Eltern leben trotz Trennung im gleichen Haushalt. Von daher ist es richtig, dass ab der Trennung hier alleinige Erziehung vorliegt!!!

Auszug aus der Arbeitsanweisung zum § 56 SGB VI:

"Alleinerziehung liegt grundsätzlich bei dem Elternteil vor, in dessen Haushalt das Kind lebt. Das gilt insbesondere für die unverheiratete Mutter, wenn die Vaterschaft weder anerkannt noch gerichtlich festgestellt ist.

Bei dauerhaft getrennt lebenden oder geschiedenen Eltern liegt Alleinerziehung regelmäßig bei dem Elternteil vor, in dessen Haushalt das Kind lebt, selbst wenn ihm das alleinige Sorgerecht nicht übertragen wurde. Das gilt auch, wenn Lebenspartner nicht nur vorübergehend getrennt leben oder die Lebenspartnerschaft durch gerichtliches Urteil aufgehoben wurde.

Steht getrennt lebenden Eltern die elterliche Sorge gemeinsam zu, so hat der Elternteil, bei dem sich das Kind mit Einwilligung des anderen Elternteils oder aufgrund einer gerichtlichen Entscheidung gewöhnlich aufhält, die Befugnis zur alleinigen Entscheidung in Angelegenheiten des täglichen Lebens (§ 1687 Abs. 1 S. 2 BGB in der Fassung des Kindschaftsreformgesetzes). Damit liegt bei dem Elternteil, in dessen Haushalt das Kind lebt, Alleinerziehung selbst dann vor, wenn dem anderen Elternteil ein regelmäßiges Besuchsrecht eingeräumt wurde. Bei der Ausübung des Besuchsrechts des anderen Elternteils handelt es sich nicht um Erziehung im Sinne des § 56 SGB VI. Im Einzelfall kann allerdings auch bei getrennt lebenden Eltern (weiterhin) gemeinsame Erziehung vorliegen.

Führen die Eltern einen gemeinsamen Haushalt, kann keinesfalls von einer Alleinerziehung eines Elternteils ausgegangen werden; hier liegt eine gemeinsame Erziehung vor. "

von
W*lfgang

Zitiert von: Batrix
(...)
Batrix,

interessant, und so grundsätzlich auch richtig, wenn es die RAA so vorsieht - ich habe wohl seit 1986 dazu nicht mehr reingeschaut :-)

Holen Sie dann in diesen Fällen auch die fälligen Melde-/Haushaltsbescheinigungen noch extra ein, um das genaue Datum des Auszugs bzw. gemeinsamen Haushalts formalrichtig zu dokumentieren?

Antragsbeschleunigend/pragmatisch handelnd wirkt allerdings, da bei KEZ/BÜZ zugunsten Mutter das gleiche Ergebnis herauskommt:

> Im Einzelfall kann allerdings auch bei getrennt lebenden Eltern (weiterhin) gemeinsame Erziehung vorliegen.

;-)

Gruß
w.