Arbeit statt Rente

von
baader

Ich (63 Jahre) beziehe nach mehreren Jahren Erwerbsminderung seit ca.2 Jahren eine Altersrente wg. Schwerbehinderung ( 50%).

Überraschenderweise habe ich jetzt ein interessantes Jobangebot.
Mein Gesundheitszustand hat sich gebessert , und ich überlege ernsthaft, ob ich es annehmen sollte.
Was sollte ich dabei bedenken?

Welche unwiderbringbaren Vorteile verliere ich?

Was also z.B., wenn ich doch vor dem Erreichen der regulären Altersrente " schlapp" mache?

Verliere ich auf jeden Fall meinen Schwerbehindertenstatus?

Ich wäre dankbar für Infos!

von
Matze72

Zumindest in Bezug auf die Rentenversicherung kann ich Ihnen folgendes mitteilen:

1.) Selbst wenn sich Ihr Gesundheitszustand so sehr besser (und dem Grunde nach ist dies ja auch jedem zu wünschen) verlieren Sie deswegen nicht den Anspruch auf Altersrente für schwerbehinderte Menschen.
Voraussetzung hierfür ist u.a., dass zum Zeitpunkt des Rentenbeginns die Schwerbehinderung vorgelegen hat - unabhängig davon, ob Sie später wegfällt.
sieher hier -> http://raa.deutsche-rentenversicherung-regional.de/Raa/Raa.do?f=SGB6_236AR2.3.3

2.) ALLERDINGS sind bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze (= 65 Jahre + x) die Hinzuverdienstgrenzen zu beachten.
Vergleichen Sie hier einmal die Anlagen 19 + 21 in dem Rentenbescheid.
Arbeitsentgelt bis zur Geringfügigkeitsgrenze ist für die Zahlung der Rente unschädlich (= Vollrente).
Wenn Sie aber regelmäßig die Geringfügigkeitsgrenze überschreiten, so ist zu prüfen, ob Ihnen eine Teilrente zusteht. Bei Altersrente gibt es die Varianten der Vollrente, 2/3-, 1/2- und 1/3-Rente.
Jede kleiner die Teilrente, desto höher der Grenzbetrag. Der Grenzbetrag der Teilrenten ist allerdings individuell und richtet sich nach dem Einkommen der letzten drei Jahre vor Rentenbeginn. Grenzen ändern sich in der Regel ab zum 01.01. eines Jahres (und im Osten zusätzlich zum 01.07.) eines Jahres.

Was will ich Ihnen damit sagen: Wenn Sie eine Beschäftigung aufnehmen, achten Sie auf die Hinzuverdienstgrenzen, solange Sie die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht haben.
Wenn Sie zudem nicht mehr AltersVOLLrentner sind und die Relgelaltersgrenze noch nicht erreicht haben, müssen Sie bei einer mehr als geringfügigen Beschäftigung auch Beiträge zur Rentenversicherungs entrichtet.
Diese werden Ihnen in Ihrem Konto gutgeschrieben und fließen dann in die Berechnung mit ein, wenn Sie wieder die AltersVOLLrente beziehen.

von
baader

Eine wichtige Frage:

Ich habe 10,8% Abzüge bei meiner derzeitigen Rente.

Wie verhält es sich damit, abhängig? von dem jeweiligen Zuverdienst?

Was, wenn ich auf die aktuelle Rente , bedingt durch den evtl. Verdienst, " verzichte",
und dann mit 65 + in die " normale" Altersrente gehe?

Wenn ich dann schlapp mache, bin ich aber die Schwerbehindertenrente los?!

von
W*lfgang

Hallo baader,

zunächst: so lange Sie die Schwerbehinderteneigenschaft besitzen (unbefristet oder bis nahe an die Regelaltersgrenze), können Sie immer wieder in diese Rente zurück. Bereits ab Alter 63 + 5 hätten Sie bei unerwartetem Wegfall der Schwerbehinderteneigenschaft auch auf die 'normale' Altersrente für langjährig Versicherte den gleichen 10,8 %-tigen Abschlag. Den Abschlag werden Sie eh nicht mehr los (für die zurückgelegten Versicherungszeiten). NEUE Versicherungszeiten wären mit dem dann maßgebenden Abschlag bei neuem Rentenbeginn zu belegen. Spätesten bei der Erreichen der Regelaltersgrenze/-rente sind die Abschläge für neue Zeiten weg, wahrscheinlich aber bereits ab neuem Rentenbeginn 63 ff. (wenn Sie vorzeitig schlappmachen ;-)) sofern die Schwerbehinderteneigenschaft weiter besteht.

Und wenn Sie den neuen Altersrentenbeginn über die Regelaltersgrenze hinausschieben, gibt es sogar Zuschläge auf die neuen Zeiten ...6 % pro Jahr Verschiebung. Denken Sie aber nicht mal dran, dass das lohnend sein könnte, da Sie ab Regelaltersgrenze eh unbegrenzten Hinzuverdienst neben der Rente erzielen können (und sich auch noch die eigenen Rentenbeiträge ersparen).

Gruß
w.

von
baader

Jetzt bin ich mir mit der offiziellen Regelaltersrente, bei der ich dann ja auch unbegrenzt dazu verdienen darf, nicht sicher:

Beginnt die ganz normal, als hätte ich keine SB , mit 65 + oder eben mit 63 + mit SB ?

von
Matze72

Ein Wechsel von einer Altersrente in eine andere ist nicht möglich.
§ 34 Abs. 4 Nr. 3 SGB VI
http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_6/__34.html

Wenn Sie durch den Hinzuverdienst sämtlich Hinzuverdienstgrenzen überschreiten - also auch die der 1/3-Rente, enfällt auch der Anspruch auf Ihre bisherige Rente.
Spätestens wenn Sie die RegelaltersGRENZE erreichen, haben Sie auch einen Anspruch auf die RegelaltersRENTE, unabhängig von einem möglich parallel vorhandenen Einkommen
- > siehe Ausführungen von W*lfgang
Hinzuverdienst ist dann nicht weiterzu prüfen.

Beispiel:
Sollte
- durch den Hinzuverdienst Ihrer jetzige Altersrente für schwerbehinderte Menschen wegfallen,
- sie dann den Verdienst wieder reduzieren, sodass zumindest eine Teilrente gewährt werden kann,
--> hätten Sie wieder einen Anspruch auf eine Altersrente.
Entweder (mit SB) Altersrente für schwerbehinderte Menschen, oder (ohne SB) wenigsten die Altersrente für langjärhig Versicherte.
Die Folgen von Zu- und Abschlägen hat W*lfgang ebenfalls schon beschrieben.

Die Regelaltersrente hat mit der SB nichts zu tun.

Hinweis:
Individuelle Regelaltersgrenze
http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_6/__235.html

von
W*lfgang

Hallo baader,

ist gibt nur eine Regelaltersrente - die beginnt immer dann, wenn die Regelalters_grenze_ erreicht wird. Abhängig von Jahrgang geht das Alter von 65 auf 67 hoch.

Trennen Sie davon die SB, auch die früher schon mögliche abschlagsfreie Rente wegen SB (oder andere abschlagsfreie Altersrenten) - bei der Hinzuverdienstgrenze zählt ausschließlich die Regelaltersgrenze - bis dahin max. 450 EUR mtl. für ungekürzte Rente, an dann erst volle Pulle ohne Rentenkürzung wieder möglich.

Gruß
w.
PS: Zurzeit sitzt da noch irgendwo eine Arbeitsgruppe des Gesetzgebers beisammen, um schon vor der Regelaltersgrenze verbesserte Hinzuverdienstmöglichkeiten (Flexirente) neben der vollen/ungekürzten Altersrente zu ...sagen wir mal 'in Gedankenspielen in künftige gesetzliche Änderungen einzubeziehen' ...Wie so üblich sind die bisherigen Vorschläge von vielen Lobbyisten, also Unternehmen, die prekäre Arbeitsverhältnisse unter bisherigen Regelungen für den eigenen Aktienkurs vorziehen, nicht 'tragfähig' ...zu deutsch: es wird mal wieder gemault und der Untergang des Abendlandes beschworen ;-) Ja, es ist die letzten Tage auffällig still geworden um dieses Thema.

Gruß
w.

von Experte/in Experten-Antwort

Wenn Sie die niedrigste Hinzuverdienstgrenze einhalten, erhalten Sie Ihre Rente weiter in Höhe von 1/3 des bisherigen Betrages. Sobald Sie die Beschäftigung wieder aufgeben, erhalten Sie die Rente wieder in voller Höhe.

Falls Sie mehr verdienen, fällt die Rente weg. Sie müssen dann später wieder einen neuen Antrag stellen und die Voraussetzungen für die Rente werden neu geprüft. Wären Sie dann nicht mehr schwerbehindert, könnten sie diese Rente nicht noch einmal erhalten. Zu Informationen über den Wegfall des Schwerbehindertenstatus muss ich Sie an das Versorgungsamt verweisen. Allerdings kann ich dazu sagen, dass die Aufnahme einer Beschäftigung nicht automatisch zum Wegfall der Schwerbehinderung führt. Es gibt Zig-Tausende Menschen in Deutschland, die schwerbehindert und beschäftigt sind.

von
baader

Danke!!