Arbeitslos melden ohne Bezug?

von
Studentin

Guten Tag,
ich bin in einigen Wochen mit dem Studium fertig und überlege jetzt, ob ich mich danach arbeitslos melden sollte oder nicht.
Voraussichtlich werde ich 2 Monate nach Studiumsende keine Arbeit haben, wobei fest eingeplant ist, davon 4 Wochen in Urlaub zu fahren.

Ist es sinnvoll, dass ich mich arbeitslos melde? ALG II werde ich vermutlich nicht bekommen wegen Vermögen, außerdem ist ja der lange Urlaub geplant.

Wenn ich mich nicht arbeitslos melde, habe ich dann eine Lücke in der Anrechnungszeit? Meinen letzten Nebenjob an der Uni habe ich letzten Monat aufgegeben, besteht dann nicht ohnehin schon eine Lücke?

Ich bin überfragt. Danke im Voraus für Hilfe!

von
Amadé

Zeiten schulischer Ausbildung (Schul,- Fachschul- und Hochschulausbildung) sind vom Gesetzgeber fast völlig entwertet worden. Sie spielen nur noch eine Rolle, um einige Wartezeiten zu erfüllen (z.B. die 35 Versicherungsjahre für langjährig Versicherte) oder aber füllen Lücken bei der Gesamtleistungsbewertung und beeinflussen damit andere beitragslose Zeiten positiv (z.B. Zeiten der Schwangerschaft/ Mutterschutz oder Zurechnungszeiten).

Die Zeiten schulischer Ausbildung erhalten im Rahmen der Gesamtleistungsbewertung KEINE Bewertung, erhöhen also selbst nicht den Rentenanspruch/ die Rentenanwartschaft (falls einige Begriffe Ihnen nicht verständlich sein sollten, benutzten Sie einfach das "Lexikon" auf dieser Seite).

Unabhängig davon, ob ein Anspruch auf ALG II überhaupt gegeben ist, können Sie die Steigerung der Rentenanwartschaften von der Höhe her vergessen.

Auf den folgenden Artikel wird insoweit hingewiesen.

http://www.ihre-vorsorge.de/Geringere-Rentenansprueche-von-Langzeitarbeitslosen-neu.html

Hartz IV (Arbeitslosengeld II) würde ich trotzdem nicht ungeprüft links liegen lassen.

Auch Arbeitslose haben einen Urlaubsanspruch. Es wird ein wenig auf Ihr Verhandlungsgeschick ankommen.

Prüfen Sie auch anhand des Vermögensrechners, ob ein Anspruch auf ALG II nicht doch gegeben sein könnte.

Sinnvolle Ausgaben/ Investitionen kann man übrigens durchaus "vorziehen", auch ist es ratsam, vor der Beantragung von Hartz IV ggf. bestehende Schulden (z.B. BaföG-Darlehen?) zu begleichen, das kann das Vermögen - völlig legal - senken.

Vor allem aus einem anderen Grund wäre es für Sie nicht schlecht, als Überbrückung das ALG II zu beziehen. Ihr Krankenversicherungsschutz wäre in dieser Leistung enthalten.

Gehen Sie zur zuständigen Stelle (Arbeitsagentur, ARGE oder Kommune) und holen sich Rat ein. Bereiten Sie sich aber auf das Gespräch vor, in dem Sie - für wenige EURO- vorab einen Ratgeber erwerben und diesen natürlich auch studieren.

Einen Leitfaden zum ALG II können Sie hier bestellen:

http://www.tacheles-sozialhilfe.de/literatur/Leitfaden.html

Wertvolle Infos in Sachen Krankenversicherungsschutz - auch bei Ablehnung von ALG II ! - erhalten Sie hier:

http://www.tacheles-sozialhilfe.de/Aktuelles/2005/ALG_II_Krankenversicherung.html

von
Amadé

Hier der von mir "unterschlagene" Freibetragsrechner in Sachen Vermögen und ALG II:

http://www.ihre-vorsorge.de/Finanzrechner-Vermoegen-Freibetragsrechner-ALG2.html

von
Schade

beim Ende des Studiums sind Sie wohl unter 30, in Rente gehen Sie (altershalber) mal in ca 40 Jahren.

Wer soll heute sagen, ob es für die spätere Rente sinnvoll ist, sich heute für 2 Monate arbeitslos zu melden?

Tatsache ist, dass Zeiten ohne Leistungsbezug nach derzeitigem Recht die Rente nicht steigern.
Ob diese Zeiten später mal irgendwie zählen oder nicht, wer weiss?

Sie können es ja auswürfeln, ob Sie sich dort melden....

Experten-Antwort

Hallo Studentin,

Anrechnungszeiten wegen schulischer Ausbildung (z.B. allgemeinbildende Ausbildung und Hochschulausbildung) werden maximal für 8 Jahre anerkannt.
D.h. für die Zeit Ihres Studiums werden nur dann Anrechnungszeiten berücksichtigt, wenn Sie insgesamt nicht mehr als 8 Jahre schulische Ausbildung zurückgelegt haben. Die Zeit zwischen dem Ende Ihres Studiums und dem Beginn einer versicherten Beschäftigung wird generell nicht als Anrechnungszeit wegen schulischer Ausbildung berücksichtigt.

Um die Lücke zu schließen, kann eine Arbeitslosmeldung durchaus sinnvoll sein. Die Zeit kann auch dann als Anrechnungszeit wegen Arbeitslosigkeit berücksichtigt werden, wenn Sie wegen Vermögen keine Leistung (ALG oder ALG II) beanspruchen können. Sollten Sie das 25. Lebensjahr bereits vollendet haben, kann eine derartige Anrechnungszeit jedoch nur dann anerkannt werden, wenn zwischen Ihrer Arbeitslosmeldung und der letzten versicherten Beschäftigung kein Kalendermonat Lücke (ohne rentenrechtlicher Zeit) liegt. Sobald ein Tag eines Monats mit einer Anrechnungszeit belegt ist, zählt der volle Monat als Anrechnungszeit.

Fazit: Sollten Sie während der verbleibenden ca. 4 Wochen arbeitslos sein, kann sich eine Meldung bei der Agentur für Arbeit durchaus lohnen.