Arbeitsunfallrente

von
Claudia

Hallo!
Ich habe mitbekommen, dass die Rente nach dem Arbeitsunfall von der BG+DRV (anteilig) zusammen bezahlt wird. Stimmt das?
- Wenn ja, dann in welcher Proportion?
- Was für Unterschied gibt´s zwischen Arbeitsunfall/BG-Rente und MdE?
- Rente bei MdE und MdS ist gleich oder unterschiedlich?
Vielen Dank!

von
jonny

Die Rente der Berufsgenossenschaft (BG) wird immer voll gezahlt. Übersteigt sie zusammen mit der Rente aus der Rentenversicherung einen bestimmten Betrag (in der Regel 70 % des Jahresarbeitsverdienstes als Monatsbetrag) wird die Rente aus der Rentenversicherung gemindert. Bei der Rente der Berufsgenossenschaft bleibt allerdings ein Freibetrag je nach Grad der MdE außen vor.

Es gibt eine bestimmte Bandbreite, bei der sich z.B. weitere Beitragszahlungen zur Rentenversicherung nicht mehr im Gesamtbetrag auswirken. Je nach dieser Bandbreite sind auch anderer Steigerungen bzw. Minderungen der Rente aus der Rentenversicherung ohne Auswirkung (z.B. ein Bonus oder Malus aus einem Versorgungsausgleich oder eine früher oder später in Anspruch genommene Altersrente mit Abschlägen.
Es gibt keinen Unterschied zwischen BG-Rente und MdE: Die BG-Rente richtet sich nach dem Grad der MdE.
Und was soll "MdS" sein?

von
Claudia

Hallo jonni!
Vielen Dank für die Antwort.
Habe noch eine Bitte, könntest Du vielleicht ein Beispiel machen, damit ich das ganz verstehe?
Ich habe gedacht, dass BG-Rente wird vom Brutto-Jahresverdienst berechnet, ca 2/3 davon. Bin jetzt bisschen irritiert.
- und möchte mich entschuldigen:
MdS ist falsch geschrieben, da wurde GdS gemeint.

von
jonny

Unterstellt, jemand hat insgesamt 44,0000 Entgeltpunkte (EP) und nimmt die Rente 2 Jahre früher mit einem Abschlag von 7,2% in Anspruch. Dann ist die Rente aus 40,8320 EP zu ermitteln und beträgt 1146,15 € monatlich.

Wenn daneben eine Verletztenrente aus einem Jahresarbeitsverdienst von 30000 € gezahlt wird, beträgt diese Rente bei einer MdE von 100 % jährlich 20000 € oder monatlich 1666,66 €. Nehmen wir an, der MdE-Grad ist nur 50 %, dann ergibt das eine Verletztenrente von monatlich 833,33 €.

Für die Berechnung, ob "zu viel" zu zahlen ist, gibt es aber bei 50 % MdE einen Freibetrag von 233,00 €, so dass nur 600,33 € an Verletztenrente zählen.

Zusammen mit der Rente aus der Rentenversicherung ergibt das dann 1746,88 €.

Obergrenze ist in diesem Fall 70 % des Jahresarbeitsverdienstes als Monatsbetrag, das sind 1750,00 €. Beide Renten zusammen überschreiten also mit 1746,88 € nicht diesen Höchstbetrag: Die Rente ist in voller Höhe zu zahlen. Die Renten aus Renten- und Unfallversicherung zusammen ergeben 1979,48 €.

Unterstellen wir weiterhin, dass die Rente wegen eines Versorgungsausgleichs um 100 € höher ausfallen würde, ergäbe das dann 1246,15 €. Und zusammen mit der Unfallrente nach Abzug des Freibetrags 1846,48 €.

Da in diesem Fall der Höchstbetrag von 1750 € um 96,48 € überschritten wird, ist die Rente von 1246,15 € auf 1149,67 € zu kürzen.

Beide Renten zusammen ergeben dann 1983,00 €, das sind nur 3,52 € mehr als ohne den Versorgungsausgleich!

Auch wenn der Versorgungsausgleichsbonus nicht 100 sondern sogar 300 € wäre, bliebe das Endergebnis gleich. Was die meisten auch Spezialisten nicht wissen.

Hoffe, ich konnte etwas Klarheit in die Sache bringen.

von
Claudia

Hallo jonni!
Vielen Dank für Deine Erklärung.
Ich probiere an diesem Muster meine Verletzten-Rente auszurechnen, klappt aber nicht, weil bei den Begriffen wie: Entgeltpunkte, Abschlag, Frei-und Höchstbetrag, Versorgungsausgleich bleibe ich stecken. Kannst mir bitte dabei helfen? Es wäre so nett.
Ich habe auch Paar Daten von mir:
53 J.; verheiratet, Mann ist Rentner - 350€;
Jahresarbeitsverdienst in Brutto - ca 36.000€; Jahresverdienst aus Nebentätigkeit 1200€ (vor dem Arbeitsunfall habe ich leider nur 3 Monate lang 400€ Job gemacht; weiss nicht, ob das mitgerechnet werden soll?).
In meinem Rentenbescheid steht auch, dass ich
15,0183 Entgeltpunkte habe; Rente wegen voller Erwerbsminderung - 489,59€; bis jetzt erreichte Regelaltersrente - 421,56€ .
Und noch eine Frage: ich habe Anspruch auf Betriebsrente, bis jetzt erreicht brutto ca - 160€ (mit Verminderung um 0,3% höchsten 10,8%).
Ist das relevant bei der Arbeitsunfallrente?
Mit vielen lieben Grüssen, Claudia

von
Jonny

Schreib mir unter rentenberater(at)niemeyer.ch

von
Claudia

... habe noch vergessen zu sagen, dass ich Behindertenausweiss habe; spielt das irgendwelche Rolle bei meiner Sache?
Danke.

von Experte/in Experten-Antwort

Den sehr ausführlichen Erläuterungen bzw. der Beispielrechnung von jonny kann ich nur zustimmen.
Ihre Betriebsrente bzw. Ihr Behindertenausweis spielt bei dieser Berechnung keine Rolle. Die weiteren Fragen zur evtl. Anrechnung der Unfallrente kann man besser bei einem persönlichen Beratungsgespräch in einer Auskunft- und Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung abklären. Die Ihrem Wohnort am nächsten gelegene Auskunfts- und Beratungsstelle können Sie unter dem Link "Beratungsstellen finden" ermitteln. Dort kann man die Berechnung bzw. das Beispiel noch mal mit Ihnen durchsprechen und auch alle weiteren Unklarheiten.

von
Sonni

Hallo Claudia.

Du fragst wie sich die Unfallrente berechnen läßt weißt du überhaubt schon wieviel du von der BG bekommst?Das wird durch den Grad der Erwerbsminderung berechnetund ist dann die MdE.Wenn du nur 20Grad hast bekommst du vom Jahresverdienst 80% und das durch den Grad.
Beispiel du hattes 1500 Euro brutto im Monat 80% sind dann 1200Euro und davon dann 20% sind 240Euro und das wird voll bezahlt aber wenn es höher ist würde dann die EMR gekürzt.

LG SONJA

von
Jonny

Zitiert von: Sonni

Hallo Claudia.

Du fragst wie sich die Unfallrente berechnen läßt weißt du überhaubt schon wieviel du von der BG bekommst?Das wird durch den Grad der Erwerbsminderung berechnetund ist dann die MdE.Wenn du nur 20Grad hast bekommst du vom Jahresverdienst 80% und das durch den Grad.
Beispiel du hattes 1500 Euro brutto im Monat 80% sind dann 1200Euro und davon dann 20% sind 240Euro und das wird voll bezahlt aber wenn es höher ist würde dann die EMR gekürzt.

LG SONJA

Liebe Sonja,
Die volle Verletztenrente beträgt nicht 80 % sondern nur 2/3, also 66,66 % des JAV. In deinem Beispiel also nur 1000 bzw. bei 20 % MdE nur 200!!!!

Bitte nur antworten, wenn man auch etwas davon versteht!

von Experte/in Experten-Antwort

Die Höhe Ihrer Unfallrente wird von der Berufsgenossenschaft berechnet und ist abhängig von ihrem individuellen Jahresarbeitsverdienst und der Minderung der Erwerbsfähigkeit.
Hierzu kann Ihnen Ihre zuständige Berufsgenossenschaft weitere Auskünfte erteilen.
Sollten Sie die entsprechenden Werte kennen, können Sie auch um eine (Probe-) Berechnung bei Ihrem Rentenversicherungsträger bitten, z.B. bei einem Besuch in der Auskunft- und Beratungstelle. Dort können dann ggf. auch Ihre weiteren Fragen geklärt werden.

Grundsätzlich gilt:
Ihre Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung wird eventuell gekürzt bzw. gar nicht mehr gezahlt, wenn die Summe aus den Renten der gesetzlichen Rentenversicherung und der Unfallversicherung einen bestimmten Grenzbetrag übersteigt. Die Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung wird dann um diesen übersteigenden Betrag gekürzt.

Der Grenzbetrag beträgt 70 % von einem Zwölftel des Jahresarbeitsverdienstes, der der Rente aus der Unfallrentenversicherung zugrunde liegt, vervielfältigt mit dem Rentenartfaktor der Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung.

Für die Ermittlung der Summe der Rentenbeträge wird der Grundfreibetrag nach dem Bundesversorgungsgesetz vorher abgezogen.

Wird die Rente der Unfallversicherung für einen Versicherungsfall geleistet, der erst nach Rentenbeginn bzw. nach Eintritt des Leistungsfalls in der gesetzlichen Rentenversicherung eingetreten ist, oder haben Sie z.B. als Selbständiger die Beiträge zur Unfallversicherung selbst getragen, wird die Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung nicht gekürzt.

Geregelt ist dies im § 93 SGB VI.