Aufforderung von KK zu Rehaantrag, Arzt bezweifelt Rehafähigkeit

von
Manuela80

vor Kurzem habe ich von meiner Krankenkasse aufgrund längerer Arbeitsunfähigkeit durch eine rheumatische Erkrankung die Aufforderung zur Beantragung einer Reha erhalten. Mein Arzt hält mich jedoch nicht für rehafähig (ich teile diese Meinung nur bedingt, jedoch schwankt mein Zustand sehr stark). Mein Arzt möchte der Krankenkasse ein entsprechendes Attest schicken, in dem eine fehlende Rehafähigkeit bescheinigt wird. Ich habe nun aber Sorge, dass das irgendwelche Konsequenzen für mich haben könnte oder dass ich zum MDK geschickt werde. Mir wurde eine Frist von 10 Wochen gestellt, während der ich die Reha beantragen muss, ansonsten droht Krankengeldverlust. Welche Möglichkeiten habe ich in dieser Situation?

von
W*lfgang

Hallo Manuela 80,

einfach den Antrag stellen, so kommen Sie dem Willen/der Aufforderung der KK nach und Krankengeld läuft weiter.

Gleich die erste Frage im Reha-Antrag lautet: "Hat die gesetzliche Krankenkasse, die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter schriftlich
aufgefordert, diesen Antrag zu stellen?"

(X) Ja ankreuzen und dann dahinter den Zusatz "Bitte bedachten Sie das beigefügte Attest ('Nicht-Reha-fähig') meines Hausarztes." oder ähnlich formuliert.

Weiter ausfüllen, abschicken, fertig.

Gruß
w.

von
Manuela80

Hallo Wolfgang,

ganz herzlichen Dank für diesen Tipp, den ich mit meinem Hausarzt noch mal besprechen werde. Der einzige Haken daran ist aus meiner Sicht, dass der Arzt den Reha-Antrag ja mitstellen muss. Wenn er aber die Reha gar nicht befürwortet, ist es auch für den Rentenversicherer doch wahrscheinlich nicht nachvollziehbar, wenn einerseits der ärztliche Auftrag zur Beantragung einer Reha erfolgt und andererseits ein Attest beigefügt ist, in dem meine fehlende Rehafähigkeit attestiert wird. Leider kann ih auch nicht den Rentenversicherungsträger fragen, da ich laut Krankenkasse mit diesem nicht in Verbindung treten ohne vorher mein Anliegen der Krankenkasse mitgeteilt zu haben.

Herzlichen Gruß

von
W*lfgang

[/quote]Hallo Manuela80,

> Leider kann ih auch nicht den Rentenversicherungsträger fragen, da ich laut Krankenkasse mit diesem nicht in Verbindung treten ohne vorher mein Anliegen der Krankenkasse mitgeteilt zu haben.

Das hat Ihnen die KK sicher nur mdl./tel. gesagt - so ein Verbot gibt es nicht! Wenn's schriftlich vorliegt, wäre es ein gefundenes Fressen für die Medien und jede Menge Negativschlagzeilen für die betreffende Kasse (den Namen der Kasse dürfen Sie hier natürlich veröffentlichen ;-)

Natürlich haben Sie Recht, wenn Sie dem Reha-Antrag einen 'negativen' Arztbericht beifügen, wird die DRV wohl kaum zu anderer Beurteilung kommen wollen/Kosten (!). Hier geht aber zunächst um die bloße Antragstellung/Weiterzahlung von Krankengeld. Sie können dem Reha-Antrag auch eine aus Ihrer Sicht notwendige Maßnahme schildern, dass Sie mit Ihrem Arzt nicht übereinstimmen, und wo Sie die Vorteile in dieser Maßnahme sehen.

Morgen wird sicher ein Reha-Berater der DRV dazu nochmal Stellung nehmen ...was die KK will, Ihr Arzt als 'Meinung' für Besserungsmöglichkeiten sieht, muss noch lange nicht die Erfolgsmöglichkeiten der DRV beinhalten, um Ihre Erwerbsfähigkeit zu verbessern, zu erhalten, oder Erwerbsminderung abzuwenden.

Gruß
w.

von
Manuela80

Hallo Wolfgang,

doch, das Verbot habe ich schriftlich erhalten, werde aber aus eigenem Interesse den Namen der Kasse hier nicht nennen. Ob das Verbot rechtens ist, kann ich leider nicht beurteilen. Mir kam gar nicht in den Sinn es zu hinterfragen.

Herzlichen Gruß

von
W*lfgang

Hallo Manuela80,

das Bundesversicherungsamt wäre hier eine Adresse, solche 'Praktiken' der Kasse 'abzumahnen' - wäre natürlich 'ne ganz große Keule. Möglicherweise nimmt sich da die örtliche Geschäftsstelle der KK mehr heraus, als die 'da Oben' von der Kasse bereit sind, als (vorgegebene?) Geschäftspraktiken einzugestehen?!

Andererseits, man muss die Ihnen vorliegenden Schreiben erst genau auf Inhalt sichten, um daraus einen 'Skandal' zu machen …

Geht natürlich alles etwas an Ihrer Ausgangsfrage vorbei, aber dazu kommen noch weitere Antworten aus dem Forum.

Gruß
w.
...wieso Kasse nicht nennen? Sie schreiben hier ja nicht mit Klarnamen ;-) ...natürlich ist technisch grundsätzlich rückverfolgbar, von welchem PC Sie hier/überall schreiben.

von
gacki

Zitiert von: W*lfgang

Hallo Manuela80,

das Bundesversicherungsamt wäre hier eine Adresse, solche 'Praktiken' der Kasse 'abzumahnen' - wäre natürlich 'ne ganz große Keule. Möglicherweise nimmt sich da die örtliche Geschäftsstelle der KK mehr heraus, als die 'da Oben' von der Kasse bereit sind, als (vorgegebene?) Geschäftspraktiken einzugestehen?!

Andererseits, man muss die Ihnen vorliegenden Schreiben erst genau auf Inhalt sichten, um daraus einen 'Skandal' zu machen …

Geht natürlich alles etwas an Ihrer Ausgangsfrage vorbei, aber dazu kommen noch weitere Antworten aus dem Forum.

Gruß
w.
...wieso Kasse nicht nennen? Sie schreiben hier ja nicht mit Klarnamen ;-) ...natürlich ist technisch grundsätzlich rückverfolgbar, von welchem PC Sie hier/überall schreiben.

Kreuzchen hier, Kreuzchen da,
"w" ist doch nur Blablabla

von
Ja

Stellen Sie einfach den Antrag auf Leistungen zur medizinischen Rehabilitation, dann haben Sie Ihre Ruhe vor der KK.

Der RV-Träger prüft dann Ihre rehafähigkeit. Sollte dieser zu dem Schlusse kommen, das Sie aktuell nicht rehafähig sind, wird abgewogen ob dies nur kurzfristig ist oder man Ihnen die Erwerbsminderungsrente anbietet.

So leid es mir tut, aber ich gehe davon aus, dass Sie aus dem §51 SGB V anders nicht rauskommen, da hier die Krankenkasse auch Wert auf die Umdeutung des Antrags legen kann.

von
Nick L. Beck

Hallo Manuela,

der Krankenkasse geht es mit ihrer Aufforderung einzig darum, durch den RV-Träger prüfen zu lassen, ob bei Ihnen Erwerbsminderung vorliegt. Denn solch eine Aufforderung ist die einzige Möglichkeit der Kasse, eine solche Prüfung einzuleiten. Erwerbsminderung und Arbeitsunfähigkeit sind zwei verschiedene Dinge, die nicht verwechselt werden dürfen. Reha-Fähigkeit dann nochmal eine dritte Sache. ;-)

Wenn Sie also den Antrag stellen, wird der RV-Träger erst einmal prüfen, ob eine Reha in Frage kommt. Wenn Sie nicht rehafähig sind, wird das eher nicht der Fall sein, und der Antrag wird mit dieser Begründung abgelehnt. Sie sind mit der Antragstellung jedoch Ihrer Pflicht nachgekommen und einem weiteren Krankengeldbezug steht erstmal nichts weiter im Weg - außer vielleicht irgendwann die Bezugsfrist von 78 Wochen, aber das steht auf einem anderen Blatt.

Was jetzt weiter passiert, geschieht im Hintergrund, und Sie bekommen davon erstmal unmittelbar nichts mit. Der RV-Träger prüft von Amts wegen, ob Ihr Reha-Antrag in einen Antrag auf Rente wegen Erwerbsminderung umzudeuten ist, sprich: ob ggf. Erwerbsminderung vorliegt und dazu auch noch die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt werden. Ist das so, werden Sie informiert und gebeten, einen formellen Rentenantrag zu stellen. Sie erhalten dann Rente wegen Erwerbsminderung statt des Krankengeldes - und darauf kommt es der Krankenkasse an. Dazu ist, wie gesagt, der einzige Weg die Aufforderung nach § 51, die Sie nun vorliegen haben. Das dürfen die, und das ist nun passiert.

Noch eine Meinung von mir: mich würde ebenfalls interessieren, wie genau das "Kommunikationsverbot" mit dem RV-Träger formuliert ist - vielleicht haben Sie das nur falsch verstanden? :-) Denn im Grunde ist "nur" Ihr Dispositionsrecht eingeschränkt, sprich: Sie dürfen den Antrag einfach nur nicht ohne Zustimmung der Krankenkasse zurückziehen. Alles andere, wie z. B. Wünsche hinsichtlich einer Reha-Einrichtung und was sonst auch immer mit der Art und Weise einer Reha zusammenhängen kann, dürfen Sie dem Reha-Träger auch ohne vorheriges Inkenntnissetzen der Krankenkasse mitteilen!

Und noch ein Tipp: Falls es wirklich zu einer Umdeutung kommen sollte, wird die Rente erfahrungsgemäß niedriger ausfallen, als das Krankengeld. Überzahlte Krankengeldbeträge müssen Sie zwar nicht an die Krankenkasse erstatten, aber deswegen sollten Sie die gesetzte Frist von 10 Wochen ausreizen! Und lassen Sie sich in dieser Zeit nicht von der Krankenkasse einschüchtern. Frist ist Frist, die darf man auch nutzen. ;-)

von Experte/in Experten-Antwort

Guten Tag Manuela80,

der Antwort von Nick L. Beck vom 25.06.2014; 7.20 Uhr wird vollinhaltlich zugestimmt.

Wir können Ihnen nur empfehlen, den Ausführungen zu folgen.

Ihr Experte

von
Manuela80

Ganz herzlichen Dank für die konstruktiven Antworten. Ich bin erleichtert, mir hier Rat geholt zu haben.

Eine letzte Frage bleibt noch. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann sollte ich besser meinen Arzt bitten, kein entsprechendes Attest bezüglich meiner fehlenden Rehafähigkeit an meine Krankenkasse zu senden, damit nicht vorschnell eine Prüfung auf Erwerbsminderung eingeleitet wird? Das wäre nämlich nicht in meinem Interesse. Ich bin erst Anfang 30 und möchte unbedingt wieder arbeiten.

Der Arzt kann ja seine fachliche Meinung im Antrag deutlich machen, den die Krankenkasse als solches nicht erhält, da ich ihn direkt an die Rentenversicherung senden werde. Wenn ich dann zusätzlich noch meine persönliche Sicht im Antrag festhalte, habe ich alle Möglichkeiten ausgeschöpft und entspreche den Forderungen der Mitwirkungspflicht. Die Rentenversicherung kann dann entscheiden, was sie für angebracht hält.

Grundsätzlich habe ich ja nichts gegen eine Reha und halte mich auch abgesehen von den noch nicht vorhersehbaren gesundheitlichen Einbrüchen, die aber etwas seltener werden für rehafähig. Ich kann sicher davon profitieren und schaffe es schneller in den Berufsalltag zurückzukehren.

Den Antrag werde ich kurz vor Ablauf der Frist stellen, dann habe ich, falls sich die Situation positiv weiter stabilisiert die Option auch vor Ablauf der Frist dem Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung zu stehen, ohne zur Reha zu gehen.

Herzlichen Dank

von
Manuela80

Ach ja, ergänzend zu dem Hinweis auf die Einschränkung des Dispositionsrechts, habe ich festgestellt, dass Sie Recht haben. Ich darf lediglich keine Erklärung bezüglich Rücknahme von Anträgen, Verschiebung des Beginns der Reha, Veränderung der bewilligten Einrichtung oder über die gewünschte Rentenart/Rentenbeginn bei der RV ohne Information der Krankenkasse abgeben. Somit kann ich mich in anderen Fragen doch an die RV wenden.

von
Nick L. Beck

Genau so machen Sie es m. E. richtig. Alles Gute!

von
Manuela80

Danke Herr Beck!!!