Aufhebungsvertrag JA oder Nein

von
lustig

Sehr geehrtes Expertenteam,
mein Anliegen ist.
Mein Mann (wird 55Jahre im Dez.)arbeitet seit 20 Jahren in der selben Firma als Arbeiter.
Seit 9Monaten bezieht er Krankengeld. Vor 2 Monaten versuchte er auf Anwiederanlienderung zu arbeiten, er schafte nur 9 Tage zu arbeiten.
Meine Frage laute:
Kann ich einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente stellen und gleichzeitig einen Aufhebungsvertrag unterschreiben mit einer Abfindung? Schadet der Aufhebungsvertrag mit Abfindung den Rentenantrag?
Ist es besser jetzt den Antrag zustellen oder mit beginn des Arbeitslosengeld?
Vielen Dank im Vorraus ihre Lustig

von
KSC

als erstes rate ich Ihnen die Situation mit möglichen Beteiligten (Ärzten, Berater der RV, Arbeitgeber) gut durchzusprechen und anschließend in Ruhe zu entscheiden.

Medizinisch wäre zunächst abzuklären, ob Sie "nur Ihre bisherige Arbeit" nicht mehr machen können oder uberhaupt keinerlei Arbeiten mehr machen können.
Wie beurteilen die Ärzte Ihre Chance eine volle EM Rente zu erhalten?

Ist es medizinisch klar, dass kein Weg an der Rente vorbeiführt, sollte ein Rentenantrag spätestens 3 bis 4 Monate vor Ablauf des Krankengeldes gestellt werden.

Noch länger warten könnte sinnvoll sein, wenn auch ein anschließendes Arbeitslosengeld höher wäre als die EM Rente; in diesem Fall könnten Sie ggfls. das ALG anstreben - dann sollten Sie aber beim AA nicht den Eindruck erwecken, dass Sie gar nichts mehr arbeiten können und zumindest nach außen so wirken, als ob Sie an neuer Arbeit interessiert sind. :-)

Verwunderlich scheint, dass die Krankenkasse noch fröhlich Krankengeld zahlt und nicht bemüht ist Sie über einen Rehaantrag in Rente zu bringen - davon schreiben Sie gar nichts.

Nun zum Aufhebungsvertrag:

Ist es wirklich so, dass konkret eine Abfindung im Raum steht, oder ist das mehr Wunschdenken von Ihnen?
Denn ein Arbeitgeber könnte ja auch in Ruhe abwarten, ob sein Mitarbeiter wieder kommt oder weiter krank ist. Da die Lohnfortzahlung abgelaufen ist, kostet dieser Kranke ihn nicht mehr die Welt - warum sollte er ihm eine Abfindung anbieten?

Steht die Abfindung tatsächlich im Raum, sollten Sie dann sofort zugreifen, wenn medizinisch eindeutig ist, dass es in diesem Betrieb keine Arbeit mehr für Sie gibt. Denn in so einem Fall würde Ihnen der Arbeitsvertrag auch nicht mehr viel nützen (Geld gibt nur wenn man arbeiten kann, und wenn das nicht geht, kann der Chef auch nichts dafür)

Ist die Rente fraglich, weil Sie leichte Arbeit vielleicht doch noch machen können, wäre das Gespräch mit der Firma vielleicht die langfristig sinnvollere Alternative, falls es dort Alternativen gäbe.

Leichtere Arbeit könnte auch wirtschaftlich unterm Strich mehr einbringen als Abfindung+Lanzeitarbeitslosigkeit.

Sie sehen also, es gibt vieles zu bedenken, ein klares Ja oder Nein auf Ihre Fragen ist zumindest im Forum m.E. wenig sinnvoll.

Alles Gute

von
Lustig

Vielen Dank für ihre Antwort,
noch was zu meinem Mann:
54J., 80% Behinderten Ausweis
jetzt zu ihren Fragen:
AG sagt: Antrag auf Rente und Aufhebungsvertrag mit Abfindung (kein Wunschdenken)
Arzt sagt: dazu noch garnichts ;(
In der Reha war er am 27.12-24.01.08,er wurde in der reha nur auf eine Krankheit behandelt. Seit dem Kein Wort von der KK.
Leichtere Tätigkeite gibt es in der Firma nicht.

von
KSC

wenn Sie davon ausgehen, dass Ihr Mann keinesfalls mehr die bisherige Arbeit aufnehmen kann, weil er dazu zu krank ist, stellen Sie doch den Rentenantrag und nehmen die Abfindung. Dann wissen Sie in ca 3 Monaten, ob es eine Rente gibt.

Eine 80% Schwerbehinderung sagt allerdings nichts über "Rentenchancen" aus - es gibt 100 % Schwerbehinderte, die ganztags arbeiten können (Rollstuhlfahrer mit Bürojob).

Fragen Sie nochmals den Arzt, welche Arbeiten noch möglich sind:-)

Experten-Antwort

Hallo Lustig,

leider kann der gesetzliche Rentenversicherungsträger Ihre Frage zum Aufhebungsvertrag nicht beantwortet, da es sich um eine arbeitsrechtliche Frage handelt.

Sofern Ihr Mann der Meinung ist, dass sein Gesundheitszustand sich langfristig nicht verbessert, empfehlen wir einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente zu stellen. Im Rahmen dieses Antrages wird auch geprüft, ob die Arbeitsfähigkeit durch weitere Rehabilitationsverfahren wieder hergestellt werden kann.

von
Realist

Wenn Ihr Mann einen Aufhebungsvertrag unterschreibt, könnte es Schwierigkeiten mit der Bundesagentur für Arbeit für Arbeit geben, falls der Rentenantrag abgelehnt wird!

Deshalb rate ich DRINGENDST davon ab!

Sollte das Rentenprüfungsverfahren ergeben, dass Ihr Mann auf dem ALLGEMEINEN Arbeitsmarkt serwohl noch irgendwelche leichten Tätigkeiten vollschichtig verrichten kann, wird es nichts mit Rente und Ihr Mann muss Arbeitslosengeld beantragen. Der Aufhebungsvertrag käme dann einer Eigenkündigung ohne wichtigen Grund gleich. (SPERRZEITGEFAHR!!!)

Und die Abfindung wird ggf. auf das Arbeitslosengeld angerechnet!

Ich würde in dieser unsicheren Lage jedenfalls keinen Aufhebungsvertrag unterschreiben!