Ausbildungszeiten in DDR

von
Günter Sauder

Ich habe einen Versicherten, der in der DDR Werkzeugmacher gelernt hat mit Abschluß bzw. Gesellenbrief. Bekommt er diese Zeiten auch als berufliche Ausbildungszeit anerkannt, oder ist etwas besonderes zu beachten.

von
ERICH

Selbstverständig !
Weshalb denn nicht ?

von
Elisabeth

Nur wenn sich bezüglich seiner Ausbildung etwas durch den Einigungsvertrag etwas verändert hätte.

Experten-Antwort

"Erich" ist zuzustimmen. Auch die Ausbildungszeit in der DDR wird im Versicherungsverlauf als Zeit der beruflichen Ausbildung gekennzeichnet.

von
Margot

Wenn er damals Beiträge an die DRV gezahlt, sicherlich. In diesem unseren Lande werden doch alle gleich behandelt.

von
Elisabeth

Gleichbehandlung steht nur auf dem Papier. Ausbildungen die nach dem Einigungsvertrag als akademische Ausbildungen anerkannt wurden, werden rentenrechtlich ganz anders beurteilt.

von
Wolfgang

Hallo Elisabeth,

wie meinen/begründen Sie das - rein rentenrechtlich ?

Gruß
w.

von
Elisabeth

Hallo Wolfgang!
Einige Mitmenschen, denen man durch den Einigungsvertrag eine FHS-Ausbildung anerkannt hat, werden rein rentenrechtlich wie Absolventen einer FS-Ausbildung behandelt.

von
Leider

Elisabeth,
Sie haben vollkommen recht, durch diesen Einigungsvertrag wird ein Großteil der Bevölkerung der BRD in vielen Bereichen stark benachteiligt.

von
Wolfgang

Hallo Elisabeth,

> FS-Ausbildung (...)

dass Sie damit rentenrechtlich sogar im Vorteil sind, würden Sie als negativ bezeichnen ?

Gruß
w.

Experten-Antwort

Wolfgang ist zuzustimmen, dass eine Anerkennung als Fachschulzeit in der Regel günstiger ist, wie als Hochschulzeit, liegt daran, dass die Fachschulzeiten derzeit noch für bis zu drei Jahren mit 75 Prozent des Gesamtleistungswertes bewertet werden, während Hochschulzeiten eine solche Bewertung nicht mehr erhalten.

von
Elisabeth

Nur hat der Fachschulabschluss die anerkennungsfähigen Ausbildungszeiten verkürzt.

von
Wolfgang

Hallo Elisabeth,

der Abschluss/Prüfung als solcher ist grundsätzlich das Ende jeder schulischer Ausbildungszeit, die die Rentenversicherung als Ausbildungszeiten jedweder Art in Ihr Rentenkonto einbauen - und in diesem Falle mit rentensteigernden Werten versehen kann. Was nach (!) dem Abschluss liegt, ist weder ost- noch west (!) relevant.

Sie mögen sich beruflich/ausbildungsmäßig vielleicht diskreditiert fühlen wegen 'minderwertig anerkanntem' Abschluss ...rentenrechtlich profitieren davon, dass es 'nur' FS ist (der Einigungsvertrag hätte wohl schärfer formulieren sollen - dann wären Sie auch nicht zufrieden, wenn FHS rentenrechtlich so ziemlich ohne Bedeutung auf die Rente wäre ;-)

Es ist so, mehr kann ich für ein nur besseres Gefühl bei Ihnen auch nicht zu sagen ...

Gruß
w.

Experten-Antwort

Ob und wie sich im Einzelfall der Gesamtleistungswert ändert kann an dieser Stelle nicht abschließend beurteilt werden. Richtig ist Ihr Einwand, dass ggfs. die Zeit der beruflichen Ausbildung, die Pflichtbeitragszeit ist, nicht mehr mit drei Jahren, sondern um die Fachschulzeit verkürzt als berufliche Ausbildung bewertet wird. Da diese Zeit aber selbst ja schon bewertet ist, ist die vorrangige Bewertung der Fachschulzeit mit 75 Prozent des Gesamtleistungswertes günstiger. Es gibt nur eine Ausnahme, wenn die Fachschulzeit vom Arbeitsamt gefördert wurde und somit gleichzeitig bereits als Anrechnungszeit wegen Arbeitslosigkeit anerkannt und daher sowieso schon mit 80 Prozent des Gesamtleistungswertes bewertet ist. Eine solche Konstellation ist aber in der ehemaligen DDR eher unwahrscheinlich, was gerade dafür spricht, dass die Anerkennung als Fachschulzeit sich doch eher auch anspruchsteigernd auswirken dürfte und zwar mit dem auf 75 Prozent begrenzten Gesamtleistungswert.