Ausgleichszahlungen für Rentenabschläge

von
Antonia Schwarz

Die Tabelle im Vorsorge-
Newsletter vom 16.07.07 finde ich unverständlich. Wieso muss jemand, der nur ein Jahr früher in Rente geht und 100 € ausgleichen will einen Ausgleich von fast 23.300 € finanzieren, während jemand der vier Jahre vorher in Rente geht nur ein Ausgleich von 26.235 € benötigt. Der zuletzt genannte Versicherte kann doch vier Jahre länger Rente beziehen und erhöht damit möglicherweise auch seine Lebenserwartung. Welche anderen Faktoren, außer die Höhe des Einkommens fließen in die Berechnung des Ausgleichs ein? Für eine Antwort bedanke ich mich vorab. MfG. Antonia Schwarz

von
HLRT67

Was ausgeglichen werden soll, sind 100 Euro pro Monat - bis zum statistischen Lebensende (und das fließt letztendlich in alle Rentenberechnungen ein; die Frage, ob einer mit vier Jahren längerem Rentenbezug eine höhere Lebenserwartung hat, spielt hier keine Rolle) Der größte Batzen der genannten Beträge ist also dem Zeitraum nach dem 65. Lebensjahr zuzuordnen. In den Jahren zwischen 61./62....und 65. Lebensjahr ist ja noch einiges an Geld "da", das sich verzinst, somit erscheint die Differenz von um die 1000 Euro je Jahr ganz plausibel, um die 100 € Rentenabschlag zu finanzieren.
Die Gefahr des Denkfehlers liegt darin, daß in dem Beispiel jeweils 100 Euro angesetzt werden; die Fragestellung in der Realität lautet aber, auf die einzelne Person bezogen: Was muß ich ausgleichen, wenn ich mit 61,62,63...in Rente will. Da sieht die Rechnung dann gleich ganz anders aus. Wenn ich mit 64 einen Abschlag von 100 Euro hätte, hätte ich mit 63 einen von 200 Euro usw. und entsprechend mehr auszugleichen

Experten-Antwort

Sehr geehrte Frau Schwarz,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Die Berechnung der Ausgleichszahlungen bei einem gewünschten vorzeitigen Rentenbeginn erfolgt auf der Grundlage einer bestimmten Formel, die vor allem für den Versorgungsausgleich bei Ehescheidung von Bedeutung ist. Sie findet sich in § 187 a des Sozialgesetzbuchs VI (SGB VI). Die Formel lautet:

geminderte persönliche Entgeltpunkte x Umrechnungsfaktor/ Zugangfsfaktor = Beitragsaufwand

Beispiel: Eine Versicherte ist geboren am 10.5.1945 und wollte am 1.Juni 2005, also mit Vollendung des 60. Lebensjahres, in Rente gehen. Hätte sie bis 65 gearbeitet, hätte sie voraussichtlich 44,2525 Entgeltpunkte erworben (der Zugangsfaktor hätte dann 1,0 betragen). Durch den vorzeitigen Rentenbeginn kommt sie jedoch nur auf 36,2871 Entgeltpunkte (wegen des verringerten Zugangsfaktors 0,820 x 44,2525 Entgeltpunkte). Differenz zur vollen Entgeltpunktzahl: 7,9654 (= geminderte Entgeltpunkte).

Daraus ergeben sich als Beitragsaufwand nach der oben genannten Formel:

7,9654 (geminderte persönliche Entgeltpunkte) x 5.765,9550 (Umrechnungsfaktor für 2005) / 0,82 Zugangsfaktor) = 56.009,92 Euro Beitragsaufwand

Der individuelle Beitragsaufwand richtet sich also sowohl nach der Länge des vorzeitigen Rentenbeginns (zum Beispiel drei, vier, oder fünf Jahre) als auch nach dem Jahr, in dem man vorzeitig in Rente gehen will. Die genannte Zahl gilt aber nur, wenn die Beiträge innerhalb der angemessenen Frist von drei bzw. sechs Monaten nach Auskunftserteilung durch die Rentenversicherung tatsächlich gezahlt werden.

Wir hoffen, dass Ihnen diese Ausführungen genügen.

Die Redaktion