Ausnahmeregelung Rente 67

von
J.S.

Ich suche nach Zahlen dazu, wie viele Personen in Deutschland zurzeit der Definition nach als "besonders langjährig Versicherte" in Rente gehen. Bisher konnte ich nur eine Tabelle finden, die nach Versicherungsjahren, wozu beitrags- und beitragsfreie Zeiten zählen, differenziert. Inwieweit ist diese angemessen bzw. was müsste hier noch abgezogen werden, um gültige Zahlen zu erhalten? Oder gibt es eine bessere Tabelle, die - in Anlehnung an die neue Ausnahmeregelung für die Rente mit 67 - nach Wartezeit unterteilt? Vielen Dank!

Experten-Antwort

Zu dieser Altersrente gibt es noch gar keine Zahlen, da diese Rente erst zum 01.01.2012 in Kraft tritt! Es erhält sie noch keiner!

von
E.Beier

Auf diese Statistik bin ich ebenfalls gespannt. Ich gehe mit 63 J. in die Rente und habe dann 48,5 Jahre eingezahlt. Es werden mir dann von der Rente noch 7,2 % "geklaut". Des weiteren muss ich noch zwei / drittel davon versteuern. Auch wenn nicht viel anfällt. Es ist eine riesengroße Schweinerei in meinen Augen. Ich denke, daß das oberste Bundesgericht nicht richtig entschieden hat. Es ist ein herber Geld-Verlust für viele, die so lange gearbeitet haben.
VG

von
RFn

Gehen Sie mal so an das Problem heran:

Es gibt nur einen regulären Beginn einer Altersrente, das ist die Regelaltersrente.

Die bisherigen vorgezogenen Altersrenten für langjährig Beschäftigte, nach Arbeitslosigkeit/Altersteilzeit und für Frauen sind im Prinzip aufgehoben. Für eine Übergangszeit wird je nach dem Geburtsjahrgang die Altersgrenze schrittweise bis an die Regelaltersgrenze angehoben. Daneben besteht die Ausnahmeregelung, dass diese Renten noch vorfristig mit einem Abschlag in Anspruch genommen werden können.

Ob jemand eine Altersrente mit Abschlag in Anspruch nimmt oder den Beginn einer abschlagfreien Rente abwartet, ist einzig und allein dessen freie Entscheidung.
Dass unter den jetzt gegebenen Umständen viele Versicherte es nötig haben, eine Altersrente mit Abschlag in Anspruch nehmen zu müssen, ist eine andere Sache.

von
andjessi

Zitiert von: E.Beier

In die Rente und habe dann 48,5 Jahre eingezahlt. Es werden mir dann von der Rente noch 7,2 % "geklaut".

Da liegt schon ein Denkfehler vor.

Weil Sie 48,5 Jahre eingezahlt haben, erhalten Sie ja auch eine entsprechend höhere Rente als jemand der z.B. nur 45 Jahre eingezahlt hat, da mehr Entgeltpunkte erreicht wurden. Damit ist ihre Lebensarbeitsleistung doch fair bewertet. Jemand der nur 20 oder 30 Jahre eingezahlt hat, erhält eine entsprechend viel geringere Rente.

Warum sollte man für besonders viele Beitragsjahre extra belohnt werden.

Es macht übrigens doch auch keinen Unterscheid ob ich in einer Modellrechnung 20 Jahre 50.000,- EUR verdiene oder 40 Jahre 25.000 EUR pro Jahr verdiene. Man erzielt immer die gleichen Entgeltpunkte. Auch das ist doch faire Regelung.

von
W*lfgang

Zitiert von: Techniker

Zu dieser Altersrente gibt es noch gar keine Zahlen, da diese Rente erst zum 01.01.2012 in Kraft tritt! Es erhält sie noch keiner!

Hallo Experte,

gab',s nicht bereits nach Gesetzesverabschiedung/im Vorfeld schon Zahlen der DRV, das mindestens 40 % + xx aufgrund der statischen Daten diese 45 Jahre erreichen werden - mit der 'Warnung', diese Rente hebelt die vorgesehene 'nachhaltige' Finanzierung/Verschiebung der ungekürzten Altersrenten einfach wieder aus?! ...in den 'alten' Pressemitteilungen der DRV wird sich das finden lassen ;-)

Es geht in der Fragestellung nicht um die Rente an besonders langjährig Versicherte, sondern nur darum, wie viele Versicherte diese 45 Jahre erreichen würden ...für den Fall, das diese AR 2012 Realität werden würde.

Gruß
w.

PS an E.Beier:
> Auf diese Statistik bin ich ebenfalls gespannt. Ich gehe mit 63 J. in die Rente und habe dann 48,5 Jahre eingezahlt. Es werden mir dann von der Rente noch 7,2 % "geklaut".

Sie haben diese Rentenart/den Verzicht auf den Abschlag in Kombination mit den 45 noch nicht so ganz verstanden. Sie klauen sich selbst die Rente, wenn Sie in anbetracht der vielen Jahre nicht bereit sind, noch 2 Jahre zu warten.

Experten-Antwort

In den Broschüren der DRV (Rentenversicherung in Zahlen) auf "www.rentenversicherung.de" gibt es Zahlen, aber nur Rentenjahre mit allen rentenrechtlichen Zeiten. Evtl. unter: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/

von
Anita

Zitiert von: E.Beier

Es werden mir dann von der Rente noch 7,2 % "geklaut". Des weiteren muss ich noch zwei / drittel davon versteuern.

Der Abzug hat nun mal nichts mit Beitragsjahren zu tun, sondern damit, dass Sie ein paar Jahre länger Rente erhalten werden - rechnet sich also immer für Sie!
Gerecht sind solche Regelungen ohnehin höchstens im statistischen Mittel, oft nicht im Einzelfall, das geht nicht anders.
Wenn ich z.B. bereits mit 40 der 45 erwerbsunfähig geworden wäre anstatt 10 Jahre später, hätte ich mehr EM-Rente bekommen als ich heute erhalte, wegen niedrigem Einkommen in den letzten 10 Jahren, aber was hilft das?

von
E.Beier

Hallo,
ich habe ja nichts dagegen, wenn ich die Entgeltpunkte bekommen würde, die mir bis jetzt bestätigt sind. Aber von der daraus resultierenden Summe zieht man eben 7,2 % noch ab. Das ärgert micht so. Warum muss ich 50 Jahre arbeiten, damit nichts abgezogen wird? Nur weil ich das Alter erst dann erreiche. Andere Studieren und fangen mit dem einzahlen in das Rentenkonto z.B. mit 30 J. an und haben nur durch ihr meistens gleich höheres Einkommen mehr Entgeltpunkte.
Außerdem können diese Personen ja noch die sog. Riesterrente usw. ansparen. Das gab es ja vor einigen Jahren noch nicht.
VG
E.Beier

von
Nix verstanden

Zitiert von: E.Beier

Hallo,
ich habe ja nichts dagegen, wenn ich die Entgeltpunkte bekommen würde, die mir bis jetzt bestätigt sind. Aber von der daraus resultierenden Summe zieht man eben 7,2 % noch ab. Das ärgert micht so. Warum muss ich 50 Jahre arbeiten, damit nichts abgezogen wird? Nur weil ich das Alter erst dann erreiche. Andere Studieren und fangen mit dem einzahlen in das Rentenkonto z.B. mit 30 J. an und haben nur durch ihr meistens gleich höheres Einkommen mehr Entgeltpunkte.
Außerdem können diese Personen ja noch die sog. Riesterrente usw. ansparen. Das gab es ja vor einigen Jahren noch nicht.
VG
E.Beier

Hm...also sie haben aber gar nichts verstanden. Oder sie stellen sich einfach nur dumm.

"wenn ich die Entgeltpunkte bekommen würde, die mir bis jetzt bestätigt sind"

Die Entgeltpunkte die sie bis jetzt erarbeitet haben, erhalten sie, wenn sie die Regelaltersrente in Anspruch nehmen würden.

Wenn sie jedoch nicht in die normale Altersrente gehen möchten, sondern die Rente bereits FRÜHER in Anspruch nehmen möchten, werden die Entgeltpunkte gemäß der für alle Menschen gültigen Abschläge, reduziert. Die Rentenversicherung zwingt sie nicht, die Altersrente früher in Anspruch zu nehmen. Das war IHRE Entscheidung. Sie wollen nicht mehr arbeiten, also haben sie auch weniger Anspruch als jemand der bis zur normalen Altersgrenze arbeitet. Wäre ja auch ein Witz wenn es nicht so wäre.

"Warum muss ich 50 Jahre arbeiten, damit nichts abgezogen wird"

Sie müssen nicht 50 Jahre arbeiten. Um in Deutschland die Regelaltersrente zu bekommen reichen 5 Jahre. Sie müssen nur 65 Jahre alt sein, und schon erhalten sie, wie jeder andere auch, die VOLLE Rente. OHNE Abzüge.

"Andere Studieren und fangen mit dem einzahlen in das Rentenkonto z.B. mit 30 J. an und haben nur durch ihr meistens gleich höheres Einkommen mehr Entgeltpunkte."

Hat sie jemand am Studium gehindert, außer sie selbst???? Und ich glaube auch, das man während des Studiums KEIN Geld verdient hat. Das heißt, sie konnten damals in Urlaub fahren, in eine Altersvorsorge investieren und so weiter und so weiter. Ohne Verdienst, also als Student, ist das eher schlecht möglich. Denn mit 0,00 DM/EURO Einkommen kann man schlecht etwas finanzieren.

"Außerdem können diese Personen ja noch die sog. Riesterrente usw. ansparen. Das gab es ja vor einigen Jahren noch nicht."

Genau, die Riesterrente gab es nicht. Aber ich glaube Bausparverträge, Lebensversicherungen, Bundesanleihen/Schatzbriefe, Sparbücher gab es auch schon als sie noch klein waren.

Versuchen Sie einfach mal ein bisschen nachzudenken. Ist eigentlich nicht schwer. Dafür ist dieses Ding da, das man im Kopf hat.

Manche nutzen das eben, manche nicht. Und die es nicht tun, die schreien am LAUTESTEN!!!

von
RFn

Es müssen auch die Anspruchsvoraussetzungen zur Wartezeit nach § 51 Abs. 3a SGB VI (in Kraft ab 01.01.2012) für diese Rentenart erfüllt sein:

Für die Wartezeit von 45 Jahre zählen neben Ersatzzeiten, Berücksichtigungszeiten und Zuschlägen für eine geringfügige versicherungsfreie Beschäftigung ausschließlich Pflichtbeiträge für eine versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass bei einem Rentenbeginn mit 65 in den 45 Jahren zwischen dem 20. und dem 65. Geburtstag keine vollen Monate mit Lücken, Schule, Studium, Arbeitslosigkeit, Hartz IV-Bezug, Krankengeldbezug, Anrechnungszeiten wegen Schwangerschaft, freiwilligen Beiträgen enthalten sein dürfen.
Malen Sie sich selbst aus, wieviel Kandidaten für diese Rente übrig bleiben.

von
E.Beier

Hallo,
also ich finde die Antwort eher frech.
Ich habe mit 13,5 Jahren den Hauptschulabschluss gemacht, eine normale 3 jährig.Ausbildung gehabt und immer ohne Ersatz- und Krankheitszeiten 100% gearbeitet. Ein Studium kann sich eben auch nicht jeder leisten. Einen Urlaub im übrigen auch nicht großartig.
Zusätzlich sparen, bei einem niedrigen Gehalt ist sehr schwer.
Ich habe Ihre Argumente schon verstanden aber diese Änderung in der Rentenversicherung ist schon sehr ungerecht für die wenigen, die so viele Jahre geschafft haben. Für mich heißt es also noch nebenbei während der Rente einen "Job" ausüben, da man mit der Rente nicht mehr hinkommt. Das Sozialamt wollte ich eigentlich nicht in Anspruch nehmen.
Ich hoffe für Sie, dass es Ihnen jetzt und später besser geht.
Gruß
Eva Beier

von
W*lfgang

nochmal Hallo E.Beier,

> Ich habe Ihre Argumente schon verstanden aber diese Änderung in der Rentenversicherung ist schon sehr ungerecht für die wenigen, die so viele Jahre geschafft haben.

Das sehen andere auch - Sozialverbände, Gewerkschaften, insbesondere die Versicherten ...es REICHT eben nicht, mit den 'wenigen' Beitragseinnahmen der Beschäftigten die immer länger laufenden Renten zu finanzieren. Wo solls also herkommen, die 'Sünden' früherer Regierungen im Rentensystem auszugleichen - Griechenlandähnliche Verhältnisse (Staatbankrott) wollen wir doch auch nicht haben - oder ?!! Was heißt früher - Rentengarantie 2010 trotz Minuswachstum, die aktuelle Regierung führt auch damit den Kurs weiter, die Rentenversicherung finanziell zu destabilisieren ...als PolikerIn bin auch nicht auf die Rentenversicherung angewiesen, da brauch ich Wähler und deren Zuneigung ;-)

Übrigens, es werden sehr viele sehr viele Jahre geschafft haben ...die Jahre allein zähle nicht, sonders dass sie sehr viel verdient haben. Auch in früheren Jahren des Rentenbeginns haben 'viele Jahre harte Arbeit' nicht unbedingt eine hohe Rente ergeben - nun kommen halt noch ein paar Abschläge dazu (ja, so ein Hunderter weniger kann dann richtig weh tun).

> Das Sozialamt wollte ich eigentlich nicht in Anspruch nehmen.

Das wäre Dummheit - wo Sie Jahrelang mit Ihren Steuermitteln genau das für Andere unterstützt haben. Wenns Ihnen zusteht, auf zum Amt !

> Für mich heißt es also noch nebenbei während der Rente einen "Job" ausüben,

Und genau da liegt auch ein weiteres Problem ...ältere Beschäftigte im voll versicherten Beschäftigungsverhältnis zu halten - nöö, sagt jeder Arbeitgeber, viiiiiiiiiiel zu teuer, Aber den Rentner dann womöglich als billige Fachkraft (da nehm ich gleich ein Dutzend von) ...da gibt’s keine Hemmungen, die BiIlanz und das Arbeitsergebnis stimmt dann eben. Sind die Entscheider 'da oben' vielleicht nicht mehr so ganz nah am wirklichen Leben ? ...

Gruß
w.

von
E.Beier

Vielen Dank für Ihre Antwort.
Sorry, mit der Bezeichnung "Frech" meinte ich die Antwort von der Person
"Nix verstanden"
VG
Eva Beier