Basisrente oder gesetzliche Rentenversicherung

von
Maria L.

Hallo Oetteken,

ich sehe, Sie haben schon alles recht reiflich bedacht. Leider hat ja niemand eine Glaskugel, eine gewisse Streuung des begrenzten Vermögens scheint mir da sinnvoll zu sein.

Zur gesetzlichen Rente noch folgende Anmerkung:

Mit 1520,- Euro Rentenanspruch gelten Sie für die Politik vermutlich als "reicher Rentner". Etwaige Härteregelungen für Rentner bei einer Abwertung aller Ansprüche im Rahmen einer Währungsreform kommen vielleicht nur den Kleinrentnern zugute. Ich könnte mir vorstellen, daß es früher oder später auf eine staatliche Grundrente etwa in Höhe der Hartz IV - Sätze zulaufen wird, und daß das Äquivalenzprinzip (hohe Beiträge = hohe Rente) mehr und mehr ausgehöhlt werden wird.

Wie gesagt, mir wäre es zu riskant, da Geld reinzustecken, denn da kommen Sie ja nie wieder dran. Sie erwerben nur einen Anspruch auf zukünftige Leistungen in unbekannter Höhe.

Bedenken Sie auch: mehr "Sicherheit" in dem von Ihnen gewünschten Sinne bedeutet auch mehr Abhängigkeit. Als Rentenempfänger sind Sie zukünftig abhängig von politischen Entscheidungen, die Sie selber kaum beeinflussen können.

Um sich ein wenig Entscheidungsfreiheit zu bewahren, sollten Sie vielleicht zumindest einen Notgroschen vor staatlichem Zugriff einigermaßen sicher zurückhalten. Als Vorsorge für eine mögliche Bankenkrise empfiehlt sich, eine gewisse Menge an Bargeld "zu Hause" vorzuhalten. Als Vorsorge für eine mögliche Währungskrise/-reform empfiehlt sich m.E. ein kleiner Vorrat an Edelmetallmünzen (auch "zu Hause", und anonym gekauft). So halte ich es selber, seit ich mich intensiv mit der Krise unseres Finanz- und Geldsystems befaßt habe.

Was die aktuellen Edelmetallpreise anbelangt, da bin ich keine Expertin. Manche sagen Preissteigerungen in schwindelerregender Höhe voraus, andere befürchten ein Goldverbot, das es in den USA lange Zeit gegeben hat. Wieder andere glauben, daß die Preise wieder fallen werden. Eine Möglichkeit wäre ja, über einen längeren Zeitraum gestreckt einzelne Anlagemünzen zu erwerben, dann erhält man einen gemittelten Einstandspreis. Historisch gesehen hat Gold über lange Zeiträume seinen Wert behalten - im Unterschied zu sämtlichen Papierwährungen, die es jemals gegeben hat, und die alle irgendwann auf den Wert Null zurückgekehrt sind.

Ich habe noch zwei Lesetips für Sie:

www.radio-reschke.de - da insbesondere die Grundsatzartikel zu unserem Geldsystem

www.krisenvorsorge.com

Sie könnten ja auch einen Teil des Kapitals in langlebige Gebrauchsgüter stecken. Oder in Weiterbildung investieren, die Sie befähigt, auch im Rentenalter noch etwas Geld zu verdienen. Halt in irgendetwas, das Ihnen später nutzt, ohne daß Sie Ihr Geld jetzt gegen ein bloßes Versprechen auf zukünftige Zahlungen eintauschen müßten.

Viele Grüße,
Maria L.

von
Rosanna

Hallo Oetteken,

zu Ihrer Frage:

"Der Einwand mit der Anwartschaft auf Erwerbsminderungsrente ist mir nicht klar.
Hätte ich keinen Anspruch, wenn ich keine freiwilligen Beiträge zahle oder erhalte ich, wegen der Eigenschaft als Ratsuchender, den Anspruch auf Erwerbsminderungsrente aufrecht?"

Ob und bis wann Sie einen Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente haben, kann Ihnen nur die DRV sagen, die Ihren Versicherungsverlauf kennt.

Gesetzt den Fall, Sie haben ab 01.01.1984 bis zum ALG-Bezug jeden Monat mit einer rentenrechtlichen Zeit belegt ( = Pflicht- oder freiwillige Beiträge, Anrechnungszeiten wegen Arbeitsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit ) und sind nach dem ALG-Bezug (ab Juni 2009) bei der Arbeitsagentur ARBEITSLOS gemeldet, ist die Anwartschaft auch ohne weitere frwl. Beitragszahlung erhalten. Lassen Sie dies bitte durch die DRV überprüfen. Wenn Sie nämlich VOR dem 63. oder 65. Lebensjahr erwerbsgemindert werden, "verschenken" Sie jeden Monat über 1000,- EUR (aus der Renteninformation ist auch die Rentenhöhe einer Erwerbsminderungsrente zum aktuellen Zeitpunkt ersichtlich). DAS wäre richtig ärgerlich!

Und ich bleibe bei meiner Meinung, dass jeder EURO, den Sie in die gesetzliche RV mit freiwilligen HÖCHSTbeiträgen stecken, Verschwendung ist. Bis eben auf den evtl. Mindestbeitrag. Nach Ihrem (hoffentlich nicht allzu frühem !!!) Ableben hat nur Ihre Frau in Form einer Witwenrente etwas davon. Vererben können Sie nix.

Ich bin auch mit Maria L. einer Meinung, dass eine Alters-Rente von ca. 1500 EUR nicht unbedingt wenig ist. Und wenn Sie von dem Geld, das Ihnen jetzt zur Verfügung steht (ca. 142.000,- EUR) zumindest einen Teil anlegen, haben Sie während des Rentenbezuges noch ein zusätzliches Polster.

So würde ich es auf jeden Fall machen. Man kann sich nicht für jede Lebenslage absichern, aber so wären Sie doch zumindest größtenteils auf der sicheren Seite.

Sie kennen ja sicher den Spruch: "Und erstens kommt es anders, zweitens als man denkt."

In diesem Sinne, freundliche Grüße
Rosanna.

von
Oetteken

Hallo,

vielen Dank für die vielen Denkanstöße, die ich in meine Überlegungen einbeziehen und teilweise auch anwenden werde.

Mancher mag meinen derzeitigen Rentenanspruch an die gesetzliche Rentenversicherung für hoch halten, allerdings teile ich diese Ansicht ganz und gar nicht.
Die meisten meiner Altersgruppe, die eine ähnliche Erwerbsbiografie wie ich haben, können mit erheblich höheren Altersbezügen rechnen bzw. erhalten diese sogar bereits mit staatlicher Unterstützung (Altersteilzeitregelung, Übergangsregelung im Bergbau usw.) oder können auf erhebliche Betriebsrenten zurückgreifen.
Meine Direktversicherung hingegen, die mein ehem. Arbeitgeber auf meinen Wunsch hin für mich abgeschlossen hatte und die vollständig aus meinem eigenen Einkommen angespart und die letzten Jahre sogar vollständig privat von mir weitergeführt wurde, wird jetzt mit Erhebung von 14,9 % KV und 1,95 % PV auf das ausgeschüttete Kapital "belohnt", obwohl ich immer Höchstbeiträge in die KV und PV gezahlt habe. Der verbleibende Rest darf jetzt von mir gnädigerweise bis zum Rentenbeginn aufgezehrt werden.
Bitte um Entschuldigung, dass ich das etwas sarkastisch ausdrücke, aber es ist eine Ungerechtigkeit ohne Gleichen, was sich unsere "Volksvertreter" mit Unterstützung der Gerichtsbarkeit da erlauben.

Wenn man wie wir viele Jahre lang allein von meiner gesetzlichen Rente wird leben müssen (meine Frau erhält erst ca. 12 Jahre nach meinem 65. eine kleine Rente von ca. 500,- €), dann reicht das allenfalls zum Überleben aber nicht annähernd für ein angemessenes Leben und erst recht nicht für eine Aufrechterhaltung unseres Lebensstandards und das, obwohl ich sehr frühzeitig mit dem Aufbau von zusätzlicher Altersvorsorge begonnen habe.

Es darf eigentlich nicht sein, dass nur Beamte, öffentlich Bedienstete, Beschäftigte in Großunternehmen und Subventionierte sowie einige wenige Großverdiener einen gesicherten Lebensstandard im Alter haben.
Ich will nicht alle über einen Kamm scheren bin aber dagegen, dass ein Mensch als Pensionär, Rentner oder Vorruheständler durch Privilegien, die die Gemeinschaft finanzieren muß, überversorgt wird.

Diese Erkenntnisse sprechen natürlich völlig gegen freiwillige Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung, aber die Alternativen sind allesamt auch nicht vor übermäßigem staatlichem Zugriff geschützt.

Bleibt also wirklich nur das Bargeld unter dem Kopfkissen und die vergrabenen Goldmünzen im Garten?
Das Geld unter dem Kopfkissen bringt keine Erträge und verliert durch die Inflation immer mehr an Wert. Die Goldmünzen sind sicher nicht uninteressant und garantieren voraussichtlich zumindest den Erhalt des Wertes, es sei denn sie würden vom Staat unter Strafandrohung requiriert. Außerdem gibt es Räuber und Diebe, die für Totalverlust sowohl des Geldes als auch der Goldmünzen sorgen können.

Man kann sich zwar nicht für jede Lebenslage absichern, aber für die zu erwartende Lebenslage sollte man es doch versuchen.
Ob das dann funktioniert steht auf einem anderen Blatt.

Der Spruch: "Und erstens kommt es anders, zweitens als man denkt" ist schön und richtig, hilft aber auch nicht wirklich weiter, weil offen ist ob es besser oder schlechter kommt.

Für die aufrichtigen Bemühungen, mir bei meinen Zukunftsentscheidungen Hilfestellung zu leisten und auch für kritische Anmerkungen, möchte ich allen herzlich danken.

Liebe Grüße

von
Rosanna

Hallo Oetteken,

ich möchte nochmal Stellung zu Ihrem letzten Beitrag nehmen.

"Es darf eigentlich nicht sein, dass nur Beamte, öffentlich Bedienstete, Beschäftigte in Großunternehmen und Subventionierte sowie einige wenige Großverdiener einen gesicherten Lebensstandard im Alter haben.
Ich will nicht alle über einen Kamm scheren bin aber dagegen, dass ein Mensch als Pensionär, Rentner oder Vorruheständler durch Privilegien, die die Gemeinschaft finanzieren muß, überversorgt wird."

Ich weiß beim besten Willen nicht, wie Sie zu dieser Erkenntnis kommen. Was denken Sie eigentlich, wieviele "kleine" Beamte es in den niedrigen Gehaltsklassen gibt, die froh und glücklich wären, im Pensionsalter eine Rente wie Ihre von 1500,- EUR zu bekommen? Genauso verhält es sich mit den Bediensteten im Öffentlichen Dienst. Nur diejenigen, die zu Arbeitszeiten in einer guten bis sehr guten Gehaltsklasse waren, erhalten auch eine entsprechende Rente. Sie haben keine Ahnung, was ein "kleiner" Sachbearbeiter verdient und an Rente erhält. Für die Zusatzversorgung müssen wir auch unseren Beitrag leisten und die Zusatzrenten sind seit 2001 oder 2002 ebenfalls drastisch gekürzt worden. Ein Facharbeiter in der freien Wirtschaft verdient oftmals wesentlich mehr als ein(e) Fachangestellte(r) im Öffentlichen Dienst.

Knappschaftsversicherte Rentner erhalten deshalb eine höhere Rente, weil schon allein der Rentenartfaktor für eine Altersrente anstelle von 1,o (bei Angestellten- und Arbeiterrentenversicherten) 1,333 beträgt.

Weshalb sollen eigentlich Großverdiener, was immer Sie darunter verstehen, keine hohe und für ihren Lebensstandard ausreichende Rente erhalten? Sie haben schließlich auch hohe Beiträge zur gesetzl. RV gezahlt.

Sie haben einmal geschrieben, dass Sie immer den Höchstbeitrag geleistet haben. Wenn dies tatsächlich zutrifft, also wenn Sie immer bis zur Beitragsbemessungsgrenze verdient hätten, würde Ihre Rente definitiv höher ausfallen! Also kann dies so einfach nicht zutreffen. Vermutlich auch schon deshalb, weil ja bei der Rentenberechnung einige Jahre Schule und Studium berücksichtigt werden, die nicht genauso bewertet werden wie Beitragszeiten.

Wenn Sie über der Beitragsbemessungsgrenze für die KV gelegen haben, hätten Sie sich auch privat krankenversichern können. Dann müßten Sie für Ihr Gesamteinkommen im Alter NICHT KV-Beiträge zahlen. Aber vermutlich sind Sie während Ihrer Beschäftigungszeit mit der gesetzlichen KV besser gefahren (z.B. ist Ihre Ehefrau mitversichert).

Leider kann man nicht alles im Leben haben. Dafür haben Sie doch aber jetzt einen guten Grundstock mit über 140.000,- EUR Kapital. Das hat nicht jeder!!!

Da Ihre Frau ja noch relativ jung ist, könnte sie vielleicht zumindest einen Mini-Job ausüben? Ihre Rente ist nun mal so niedrig, da sie - aus welchen Gründen auch immer - nicht allzu viel in die Rentenkasse eingezahlt hat. Da kann aber auch niemand etwas dafür...

Abschließend: Ich sehe eigentlich keinen Grund, hier "zu jammern" (ist nicht böse gemeint!). Ein bißchen realistischer UND positiver sollten Sie die ganze Sache vielleicht sehen.

Ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute, etwas mehr Gelassenheit und dafür etwas weniger Verbitterung.

MfG Rosanna.

von
Maria L.

Hallo Oetteken,

wir sind hier unterdessen in einer Diskussion, wie sie von der Redaktion eigentlich (leider) nicht gewünscht wird, aber mir macht es sehr viel Freude, diesem ernsthaften Diskussionsverlauf zu folgen.

Ich gebe Ihnen recht: was der Wohlfahrtsstaat mit seinen Finanziers (das sind vor allem Arbeitnehmer, die hohe Steuern UND hohe Sozialabgaben zahlen) macht, ist unmoralisch (er hat aber keine andere Wahl, wenn er überleben will).

Ich wollte mit meiner Anmerkung, daß Ihre gesetzliche Rente "hoch" erscheint, auch nicht sagen, daß sie zu hoch sei - nur, daß sie den sozialistisch geprägten Politikern "zu hoch" erscheinen wird, wenn es darum geht, die letzten Vermögensreste aus den Menschen herauszupressen, um den Staatsbankrott noch so lange wie möglich aufzuschieben. Und sozialistisch geprägt ist nicht nur die Linkspartei.

Wenn ich Ihre Schilderungen lese, so haben Sie "alles richtig gemacht" und werden jetzt dennoch bestraft. Ja, die Dreifachverbeitragung von Betriebsrenten ist ungerecht, aber wen kümmert es.

Wenn Sie sehr selbstkritisch sind, könnten Sie vielleicht zugeben, daß Sie einen Fehler gemacht haben: Sie haben den Wohlfahrtsversprechungen zu lange geglaubt. Das geht vielen so. Die Mehrheit der Menschen glaubt immer noch an stetig steigende staatliche Wohlfahrt auf Pump. Was Sie tun könnten: klären Sie andere darüber auf, daß uns dieser Weg in die Irre geführt hat.

Die Leistungsträger dieser Gesellschaft werden geschröpft, um den immer größer werdenden Wasserkopf (Staatsanteil) zu finanzieren. Ein Entrinnen gibt es nur für die wenigen Superreichen, die sich und ihr Vermögen rechtzeitig in Sicherheit bringen können. Allen anderen bleibt nur der Versuch, sich ein klein wenig Entscheidungsfreiheit zu bewahren.

Eine Möglichkeit, die ich selber auch noch nicht geprüft habe: es gibt regionale Tauschringe, in denen Werte und Arbeitskraft getauscht werden, ohne das inflationsgefährdete staatliche Papiergeld nutzen zu müssen.

Das Bargeld unter dem Kopfkissen soll übrigens nur kurzfristige Liquidität im Fall einer Bankenschließung sichern. Bei einer größeren Bankenkrise ("bank runs") könnten z.B. Auszahlungen von Girokonten reglementiert/begrenzt werden, das hat es in anderen europäischen Ländern meines Wissens schon gegeben.

Vielleicht wäre es für Ihre Frau, die ja noch etwas jünger ist, noch möglich, über regelmäßige gestreute Investition in Aktienfonds oder Einzelaktien etwas für eine eigene Altersvorsorge zu tun. Meine Empfehlung dazu (schon einmal genannt): www.finanzuni.org. Ich bin dort auch im Forum aktiv.

Bei einigen der von mir zuvor genannten websites werden Seminare angeboten, in denen es um Werterhalt des Vermögens geht (habe ich nicht besucht, kann ich also inhaltlich nicht einschätzen).

In einem Land, das vermeintliche "Sicherheit" weitaus höher einschätzt als Freiheit, ist es leider schwer, die Früchte der eigenen Arbeit auch selber zu genießen, statt sie dem großen Umverteilungstopf opfern zu müssen.

"Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren." (Benjamin Franklin)

Ich bin nicht für soziale Kälte, aber dafür, nur das zu verteilen, was tatsächlich zu verteilen ist (also ohne Schulden zu machen) und nur an die tatsächlich Bedürftigen - und diese Grundregel eines ordnungsgemäßen Haushalts wurde leider seit Jahrzehnten verletzt. Was sollen die Politiker auch tun, wenn sie wiedergewählt werden wollen? Also, wir sind alle irgendwie mitschuldig an der Misere.

Was langfristig meines Erachtens hilft: das eigene Bewußtsein verändern hin zu mehr Freiheit unter Verzicht auf Sicherheit, die letztlich doch trügt. Bei sich selber anzufangen ist der richtige Ansatzpunkt (auch ich habe früher staatliche "Wohltaten" empfangen, ohne bedürftig zu sein: Wohnungsbauprämie und Eigenheimzulage - und habe damit indirekt das System unterstützt, was ich aus heutiger Sicht unmoralisch finde, auch wenn ich ein Vielfaches davon selber an Steuern und Abgaben gezahlt habe). Wenn das jeder täte, würde es langfristig auch die Gesellschaft verändern.

Freundliche Grüße
und alles Gute,
Maria L.

von
Oetteken

Hallo Rosanna,

habe mir lange überlegt ob ich Ihren Beitrag kommentieren soll, habe mich aber nun doch dazu entschlossen.

Für mich nehme ich in Anspruch, Respekt auch vor Menschen zu haben, die meine Ansichten nicht teilen oder sogar für falsch halten. Wir leben hier in einem 80 Millionen Volk und da gibt es ebenso viele unterschiedliche Biografien und fast ebenso viele Meinungen.
Zudem bin ich hier als Fragesteller aufgetreten und daher für alles was mich irgendwie weiterbringt dankbar. Allerdings bin ich kein unpolitischer Mensch und wenn ich der Meinung bin dass Unrecht geschieht, dann erlaube ich mir darauf hinzuweisen, auch wenn ich mich damit nicht überall beliebt mache.

Nun haben Sie einige Dinge geschrieben, die ich nicht unwidersprochen lassen will.

Meine Kritik an der Überversorgung vieler Personenkreise aus Steuermitteln, zu Lasten der Unterversorgung der gesetzlich Rentenversicherten halte ich aufrecht. Sie führen kleine Beamte der untersten Gehaltsgruppen mit niedrigen Pensionen an und stellen diese einem Rentner mit 1500,- € Rente gegenüber. Die höchste theoretisch erreichbare gesetzliche Bruttorente beträgt etwa 2.200,- € bei 45 Jahren mit Höchstbeiträgen. Die durchschnittliche gesetzliche Rente mit 45 Beitragsjahren beträgt etwa die Hälfte dessen. Mir ist niemand bekannt, der eine gesetzliche Rente über 2.000,- € bezieht. Arbeitgeberfinanzierte Betriebsrenten in nennenswerter Höhe sind meines Wissens nur in einigen Großbetrieben die Regel (Bayer, VW, Siemens) während in Kleinbetrieben zumeist überhaupt keine nennenswerten arbeitgeberfinanzierten Betriebsrenten gezahlt werden.
Bezüglich der Facharbeiterlöhne können Sie auch nur Beschäftigte in Großbetrieben gemeint haben, nicht aber die Mehrzahl der Facharbeiter in unserem Land die in Klein- und Mittelbetrieben arbeiten.
Ein realistischer Vergleich der Gehälter und der Altersversorgungen setzt vergleichbare Ausbildungen und Tätigkeiten voraus. Ein Ingenieur in nicht leitender Tätigkeit verdient in der Privatwirtschaft nicht mehr als im Öffentlichen Dienst. Die Rente des privat Beschäftigten fällt aber erheblich niedriger aus. Aus eigenem Wissen kann ich behaupten, dass die Witwe eines Amtmanns (Bes. Gr. A11) eine Witwenpension (60%) von ca. 1.500,- € (Netto) bezieht. Die Witwe des theoretischen Höchstrentners bekäme hingegen ca. 1.200,- (Netto).

Sie tragen selbst vor, dass Knappschaftsversicherte höher bewertete Renten beziehen. Ohne die Leistung von Bergleuten unter Tage herabsetzen zu wollen, fallen mir etliche Schwerberufe ein, deren Leistung vergleichbar ist und die nicht höher bewertete Renten beziehen und die nicht schon unter 50 in Übergang gehen können, sondern bis 65 arbeiten müssen.

Wieso Sie Großverdienern, das sind für mich diejenigen die ein vielfaches der Beitragsbemessungsgrenze verdienen, eine Lebensstandard sichernde Rente zubilligen, den übrigen Rentnern aber nicht, verstehe ich nicht. Beiträge haben schließlich alle Rentner eingezahlt.
Es geht mir überhaupt nicht darum das System zu ändern, dass die Rentenbezüge von den Einzahlungen abhängig macht. Vielmehr geht es mir darum, dass das was man sich erarbeitet hat, nicht durch einseitige Gesetzesänderungen zunichte gemacht wird. Wie soll man denn sonst noch Vertrauen in den Staat haben.

Sie zweifeln meine Angaben an und behaupten ich hätte meine Beitragszahlungen falsch dargestellt.
Zunächst habe ich nicht behauptet, immer Höchstbeiträge in die Kranken und Rentenversicherung eingezahlt zu haben. Eine solche Behauptung wäre in sich schon unsinnig und unglaubwürdig, weil kein Berufsanfänger direkt mit entsprechenden Einkommen anfängt.
Im Zusammenhang mit der Mehrfacherhebung von KV + PV Beiträgen auf meine Direktversicherung habe ich lediglich geschrieben, dass ich immer Höchstbeiträge in die KV und PV gezahlt habe.
Sodann unterstellen Sie, dass meine Rente höher hätte ausfallen müssen als ich angegeben habe. Meine Rentenanwartschaft von derzeit 1.520,- € zzgl. ca. 380,- € (Versorgungsausgleich) zzgl. 280,- € (5 Jahre bis zur Rente) ergibt 2.180,- € Rente mit 65 Jahren. Das entspricht ungefähr der theoretisch höchstmöglichen Rente und hätte man mir die Studienzeiten nicht vor einigen Jahren nachträglich aberkannt, dann wäre es sogar noch mehr.

Ihr Hinweis, ich hätte mich doch privat krankenversichern können um jetzt die KV + PV auf die Direktversicherung zu umgehen, ist nicht sehr fair und auch unsinnig, weil die entsprechende Gesetzgebung erst vor einigen Jahren (ich glaube 2004) erfolgte.
Wegen meines weitgehend über der Beitragsbemessungsgrenze liegenden Einkommens habe ich als freiwillig versichertes Mitglied der gesetzlichen Krankenklasse über 35 Jahre Höchstbeiträge gezahlt. Selbstverständlich sind meine Kinder und meine Ehefrau während der Kinderpause mitversichert gewesen.

Meine Ersparnisse in Höhe von ca. 140.000,- € sollten den Grundstock für meine Lebensstandardsicherung im Alter sein und waren nicht vollständig zum Überleben bis zur Rente gedacht.

Was ich an meiner derzeitigen Lage positiv sehen könnte ist mir auch nicht so ganz klar.
Ein Leben lang geackert und kurz vor dem Ziel um die Ernte gebracht.

Trotzdem liebe Grüße.

von
Maria L.

Hallo Oetteken,

folgender Artikel bringt das Kernproblem unseres Geldsystems sehr gut auf den Punkt:

http://www.radio-reschke.de/20090930_staatsgeld_und_marktgeld.php

Freundliche Grüße,
Maria L.