< content="">

Beamter kündigt

von
Perry

Hallo,
als Beamter A 8 (43 J. alt / 18 Jahre Beamter)bei der Telekom möchte ich ggf. kündigen und außerhalb des Unternehmens in einem Angestelltenverhältnis weiter beschäftigt werden.
Wie verhält es sich mit einer Nachversicherung, zukünftigen Rente / Pension etc. Vielen Dank

von
Selina II

Als Nachversicherter Beamter werden Sie so gestellt als hätten Sie die 18 Jahre mit Ihrem Bruttoverdienst quasi als Angestellter gearbeitet.
Vergleichen Sie mal Ihren Bruttoverdienst mit einem &#34;gleichwertigen&#34; Angestellten und Sie werden schnell feststellen dass das ein ganz schlechtes Geschäft ist.
Nicht nur dass die Pensionen prinzipiell höher sind (als gesetzliche Renten ohne Zusatzversorgung) - nein Sie werden auch noch weniger normale Rente bekommen als Sie bekommen würden - wären Sie angestellt gewesen ...
Desweiteren haben Sie evtl. später keinen Anspruch auf Rentnerkrankenversicherung weil Sie die Voraussetzungen nicht hierfür erfüllen. Dann müssen Sie sich freiwillig oder privat versichern was Sie weitaus teurer kommt.

Nach 18 Jahren kann ich Ihnen nur den Rat geben: Lassen Sie`s!

Experten-Antwort

Beamte, die ohne Anspruch bzw. Anwartschaft auf Versorgung aus dem Beamtenverhältnis ausscheiden, werden nachversichert. Basis dafür sind grundsätzlich die beitragspflichtigen Einnahmen aus der Tätigkeit im Nachversicherungszeitraum bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Diese Beiträge erhöhen später die Rente, die der Betreffende dann beziehen wird.

von
Perry

Hallo Experte,
hat also Selina II recht. Ich wäre schlechter gestellt als ein vergleichbarer Angestellter der genauso viel netto verdient hat wie ich, da er ein größeres brutto hatte.
Bisher ist die Differenz der brutto Gehälter ja o.k. da bei netto ( dank der fehlenden Abzüge für Renten und Arbeitslosenversicherung ) das gleiche steht.

von
KSC

ja, da hat Selina II recht. Bei der Nachversicherung wird das niedrigere Brutto des Beamten genommen und die Zusatzversicherte, die der Angestellte im öD hat, hat er auch nicht.

Also gut überlegen, ob das sinnvoll ist.

von
Amadé

Hallo Beamter,

unabhängig davon, dass ein Beamter nicht kündigen, sondern nur um Entlassung aus dem Beamtenverhältnis bitten kann, würde ich aus folgenden weiteren Gründen den genanten Schritt nicht vollziehen:

1.
Verlust der Beihilfeberechtigung und damit evtl. auch Aufgabe eines vom Leistungsumfang her günstigeren Krankenversicherungsschutzes (vielleicht sind Sie Mitglied in der sehr günstigen Postbeamtenkrankenkasse?)

2.
Bei Dienstunfähigkeit bestehen relativ hohe Pensionsansprüche. Nun ist Dienstunfähigkeit bei weitem nicht das gleiche wie Erwerbsminderung (EM) im Sinne der Gesetzlichen Rentenversicherung.
Erläuterung, siehe

http://www.ihre-vorsorge.de/Gesetzliche-Rente-Erwerbsminderung.html

Dienstunfähigkeit stellt im Gegensatz zur Erwerbsminderung nicht auf den allgemeinen Arbeitsmarkt ab. Man ist also wesentlich schneller dienstunfähig als erwerbsgemindert.

3.
Die derzeitig gute konjunkturelle gute Lage währt nicht ewig. Verfolgen Sie z.B. mal die Entwicklung auf dem US-Immobilien-Sektor und die Auswirkungen auf den internationalen Banken-Sektor. Bei einer Weltwirtschaftskrise kann Ihr Beamtenjob Gold wert sein.

4.
Wenn Sie auf Ihr letztes Netto kommen wollen, müssen Sie als Angestellter ein wesentlich höheres Brutto erzielen. Bedenken Sie die Steuerprogression. Der Finanzminister ist über Ihr höheres Brutto höchst erfreut.

5.
Für den Fall, dass Sie eine Abfindung locken sollte, holen Sie vor unüberlegten Schritten unbedingt lieber fachkundigen steuerlichen Rat ein.

Machen Sie es richtig!

von
Amadé

Noch ein riesiger Nachteil eines Angestellten im Verhältnis zum Beamten.

Ein Angstellter bekommt im Krankheitsfalle höchstens schlanke 42 Tage Lohnfortzahlung im Krankheitsfalle. Danach setzt für max 78 Wochen das wesentlch niedrigere Krankengeld ein.

Als Beamter kriegen Sie hingegen im Falle der Arbeitsunfähigkeit bis zur möglichen Versetzung in den vorzeitigen Ruhestand VOLLE Dienstbezüge.

von
Alex

Hallo Amadé!

Ihren Ausführungen kann ich nur teilweise zustimmen. Was nützt Ihnen ein sicherer Arbeitsplatz wenn Ihr Gehalt nur unwesentlich über Hartz IV liegt!

von
Schiko.

Wollte wirklich wegen der zahlreichen heuschrecken
schweigen, dies kann ich jetzt nicht mehr.

Die einen sagen, hartz IV ist unmöglich hoch, sie
wollen uns glauben machen, weil es als vergleich
passt, zu niedrig.

Nennen sie mir die monatliche hartz IV zahlung-ein-
schliesslich wohnkosten- für den ledigen und für ein
kinerderloses ehepaar.
Nachdem sie ja vergleiche zum gehalt machen ken-
nen sie sicher diese beträge.

Danke.

Mit freundlichen Grüßen.

von
Amadé

Der gute Mann und Fragesteller hat immerhin die Besoldungsgruppe A8 erreicht und ist bestimmt nicht in der Eingangsstufe anzusiedeln. Ihr Hartz IV - Verdacht ist nun wirklich ein wenig weit her geholt.

Selbst wenn eine nicht berufstätige Ehefrau und viele unmündige, einkommenslose Kinder zu betreuen wären, bestünde neben dem Kindergeldanspruch eben noch ein Anspruch auf einen höheren Ortszuschlag, der Hartz IV obsolet macht.

Der Antragsteller selbst, kann mit A 8 beim besten Willen nicht in die Bedürftigkeit abrutschen.

Beim Vorhandensein von Kindern könnte übrigens ein nicht unerheblicher Zuschlag zum Kindergeld bestehen, der auch beim Dienstherrn geltend zu machen wäre

Ortszuschläge sind übrigens wiederum ein weiteres Argument, den Beamtenstatus beizubehalten, die gibt es in der freien Wirtschaft nicht.

Haben Sie sich überhaupt schon mal mit der Materie Arbeitslosengeld II nach dem SGB II (Hartz IV) beschäftigt? Wenn nicht, wird es höchste Zeit

von
Perry

Vielen Dank für die zahlreichen, auch größtenteils sehr sachlichen Beiträge.
Diese werde ich bei meiner Entscheidung berücksichtigen bzw. ist die Entscheidung nahezu gefallen. Ich werde nicht um eine "Entlassung bitten". Gleichzeitig würde ich aus heutiger Sicht nicht mehr den Beamtenstatus wählen. Dies ist ein Käfig aus dem man nur mit Verlust raus kommt. Insbesondere ärgerlich wenn man mit Angestellten zusammenarbeitet welche ohne solche "Renteneinschnitte" bei einem Wechsel zu kämpfen haben und gleichzeitig "eigentlich" auch unkündbar sind wegen ihrer langen Betriebszugehörigkeit. Tja , Jammern nützt nichts... Danke an das Forum.