Befreiung von der Rentenversicherungspflicht für Selbständige mit nur einem Auftraggeber

von
Marcellus

Ich übe seit mehreren Monaten eine selbständige Nebentätigkeit in kleinerem Umfang (ca. 20% des Einkommens meiner Haupttätigkeit) aus.

Da die Tätigkeit darin besteht, daß ich für meinen Arbeitgeber Auftragsarbeiten ausführe, die dieser gewöhnlich an andere Firmen vergibt, habe ich auf eigenen und den Wunsch meines Arbeitgebers ein Statusfeststellungverfahren beantragt. Hier wurde festgestellt, daß es sich bei der Tätigkeit um eine selbständige Tätigkeit handelt und man den Fall an die zuständige Fachabteilung der DRV weitergeben würde, da man nicht ausschließen könne, daß ich trotzdem der Versicherungspflicht unterliege. So weit alles wie erwartet ...
Nun stellt sich mir die Frage:soll ich abwarten, bis die DRV sich da wieder bei mir meldet (wie im Bescheid angekündigt) oder soll ich gleich einen Antrag auf Befreiung für 3 Jahre für Existenzgründer stellen, einige Monate sind mir durch das Statusfestellungsverfahren da schon „verloren“ gegangen, so daß ich ggf. nachzahlen müsste. Da ich meine Aufträge bisher noch in der Hauptsache von meinem Arbeitgeber beziehe (sicherlich fünf Sechstel), unterliege ich momentan vermutlich wirklich der Versicherungspflicht.
Gibt es einen Beitragssatz, der dann für mich fällig wird oder wird da ein Gesamt-RV-Beitrag aus abhängiger (angestellter) und selbständiger Beschäftigung ermittelt? Und gehe ich recht davon aus, daß den Beitrag für die selbständige nebenberufliche Tätigkeit ich allein zu tragen habe? Wie kann ich da den Betrag ermitteln? Wenn ich den Antrag auf Befreiung nicht stelle befürchte ich, lohnt sich die ganze nebenberufliche Tätigkeit (da bisher noch auf kleinem finanziellem Niveau) nicht mehr.
Vielen Dank schon im voraus für eine Antwort (oder mehrere :-) zu diesem Problem...

Experten-Antwort

Selbständige mit einem Auftraggeber unterliegen der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung, sofern das hieraus erzielte Einkommen - d.h. der zu versteuernde Gewinn- mindestens 400.-- EUR/monatlich beträgt.
Sofern diese Versicherungspflicht besteht, ist der Rentenversicherungsbeitrag in voller Höhe von Ihnen alleine zu tragen. Der Beitragssatz beträgt derzeit 19,9% des o.g. Einkommens und zwar unabhängig davon, ob parallel eine beitragspflichtige Beschäftigung als Arbeitnehmer ausgeübt wird.
Gleichzeitig besteht für Sie als Existenzgründer die Möglichkeit, dass Sie sich für max. 3 Jahre nach Beginn der selbständigen Tätigkeit von dieser Versicherungspflicht befreien lassen können. Die Befreiung erfolgt allerdings nur auf Antrag. Wir empfehlen Ihnen daher, diesen Antrag zur Fristwahrung sofort -ggfs. auch formlos- bei Ihrem zuständigen Versicherungsträger zu stellen und nicht erst dessen Anschreiben abzuwarten.

von
Nichtganzverstanden

Wenn Marcellus doch "hauptberuflich" RV-Beiträge abführt, ggf. bis zur Beitragsbemessungsgrenze, muss dann trotzdem für die "Neben-Selbständigkeit" voll Beitrag geleistet werden?

von
Rosanna

Ja. Natürlich nur, wenn die nebenberufliche Selbständigkeit nicht nur geringfügig ausgeübt wird und Versicherungspflicht begründet. Eine "Zusammenrechnung" erfolgt nicht.

von
Nichtganzverstanden

Fasse zusammen:

Hauptberuflich: Höchstbeiträge,

Nebenberuflich (wenn über 400,00/Monat und nur 1 Auftraggeber: Ebenfalls voll beitragspflichtig.

Kann also sein, dass man bei entsprechenden "Nebeneinnahmen" eine zweite Rente erwerben kann, weil zweimal eingezahlt wurde? (Theoretisch).

von
Rosanna

Nein, eine "zweite" Rente kann man sich nicht erwerben, aber eine höhere.

Da beide Tätigkeiten zeitgleich ausgeübt werden, können selbstverständlich höchstens 12 Monate pro Jahr berücksichtigt werden. Da in diesen 12 Monaten aber höhere Beiträge eingehen, erhöht dies auch die Rente.

von
Nichtganzverstanden

ich gehöre zu Ihrem Fan-Club in diesem Forum.

Aber diesmal bin ich "schwer von Begriff":

Hauptätigkeit: 12 Monate Höchstbeiträge, weil 12 mal über Beitragsbemessungsgrenze.

Gleichzeitige Nebentätigkeit dann noch beitragspflichtig? Ggf. bis zu welcher Höhe oder unbegrenzt?

Heißt auch, man kann z.B. über 4 EP pro Jahr erwerben? oder ist bei Beitragsbemessungsgrenze (ca. 2,xxx EP) Schluss?

Gruß und danke für die Geduld.

von
Paula

Ich möchte die Antwort von Rosanna so auch nicht stehen lassen.
Bei Überschreitung der Beiragsbemessungsgrenze werden die Einkünfte im Verhältnis zueinander gekürzt und dann erst die Beiträge berechnet.

Paula

von
Rosanna

Ich denke, Sie haben Recht.

Ich bin leider absolut kein Beitragsspezialist und habe in diesem Fall eigentlich mehr "aus dem Bauch" argumentiert.

Man möge es mir nachsehen. ;-))

von
Rosanna

Das finde ich aber goldig, wußte gar nicht, dass es einen Fanclub gibt. ;-)))

Ich möchte auf meinen Beitrag an @Paula verweisen. Ich hatte mich ein bißchen zu sehr auf die 2. Rente versteift.... ;-(

MfG Rosanna.

von
Paula

Aber klar doch.
Wir sind ja auch im Forum für "Altersvorsorge", also vornehmlich Rentenrecht.

Gruß
Paula

von
Nichtganzverstanden

Jetzt sind Sie dran.

Bitte:

Muss jemand, der immer über der Beitragsbemessungsgrenze liegt, für die Nebeneinkünfte (Bedingungen wie zuvor bechrieben) Beiträge zahlen oder nicht??

von
Rosanna

Wenn Sie schon mein Fan sind, möchte ich Sie nicht ganz enttäuschen! ;-)) Ich habe mich jetzt doch noch etwas schlau gemacht....

Nach § 22 Abs. 2 SGB IV dürfen beim Bestehen MEHRERER Versicherungsverhältnisse innerhalb desselben Zeitraumes die beitragspflichtigen Einnahmen die für das jeweilige Versicherungsverhältnis maßgebliche Beitragsbemessungsgrenze nicht übersteigen. Ggfls. sind die Einnahmen für die Beitragsberechnung nach dem Verhältnis ihrer Höhe nach so zueinander zu mindern, dass die beitragspflichtigen Einnahmen ZUSAMMEN HÖCHSTENS die BBG erreichen. Das Gleiche gilt beim Zusammentreffen von Arbeitsentgelt und Einkommen.

Die Verhältnisrechnung sieht wie folgt aus:

Mtl. BBG x Arbeitsentgelt geteilt durch Entgelt + Einkommen (aus selbst.Tätigkeit) = gemindertes Einkommen

Mtl. BBG x Einkommen geteilt durch Entgelt + Einkommen = gemindertes Einkommen.

DIESE Berechnung ist aber nur durchzuführen, wenn durch das Zusammentreffen von Arbeitseinkommen und Arbeitsentgelt die BBG überschritten wird.

Ich hoffe, das hilft Ihnen weiter.

von
Paula

Nur ganz kurz, bekomme gleich Gäste:
ja, wenn die Nebentätigkeit als Selbständiger der Versicherungspflicht unterliegt.
Im Ergebnis bedeutet dies auch, das der (Haupt)arbeitgeber weniger Rentenbeiträge zahlen muss.

Paula

von
Paula (Ergänzung)

PS:
Ich bin nicht die Paula die heute nach der "EM-Rente in %" gefragt hat.
Paula

von
Nichtganzverstanden

Danke Rosanna, das war wider die Rosanna, wie die User sie kennen und mögen.

von
Rosanna

;-))

Ebenfalls danke....

von
Marcellus

Vielen Dank für die Erläuterungen und die regen Antworten auf meine Fragen - dann werde ich mal keine Zeit mehr verlieren...:-)