Beginn ER bei langjähriger chron. Krankheit

von
Alexx

Einen schönen guten Tag,

ich bin seit 25 Jahren Dialysepatient und 100% schwerbehindert. Zur Zeit bin ich berufstätig mit 4 Tagen pro Woche (=32 Std.).

Meine Frage: in ein paar Jahren möchte ich Teilerwerbsminderungsrente beantragen, gerne würde ich dann noch 20-25 Stunden pro Woche arbeiten, verteilt auf 5 Tage pro Woche.
Seit Dialysebeginn 1988 habe ich einen Schwerbehindertenausweis - bedeutet dies, dass die (theoretische) Erwerbsminderung auf diesen Zeitpunkt zurückgerechnet wird? Oder wird bei Antrag auf Erwerbsminderung der Termin zugrunde gelegt, zu dem ich angebe, nur noch zwischen 4-5 Stunden pro Tag arbeiten zu können?

Zweite Frage: werden Dialysepatienten immer in volle Erwerbsminderungsrente geschickt - und falls ja, kann ich widersprechen? Ich möchte auf jeden Fall noch weiterarbeiten, aber eben in Teilzeit. Gar nicht mehr zu arbeiten kann ich mir nicht vorstellen. Das möchte ich unbedingt vermeiden, deshalb schreckte ich bisher noch davor zurück, eine Teilerwerbsminderungsrente zu beantragen. Da ich erst seit 15 Jahren arbeite, werde ich auch eine geringe Rente haben.

2018 werde ich 30 Jahre Dialysepatient sein (und bin dann mit 50 Jahren immer noch sehr weit weg von einer normalen Altersrente, die ich sicher nicht als Angestellte erreichen werde.) Das wäre ein Zeitpunkt, zu dem ich schon gerne weniger arbeiten würde, es wird jedes Jahr schwieriger.

Das Thema ist sehr komplex und bei der Beratungsstelle hat man mir vor einigen Jahren gesagt, ich soll so lange arbeiten wie es geht (na logisch, das möchte ich auch) und mit möglichst hohen Arbeitszeit (Gehalt) wg. der späteren Hinzuverdienstgrenze.

Die eine Frage ist, wie lange schaffe ich das und die andere Frage: reicht die Rente zum leben?
Bei einem 20 Std. Job hätte ich ca. 1500 Euro brutto, mir würde das reichen, aber darf ich überhaupt so viel hinzuverdienen?

Danke schon mal für die Antworten.

Viele Grüße
Alex

von
MWXZ

Hallo Alex,
wie das Rentenrecht in ein paar Jahren sein wird, kann nur spekuliert werden.
Nach heutigen Recht: Antrag auf Erwerbsminderungsrente- eine Teilerwerbsminderungsrente kann nicht beantragt werden.
Erwerbsminderungsrente erhält, wer aus gesundheitlichen Gründen in seiner Arbeitsfähigkeit deutlich eingeschränkt ist. Wer nur noch weniger als 3 Stunden täglich arbeiten kann, erhält die "Volle Erwerbsminderungsrente", wer 3 bis unter 6 Stunden arbeiten kann, eine "Teilweise Erwerbsminderungsrente"

Ab 1.7.2014 Zurechnungszeit bis 62 Jahre- Rentenabschlag von 10,8 % bleibt auch bestehen bei Umwandlung in Altersrente.
Schwerbehindert bedeutet noch längst nicht, dass sie auch erwerbsgemindert im Sinne der gesetzlichen Rentenversicherung sind.

Experten-Antwort

Hallo Alexx,

wie Sie schon selbst festgestellt haben handelt es sich bei Ihrer Fragestellung um einen sehr komplexen Sachverhalt. Im Rahmen dieses Forums lassen sich kaum alle Facetten ausreichend beleuchten. Hier wäre es aus meiner Sicht daher sinnvoller, zu gegebenem Zeitpunkt eine persönliche Beratung in einer Auskunfts- und Beratungsstelle eines Rentenversicherungsträgers in Anspruch zu nehmen.
Im Allgemeinen kann ich zu Ihren Fragen jedoch folgendes sagen:

Zu welchem Zeitpunkt die maßgebende Minderung der Erwerbsfähigkeit (Leistungsfall) festgestellt wird, lässt sich nicht pauschal voraussagen. Dies bestimmt grundsätzlich der sozialmedizinische Dienst des zuständigen Rentenversicherungsträgers individuell anhand der konkreten Umstände des jeweiligen Einzelfalls. Dies gilt gleichermaßen auch für den Umfang der vorliegenden Minderung der Erwerbsfähigkeit. Auch hier lassen sich (insbesondere auch im Rahmen dieses Forums) keinerlei Voraussagen treffen.

Wenn Sie neben einer ggf. zu leistenden Erwerbsminderungsrente unbedingt weiterarbeiten wollen, wird dies prinzipiell möglich sein. Welchen Einfluss diese Tätigkeit dann auf den Erwerbsminderungsrentenanspruch (Art der Erwerbsminderungsrente; ggf. Zahlung als Teilrente unter Berücksichtigung des Hinzuverdienstes) haben wird und in welcher Höhe die Rente letztlich gezahlt werden kann, hängt dann wiederum vom jeweiligen Einzelfall ab. Auch hier müssten Sie prinzipiell die Prüfung im Falle einer konkreten Antragstellung auf eine Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit abwarten.