Beitragsgeminderte Zeit wegen Krankheit

von
Sissi

In den SV-Ausweisen der DDR wurden hinten vom Arzt Krankheitszeiten angegeben. Vorn, beim Arbeits- und Sozialverhältnis, stehen jedoch keine Ausfalltage, sondern immmer der zwar gekürzte SV-Beitrag aber vom 1.1.bis 31.12.
Die Krankheitstage werden bei der Rentenberechnung doch addiert und an das Ende des Jahres gestellt.Dabei ergibt sich hier ein ganzer Monat (Dezember als Anrechnungszeit) und ein beitragsgeminderter November.
Mit wieviel Prozent des Gesamtleistungswert werden diese beiden Monate bewertet?

von
Rentenüberprüfer

Immer dann, wenn in einem SV-Buch der ehemaligen DDR die Krankheitszeiten als Summe Tage auf den Seiten stehen, wo auch die Verdienste eingetragen wurden, folgende Verfahrensweise:

a) bis 12-1983
Ein Zahl kleiner 22 bleibt ohne Berücksichtigung, weil der Gesetzgeber festgelegt hat, dass Krankheitszeiten bis dahin nur berücksichtigt werden, wenn mindestens ein voller Kalendermonat vorhanden ist.
Eine Zahl kleiner 22 führt nach Multiplikation mit 7, und Division durch 5, nicht zu diesem Ergebnis.
Beispiel für Zahl 21
21*7/5 = 29,4 gerundet = 29

Beispiel für Zahl 44
44*7/5 = 61,6 gerundet = 62
Die Zahl 62 wird dann als Summe Kalendertage vom eingetragenen Endezeitraum des jeweiligen Jahres, überlicherweise vom 31.12., subtrahiert.
Wenn ich nun vom 31.12. die 62 Kalendertage subtrahiere, lande ich beim 30.10. als letztem errechneten Arbeitstag.

Danach ist der Monat November und Dember als Monat beitragsfrei zu erfassen, Bewertung erfolgt mit 100% des ermittelten Gesamtleistungswertes,
der Monat Oktober, weil der 31.10 ja auch noch Ausfallzeit ist, wird mit dem Verdienstanteil für die verbleibenden 30 Arbeitstage als "beitragsgemindert" eingeordnet.
Bewertung auch dieses Monats mit 100% des Gesamtleistungswertes.

b) ab 01-1984 bis 06-1990
Für diese Zeit wird jede eingetragene Zahl, auch wenn <22, berücksichtigt.
Art der Berechnng und Bewertung wie zu a) genannt.

c)
Sind Ausfalltage nicht als Zahl auf den Seiten mit den Verdiensten eingetragen worden, wird Krankheitszeit aus den hinteren Seiten berücksichtigt.

C1) bis 12-1983
Berücksichtigung erfolgt nur, wenn die Eintragung auf den hinteren Seiten für jeden Krankheitsfall mindestens einen vollen Monat einschließen.
Bewertung:
- volle Monate gelten als Beitragsfrei,
Bewertung ab 1998 Rentenbeginn nur mit 80% Gesamtleistungswert
Die Monate vor oder nach dem vollen Krankenmonat gelten als beitragsgemindert, Bewertung auch mit 80%.

C2 Krankheitszeit ab 01.1984
Es wird jede eingetragene Krankheitszeit auf den hinteren Seiten berücksichtigt und Bewertet im Umfang wie zu C1 genannt.
Auf den vollen Monat kommt es nicht mehr an.

von
Michael1971

Hallo,

Sie sind doch der mit dem selbstgeschriebenen Rentenberechnungsprogramm.

Deshalb möchte ich Sie auf einen kleinen Fehler bei Ihrer Darstellung unter a) hinweisen. Da immer nur volle Tage als Zeitraum an das Ende des Jahres (bzw. der Beschäftigung) gelegt werden können, gilt für die Rundung nach der Umrechnung § 121 Abs. 3 SGB VI.

21 Arbeitsausfalltage ergeben demnach nach der Umrechnung 29,4 bzw. gerundet nach der obigen Vorschrift 30 Tage. Bei einem Beschäftigungsende in einem Monat mit lediglich 30 Tagen ergibt das dann bereits einen vollen Kalendermonat.

von
Sissi

Vielen Dank, lieber Rentenüberprüfer für die ausführliche Antwort.
Ist es also so, dass vor 1984 bei weniger als 22 Krankheitstagen wegen der Nichtberücksichtigung gar kein beitragsgeminderter Monat entsteht?
Berechnen sich die EP für das Jahr dann aus den(wegen den Krankheistagen) gekürzten SV Beitrag?

Experten-Antwort

Den Ausführungen von Rentenüberprüfer wird nicht gefolgt, da hier die Fragestellung verkannt wurde. Laut "Sissi" sind die Anrechnungszeiten für die Ausfalltage bereits ermittelt.

Der Dezember erhält als beitragsfreier Monat 80 Prozent des Gesamtleistungswertes. Für November gilt, dass gemäß § 71 Abs. 2 SGB VI für beitragsgeminderte Zeiten die Summe der Entgeltpunkte um einen Zuschlag so zu erhöhen ist, dass mindestens der Wert erreicht wird, den diese Zeiten jeweils als beitragsfreie Anrechnungszeiten wegen Krankheit hätten. Der November erhält im Ergebnis also ebenfalls mindestens 80 Prozent des Gesamtleistungswertes.

von
Rentenüberprüfer

Sie haben nicht recht, auch wenn Sie meinen Ausführungen nicht folgen.

Wenn, wie von Sissi dargelegt, eine Summe Krankentage ans Ende des Jahres gehängt wird, handelt es sich nur um Ausfallzeit, und die wird gundsätzlich, egal ob als beitragsfrei oder beitragsgemindert, immer mit 100 % Gesamtleistungswert bewertet.

Ein Summierung von Krankentagen in den Fällen, wo die Eintragung als Zahl nicht auf den Verdienstseiten vorliegt, findet nicht statt.

In diesen Fällen wird die Krankheit, so sie zu berücksichtigen ist, zeitlich so eingeordnet, wie in den hinteren Seiten der SV Bücher eingetragen.

Die Bewertung erfolgt hier bei Rentenbeginn ab 1998 nur mit 80% Gesamtleistungswert.

von
Rentenüberprüfer

Ja, ist für Ausfallzeiten vor 1984 so zu verstehen, unter Beachtung von Hinweis des Users Michael1971 für Monate, bei denen der Beginn der Rückrechnung von einem Monat mit nur 30 Kalendertagen vorzunehmen ist.

von
Rentenüberprüfer

Danke für Hinweis.

Hätte vielleicht vorher noch mal in mein Programm schauen sollen, weil dort auch die Ermittlung der Umrechnung von Ausfalltagen zur Feststellung des letzten zu berücksichtigenden Arbeitstages als Überprüfungssachverhalt mit enthalten ist.

Da habe ich aber die Umsetzung richtig eingeordnet.

Im Gegensatz zu vielen anderen Rentensachverhalten, wo nur gerundet wird, wird in diesem Zusammenhang aber "aufgerundet".

Ihre Feststellung ist zutreffend, ich bin der mit dem selbstgeschriebenen, besser gesagt, selbst entwickelten Rentenberechnungsprogramm. Mit Rentenproblemen hatte ich vor meinem Rentenbeginn noch nie was am Hut, bin auf dieser Strecke erst als Rentner aktiv geworden.

Nach notwendigen Klärungsgesprächen mit der DRV in diesem Zusammenhang bin ich wohl auch der einzige in Deutschland, der dazu die amtliche Erlaubnis hat ohne zur Berufsgruppe der Rentenberater oder Anwälte zu gehören.