Berechnung Erwerbsminderungsrente bei späterem Zuzug nach Deutschland

von
AlexBender

Hallo

folgende Frage bzgl. der Berechnung einer Erwerbsminderungsrente.

Es geht um meine Frau die 10/1966 geboren wurde und Ende 2000 nach Deutschland
zwecks Eheschliessung kam. Ab Ende 2001 hat sie im Angestelltenverhältnis gearbeitet und entsprechend Rentenversicherungsbeiträge gezahlt.

Entsprechend wurden auch Rentenpunkte "erworben" - zur Vereinfachung soll hier
angenommen werden dass jedes Jahr genau 1 Rentenpunkt erworben wurde. Ab Ende 2001 bis Ende 2018 wurden somit 17 Rentenpunkte "erworben".

Wenn ich richtig informiert bin werden jetzt die 17 Rentenpunkte für die Zeit von Ende 2001 bis Ende 2018 genommen, der zurückgelegte Versicherungsverlauf bei der DRV berücksichtigt und dann für die Zurechnungszeit bis zum Alter 62 + 6 Monate (das wäre dann 04/2029) für weitere 10 Jahre 4 Monate der (bisher erzielte) jährliche Rentenpunkt "hinzugerechnet". Ergibt dann 27,33 Punkte, multipliziert mit dem aktuellen Rentenwert (32,03) ergibt dann die EMR. Hiervon werden dann noch 10,8% wegen vorzeitigem Rentenbeginn abgezogen.

Soweit meine Überlegung.

ABER : jetzt kam die Renteninfo der DRV und dort wurde als EMR die bei jetziger Erwerbsminderung gezahlt wurde ein ganz anderer Wert heraus. Ich glaube jetzt herausgefunden zu haben, wie die rechnen. Die haben aufgrund der vorliegenden Biographie meiner Frau für den Arbeitsbeginn ein fiktives Alter von 23 (10/1989)angenommen. Zu diesem Zeitpunkt hat sie im Herkunftsland ihr Studium beendet und danach dort 11 Jahre gearbeitet. Zu einem minimalen Hungerlohn.
Ob da überhaupt ein (ebenso minimaler) Rentenanspruch erworben wurde ist auch meiner Frau unklar.

Mit dieser Annahme komme ich bei "meiner" Rechnung bis auf 1-2 Euro auf den Wert den die DRV in ihrer Renteninfo ausgewiesen hat.

Frage : gibt es eine gesetzliche Grundlage die das Rechenverfahren der DRV stützt ? Das dies die Zurechnungszeiten meiner Frau sehr stark "entwertet" steht ausser Frage.

Meiner Meinung nach ist die o.a. Rechnung schon sehr fraglich, ich frage mich wie die Rechnung für einen hier geborenen und aufgewachsenen aussieht, der sich nach Ausbildung (Studium) selbständig gemacht hat und erst mit Mitte 30 dann Rentenversicherungsbeiträge gezahlt hat. Wird da genauso gerechnet ?

Danke für Eure Antwort

von
chi

Wenn jemand z.B. 10 Jahre als Selbständiger keine Beiträge gezahlt hat, danach 10 Jahre als Angestellter jährlich 1 EP erworben hat, ist der Gesamtleistungswert ca. 0,5 EP pro Jahr; also der Durchschnitt aus 10 Jahren 0 EP und 10 Jahren 1 EP. Damit wird dann die Zurechnungszeit belegt. (Vereinfachte Darstellung.)

Zum Fall Ihrer Frau kann vermutlich niemand viel sagen, wenn wir nicht einmal das Land wissen.

von
AlexBender

Meine Frau stammt aus Russland. Sie ist KEINE Spätaussiedlerin ...

von
Fastrentner

Zitiert von: AlexBender
Meine Frau stammt aus Russland. Sie ist KEINE Spätaussiedlerin ...

Da Sie keine Spätauusiedlerin ist und es kein Sozialabkommen mit der Russischen Föderation gibt, minimieren diese Zeiten den Durchschnittswert für die Zurechnungszeit. Somit dürfte der Ihnen vorliegende Wert der EM-Rente völlig korrekt sein, da die Zeiten in Russland, wie auch bei Selbständigen ohne Beitragszahlung in Deutschland keinerlei rentenrechtlichen Wert darstellen.

von
W*lfgang

Hallo AlexBender,

Ihre Frau wird nicht besser/schlechter gestellt, als ein Einheimischer in D, der auch nur seine Zeit bis zum ersten Rentenbeitrag mit 'Luft' gefüllt hat ...die Auslandszeiten erhält Sie ja als Nichtspätausiedlerin nicht anerkannt/bis auf die Ausbildung, insofern 'Luft' bis zum ersten Beitrag in D.

Die Gesamtleistungsbewertung berücksichtigt aber alle vorhanden Beitragswerte + und die 'Luftnummern' ...der beste Wert wird danach sogar in einer Zeitberechnung ermittelt.

Fordern Sie eine Rentenauskunft MIT allen Berechnungsanlagen an, dann können Sie den Rechenweg für die EP nachvollziehen.

Gesetzlich steigen Sie hier ein:

http://rvrecht.deutsche-rentenversicherung.de/Raa/Menu.do?expand=Zweiter%20Abschnitt%20(%A7%A7%2033-105)%204%20221

...und folgen dann ab § 71 den weiteren rechtlichen Hinweisen.

Gruß
w.
PS: Stellen Sie sich vor, Sie hätten ab Alter 60 mit Einkommen BBG gerade mal 5 Jahre in D gearbeitet – und wollen dann eine EM-Rente auf der Basis 'was hätte wenn ab 18 mit diesem Einkommen dabei rauskommen können – das will ich für die Zurechnungszeit ab 18 bis zur EM-Rente' ...ist ein bisschen quer gedacht, aber trifft den Kern Ihrer Frage 'warum gibt es in D nicht mehr EM-Rente, wenn ich einen Teil meiner Arbeitszeit in einem nicht EU-/Abkommensstatt beruflich tätig war'.

Ich finde, das ist gesetzlich noch sehr 'human' geregelt, das überhaupt Auslandszeiten die Gesamtleistungsbewertung/damit die Höhe einer Rente in D beeinflussen kann ...nach den Rentenansprüchen des Herkunftslandes/was leisten die eigentlich, fragt dabei natürlich keiner ;-)

von
AlexBender

Zitiert von: W*lfgang
Hallo AlexBender,

Ihre Frau wird nicht besser/schlechter gestellt, als ein Einheimischer in D, der auch nur seine Zeit bis zum ersten Rentenbeitrag mit 'Luft' gefüllt hat ...die Auslandszeiten erhält Sie ja als Nichtspätausiedlerin nicht anerkannt/bis auf die Ausbildung, insofern 'Luft' bis zum ersten Beitrag in D.

Die Gesamtleistungsbewertung berücksichtigt aber alle vorhanden Beitragswerte + und die 'Luftnummern' ...der beste Wert wird danach sogar in einer Zeitberechnung ermittelt.

Fordern Sie eine Rentenauskunft MIT allen Berechnungsanlagen an, dann können Sie den Rechenweg für die EP nachvollziehen.

Gesetzlich steigen Sie hier ein:

http://rvrecht.deutsche-rentenversicherung.de/Raa/Menu.do?expand=Zweiter%20Abschnitt%20(%A7%A7%2033-105)%204%20221

...und folgen dann ab § 71 den weiteren rechtlichen Hinweisen.

Gruß
w.
PS: Stellen Sie sich vor, Sie hätten ab Alter 60 mit Einkommen BBG gerade mal 5 Jahre in D gearbeitet – und wollen dann eine EM-Rente auf der Basis 'was hätte wenn ab 18 mit diesem Einkommen dabei rauskommen können – das will ich für die Zurechnungszeit ab 18 bis zur EM-Rente' ...ist ein bisschen quer gedacht, aber trifft den Kern Ihrer Frage 'warum gibt es in D nicht mehr EM-Rente, wenn ich einen Teil meiner Arbeitszeit in einem nicht EU-/Abkommensstatt beruflich tätig war'.

Ich finde, das ist gesetzlich noch sehr 'human' geregelt, das überhaupt Auslandszeiten die Gesamtleistungsbewertung/damit die Höhe einer Rente in D beeinflussen kann ...nach den Rentenansprüchen des Herkunftslandes/was leisten die eigentlich, fragt dabei natürlich keiner ;-)

Zunächst einmal vielen Dank. Ich werde dem Link nachgehen ...

Zu Ihrem Argument

PS: Stellen Sie sich vor, Sie hätten ab Alter 60 mit Einkommen BBG gerade mal 5 Jahre in D gearbeitet – und wollen dann eine EM-Rente auf der Basis 'was hätte wenn ab 18 mit diesem Einkommen dabei rauskommen können – das will ich für die Zurechnungszeit ab 18 bis zur EM-Rente' ...ist ein bisschen quer gedacht, aber trifft den Kern Ihrer Frage 'warum gibt es in D nicht mehr EM-Rente, wenn ich einen Teil meiner Arbeitszeit in einem nicht EU-/Abkommensstatt beruflich tätig war'.

Ihr Beispiel wäre auch das Extrembeispiel ... ja da wäre der Effekt extrem

Auslandszeiten beeinflussen in meinem/unserem Fall ja die EM-Rente nicht (da kein Abkommen besteht). Was auch ich in Ordnung finde. Einfluss gibt es ja wohl nur wenn ein entsprechendes Abkommen mit dem Land vorliegt.

A B E R ganz indirekt gibt es dann halt für Länder wie Russland doch einen Einfluss ... in dem dortige Arbeitszeiten in die Rechnung eingehen.

Und es bleibt zu vermerken dass bei den Altersrenten IM WESENTLICHEN nur die Rentenpunkte zählen (wenn Mindestzeiten erfüllt sind, was man annehmen kann).
Bei der EM-Rente wird dieses Prinzip (aus Sicht von Migranten aus Ländern wie Russland) aber auf den Kopf gestellt ...

Dass die deutsche Sozialgesetzgebung "human" ist will ich gar nicht bestreiten. Aber für die Länder mit Abkommen werden ja auch Deutsche dort "grosszügiger" behandelt ..

Aber das will ich hier nicht weiter diskutieren.

VIELEN DANK für den Link

Experten-Antwort

Hallo AlexBender,

die Bewertung der Zurechnungszeit als beitragsfreie Zeit gem. § 71 Abs. 1 SGB VI orientiert sich an der individuellen Beitragsleistung des einzelnen Versicherten während seines gesamten Versicherungslebens. Dabei ist neben der Höhe der Beiträge auch die Beitragsdichte, nämlich die tatsächliche Anzahl an Beitragsmonaten im Vergleich zur möglichen Anzahl an Beitragsmonaten in einem belegungsfähigen Zeitraum (§ 72 Abs. 2 SGB VI) von Bedeutung.
Insofern haben nichtberücksichtigungsfähige Zeiten (z.B. Zeiten in einem Land ohne Sozialversicherungsabkommen) oder auch nicht belegte Zeiten (z.B. als Selbstständiger ohne Beitragszahlung) gleichermaßen Einfluss auf den belegungsfähigen Zeitraum. Diese Zeiten verringern den Durchschnitt der Entgeltpunkte, die für die Bewertung der Zurechnungszeit zugrunde gelegt werden.

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