Berechnung Hinterbliebenenrenten

von
Ratlos

Hallo.
Die Frage ist generell: Wovon werden die Witwen- und Waisenrenten berechnet? In der Broschüre der GRV steht "von der Versichertenrente des Verstorbenen". Ist danmit die Alters- oder volle Erwerbsminderungsrente des Verstorbenen gemeint? Wäre ja aufgrund der unterschiedlichen Berücksichtigung der Zurechnungszeiten ein Unterschied. Wichtig ist, dass ich für die richtige Antwort auch eine Fundstelle habe.
Danke schön.

Experten-Antwort

Hallo Ratlos,

die Aussage in der Broschüre ist etwas vereinfachend, denn tatsächlich werden die Witwen- und Waisenrenten nicht aus der Rente des Verstorbenen berechnet, sondern aus den Entgeltpunkten (EP), die der Versicherte bis zu seinem Tod erreicht hat. Diese EP werden mit dem Rentenartfaktor und mit dem aktuellen Rentenwert multipliziert, das ergibt die Monatsrente (§ 64 SGB VI). Der Rentenartfaktor bestimmt die Höhe einer Rente im Verhältnis zur Altersrente (z.B. Altersrente = 100 %, volle Erwerbsminderungsrente = 100 %, Witwenrente = 55 %, Halbwaisenrente = 10 %; § 67 SGB VI). Bei Witwen- und Waisenrenten kommen ggf. noch Zuschläge dazu.

Die EP werden im Zeitpunkt des Todes neu nach den dann geltenden Rechtsgrundsätzen berechnet. Wenn der Versicherte schon eine Rente bezogen hat, dann sind aber mindestens die EP zu verwenden, mit denen diese Rente berechnet wurde (§ 88 SGB VI).
Deshalb kann man näherungsweise sagen, dass die Witwenrente "aus der Versichertenrente" berechnet wird.

Zum Unterschied von Alters- oder EM-Rente:
Wenn der Versicherte vor dem 60. Lebensjahr verstirbt, dann werden auch in der Witwenrente Zurechnungszeiten ermittelt - die Berechnung wäre also ähnlich einer EM-Rente.
Beim Tod nach dem 60. Lebensjahr ähnelt die Berechnung eher der Altersrente (ohne Zurechnungszeit).

von
Knut Rassmussen

Bei Tod unter Lebensalter 60 --> Berechnung wie Altersrente plus Zurechnungszeit bis 60 (also im Ergebnis die EM-Rente)

Bei Tod über 60 --> Berechnung wie Altersrente

Die ganzen Feinheiten: 60%, 55%, Einkommensanrechnung, Zuschlagsentgeltpunkte usw. sprenegn den Rahmen eines Forums.

Lektüre der Rechtsquellen: http://rvliteratur.drv-bund.de/index.htm

von
Claire Grube

Die große Witwenrente beträgt 55 Prozent (altes Recht 60%) der Versichertenrente, auf die der verstorbene Ehepartner zum Zeitpunkt des Todes Anspruch gehabt hätte oder (mindestens) die er bereits bezogen hat.

Stellen Sie sich vor, ein verheirateter Mann fällt am ersten Arbeitstag nach seiner Ausbildung vom Gerüst. Wie hoch würde wohl die Witwenrente, wenn die Berechnung sich nach der fiktiven Altersrente richten würde (wenn also noch gar kein Anspruch auf Altersrente bestanden hätte)?

Selbstverständlich ist in der Hinterbliebenenrente in dem Fall dann auch eine Zurechnungszeit enthalten und die gibt es bei der Rente wegen Erwerbsminderung.

Die tatsächliche Berechnung erfolgt allerdings aus den ermittelten Entgeltpunkten. Die unterschiedliche Anspruchshöhe der Rentenarten resultiert aus unterschiedlichen Rentenartfaktoren der verschiedenen Rentenarten. Darüber regelt sich auch die unterschiedliche Witwenrentenhöhe im Sterbevierteljahr.
Siehe:
http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_6/__67.html

Ggf. wird auch die Witwenrente um einen Abschlag gemindert. Ab 01.01.2001 ist die durch das Gesetz zur Reform der Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit veränderte Fassung des Absatzes 5 in Kraft getreten. Ein individueller Zugangsfaktor ist nunmehr auch bei Beginn einer Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit oder wegen Todes oder einer Erziehungsrente vor dem 63. Lebensjahr zu ermitteln. Bei einem Rentenbeginn bzw. einem Tod des Versicherten ab dem Jahr 2012 wird das 63. Lebensjahr schrittweise auf das 65. Lebensjahr angehoben.