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Berechnung Pflichtbeiträge für selbständige Handwerker

von
Koulchen

Mein Mann ist als selbständiger Maurermeister noch gut vier Jahre beitragspflichtig in der GRV. Die selbständige Tätigkeit übt er seit viereinhalb Jahren aus, meist in geringfügiger Form, da Material- und Fahrtkosten den Gewinn ziemlich auffressen. Das ist bis jetzt immer so gewesen, wenn die Anfrage von der Deutschen Rentenversicherung zur Beitragshöhe kam, also hat er &#34;Ich verdiene unter 400 EUR&#34; angekreuzt.

Änderungen ergeben sich grundsätzlich höchstens sehr lang nachträglich, etwa anderthalb Jahre später, wenn die Steuererklärung für den entsprechenden Zeitraum fertig ist. In den schlechten Jahren nutzt natürlich die Steuerberaterin den Spielraum, um Ansparabschreibungen aufzulösen, also auf das sehr geringe Einkommen noch etwas Gewinn draufzupacken.

Während sich dadurch für den anderthalb Jahre zurückliegenden Zeitraum im Prinzip doch noch einmal die Situation von &#34;geringfügig&#34; in &#34;entsprechend dem Gewinn&#34; ändern müßte, ist der dann aktuelle Zeitraum wieder einer, in dem die 400 EUR monatlich nicht erreicht werden.

Wie soll mein Mann sich bei einer solch stark schwankenden Einkommenssituation verhalten? Müßte er eigentlich für die Zeiten, in denen die Situation dann doch anders aussah als ursprünglich angenommen, Beiträge nachzahlen? Wenn ja, müßten ihm aber auch nachträglich die entsprechenden Pflichtversicherungsmonate angerechnet werden, was im Moment nicht der Fall ist, oder sehe ich das falsch?

Danke im voraus für die Antwort!

von
no name

Die Beitragsberechnung richtet sich immer nach der aktuellen Einkommenssituation, auch wenn diese im nachhinein betrachtet eine andere wäre.

Ihr Mann muss also für die Jahre davor keine Beiträge nachzahlen. Dem entsprechend entstehen natürlich auch keine Pflichtbeitragszeiten.

Experten-Antwort

Selbständig tätige Handwerker, die in die Handwerksrolle eingetragen sind, sind in der Rentenversicherung grundsätzlich versicherungspflichtig. Sofern jedoch das regelmäßige Arbeitseinkommen monatlich 400 Euro nicht übersteigt, besteht Geringfügigkeit mit der Folge, dass keine Pflichtbeiträge zu zahlen sind. Maßgebend ist hierbei das aktuelle Arbeitseinkommen, wobei das Ganze vorausschauend (= in die Zukunft gerichtet) zu beurteilen ist. Sofern sich nachträglich herausstellt, dass sich aus nicht vorhersehbaren Umständen die Sachlage anders darstellt, bleibt es grundsätzlich bei der einmal getroffenen Entscheidung. Allerdings ist jeder Handwerker verpflichtet, dem Rentenversicherungsträger Änderungen in seinen Verhältnissen, insbesondere eine Änderung seines Arbeitseinkommens, mitzuteilen. Sollte er dies unterlassen, kann auch rückwirkend Versicherungspflicht eintreten, d. h. er müsste dann für die Vergangenheit Beiträge nachzahlen. Auskünfte zum konkreten Einzelfall kann nur der zuständige Rentenversicherungsträger nach Prüfung aller Umstände geben.

von
Koulchen

Vielen Dank an no name und den Experten für die Infos!

@Experte: Das mit der Mitteilungspflicht ist uns bekannt. Aber will die DRV tatsächlich alle anderthalb Monate eine neue Einschätzung der Lage von uns? Es ist nämlich ein ständiges Auf und Ab mit den Aufträgen und teilweise mit der Zahlungsmoral der Kunden. Dazu kommt, daß mein Mann gesundheitlich ziemlich angeschlagen ist (total kaputte Knie) und deshalb zwischendurch immer mal wieder aussetzen muß.

Für dieses Jahr sieht es z.B. so aus: Erstes Quartal gut verdient, zweites dto., aber da war ein neuer Bus fällig, weil der alte es nicht mehr getan hat. Bedeutet: Gewinn voll aufgebraucht. Ende des zweiten Quartals kam eine gebrochene Hand hinzu, deretwegen mein Mann drei Wochen ausgefallen ist, und eine Kundin hat auf teuren Nachbesserungsmaßnahmen bestanden. Für das dritte Quartal liegen noch ein paar gute Aufträge an, danach eine Knieoperation, nach der mein Mann einige Wochen ausfällt. In diesem Stil geht das von Anfang an hin und her: gute Phasen mit lukrativen Aufträgen wechseln sich mit den kleinen Katastrophen des Alltags ab.

Vielleicht wäre es hilfreich, wenn ich die Einkommen meines Mannes seit 2004, dem Beginn seiner selbständigen Tätigkeit, in ein monatliches Durchschnittseinkommen umrechnen würde, um zu sehen, ob da eventuell noch Nachforderungen anstehen könnten. Wie beurteilen Sie das?

Besten Dank vorab und Gruß
Koulchen

Experten-Antwort

Es ist klar, dass es bei einem Selbständigen sehr schwierig ist, die zukünftige Auftragslage und die damit verbundenen Einnahmen oder Verluste zu prognostizieren, da dies sehr starken Schwankungen unterliegen kann. Bei der vorausschauenden Betrachtungsweise ist darauf abzustellen, wie die Einkommenssituation im zukünftigen Jahr voraussichtlich sein wird. Bei schwankenden Einkünften liegt Geringfügigkeit dann vor, wenn das Arbeitseinkommen im nächsten Jahr durchschnittlich 400 Euro monatlich nicht übersteigen wird. Der zuständige Rentenversicherungsträger muss natürlich nicht informiert werden, wenn ein größerer Auftrag kommt, sondern nur dann, wenn absehbar ist, dass sich die Einkommenssituation auf Dauer verändert. Eine genaue und für Ihren Ehemann verbindliche Auskunft kann ich hier im Internet nicht abgeben, da ich nicht alle Umstände des Einzelfalles kenne. Diese Beurteilung kann nur der zuständige Sachbearbeiter beim Rentenversicherungsträger Ihres Ehemannes machen. Ich bitte Sie daher, sich direkt mit ihm in Verbindung zu setzen.