Berechnung Rentenbeitrag unklar

von
Matthias

Hallo,

ich bin Angestellter in einem Unternehmen. Ich versuche gerade, anhand meiner alten Lohnsteuerbescheinigung meinen Rentenbeitrag zu plausibilisieren, komme aber auf falsche Zahlen.

Beispiel:
Jahr 2012
Bruttojahresgehalt laut Lohnsteuerbescheinigung: 77389,-€
Beitragsbemessungsgrenze: 67.200,-€
Beitragssatz 2012: 19,6% (Land Bayern)
Erwarteter Beitrag zur gesetzlichen RV: 19,6% * 67.200,-€ = 13.171,20€
Tatsächlich einbehaltene Beiträge zur gesetzlichen RV (Summe aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil): 13.161,24€

Woher kommt diese Diskrepanz? Diese variiert von Jahr zu Jahr und ist mal größer, mal kleiner, und mal passt es auch exakt. Wo ist mein Rechenfehler?

Vielen Dank und beste Grüße

von
???

Maßgeblich ist das SV-Brutto (sozialversicherungspflichtiges Bruttoarbeitsentgelt), nicht das Steuer-Brutto. Die Beiträge werden monatlich vom SV-Brutto einbehalten. Überprüfen Sie einmal die Monats-SV-Brutto und die daraus monatlich einbehaltenen RV-Beiträge.

von
=//=

Pflichtbeiträge werden aus dem sozialversicherungspflichtigen Entgelt gezahlt (wie bereits erwähnt). Dies stimmt in der Regel nicht mit dem Bruttojahresentgelt aus der Steuerbescheinigung überein. Ich habe mich auch schon oft darüber gewundert, ist aber so. ;-)

Wenn Ihr soz.vers.pflichtiges Bruttoentgelt aber über der Beitragsbemessungsgrenze liegt, werden nur aus dem auf die BBMG zugrundeliegenden Entgelt Beiträge gezahlt!

Die BBMG verändert sich allerdings jedes Jahr (außer 2010 und 2011 = 66.000 EUR). Der Beitragssatz ist im gesamten Bundesgebiet gleich, also nicht nur in Bayern. ;-)

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Matthias,

bitte überprüfen Sie, ob Sie bei Ihrer Prüfung der Berechnung den richtigen Ausgangswert (SV-Brutto), wie bereits in den anderen Beiträgen erwähnt, als Berechnungsgrundlage herangezogen haben. Sie sollten dann auf das richtige Ergebnis kommen.

von
Matthias

Vielen Dank für die hilfreichen Antworten. Es hat funktioniert: Ich habe jetzt das RV-Brutto herangezogen und nun stimmen die Zahlen.

Ich habe nun noch eine Folgefrage: Wird zur Berechnung der Entgeltpunkte ebenfalls das RV-Brutto herangezogen? Denn bei der Berechnung der Entgeltpunkte erhalte ich leider immer noch ein falsches Ergebnis. Oder wird hierfür das gesamte Brutto/Steuerbrutto benutzt?

Danke!

von
zelda

Zitiert von: Matthias

Vielen Dank für die hilfreichen Antworten. Es hat funktioniert: Ich habe jetzt das RV-Brutto herangezogen und nun stimmen die Zahlen.

Ich habe nun noch eine Folgefrage: Wird zur Berechnung der Entgeltpunkte ebenfalls das RV-Brutto herangezogen? Denn bei der Berechnung der Entgeltpunkte erhalte ich leider immer noch ein falsches Ergebnis. Oder wird hierfür das gesamte Brutto/Steuerbrutto benutzt?

Danke!

Für die Berechnung der Entegltpunkte wird ebenfalls das RV- Brutto herangezogen, denn aus diesem haben Sie die RV- Beiträge gezahlt.

MfG

zelda

von
Matthias

Danke für die Antwort. Können Sie mir evtl. aufzeigen, an welcher Stelle mein Rechenfehler liegt?

Jahr: 2013
RV-Brutto: 69.600€ (=Beitragsbemessungsgrenze)
Durchschnittseinkommen: 33.659€
Erwartete Entgeltpunkte: 69.600/33659 = 2,0678
Tatsächlich laut Rentenbescheid erhaltene Entgeltpunkte: 2,0079 (Gesamtentgeltpunkte 2013 abzüglich Gesamtentgeltpunkte 2012)

Woran könnte es liegen?

Danke!
Matthias

von
zelda

Hallo Matthias,

die Differenz wird mehrere Gründe haben:

1. Das (vorläufige) Durchschnittsentgelt für 2013 betrug 34.071 Euro. (siehe hier:

http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_6/anlage_1_585.html )

Somit ergeben sich max. 2,0428 Entgeltpunkte.

Woher stammt ihr Wert 33.659 Euro ?

2. Sollten Sie in den neuen Bundesländern beschäftigt sein, so beachten Sie bitte die Anlagen 2 a und 10 des SGB VI.

3. Auch wenn zur Rentenberechnung die vier Grundrechenarten ausreichen- so einfach ist die Rentenberechnung nun doch nicht.

Zu den Entgeltpunkten aus Beitragszeiten kommen z.B. noch die zusätzlichen Entgeltpunkte für beitragsgeminderte Zeiten (z.B. für eine Berufsausbildung) hinzu. Somit werden bei der reinen Differenzbildung immer Unterschiede auftreten.

Ich vermute, dass Ihnen bisher kein Rentenbescheid, sonderm lediglich eine Renteninformation vorliegt.

Ich empfehle Ihnen daher, eine "Rentenauskunft mit allen Berechnungsanlagen" bei Ihrem Rentenversicherungsträger anzufordern.

Damit können Sie nicht nur mittels der Anlage 2 überprüfen, ob alle Daten korrekt gespeichert sind, sondern auch ab Anlage 3 die Rentenberechung "erforschen".

Hilfreich ist evt. noch diese Broschüre:

http://www.deutsche-rentenversicherung.de/cae/servlet/contentblob/232638/publicationFile/52266/rente_so_wird_sie_berechnet_alte_bundeslaender.pdf

MfG

zelda

von
Matthias

Hallo zelda

Zitiert von: zelda

1. Das (vorläufige) Durchschnittsentgelt für 2013 betrug 34.071 Euro. (siehe hier:

http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_6/anlage_1_585.html )

Somit ergeben sich max. 2,0428 Entgeltpunkte.

Woher stammt ihr Wert 33.659 Euro ?

Also sowohl laut Wikipedia, als auch laut dem PDF-Dokument, dass Sie mir weiter unten verlinkt haben, beträgt das Durchschnittseinkommen 2013 33,659,-€...

Ändert aber nix, denn auch mit dem von Ihnen genannten Durchschnittseinkommen von 34.071,-€ stimmen die Entgeltpunkt immer noch nicht.

Zitiert von: zelda

2. Sollten Sie in den neuen Bundesländern beschäftigt sein, so beachten Sie bitte die Anlagen 2 a und 10 des SGB VI.

Nein, alte Bundesländer, genauergesagt in Bayern.

Zitiert von: zelda

3. ...Zu den Entgeltpunkten aus Beitragszeiten kommen z.B. noch die zusätzlichen Entgeltpunkte für beitragsgeminderte Zeiten (z.B. für eine Berufsausbildung) hinzu. Somit werden bei der reinen Differenzbildung immer Unterschiede auftreten.

Nichts dergleichen liegt bei mir für das Jahr 2013 vor

Zitiert von: zelda

Ich vermute, dass Ihnen bisher kein Rentenbescheid, sonderm lediglich eine Renteninformation vorliegt.

Ja, das stimmt!

Zitiert von: zelda

Ich empfehle Ihnen daher, eine "Rentenauskunft mit allen Berechnungsanlagen" bei Ihrem Rentenversicherungsträger anzufordern.

Damit können Sie nicht nur mittels der Anlage 2 überprüfen, ob alle Daten korrekt gespeichert sind, sondern auch ab Anlage 3 die Rentenberechung "erforschen".

Das ist ein sehr hilfreicher Hinweis, vielen Dank dafür, das werde ich tun!

Das Dokument habe ich grad nochmal durchgearbeitet, kannte ich aber alles schon, und insbesondere steht in diesem Dokument, wie gesagt, das Durchschnittseinkommen 2013 mit dem Betrag von 33.659,-€ angegeben.

Vielen Dank für die ausführliche Antwort, ich bin gespannt was aus der von Ihnen vorgeschlagenen Rentenauskunft hervorgehen wird, die ich jetzt mal anfordere!

Ciao&Danke,
Matthias

von
zelda

Hallo Matthias,

noch ein paar Anmerkungen

zu 1 .) Durchschnittswert (33.659 bzw. 34.071 Euro):

Wann wurde die Renteninformation erstellt ?

in 2014:

Dann galt noch das vorläufige Durchschnittsentgelt in Höhe von 34.071 Euro:

http://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Pressemitteilungen/vo-sozialversicherungsrechengroessen-2013.pdf?__blob=publicationFile

in 2015:

Dann gilt das endgültige Durchschnittsentgelt in Höhe von 33.659 Euro:

http://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Pressemitteilungen/vo-sozialversicherungsrechengroessen-2015.pdf?__blob=publicationFile

zu 3. zusätzliche Entgeltpunkte:

Dies können auch bereits für die Vorjahre ermittelt worden sein, die Ausbildung z.B. liegt zumeist einige Jahre zurück. Aufgrund der Berechnung aus dem Durschnitt aller Zeiten (vgl. §§ 71 ff. SGB VI) können sich diese Werte nach jedem Jahr ändern.

Dies kann man in der reinen Renteninformation nicht nachvollziehen, da hier nur die Summe aller Entgeltpunkte aufgeführt wird.

In der Rentenauskunft ( ab Anlage 4 ) wird dies ggf. deutlicher.

MfG

zelda

von
senf-dazu

Halllo Matthias!

Wie zelda schreibt, wird je nach Berechnungsdatum (bzw. möglichem Rentenbeginn) ein vorläufiges oder entgültiges Durchschnittsentgelt verwendet.
Jede Renteninfo hat für die beiden vergangenen Jahre jeweils die vorläufigen Werte genutzt. Ein bzw. zwei Jahre später stehen für diese beiden Jahre die endgültigen Werte fest und schon deswegen ändert sich die Summe der Entgeltpunkte, auch wenn der Zeitraum der gleiche bleibt.
Insofern sind kleine Schwankungen der Entgeltpunktsumme "normal".