Berechnungsgrundlage Halbwaiserente bei Tod, vor Erreichen der Mindestversicherungsdauer

von
Ludwich

Ein naher Familienangehöriger ist im Alter von 20 Jahren bei einem Arbeitsunfall ums Leben gekommen.
Er hinterlässt einen unehelichen Sohn.
Die 5 Jahre Wartezeit konnte der Versicherte ja nicht erreichen, durch den tödlichen Arbeitsunfall sollte diese aber auch nicht relevant sein.
Er hat in der Zeit davor eher unregelmäßig sozialversicherungsrelevant gearbeitet, allerdings mehrmals jeweils für einige Monate eine Ausbildung angefangen.
Wie wird in diesem Fall die Bezugsgröße der Waisenrente berechnet? Gibt es da eine Pauschale? Oder wird in einem ungünstigen Fall 4.95€ Rente gezahlt?

Experten-Antwort

Hallo Ludwich,

im beschriebenen Fall kommt es zu einer vorzeitigen Wartezeiterfüllung. Die allgemeine Wartezeit ist im Zusammenhang mit einem Arbeitsunfall als vorzeitig erfüllt anzusehen, wenn Betreffende bei Eintritt des Arbeitsunfalls versicherungspflichtig war.
Die Höhe der Waisenrente richtet sich nicht nach pauschalen Beträgen, sondern wird nach den üblichen Berechnungsvorschriften ermittelt. Hierbei sorgt die sogenannte Zurechnungszeit dafür, dass es nicht bei 4,95 EUR Rente bleibt. Die Zurechnungszeit unterstellt eine Beitragsleistung bis ins Alter. Der Wert der Zurechnungszeit hängt jedoch stark von der bisherigen Beitragsleistung ab. Lücken sind hierbei nicht förderlich.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung

von
Hobbyexperte

Ergänzend sollte nicht vergessen werden, dass die Halbwaise bei einem Arbeitsunfall des Vaters gleichzeitig einen Anspruch auf Waisenrente aus der gesetzlichen Unfallversicherung haben dürfte. Die Rente der Unfallversicherung ist allerdings auf die gesetzliche Rente anzurechnen.

Da regelmäßig die Unfallrente deutlich höher ist als die gesetzliche Rente, ist eher damit zu rechnen, dass der Zahlbetrag der gesetzlichen Rentenversicherung nur noch die besagten 4,95 € betragen wird und der restliche Löwenanteil von der Unfallversicherung gezahlt wird.

Da der Ausgang allerdings nicht sicher vorhersehbar ist, sollten die Waisenrente sowohl der Rentenversicherung als auch der Berufsgenossenschaft in jedem Fall beantragt werden.

von
Ludwich

Naja, an den Lücken kann niemand mehr etwas ändern. Das ist jetzt nun mal so.
Ja, als Arbeitsunfall wurde es von der BG anerkannt und es wird auch eine Halbwaisenrente von der BG gezahlt werden.
Es fehlt halt für die Angehörigen irgendeine Bezugsgröße, da ja, wegen des Alters, noch keine voraussichtliche Berechnung erfolgte.
Leider (oder besser zum Glück) findet man recht wenig im Netz zu der Problematik wenn der Versicherte so jung verstirbt.
Das Berechnungsverfahren in so einem Fall scheint ja ziemlich komplex zu sein.
Mir geht es halt darum dass das Kind wenigstens finanziell abgesichert ist.

von
Hobbyexperte

Zitiert von: Ludwich
Naja, an den Lücken kann niemand mehr etwas ändern. Das ist jetzt nun mal so.
Ja, als Arbeitsunfall wurde es von der BG anerkannt und es wird auch eine Halbwaisenrente von der BG gezahlt werden.
Es fehlt halt für die Angehörigen irgendeine Bezugsgröße, da ja, wegen des Alters, noch keine voraussichtliche Berechnung erfolgte.
Leider (oder besser zum Glück) findet man recht wenig im Netz zu der Problematik wenn der Versicherte so jung verstirbt.
Das Berechnungsverfahren in so einem Fall scheint ja ziemlich komplex zu sein.
Mir geht es halt darum dass das Kind wenigstens finanziell abgesichert ist.

Grundsätzlich ist das eher eine Frage an die Berufsgenossenschaft (BG) als an die Rentenversicherung.

Bei der Berechnung der Waisenrente der BG gibt es meines Wissens nach eine Mindestrente. Die Höhe kann Ihnen sicherlich die BG nennen. Dann haben Sie zumindest eine grobe Orientierung, welche Rente es mindestens gibt.

Vielleicht hilft Ihnen fürs Erste auch dieser Link weiter:

https://www.dguv.de/de/reha_leistung/hinterbliebene/waisenrenten/index.jsp

P.S.: Falls Sie sich beim Stöbern der Seite die Frage stellen, wie hoch die Bezugsgröße ist:

Sie beträgt aktuell monatlich 3290 €

von
Jonny

Zitiert von: Ludwich
Ein naher Familienangehöriger ist im Alter von 20 Jahren bei einem Arbeitsunfall ums Leben gekommen.
Er hinterlässt einen unehelichen Sohn.
Die 5 Jahre Wartezeit konnte der Versicherte ja nicht erreichen, durch den tödlichen Arbeitsunfall sollte diese aber auch nicht relevant sein.
Er hat in der Zeit davor eher unregelmäßig sozialversicherungsrelevant gearbeitet, allerdings mehrmals jeweils für einige Monate eine Ausbildung angefangen.
Wie wird in diesem Fall die Bezugsgröße der Waisenrente berechnet? Gibt es da eine Pauschale? Oder wird in einem ungünstigen Fall 4.95€ Rente gezahlt?

Die Halbwaisenrente aus der Unfallversicherung beträgt 20 % des Jahresarbeitsverdienstes. Dieser ergibt sich im Alter von 18 – 25 aus 60 % der Bezugsgröße (z.Zt. 39.480 €) und beträgt deshalb 23.688 €. Die monatliche Halbwaisenrente wird deshalb mindestens 394,80 € betragen.

Eine Halbwaisenrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung sollte zwar beantragt werden, dürfte aber wegen Überschreitens der maßgebenden Obergrenze (§ 93 SGB VI) wohl nicht gezahlt werden.

von
Ludwich

Danke, das hat uns schon mal sehr weitergeholfen.
Die Rente der BG hatten wir schon ausgerechnet, waren uns aber nicht sicher ob Netto- oder Bruttoeinkommen.
Wir haben eine Abrechnung gefunden, die haben wir dann einfach mit 12 multipliziert und kamen auf einen ähnlichen Betrag. Der AG ist leider auch keine wirkliche Hilfe. Von daher war die Angabe der Bezugsgröße als Zahl sehr hilfreich. Und auch die Altersabstufung hatten wir übersehen.
Jetzt kommt es halt nur noch darauf an, wie viele Entgeltpunkte er in der RV gesammelt hat, denn danach richtet sich ja auch der Grenzwert.

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