berufl. Wiedereingliederung n. EM-Rente?

von
Kathi

Mein Mann bezieht zurzeit nach einer Krebserkrankung mit Hochdosischemo und Stammzellentransplantation eine befristete Erwerbsminderungsrente. Diese Rente läuft im Laufe des nächsten Jahres aus und er möchte unbedingt wieder arbeiten. Körperlich ist er generell dazu auch in der Lage. Allerdings kann er seinen Beruf als Busfahrer im öffentlichen Nahverkehr nicht mehr ausüben, da er aufgrund der Transplantation noch immer sehr immunanfällig ist.
In seiner Firma gibt es aber immer mal wieder Arbeitsplätze für Mitarbeiter, die aufgrund von Krankheit nicht mehr Busfahren können/dürfen.
Wenn mein Mann eine berufliche Wiedereingliederung (Hamburger Modell) versuchen will, wer ist dann der Kostenträger? Die Krankenkasse sagt, man sei nicht zuständig, weil er aus der EM-Rente kommt. Die DRV sagt, man sei nicht zuständig, weil er noch Krankengeldanspruch hat und die Rente ausläuft. Das würde bedeuten, während der Wiedereingliederung ist mein Mann weder krankenversichert noch erhält er Leistungen zum Lebensunterhalt? Ist das so richtig?

von
Brigitte

Hallo,
wenn Ihr Mann noch Krankengeldanspruch hat, ist die KK zuständig. Somit wäre er dann auch versichert.

MfG

von
Krämers

Ganz so einfach ist das ganze nun aber nicht. Die Argumente der Krankenkasse als auch die der RV sind darum doch absolut nachvollziehbar.

Nach Ablauf bzw. Nichtverlängerung einer EM-Rente gilt man grundsätzlich als voll erwerbsfähig und auch als voll arbeitsfähig. Das heisst im Normalfall muss dann derjenige wieder in Vollzeit ( bzw der Arbeitszeit die vor der Rente bestand ) anfangen zu arbeiten. Eine " Schonfrist " oder einen Anspruch auf eine Wiedereingliederung hat man dann nicht.

Eine Wiedereingliederung wird die Krankenkasse nur dann bezahlen wenn auch nach der EM-Rente weiterhin AU vorliegt. Während einer Wiedereingliederung durch die Kasse wird ja Krankengeld gezahlt und Sie müssen sich ja darum im Staduim der AU befinden. Das heisst hier wäre erst einmal eine weitere Krankschreibung nach der Rente durch den behandelnden Arzt Voraussetzung um überhaupt wieder ins Krankengeld zu kommen ( falls überhaupt noch Anspruch darauf besteht ) . Aus diesem Grunde würde bzw. könnte die Wiedereingliederung ja nicht nahtlos an die EM-Rente erfolgen. Aber das Procedere etc. sollten Sie direkt mit ihrer Kasse dann bsprechen.

Die RV würde eine Wiedereingliederung nach einer EM-Rente wohl nur im Rahmen eines Antrages auf Teilhabe am Arbeitsleben und nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen ( wenn jemand z.b. bereits von der Krankenkasse ausgesteuert wurde ) und nach eingehender Prüfung auch und vor allem der aktuelll dann bestehenden gesundheitlichen Situation bezahlen. Wenn jemand aus Sicht der RV auch nach dem Ablauf der EM- Rente weiterhin erwerbsgemindert ist , aber aus welchen Gründen auch immer keine weitere Zahlung der EM-Rente begehrt, wird sicher keine WE bezahlt werden. Warum auch ? Die RV ist da dann außen vor.

Das ihr Mann keinen EM- Verlängerungsantrag gestellt hat spielt dabei keine Rolle. EM kann und ist man ja auch ohne aktuelle EM-Rentenzahlung. Hier kommt es alleine auf die Feststellung zut EM seitens des med. Dienstes der RV an.

Meiner Meinung nach ist aber nach Ablauf einer EM-Rente und wenn noch (Rest)anspruch auf Krankengeld besteht sowie dazu dann auch wieder AU vorliegt, die Krankenkasse vorrangig für eine WE zuständig.

Egal aber wer letztlich eine WE zahlen würde, ist ihr Mann auf jeden Fall in dieser Zeit natürlich weiter Krankenversichert, da er ja entweder Krankengeld ( von der Kasse ) oder Übergangsgeld ( von der RV ) bekommen würde.

Ansonsten ist eine Wiederaufnahme der Arbeit nach der Rente auch - wie oben schon erwähnt - auch ohne WE durchaus ja möglich und denkbar. Vielleicht kann ihr Mann mit seinem AG ja auch ein entsprechende zeitliche Vereinbarung treffen ( ähnlich der einer WE ) die ihn und sein Leistungsvermögen nicht überfordert. Sollten dann doch alle Stricke reissen und er die Arbeit nicht schaffen, muss sich ihr Mann halt wieder AU schreiben lassen. Dann gibts wieder Krankengeld. Aber die Sache mit der EM-Rente geht natürlich dann wieder ganz von vorne los...... Insofern sollte es sich ihr Mann gut ( sehr gut ! ) überlegen vielleicht nicht doch einen Verlängerungsantrag der EM-Rente zu stellen und damit erstmal weiter abgesichert zu sein . Er kann dann ja im Rahmen der 400€ Hinzuverdienstgrenze oder auch durchaus mehr Stunden arbeiten, wobei dann eben die EM-Rente nicht mehr voll ausgezahlt sondern entsprechend der individuellen Hinzuverdienstgrenzen dann gekürzt würde.

von
Kathi

Unserer Meinung nach müsste mein Mann noch Anspruch auf Krankengeld haben, da er seinerzeit von der Krankenkasse nach ca. 30 Wochen Krankengeldbezug in die EM-Rente gedrängt wurde.

Natürlich hat er vorsorglich einen Verlängerungsantrag für die EM-Rente gestellt.
Nur hat mein Mann eben kein gutes Gefühl dabei: er könnte ja durchaus arbeiten, nur eben nicht in seinem zuletzt ausgeübten Beruf.
Hinzu kommt, dass er ja nicht jünger wird (jetzt 47 Jahre). Je länger er in Rente ist, wird der Einstieg in den Beruf ja nicht leichter. Schon jetzt hat die DRV einen Antrag um Umschulung abgelehnt - auch wegen seines Alters. Vielleicht hilft es, diesen ggfs. nochmals zu stellen?

von
Krämers

Dann warten Sie am besten erstmal ab ob die EM-Rente verlängert wird oder nicht. Wenn sie verlängert wird hat sich das ganze Thema mit der Wiedereingliederung dann ja erledigt...

Und zum Thema arbeits/erwerbsfähigkeit nach einer EM-Rente und/oder langer AU ist zu sagen, das ihr Mann nicht der erste wäre der sich in dieser Hinsicht völlig überschätzt. Auch ich dachte ich bin wieder fit, habe dann eine Wiedereinglliederung sogar erfolgreich durchgeführt und bin erst danach in der Vollzeittätigkeit wieder komplett zusammengebrochen. Das ganze hat mich dann quasi meine Restgesundheit gekostet und mich um Jahre wieder zurück geworfen..

Und ob wirklich noch (Rest)anspruch auf Krankengeld besteht sollten Sie mit der Kasse dann mal abklären. NUR diese kann ihnen darüber rechtsicher Auskunft erteilen. Der 78 Wochen Krankengeldanspruch besteht nämlich grundsätzlich nur in einer festen sog. Blockfrist ( gezählt ab dem 1. Tag der Krankschreibung ) von 3 Jahren. Sind diese 3 Jahre abgelaufen - egal was auch immer in den 3 Jahren war - ist auch der Restanspruch verfallen. So jedenfalls die Verfahrensweise der Krankenkassen. Sie können dann nur anwaltlich/gerichtlich Einzelfallmässig dagegen vorgehen und den Restanspruch so unter Umständen noch geltend machen. Es gibt dazu verschiedene Urteile und die Sache ist rechtlich nicht eindeutig geklärt.

Allerdings erwirbt man auch durch den Bezug einer EM-Rente einen neuen Krankengeldanspruch, da während des Bezuges einer EM-Rente von der RV ja Pauschalabgaben zur Sozialversicherung abgeführt werden. Wie lange allerdings dieser neue Anspruch dann dauert kann ihnen auch nur ihre Kasse genau sagen. 78 Wochen werden dies aber sicher nicht sein.

Das die RV einen Antrag auf Teilhabe am Arbeitsleben während einer laufenden EM-Rente ablehnt ist doch wohl logisch. Wer bereits erwerbsgemindert ist kann doch keine Umschulung mehr bekommen...Dies wäre erst bei Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit und damit auch der Erwerbsfähigkeit überhaupt denkbar. Dann spielen aber noch andere Faktoren wie das Alter, der aktuelle Beruf, der Beruf in den umgeschult werden soll etc. eine Rolle. Wer ernsthaft meint, im Alter von dann ca. 50 Jahren nach einer Umschulung und ohne jegliche Berufserfahrung in dem neuem Beruf noch eine Anstellung zu finden sollte weiter träumen. Die RV schmeisst aber für Träume nunmal nun kein Geld zum Fenster raus und das ist auch richtig so.

Es ehrt ihren Mann natürlich das er wieder arbeiten möchte. Er sollte sich dann aber doch der Realität stellen und dann das beste daraus zu machen.

von Experte/in Experten-Antwort

Siehe Beiträge von "Krämers".