Berufsunfähig und Druck durch AA

von
Verzweifelte

Guten Tag,
ich bräuchte eine Auskunft der Experten.
Bin 1958 geboren und habe befristete Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung erhalten. Weiterer Text im Rentenbescheid: "Sie haben Anspruch auf Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung weil sie berufsunfähig sind........

Ich habe im Februar Wiederspruch eingelegt,. Da ich bereits über 78 Wochen krank bin..... meinen Arbeitsplatz aufgeben mußte..... erhalte ich nun ALG. Vom Arbeitsamt, bzw. dem Beauftragten Nachunternehmen werde ich regelrecht schikaniert, muß wöchentlich vorsprechen und meine Aktivitäten zur Behebung der Arbeitslosigkeit dokumentieren. Es werden mir Teilzeit- aber auch Vollbeschäftigungsvorschläge ausgedruckt, (alle in meinem Beruf) bei denen ich mich zu bewerben habe.
Ich bin am Rande meiner Nerven und beabsichtige nun nicht mehr auf den Bescheid zu warten, sondern dem Druck der Arbeitsagentur nachzugeben, mich bei den vorgelegten Stellen zu bewerben und somit wieder in meinen Beruf (halbtags) zurückgehen.

Meine Frage: Sollte ich eine Halbtagsanstellung in meinem Beruf bekommen und annehmen, wie reagiert dann der DRV? Ich befürchte, dass mir dann meine "berufsunfähigkeit" entzogen wird. Muß ich eventuell damit rechnen??

Ich bin ratlos und auch hilflos.
Bedanke mich im Vorraus für eventuelle Antworten

von
Gaby

Hallo "Verzweifelte",
wir können Sie voll und ganz verstehen. Raten kann ich Ihnen leider nicht. Nur alles Gute und starke Nerven wünschen.

Habe gerade eine Text "gepostet". Den sollten Sie einmal lesen.

von
Realist

Selbstverständlich MÜSSEN Sie sich nur auf solche Arbeitsstellen bewerben, die mit Ihrem körperlichen- und geistigem Restleistungsvermögen in Einklang stehen.

Tätigkeiten, die Sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können, können Sie getrost ablehnen. Ggf. entscheidet der Amtsarzt der Arbeitsagentur über Ihr Leistungsvermögen.

Wenn Sie tatsächlich in Ihrem letzten oder in einem anderen sozial zumutbaren Verweisungsberuf tätig werden sollten, stellen Sie selbst unter Beweis, dass keine Berufsunfähigkeit (mehr) vorliegt. Es sei denn, Sie üben diese Tätigkeiten NACHWEISBAR auf Kosten Ihrer Gesundheit aus!

von
KSC

Jetzt regen Sie sich mal nicht allzusehr auf.

Bewerbungen sind das eine, Stellenzusagen aber das andere! Und sich zu bewerben tut ja noch nicht wirklich weh, oder?

1.) Eng wird es erst, wenn Sie tatsächlich eine Stelle zugesagt bekommen. Und da habe ich doch große Zweifel, ob Sie im erlernten Beruf eingestellt werden, wo Sie doch "schwarz auf weiss" haben, dass Sie berufsunfähig sind.
Also ich als Arbeitgeber würde keine "berufsunfähige Fachkraft" einstellen.

2.) Damit, dass das Arbeitsamt die Arbeitslosen heute viel stärker fordert als noch vor 5 Jahren, werden Sie leben müssen - das empfinde ich auch weder als Zumutung noch als Schikane, dass jemand der ALG bezieht auch im möglichen Rahmen dazu beitragen muss die Arbeitslosigkeit zu beenden.

3.) Gegen was haben Sie Widerspruch eingelgt? Wollen Sie die volle statt der halben Rente?
In diesem Fall Fall ist die Chance / das Risiko auf eine Einstellung doch noch kleiner.

Welcher Personalchef sucht einen Mitarbeiter, der der Meinung ist, er sei voll erwerbsgemindert und kann gar nicht arbeiten?

Auch da würde ich als Personalchef auf die Bewerbung antworten: komm wieder, wenn du arbeiten kannst!

So gesehen, ist alles doch halb so schlimm?

von
Verzweifelte

Danke für die Antworten:

@Gabi danke für den Trost

Widerspruch habe ich eingelegt um die volle Erwerbsminderungsrente zu erhalten. Dies ist der Arbeitsagentur bekannt und ein Gutachten des Amtsarztes der Arbeitsagentur über mein Leistungsvermögen wurde bereits erstellt. Allerdings wurde ich hier nicht persönlich vorgeladen, im Prinzip wurde einfach ein Gutachten aufgrund bereits vorhanden Gutachten erstellt.

Das ein Arbeitgeber nicht gerade erfreut ist über einen berufsunfähigen Bewerber ist mir klar, aber hier hat mir die Sachbearbeiterin (mein Coach - wie sie sich bezeichnet ) untersagt, dies zu erwähnen.

Ich kann nur hoffen, dass ich in absehbarer Zeit einen positiven Bescheid erhalte, damit ich endlich zur Ruhe komme und sich eine Besserung meiner Nerven einstellen kann. Wenn man psychisch am Ende ist, ist dies alles nicht gerade gesundheitsfördern.

MFG
Verzweifelte

von
Staatsdiener

Liebe Verzweifelte!

Fragen Sie die Frau 'Coach' doch mal, was die Berufsgenossenschaft bei bewusst verschwiegenen Beschwerden und einem beruftypischen Unfall mache würde?! Es steht zu befürchten, dass die Dame von diesem Zweig der Sozialversicherung zum ersten Mal hört!

Leider ist Unkenntnis und Inkompetenz bei vielen (nicht allen!) Leistungsträgern (Kr'Kassen, Arbeitsagenturen, ARGEn etc.) heute schon die Regel und nicht mehr die unrühmliche Ausnahme!

von
Happy

Hallo Verzweifelte,
also ich bin ehrlich geschockt!
Ihr "Coach" untersagt Ihnen die (anerkannte) Berufsunfähigkeit zu erwähnen????
Merken die noch was?

Leider höre ich in letzter Zeit häufiger solche Sachen. Im Grunde ist es ja lobenswert, wenn die Agenturen endlich mal handeln, aber so???

Ich hoffe für Sie, dass es bald ein Ende und Ihnen eine volle Rente gewährt wird. Wenn auch befristet, so kommen Sie wenigstens etwas zur Ruhe!

Manchmal möchte ich echt "Mäußchen" spielen bei den Agenturen...

Ich selbst habe es mal miterlebt, wie ein junger Mensch aus Arbeitsuche behandelt wurde, da ich als "Begleitperson" mitgegangen bin. Sie glauben gar nicht, wie ich mich mit der Sachbearbeiterin dort gestritten habe. Ich glaube, wenn ich mich nicht beherrscht hätte, dann hätt ich diesen "alten Drachen" über den Tisch gezogen!
Und das meine ich wörtlich!

Bitte lassen Sie sich nicht unterkriegen und kommen Ihren "Pflichten" nach, aber Sie dürfen niemals eine anerkannte Berufsunfähigkeit verschweigen!!!

*unglaublich*

MfG
Happy

von
KSC

....und auf die Frage im Vorstellungsgespräch, ob Sie sich die angebotene Arbeit zutrauen, dürfen Sie auch antworten:
"nein, ich habe einen Widerspruch bei der Rente eingelegt, weil ich mich für voll erwerbsgemindert halte"

Dann dürfte "der Käse gegessen sein"

von
Happy

genau so sehe ich das auch!

MfG
Happy

von
Verzweifelte

Dass ich eine Berufsunfähigkeit nicht verschweigen darf wusste ich nicht. Mit diesem Wissen fühle ich mich etwas geschützter. Ich bedanke mich für diesen wertvollen Hinweis.

Vielen Dank
Mfg
Verzweifelte

von
Hartzilein!

Sie sind anscheinend Opfer vom Rechtswidrig agierenden Fallmanger geworden. Dies ist leider beim AA heutzutage die Regel, einschlägige Foren sprechen da Bände. Um sich in die Materie einzuarbeiten empfehle ich Ihnen, sich unter dem Link entsprechende Bücher zu besorgen insbesondere die "Leitfäden für Arbeitslose". Die Leitfäden sind DIE Standardliteratur auch und gerade für Sozialgerichte.

http://www.fhverlag.de/index_haupt2.php?c=b&p=&UID=fsO2VE0ymf

Kompetente Hilfe finden Sie in folgende Foren:

http://www.tacheles-sozialhilfe.de/

http://www.erwerbslosenforum.de/

http://www.chefduzen.de/

Noch einen Tipp:

Gehen Sie nie alleine zum AA. Sie haben ein Anrecht auf einen Beistand. Alles was der Fallmanager von Ihnen verlangt, schriftlich ausdrucken lassen, so haben Sie später immer Beweise. Verlassen Sie sich niemals auf mündliches vom AA. Suchen Sie Kontakt zu Arbeitslosen-Initiativen vor Ort.
Denken Sie immer daran: die originärste Aufgabe des AA ist es nicht, Sie in Arbeit zu bringen, sondern Sie aus dem Leistungsbezug zu drängen, dies ist leider die täglich erfahrbare Realität im Arbeitsamt.

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Verzweifelte,

bezieht ein vor dem 2.1.1961 geborener Versicherter Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung bei Berufsunfähigkeit und geht er zugleich einer Beschäftigung nach, auf die er wegen Unzumutbarkeit nicht verwiesen werden kann, hat er weiterhin Anspruch auf diese Rente, auch wenn er täglich sechs Stunden arbeitet.
Eine Arbeitstätigkeit im Rahmen Ihrer zulässigen Hinzuverdienstgrenzen ist grundsätzlich möglich. Im Rahmen von Überprüfungen der "Berufsunfähigkeit" kann es allerdings dazu führen, dass die Rente entzogen wird, sofern festgestellt wird, dass aufgrund der Verbesserung des Gesundheitszustands keine Berufsunfähigkeit mehr vorliegt. Konkretere Informationen erhalten Sie im Einzelfall über Ihren zuständigen Rentenversicherungsträger.

von
klaus

Hallo Verzweifelte!

ich denke es wäre bei Ihnen auch zu prüfen ob Sie vielleicht § 125 (Nachhaltigkeitsfaktor) anwenden können.
Dieser besagt das man bei einem laufendem Rentenverfahren (da Sie Widerspruch eingelegt haben, ist ihr Rentenverfahren noch nicht abgeschlossen)keine Bewerbungen des AA durchführen muß. Bin mir nicht 100% sicher, aber vielleicht hilft es Ihnen.

Gruß Klaus.