Betriebliche Umschulung trotz psych. Vorerkrankungen?

von
Gaby Mustermann

Seit einiger Zeit lese ich still in diesem Forum mit und habe dadurch schon einige interessante Dinge erfahren.

Da ich zu meinem Thema keinen Eintrag gefunden habe, schreibe ich nun selbst ins Forum - vielleicht kann mir ja jemand einen handfesten Tipp geben.

Ich, 36, psychisch vorerkrankt, seit einigen Monaten arbeitsunfähig wegen eines Wirbelsäulenschadens, wurde zur "Abklärung der beruflichen Eignung für psychisch Vorekrankte" in ein BFW geschickt.

Dort fand ein Gespräch mit dem sogenannten "ärztlichen Dienst" statt. Der ärztliche Dienst war jedoch kein Orthopäde, sondern ein Psychiater, der mich auf ziemlich herablassende, diskriminierende und stigmatisierende Weise über meinen bisherigen Werdegang ausgefragt hat, ohne dabei die ärztlichen Unterlagen der Wirbelsäulengeschichte auch nur zu überfliegen.

Meine Frage lautet deshalb: Inwiefern liegt es im Ermessensspielraum eines Rehaberaters, mich in eine Maßnahme für psychisch Vorerkrankte zu schicken, obwohl der Grund für meine Arbeitsunfähigkeit eine körperliche Erkrankung ist? Ist dies tatsächlich rechtens?

Ich habe, trotz psych. Vorerkrankungen, immer gearbeitet und möchte aus familiären Gründen nicht in ein BFW, zumal mein ehemaliger Arbeitgeber mir schon einen Umschulungsplatz angeboten hat. Sind psychische Erkrankungen tatsächlich ein absolutes Ausschlusskriterium für eine betriebliche Umsetzung einer Umschulung?

Über eine Rückmeldung von Personen, die vielleicht ähnliche Erfahrungen gemacht haben, würde ich mich freuen.

Vielen Dank im Voraus!

von
ganzheitlich

Auch wenn die orthopädische Erkrankung der Grund für die LTA ist, müssen alle Erkrankungen bei der Auswahl von Maßnahmen berücksichtigt werden. Macht ja auch Sinn, da es sicher genug psychisch belastende Arbeiten gibt, die Sie zwar körperlich aber nicht psychisch packen würden. Von daher ist die Entscheidung für die erweiterte Abtestung nachvollziehbar.

Ob Sie jetzt unbedingt ins BFW/BFZ ... müssen, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab.
Die meisten überbetrieblichen Umschulungen werden wegen höherem Unterstützungsbedarf bei der Bewältigung des Lernstoffes durchgeführt. Falls Sie also bei der Abtestung eher knapp abgeschnitten haben sollten, wird eine eine Umschulung bei Ihrem Arbeitgeber völlig unabhängig von Ihrer psychischen Problematik schwierig.
Sollte von Ihrer Leistungsfähigkeit her alles klar sein, stellt sich die Frage der Belastbarkeit. Auch bei einer psychischen Erkrankung kann die gegeben sein, muss aber nicht. Hier sollten Sie sich mit Ihrem behandelnden Arzt und anderen Personen, die Sie gut kennen und einschätzen können, besprechen.

Experten-Antwort

Hallo Gaby Mustermann

die Entscheidung, ob eine Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben in einem Berufsförderungswerk durchgeführt wird, oder ob dies auch im Rahmen einer betrieblichen Ausbildung vor Ort möglich ist, hängt nicht nur von den gesundheitlichen Beeinträchtigungen ab, wobei sämtliche gesundheitliche Beeinträchtigungen (psychische und somatische) berücksichtigt werden müssen.

Natürlich wird der Rehaberater Ihre Eignung und Neigung bei der Auswahl der Maßnahme beziehungswiese des Durchführungsortes und der Durchführungsform berücksichtigen. Die Eignung hängt mit dem Unterstützungsbedarf zusammen. Personen, die einen größeren Unterstützungsbedarf - zum Beispiel beim Lernen - haben, sind aufgrund der Betreuungsmöglichkeiten besser in einem Berufsförderungswerk aufgehoben. Ist aufgrund der Testergebnisse absehbar, dass eine Umschulung auch ohne Unterstützung möglich ist, dann ist auch eine betriebliche Umschulung vor Ort möglich. Ist doch die Durchführung in einem Berufsförderungswerk angezeigt, so ist dies gegebenenfalls auch direkt vor Ort möglich, da viele Berufsförderungswerke Ableger und Außenstellen haben. Dies ist jedoch regional unterschiedlich. Sie sollten dies in einem Gespräch mit Ihrem Rehaberater klären.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung

von
Gaby Mustermann

Vielen Dank für die Rückmeldungen. Bei der Testung wurden überwiegend Ergebnisse über dem Durchschnitt erzielt, ein Betrieb, der einen Umschulungsplatz anbieten würde, existiert bereits (Vorteil = Berufspraxis + Aussicht auf Übernahme).

Wie befürchtet, empfiehlt das BFW scheinbar aufgrund der psychischen Vorbelastung jedoch eine Durchführung der erwünschten Maßnahme im BFW.

Welche Möglichkeiten bestehen, die erwünschte, betrieblich gestützte Maßnahme durchzusetzen?

Vielen Dank im Voraus.

von
Siehe hier

Zitiert von: Gaby Mustermann
Vielen Dank für die Rückmeldungen. Bei der Testung wurden überwiegend Ergebnisse über dem Durchschnitt erzielt, ein Betrieb, der einen Umschulungsplatz anbieten würde, existiert bereits (Vorteil = Berufspraxis + Aussicht auf Übernahme).

Wie befürchtet, empfiehlt das BFW scheinbar aufgrund der psychischen Vorbelastung jedoch eine Durchführung der erwünschten Maßnahme im BFW.

Welche Möglichkeiten bestehen, die erwünschte, betrieblich gestützte Maßnahme durchzusetzen?

Vielen Dank im Voraus.

Hilfreich könnte sein, dass Ihr Arbeitgeber, der Sie ja schon länger kennt und Ihnen trotz Ihrer gesundheitlichen Einschränkungen einen Umschulungsplatz anbietet, dazu Stellung nimmt. Vielleicht ist es möglich, ein Gespräch mit ihm und dem Rehafachberater gemeinsam zu vereinbaren.

Auch die DRV ist ja daran interessiert, Sie baldmöglichst wieder voll im Erwerbsleben zu integrieren.

Weiterhin könnte hilfreich sein, dass Sie sich eine ambulante Therapiestelle suchen, die dann den psychischen Anteil neben der beruflichen Belastung 'bearbeiten' kann.

Alles Gute!

von
Gaby Mustermann

Guten Abend, Siehe hier,

vielen Dank für die konstruktiven Vorschläge.

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Hilfreich könnte sein, dass Ihr Arbeitgeber, der Sie ja schon länger kennt und Ihnen trotz Ihrer gesundheitlichen Einschränkungen einen Umschulungsplatz anbietet, dazu Stellung nimmt. Vielleicht ist es möglich, ein Gespräch mit ihm und dem Rehafachberater gemeinsam zu vereinbaren.[/quote]

Mein Arbeitgeber weiß selbstverständlich nichts von meinen Abgründen und es wäre mir recht, wenn dies auch so bliebe. Dennoch kann mein Arbeitgeber durchaus bezeugen, dass ich eine zuverlässige und belastbare Mitarbeiterin war und alles andere als arbeitsscheu bin. Insofern ist das wirklich ein guter Rat, den ich gleich auf meine To - Do - Liste setzen werde.

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Auch die DRV ist ja daran interessiert, Sie baldmöglichst wieder voll im Erwerbsleben zu integrieren.[/quote]

Das sollte man meinen. Immerhin hätte ich die Option auf einen langfristigen, krisensicheren Arbeitsplatz und könnte somit die nächsten 30 Jahre fleißig in die Rentenkasse einbezahlen. Leider scheinen gewisse Diagnosen wohl dennoch eine gute Prognose für eine erfolgreiche, dauerhafte Beschäftigung auszuschließen.

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Weiterhin könnte hilfreich sein, dass Sie sich eine ambulante Therapiestelle suchen, die dann den psychischen Anteil neben der beruflichen Belastung 'bearbeiten' kann.[/quote]

Dies ist auch in meinem Sinne und ich hoffe, dass meine nunmehr 12 Monate andauernde Suche nach einem Therapieplatz nicht mehr lange erfolglos bleiben wird.

In jedem Fall bedanke ich mich für die Zeit, die Sie sich genommen haben und wünsche auch Ihnen alles Gute.

Beste Grüße,

Gaby Mustermann

von
Gaby Mustermann

PS: Zitieren will gelernt sein... sorry!

von
Siehe hier

Habe Ihren Text auch so verstanden :-)

Ergänzend noch:
Fordern Sie doch mal bei Ihrer zuständigen Krankenkasse eine Liste
'freie Therapeuten' an. 'Frei heißt dabei nicht, dass die privat bezahlt werden müssen, sondern kurzfristig Plätze frei haben.

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