Beurlaubung bei stat. Reha

von
Dr. Wannaknow

Auf die Gefahr hin, dass das Thema bereits abgehandelt wurde (ich konnte keine Suchfunktion finden):

Ist eine Beurlaubung (v.a. Übernachtung) bei stationärer Reha vom Kostenträger grundsätzlich untersagt und nur aus besonderem und nachzuweisendem Anlass möglich (Erkrankung/Tod eines nahen Angehörigen),
also auch an Wochenenden und Feiertagen, wenn keine Therapien verpasst werden, der Versicherte in der Nähe wohnt, die Maßnahme dadurch nicht beeinträchtigt wird und keine medizinischen/sozialen/psychologischen Gründe dagegen sprechen?

Oder bezieht sich u.s. Textpassage aus den Klinikhinweisen der DRV Baden-Württemberg (ich erinnere mich, ähnliche Formulierungen auch von der DRV Bund gelesen zu haben)ausschließlich auf die Kosten der Heimfahrt?

Die Weihnachtsregelung ist mir bekannt.

Vielen Dank schon einmal im voraus!

[Beurlaubung
4.1 Familienheimfahrten/Beurlaubung aus zwingenden Gründen
- Rehabilitanden, die an einer Kurzzeitmaßnahme teilnehmen, haben grundsätzlich
keinen Anspruch auf Familienheimfahrten.
- Die Kosten zusätzlicher Familienheimfahrten – bei Leistungen zur medizinischen
Rehabilitation, sofern ärztliche Bedenken nicht entgegenstehen – werden
zum Beispiel beim Tod oder lebensbedrohender Erkrankung eines Angehörigen
grundsätzlich bis zum Wohnort des Leistungsberechtigten erstattet.
Der besondere Anlass ist nachzuweisen.
Die Dauer der Beurlaubung kann tageweise aus besonderem Anlass, längstens
für 3 Tage, genehmigt werden.]

Experten-Antwort

Hallo Dr. Wannaknow,

sicherlich kann man niemandem helfen der keine Hilfe haben möchte. Bei der Reha sind die Leute in der Regel freiwillig dabei. Da die gesamte Behandlung mit vielem drum und dran zwischen 3.500 und 5.000 Euro kostet, möchte man keine Urlaubsersatzlösung schaffen, an der man nach Gutdünken teilnimmt oder eben nicht. Daher gibt es so einige Richtlinien. Bei einer stationären 3-wöch. Reha sind demnach Wochenendheimfahrten nicht generell vorgesehen. Man kann es den Leuten aber nicht restlos verbieten. In einem mir persönlich bekannten Fall wurde nach Ablauf von 2 Rehawochen der Stationsarzt gefragt, ob man den behandlungsfreien Samstag und Sonntag zuhause verbringen dürfte, bei einer Entfernung von geschätzt 80 km zum Heimatort.
Der Arzt hat sich unterschreiben lassen, dass die Heimfahrt auf eigenen Wunsch in dem Bewußtsein stattfindet, dass kein Unfallschutz besteht und dass es auf Eigenverantwortung im gesundheitlichen Sinne allein basiert.
Es kommt eben immer auf die Einzelumstände an. Die Reisefähigkeit, die Art der Erkrankung... Aber ob jede Klinik das so machen würde ??
Ergänzung: Es gab keine Reisekostenerstattung für die WE-Heimfahrt.

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 04.10.2017, 13:53 Uhr]

von
???

Meiner Meinung nach handelt es sich bei dem zitierten Text "nur" um eine Regelung für die Zahlung der Fahrtkosten. Von daher sagt sie nichts darüber aus, wann Sie sich von der Reha beurlauben lassen können.
Wenn Sie über das Wochenende zu Hause bleiben wollen, sollten Sie das nur mit Genehmigung des Reha-Arztes, der Verwaltung oder wer sonst in der Klinik dafür zuständig ist, tun. In der Regel kann die Klinik feststellen, wer sich selbst beurlaubt hat. Im Ernstfall kann die DRV dann die Zahlung des Übergangsgeldes für diese Tage verweigern.

von
Dr. Wannaknow

Zitiert von: Experte/in
Hallo Dr. Wannaknow,

sicherlich kann man niemandem helfen der keine Hilfe haben möchte. Bei der Reha sind die Leute in der Regel freiwillig dabei. Da die gesamte Behandlung mit vielem drum und dran zwischen 3.500 und 5.000 Euro kostet, möchte man keine Urlaubsersatzlösung schaffen, an der man nach Gutdünken teilnimmt oder eben nicht. Daher gibt es so einige Richtlinien. Bei einer stationären 3-wöch. Reha sind demnach Wochenendheimfahrten nicht generell vorgesehen. Man kann es den Leuten aber nicht restlos verbieten. In einem mir persönlich bekannten Fall wurde nach Ablauf von 2 Rehawochen der Stationsarzt gefragt, ob man den behandlungsfreien Samstag und Sonntag zuhause verbringen dürfte, bei einer Entfernung von geschätzt 80 km zum Heimatort.
Der Arzt hat sich unterschreiben lassen, dass die Heimfahrt auf eigenen Wunsch in dem Bewußtsein stattfindet, dass kein Unfallschutz besteht und dass es auf Eigenverantwortung im gesundheitlichen Sinne allein basiert.
Es kommt eben immer auf die Einzelumstände an. Die Reisefähigkeit, die Art der Erkrankung... Aber ob jede Klinik das so machen würde ??
Ergänzung: Es gab keine Reisekostenerstattung für die WE-Heimfahrt.

Vielen Dank für die schnelle Antwort. Ist denn das von Ihnen geschilderte Verhalten des Rehaarztes rechtens und im Einklang mit den Vorgaben der DRV? Hat er, die Klinik oder der Patient dadurch Nachteile oder Sanktionen zu befürchten (abgesehen von der versicherungsrechtlichen Versorgungslücke für diese Zeit)?

Das Rehaverfahren hat sich ja im Laufe der Jahrzehnte stetig gewandelt. Während die Versicherten früher bewusst in weit abgelegene Einrichtungen geschickt wurden, werden die Maßnahmen auch auf Wunsch der Patienten zunehmend heimatnah durchgeführt.

Auch wenn die Rehamaßnahme eine kostenintensive medizinische Leistung ist und keine Urlaubsersatzlösung, so sollen sich die Versicherten ja ausdrücklich körperlich, psychisch und mental erholen.

Während es in einigen Fällen richtig und wichtig ist, den Patienten ganz aus seiner häuslichen Umgebung herauszunehmen und damit auch vor dort auftretenden Belastungen zu schützen, kann eine kurze Beurlaubung wie in dem von Ihnen geschilderten Fall bei einer Vielzahl der Rehabilitanden (z.B. AHB-Patienten nach einem Krankenhausaufenthalt) durchaus förderlich sein.

Gruß

Experten-Antwort

Die DRV kann da keine restriktiven Vorschriften machen, die Einzelfallentscheidungen vor Ort ausschließen. Es wäre immer das Gespräch in der Klinik zu suchen. Rechtlich abgesichert ist der Arzt innerhalb seiner Klinik und hat dort ggf. Weisungen zu befolgen.
Die Ärzte verfahren möglicherweise ohnehin lieber so, als dass die Patienten ohne zu fragen einfach mal so nach Hause fahren.

von
Dr. Wannaknow

Vielen Dank für die aufschlussreichen Antworten.