Beurteilung diese komplexen Falles

von
Axel3445

Im April 2007 beantragt ein Mann, Alter 45, aufgrund einer Erkrankung die seine bisherige berufliche Tätigkeit unmöglich macht, eine Umschulung im Rahmen einer beruflichen Rehabilitation bzw. Teilhabe am Arbeitsleben.
Mit Schreiben vom Juni 2007 lehnt der Kostenträger die Umschulung ab, woraufhin der Mann Widerspruch stellt.
Der Widerspruch wird mit einem Schreiben ca. 3 Wochen später ebenfalls abgelehnt.
Der Kostenträger verpflichtet sich jedoch bis Juni 2010 den Mann in Arbeit zu bringen und zwar durch eine der folgenden beiden angebotenen Maßnahmen.
Entweder erstens durch Findung eines Arbeitnehmers durch den Mann selbst, welchem man dann entsprechende Einarbeitungszuschüsse etc. zur Verfügung stellen würde, oder zweitens durch Teilnahme an einer sogenannten RehaStep Maßnahme, die vorrangig dasselbe Ziel verfolgt, aber unter professioneller Betreuung.
Aufgrund der eher mäßigen Erfolgsaussichten der ersten Maßnahme entscheidet sich der Mann für die zweite Maßnahme, die er im November 2007 beginnt und die im Januar 2008 endet.
Das Ergebnis dieser Maßnahme ist die Bewilligung eines 8 monatigen Fortbildungskurses auf dem ehemals vor mehr als 20 Jahren erlernten Beruf des Mannes, auf dem er jedoch niemals Berufserfahrung gesammelt hat, da er ihn nie ausgeübt hatte.
Bis zum heutigen Tag und unzählige Gespräche und Korrespondenz mit dem Kostenträger später hat der Mann noch immer keine Arbeit gefunden und das aus zwei Gründen:
Erstens weil aufgrund der wirtschaftlichen Änderungen in Deutschland und aufgrund des Lebenslaufs, sprich Alter, Erkrankung, beruflicher Qualifikation, nicht vorhandener Berufserfahrung etc. kein Interesse an diesem Mann auf dem Arbeitsmarkt herrscht.
Zweitens weil sich bereits gegen Ende des 8 monatigen Kurses herausgestellt hat, dass eine ganztägig sitzende Tätigkeit, die sein Beruf erfordern würde, sein Krankheitsbild verschlechtern würde.
Dennoch hat der Mann bis heute alles daran gesetzt in Arbeit zu kommen, jedoch vergebens.
Der Kostenträger stellt sich stur auf den Standpunkt nur noch etwas zu finanzieren, wenn der Mann einen Arbeitgeber findet, der ihm schriftlich und verbindlich einen anschließenden Arbeitsvertrag garantiert, was angesichts der Gesamtsituation des Mannes, sowie der wirtschaftlichen Situation in Deutschland, nahezu unmöglich erscheint und bisher auch auf allgemeine Ablehnung stößt
Frage: Wie ist dieser Fall einzuschätzen? Welche Möglichkeiten bleiben dem Mann gegenüber dem Kostenträger? Wie verhält es sich mit der 4 jährigen Wartefrist zwischen 2 Reha Anträgen, wann beginnt diese in obigem Fall zu laufen, sprich wann könnte ein erneuter Antrag gestellt werden?
Vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen.

von
laie

Wie verhält es sich mit der 4 jährigen Wartefrist zwischen 2 Reha Anträgen, wann beginnt diese in obigem Fall zu laufen, sprich wann könnte ein erneuter Antrag gestellt werden?

Hallo Axel

das einzige, was ich beantworten kann ist, dass es da Ausnahmeregelungen gibt.
Ich war im Zeitraum von 5 Jahren 3x in Reha.
Bei Bedarf einfach Antrag stellen und sehen, was kommt........

von
Jockel

Angescihts ihrer Schilderung frage ich mich, warum hat dieser Mann dann nicht schon längst einen EM-Antrag gestellt ?

Eine Reha kann auch früher als erst wieder nach 4 Jahren genehmigt werden.

Aber nur in besonderen Fällen, wo dies aufgrund
einer ganz erheblichen
- nachweisbaren ! - Verschlechterung der Erkrankung in letzter Zeit dringend angezeigt erscheint.

Außerdem muss die Erwerbsfähigkeit massiv bedroht sein.

Was allerdings eine weitere Rehamassnahme in dem geschilderten Fall noch bringen soll, verstehe ich allerdings nicht.

Experten-Antwort

Zunächst einmal besteht nach einem erteilten Widerspruchsbescheid die Möglichkeit der Klage innerhalb der Monatsfrist.
Bezüglich einer etwaigen weiteren Reha-Maßnahme würde ich Kontakt mit einem Reha-Fachberater/Fachberaterin des Rentenversicherungsträgers aufnehmen um für diesen individuellen Fall sämtliche in Frage kommenden Möglichkeiten zu besprechen.
Welche Frage sich mir aufgrund Ihrer Schilderung des Sachverhaltes stellt ist die, ob der Kostenträger nur eine erneute Umschulung bei Vorliegen einer definitiven Zusage bzgl. einer anschließenden Übernahme bewilligt oder ob es sich dabei um weitere Fortbildungen handelt, die auf die jüngst 2008 abgeschlossene Ausbildung aufbauen. In ersterem Fall kann ich tatsächlich nachvollziehen, dass die Chancen nahezu aussichtslos sind. Im zweiten Fall sähe da die Situation zumindest besser aus, wenngleich es bei der Arbeitsstellensuche hilfreicher wäre, wenn die Fortbildung auch ohne Forderung einer vorherigen festen Zusage eines potentiellen Arbeitgebers erfolgen würde.

von
Axel3445

Vielen Dank für Ihre Antworten.
Sie haben den geschilderten Fall bereits sehr umfassend beantwortet, dennoch möchte ich abschließend noch einmal konkret nachfragen, wie man sich jetzt in diesem Fall als Betroffener verhalten soll?
Wie gesagt, mit Gesprächen ist nichts zu erreichen, da man sich beim Kostenträger stur auf einen Arbeitsvertrag beruft.
Andererseits läuft die 2007 zugesagte Wiedereingliederung in Arbeit im Juni diesen Jahres aus. Eine EM Rente kommt nicht in Betracht, da der Mann arbeiten will und auch arbeiten kann, aber eben nur unter Einhaltung bestimmter Vorgaben, die Gesundheit betreffend.
Soll man nun einen weiteren Antrag auf Teilhabe stellen, oder scheint dies eher erfolgslos zu sein?
Welche Möglichkeiten gibt es noch?
Nochmals vielen Dank für Ihre Antworten.

von
???

Nach Ihren Angaben wurde das LTA-Verfahren noch nicht abgeschlossen, ein weiterer Antrag in diese Richtung ist also nicht erforderlich. Da Sie weiterhin eine Umschulung wünschen, können Sie diese schriftlich nochmals beantragen. Gegen den dann ergehenden Bescheid können Sie dann Widerspruch einlegen ...
Sollte eine medizinische Maßnahme gewünscht werden, können Sie jederzeit einen Antrag stellen. Bei der 4-Jahres-Frist werden nur andere medizinische Maßnahmen berücksichtigt.
Nachdem Sie ja mehrfach auf die schlechte wirtschaftliche Lage hingewiesen haben, möchte ich Sie folgendes fragen: In welchem Beruf haben Sie, realistisch gesehen, mit 47 Jahren (45 + 2 Jahre Umschulung) als Berufsneueinsteiger mit gesundheitlichen Einschränkungen bessere Einstellungschancen als Sie heute haben?

von
Axel3445

Hallo und vielen Dank für Ihre Antwort.
Bezüglich Ihrer Aussage, die Einstiegschancen nach einer Umschulung betreffend, möchte ich Ihnen sagen, dass Sie ohne jegliche Frage zweifellos Recht haben.
Der Punkt ist einfach der, dass jemand der Arbeiten will und gegenwärtig aufgrund aller genannten Faktoren, nicht die geringste Chance auf dem Arbeitsmarkt hat, nach jedem Strohhalm greift.
Es gibt nichts schlimmeres, als täglich aufzustehen aus dem Fenster zu sehen und darauf zu warten dass es Abend wird, ohne dass sich irgend etwas verändert.
Wenn alle Bewerbungsbemühungen nichts fruchten, dann habe ich lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach.
Lieber würde ich all meine Energie in eine neue Ausbildung stecken, was zumindest einen kleinen Silberstreif am Horizont erzeugt, als darauf zu warten, dass auch die nächsten 2 Jahre, die eine Umschulung dauern würde, sinnlos vergehen.
Ich werde jetzt aber Ihrem Rat folgen und mich erneut an den Kostenträger wenden.
Nochmals vielen Dank für Ihre Antwort.