Bewertung beitragsgeminderter Zeiten

von
WWG

Hallo,
in meinem Rentenbescheid für den 1. April 2008 werden mir für meine Ausbildung (42 Monate berufliche Ausbildung mit Pflichtbeitrag) nur noch für 13 Monate zusätzliche Endpunkte (0,0625 Punkte pro Monat) gutgeschrieben.

Die restlichen 29 Monate werden mit dem geringerem Wert (Berechnung nach Übergangsregelung 0,0117 Punkte pro Monat) bewertet.

In der Rentenauskunft vom August 2006, habe ich noch für 36 Monate zusätzliche Endpunkte (0,0625 Punkte pro Monat) erhalten.

Begründung:

23 Monate Fachschulausbildung werden von den zu bewertenden 36 Monaten abgezogen (Gesetzesänderung Anfang 2007).

Ich finde für diese Regelung keine Gesetzesänderung.

Kann mir einer weiterhelfen?

MfG

WWG

von
Rentenüberprüfer

Ohne Rechtsgrundlage wird die DRV eine solche Verfahrensweise nicht praktizieren.
Problem ist, die zutreffende Stelle im Gesetzteswerk zu finden.

Hier der Versuch für eine Erklärung aus dem § 74 SGB VI

§ 74 SGB VI
Begrenzte Gesamtleistungsbewertung1)

Der sich aus der Gesamtleistungsbewertung ergebende Wert wird für jeden Kalendermonat mit Zeiten einer beruflichen Ausbildung, Fachschulausbildung oder der Teilnahme an einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme auf 75 vom Hundert begrenzt. Der so begrenzte Gesamtleistungswert darf für einen Kalendermonat 0,0625 Entgeltpunkte nicht übersteigen. Zeiten einer beruflichen Ausbildung, Fachschulausbildung oder der Teilnahme an einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme werden insgesamt für höchstens drei Jahre bewertet, vorrangig die Zeiten der Fachschulausbildung und der Teilnahme an einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme.

Die Differenzen aus vorangegangenen Renteninformationen und/oder Rentenauskünften basieren häufig auf darin noch nicht berücksichtigen Rechtsänderungen, hier im besonderen die Änderung für schulische und berufliche Ausbildungszeiten.

Wie sie leicht nachvollziehen können, verbleiben für die eigentliche Lehre von den maximal 36 Monaten, wenn ich davon die Monate Fachschule subtrahiere, in Ihrem Fall 23 Monate, nur noch die 13 Monate für die Berücksichtigung der tatsächlichen Lehrzeit übrig, die restlichen Monate, hier die 29, werden bei einem Rentenbeginn bis 12-2008 noch anteilig mit dem geringeren Wert berücksichtigt.

Der genannte Teilwert 0,0117 entspricht der begrenzten Berücksichtigung bei einem Rentenbeginn im April 2008, wo nur noch 14,06 % vom zutreffenden Gesamtleistungswert (0,0625 maximal) für die Ermittlung zusätzlicher Entgeltpunkte zugrunde zu legen sind.

von
WWG

Danke für die schnelle Antwort,

diesen Text des § 74 SGB VI vom "01.01.2005", fand aber bei der Rentenberechnung im Jahre 2006 keine Berücksichtigung.
In dem Rentenverlauf für die Zeit der Fachschulausbildung war dort Arbeitslosigkeit eingetragen, im neuen Bescheid steht "Arbeitslosigkeit und Fachschulausbildung".

Die Bewertung der 23 Monate Fachschule ist in beiden Bescheiden mit 80 vom Hundert (für Arbeitslosigkeit) berechnet.

von
Rentenüberprüfer

Habe ja ausgeführt, dass in früheren Informationen möglicherweise die neue Rechtslage noch nicht korrekt umgesetzt wurde.

Ausschlaggebend ist aber immer das zur Zeit geltende Recht.

Wenn Fachschule selbst nicht als Direktstudium vorhanden ist, Bewertung auch nur maximal 75% vom Gesamtleistungswert, 0,0625 je Monat, sondern im Rahmen von Qualifizierungsmaßnahmen des Arbeitsamtes, der Arbeitsagentur erfolgte und die ergänzende Anmerkung "Fachschule" vorhanden ist, wird diese Zeit, für die man ja Lohnersatzleistungen erhalten hat, auch als Monate "Faschulbesuch" berücksichtigt.

Besonderheit:
Alle als "berufliche Ausbildung" im Versicherungsverlauf gekennzeichneten Sachverhalte, die während Arbeitslosigkeit vorliegen, werden zunächst als Zeit "berufliche Ausbildung" für die insgesamt zu berücksichtigenden 36 Monate mit herangezogen, bei der Ermittlung zusätzlicher Entgeltpunkte für beitragsgeminderte Zeiten in Anlage 4 Rentenbescheid oder Rentenauskunft aber der Arbeitslosigkeit zugeordnet, da Zeiten der Arbeitslosigkeit mit 80% des Gesamtleistungswertes zu bewerten sind, ohne Begrenzung, schulische und berufliche Ausbildung aber nur mit maximal 75%.

Wenn, wie in Ihrem Fall, die 75% Berücksichtigung vom Gesamtleistungswert einen Wert > 0,0625 ergeben, wird auf diesen begrenzt.

Ergeben die 80% vom Gesamtleistungswert für Arbeitsloskgeit beispielsweise einen Wert 0,0756, wird mit diesem gerechnet.

Die ursprünglich als berufliche Ausbildung während Arbeitslosigkeit gekennzeichnenden Monate werden Rechnerintern im Rechenabschnitt
"Bewertung beitragsgeminderter Zeiten"
der Arbeitslosigkeit zugeordnet und dort berücksichtigt.

Experten-Antwort

Hallo WWG,

die Ausführungen des Rentenüberprüfers sind zutreffend. Neben dem angeführten § 74 SGB VI, in dem die Bewertung mit Rentenbeginn ab 1.1.2009 geregelt ist, gilt die Übergangsvorschrift § 263 Abs. 3 SGB VI für Fälle mit Rentenbeginn bis 12/2008.

von
WWG

In dem Ausbildungsjahr
1968 (Pflichtbeitragszeit berufliche Ausbildung) bekomme ich für das ganze Jahr 0,2811 Punkte, das sind pro Monat 0,0234 Punkte. Auch in anderen Monaten der Ausbildung erreiche ich nicht die 0,0625 Punkte.

von
Rentenüberprüfer

Wir sind uns wohl darin einig, dass es so einfach nicht ist, alle Sachverhalte und Bewertungen richtig einzuordnen und/oder auch nachzuvollziehen.

Der Gedankenfehler Ihrerseits besteht darin, dass Sie Sachverhalte miteinander vermischen, die so nicht zusammengehören.

Hier
a)die Ermittlung von Entgeltpunkten (EP) aus Verdiensten überhaupt, dargestellt in Anlage 3 des Bescheides und

b) die Ermittlung von zusätzlichen (EP), dargestellt in Anlage 4.

Ab Januar 1997 erfolgt die Ermittlung der (EP) wie bei jedem anderen Verdienst auch, aus der Division:
Verdienst je Zeitraum / Bundesdurchschnitt des jeweiligen Kalenderjahres
(alte Bundesländer)

Im Beitrittsgebiet wird vor der Division der Verdienst erst noch mit einem Faktor multipliziert und dann durch den Bundesdurchschnitt dividiert.

Wenn Sie im Jahr 1968 nur
- 3048 DM (alte Bd-Ld)
in der beruflichen Ausbildung
verdient haben, erhalten sie dafür in Anlage 3 für 12 Monate die angegebenen 0,2811 (EP)

Da Ihr begrenzter Gesamtleistungswert mit 0,0625 angegeben war, erhalten Sie als Sollgröße, hier nur für die 12 Monate aus 1968 gerechnet:
...............12 * 0,0628 = 0,7500
Im Ist haben Sie
......................0,2811
zusätzliche (EP).0,4689

Nur bei der Ermittlung der zusätzlichen (EP) wird auf maximal 75% Bundesdurchschnitt Bezug genommen = 0,0625 je Monat.

Die dargestellte Bewertung gilt ab 2005 nur für nachgewiesene berufliche Ausbildung (Lehre, Schulung Arbeitsdagentur), sonst ein geringerer Wert, über den in vorangegangenen Beiträgen zu Ihrer Anfrage schon etwas ausgesagt wurde.

Zu beachten ist auch, dass zu Beginn der Anlage 4 für alle als berufliche Ausbildung erfassten Monate eine Aufwertung auf monatlich 0,0833 (EP) vorgenommen wird, wenn nicht bereits durch den Verdienst im Ist ein höherer Wert vorhanden ist.

von
WWG

Danke für Ihre Bemühungen,
aber ich kann es noch immer nicht nachvollziehen.

Sie schreiben:

Da Ihr begrenzter Gesamtleistungswert mit 0,0625 angegeben war, erhalten Sie als Sollgröße, hier nur für die 12 Monate aus 1968 gerechnet:
...............12 * 0,0628 = 0,7500
Im Ist haben Sie
......................0,2811
zusätzliche (EP).0,4689

Nur bei der Ermittlung der zusätzlichen (EP) wird auf maximal 75% Bundesdurchschnitt Bezug genommen = 0,0625 je Monat.

Die zusätzlichen 0,4689 Punkte kann ich für 1968 nicht finden und warum bekomme ich nicht für 36 Monate Lehre Zusatzpunkte, wenn ich für diesen Zeitraum unter den 0,0625 Punkten pro Monat liege?
Warum werden dann die 23 Monate Fachschulausbildung von den 42 Monaten Lehre abgezogen?

von
Rentenüberprüfer

Habe das Gefühl, wir drehen uns ein bisschen im Kreis.

An der Höhe der in Anlage 3 für die erzielten Verdienste ermittelten (EP) ändert sich grundsätzlich nichts, sie bleiben erhalten und gehen grundsätzlich als feste Größe in die Berechnung ein.

Nur bei der Prüfung, ob noch zusätzliche (EP) zu ermitteln sind (Anlage 4) spielen die diskutierten Sachverhalte eine Rolle.

Wenn Sie ausführen:
"In der Rentenauskunft vom August 2006, habe ich noch für 36 Monate zusätzliche Endpunkte (0,0625 Punkte pro Monat) erhalten"
ist dies insoweit nicht korrekt, weil diese Zahlen nur den Rechenschritt für die Ermittlung der Sollgröße darstellen, nicht aber, was Sie tatsächlich zusätzlich erhalten haben.

Die Größe für die erhaltenen zusätzlichen (EP) aus beitragsgeminderten Zeiten ist grundsätzlich kleiner, weil von der Sollgröße ja die in Anlage 3 schon ermittelten (EP) davon zu subtrahieren sind.

Das kann dazu führen, dass keine zusätzlichen (EP) entstehen.

Wie immer auch.

Insgesamt werden nur 36 Monate berücksichtigt, einschließlich Zeiten des Fachschulbesuchs.

Wenn bereits 23 Monate Fachschule vorliegen, egal ob als Direktstudium oder als Umschulung vom Arbeitsamt, der Arbeitsagentur, werden diese 23 Monate vorrangig berücksichtigt.

Danach verbleiben noch 13 Monate bis zu den 36 möglichen Monaten überhaupt.

Dabei werden Monate Fachschule und Lehre, die als nachgewiesen gilt und Monate berufliche Ausbildung über das Arbeitsamt, der Arbeitsagentur, mit 75% des Gesamtleistungswertes bewertet, maximal aber nur mit 0,0625 je Monat.

Alle übrigen Monate, im von Ihnen angegeben Fall die restlichen 29 Monate, erfahren nur noch eine geringere Bewertung, wenn Rentenbeginn vor 2009 liegt.

Sie nannten einen Wert von 0,0117, der für einen Rentenbeginn im April 2008 gilt.

Sollgröße:
29*0,0117 = 0,3393.
Unterstelle, dass Sie für diese 29 Monate in Anlage 4 keine zusätzlichen (EP) erhalten, weil die Istgröße höher ist.

In Anlage 3 werden nur die (EP) aus Verdiensten ermittelt, egal, ob sie hoch oder niedrig sind, maximal aber nur bis zur BBG.

In Anlage 4 werden sowohl für beitragsfreie, wie auch für beitragsgeminderte Sachverhalte zusätzliche (EP) ermittelt.

Nur hier findet die Prüfung statt, in welcher Höhe sie zu ermitteln sind.

Ausschlaggebend dafür ist der ermittelte Gesamtleistungswert, von dem aus die zu berücksichtigenden Werte als (EP)-Monatswert, für die jeweiligen
Sachverhalte zu ermitteln sind.

Der Gesetzgeber hat festgelegt, das Fachschulzeiten aus Direktstudium als beitragsfreie Monate in Anlage 4 mit 80% des Gesamtleistungswertes zu bewerten sind.

Fachschulzeiten aus Weiterbildungen und Umschulungen des Arbeitsamtes, der Arbeitsagentur werden in Anlage 4 der Arbeitslosigkeit zugeordnet, gelten als beitragsgemindert und werden ebenfalls mit 80% des Gesamtleistungswertes bewertet.

Die aus eigenen Verdiensten (hier aus dem Leistungsbezug in Anlage 3) dafür ermittelten (EP) werden angerechnet.
Diese Verfahrensweise gilt für alle beitragsgeminderten Sachverhalte, für die zusätzliche (EP) zu ermitteln sind, auch für Zeiten der beruflichen Ausbildung.

Wenn beispielsweise der Gesamtleistungswert mit 0,0840 angegeben ist, sind für Zeiten der nachgewiesenen beruflichen Ausbildung einschließlich Monate Fachschule 75% davon zu ermitteln.
0,75 * 0,0840 = 0,0630.

Da aber maximal nur 0,0625 je Monat zu berücksichtigen sind, gilt für die Ermittlung der Sollgröße:
36*0,0625 = 2,2500 EP.
Minus Istwerte, ergibt die zu berücksichtigenden zusätzlichen (EP) für nachgewiesene berufliche Ausbildung einschließlich Fachschule

Hätte der Gesamtleistungswert nur eine Größe von 0,0750, wären die 75% davon zu rechnen
0,75 *0,0750 = 0,0563.

Sollgröße daraus
36 * 0,0563 = 2,0268.

Aus der Rechtsgrundlage kann nicht abgeleitet werden, dass bereits in Anlage 3 die Aufwertung auf 0,0625 je Monat vorzunehmen ist.

von
Rentenüberprüfer

Der Gesetzgeber hat festgelegt, das Fachschulzeiten aus Direktstudium als beitragsfreie Monate in Anlage 4 mit 80% des Gesamtleistungswertes zu bewerten sind.

Die angegebenen 80% sind falsch und in 75% zu ändern.

Bitte um Nachsicht

von
Rentenüberprüfer

Der dargestellte Rechenschritt für die Verdienste 1968 ist zu verstehen als Rechenschritt in Anlage 4, Ermittlung zusätzlicher (EP).

wären nur diese 12 Monate als Zeit beruflicher Ausbildung vorhanden, würde die Darstellung in Anlage 4 so aussehen.

Wenn der Gesetzgeber die Einbeziehung der Fachschulmonate als vorrangig festlegt, hat die DRV keine Möglichkeit anders zu verfahren

Gilt im übrigen auch für die differenzierte Art der Monate, die nicht Lehre sind, trotzdem als Zeit beruflicher Ausbildung zu berücksichtigen sind
(Die ersten 36 Monate beruflicher Tätigkeit, die nicht zwangsläfig Lehre sein müssen, bis längstens Monat der Vollendung des 25. Lbj.)

von
Rentenüberprüfer

User WWG, biete Ihnen an, in einem Telefongespräch sich zu den Problemen ausgiebig auszutauschen.

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"Rente - Überprüfung"
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Sie können mir Ihre Tel. Nr. auch mailen, ich rufe Sie dann an.
Mailadresse von mir ebenfalls dort vorhanden

von
WWG

Dank Ihrer Hilfe habe ich es jetzt verstanden.

Nochmals vielen Dank

WWG