Bewertung von Berücksichtigungszeiten/Kindererziehungszeit als beitragsgeminderte Zeiten

von
Carmen

Hallo,
wer kann mir eine Antwort auf nachfolgendes Problem geben ?

Mein Kind ist am 02.01.1989 geboren. Vom 01.02.1989
bis zum 30.06.1990, habe ich die Freistellung/Babyjahr in Anspruch genommen.
Ab dem 01.07.1990 bin ich wieder arbeiten gegangen.
In meiner Renteninfo steht diese Zeit,
vom 01.02.1989 – 30.06.1990, als beitragsgeminderte Zeit.
In meinem SV-Buch der DDR, wurden diese Monate auch noch
als Arbeitsausfalltage eingetragen.
Bei der Grundbewertung in der Anlage 4 unter:
„Entgeltpunkte für Berücksichtigungszeiten ergeben sich für folgende Zeiträume nicht,
weil diese Kalendermonate als Beitragszeiten bereits den Wert für Kindererziehungszeiten
erhalten haben“.
Wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, bekomme ich für die Zeit
vom 0.1.02.1989 -30.06.1990 keine Extraentgeltpunkte.
Für mich logisch und ok.
Aber, bei der Bewertung der beitragsgeminderten Zeiten:
„Monate mit Beitragszeiten und mit Anrechnungszeiten für Ausfallzeiten“,
stehen diese Zeiten auch.
Diese Entgeltpunkte für die Kindererziehungszeiten in Höhe von insgesamt 1,4161
(0,0833 x 17 Monate) werden nun mit den Entgeltpunkten aus
der Grundbewertung, die 0,0742 betragen, verrechnet.
Das heißt, ich büße jetzt pro Monat 0,0091 EP (insgesamt 0,1547EP) ein.
Ist diese Berechnung korrekt ?
Wäre es da nicht besser, diese Zeit nicht als Ausfallzeiten zu berücksichtigen,
da sie ja wie o. g. den Wert als Kindererziehungszeiten bereits erhalten haben ?

Carmen

von
LS

Hallo Carmen,
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Problem ist etwas spezifisch, aber nur etwas.
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Will versuchen Ihnen die Sachlage verständlich darzulegen.
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Grundsätzlich gilt:
Kinderberücksichtigungszeit beginnt immer im Monat der Geburt und endet, vorausgesetzt das Kind hat in Ihrem Haushalt 10 Jahre ununterbrochen gelebt, nach Ablauf von 121 Monaten, wenn das Kind nicht am ersten Tag des Monats geboren wurde, sonst nach 120 Monaten.
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Die Geburt eines weiteren Kindes in diesem Zeitraum unterbricht den 121, 120 Monatezeitraum, der mit dem Folgekind ab Geburtsmonat wieder neu gerechnet wird.
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"Ein doppelte Berücksichtigung findet nicht statt."
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Kindererziehungszeit (KEZ) beginnt immer im Folgemonat der Geburt und endet nach 12 Monaten im Monat der Geburt.
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Da beide Sachverhalte mit 0,0833 bewertet werden, die Zeit KEZ stets auch Pflichtbeitragszeit ist, schließt sich die gleichzeitige Berücksichtigung beider Sachverhalte aus.
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Ist auch der Grund für die Aussage im Bescheid:
„Entgeltpunkte für Berücksichtigungszeiten ergeben sich für folgende Zeiträume nicht,
weil diese Kalendermonate als Beitragszeiten bereits den Wert für Kindererziehungszeiten
erhalten haben“.
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Die Aussage der DRV gilt aber nur für die Zeit, in der nicht gleichzeitig KEZ gilt.
Wenn die beispielsweise im Februar 1989 begonnen hat, dann längstens nur bis Januar 1990 = 12 Monate oder, wenn Bescheid nach dem 01.07.2014 erteilt wurde, für 24 Monate.
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KEZ kann dabei als vollwertige Pflichtbeitragszeit gelten, aber auch wegen Überlagerung mit anderen Sachverhalten im gleichen Zeitraum (Schwangerschaftszeit nach der Geburt, Krankheit, Schulbesuch, Arbeitslosigkeit, Ausfallzeit, um nur einige zu nennen, als beitragsgemindert eingeordnet werden.
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Fallen in der Zeit der KEZ keine Verdienste an, gilt als Bewertung je Monat
(Summe Monate * 0,0833).
Sind aber außerdem Verdienste vorhanden ist zu prüfen, ob die Bewertung der KEZ und die für den Verdienst in Summe die BBG (Beitragsbemessungsgrenze für den gleichen Zeitraum überschreitet.
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Ist das nicht der Fall, werden die Entgeltpunkte (EGPT) aus beiden Bewertungen addiert und im Bescheid berücksichtigt.
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Liegt hingegen die Summe beider Bewertungen oberhalb der BBG, werden die EGPT für die KEZ um den Wert der Überschreitung der BBG gemindert, die EGPT für den Verdienst bleiben, allerdings auch jeweils nur bis zur BBG.
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Wenn nun, wie genannt, ein längerer Zeitraum, der als KEZ einzuordnen ist, durch Ausfallzeiten überlagert wird, gelten diese Zeiten, können auch mehrere Monate sein, als beitragsgemindert.
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In Anlage 4 eines Bescheides oder einer Re-Auskunft, (Anlagenbezeichnungen werden neuerdings nicht mehr verwendet), ist für alle als beitragsfrei oder beitragsgemindert angefallene Zeiten im Versicherungsverlauf zu prüfen, ob dafür noch "zusätzliche EGPT" zu ermitteln sind, Betonung liegt auf *zusätzliche*.
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Zu Ihrer Darstellung:
Diese Entgeltpunkte für die Kindererziehungszeiten in Höhe von insgesamt 1,4161
(0,0833 x 17 Monate) werden nun mit den Entgeltpunkten aus
der Grundbewertung, die 0,0742 betragen, verrechnet.
Das heißt, ich büße jetzt pro Monat 0,0091 EP (insgesamt 0,1547EP) ein.
Ist diese Berechnung korrekt ?
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Aussage von mir: ja, sie ist korrekt.
Zunächst bleibt festzustellen, dass Sie in Anlage 3 für die genannten 17 Monate die 1,4161 EPGT erhalten haben, das Maximum = 17* 0,0833.
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In Anlage 4 geht es aber um eine, wie ich schon ausführte *zusätzliche Ermittlung von EGPT* für beitragsgeminderte Zeiten, egal welcher Art.
Dabei ist die Ermittlung dieser zusätzlichen EGPT für alle in Frage kommenden Sachverhalte gleich.
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Es ist dafür
a) eine Sollgröße aus den für den Sachverhalt in Frage kommenden Monaten und der
. . Multiplikation mit dem Gesamtleistungswert zu ermitteln,
b) die Anzahl Monate und EGPT für den gleichen Zeitraum aus Anlage 3 zu summieren und
. . gegenüberzustellen,
c) zu ermitteln, ob a) kleiner b), oder a) größer gleich b) ist.
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Ist b) kleiner, wird die Differenz zwischen a) und b) als zusätzliche EGPT für diesen Sachverhalt berücksichtigt und für die Ermittlung der Gesamt-EGPT (Anlage 6) mit einbezogen.
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Ihre Annahme der Einbuße von EGPT ist daher nicht korrekt, es wurden lediglich keine *zusätzlichen EGPT* ermittelt.
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Wäre der Zeitraum nicht als Ausfallzeit im SV-Buch dargestellt, diese Sache ist ohnehin fehlerhaft, oder es liegt gar keine Beschäftigung vor, dann würden ja grundsätzlich auch nur 17*0,0833=1,4161 zu ermitteln sein, in Anlage 4 würde nichts erscheinen, würde nichts fehlen.
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Die Nichtberücksichtigung ändert deshalb am Ergebnis nichts.

von
W*lfgang

Zitiert von: Carmen
In meiner Renteninfo steht diese Zeit,
vom 01.02.1989 – 30.06.1990, als beitragsgeminderte Zeit.
Carmen,

zunächst: eine 'Renteninformation' enthält als einzige Angabe über Versicherungszeiten den bisher berücksichtigten Zeitraum, bereits im ersten Satz. Inhaltliche Aussagen über Versicherungszeiten werden nicht gemacht, diese sind Bestandteil der 'Rentenauskunft'.

Eine Rentenauskunft setzt sich aus sehr vielen Anlagen mit unterschiedlichen Aussagen zu den einzelnen Versicherungszeiten zusammen. In der Anlage 2 steht auch noch nichts von beitragsgeminderten Zeiten drin. Sie befinden sich bereits in Anlage 3 und 4. In 3 werden Ihnen für die Beitragszeiten direkte Punkte zugeordnet, so auch für die Zeit 01.02. - 30.06.1990, die gelten fix.

In der Anlage 4 wird zunächst lediglich ein Durchschnittswert (sogenannter Gesamtleistungswert) aus allen Zeiten ermittelt. Hier, nur HIER, werden bestimmte Punkte gestrichen, um einen _besseren Durchschnittswert zu erhalten. Dazu gibt es eine Grundbewertung und eine Vergleichsbewertung. Der bessere der beiden Werte ist für die weitere Bewertung der beitragsgeminderten und beitragsfreien Zeiten vorgesehen. Auf diese Zeiten kann es noch einen oben drauf (beitragsgeminderte) oder überhaupt zusätzliche Punkte (beitragsfreie) geben. In der Anlage 6 finden Sie dann die Übersicht aller Punkte aus den einzelnen Berechnungsanlagen.

War doch gar nicht schwer ...besser ist es, niemals in die Anlage 4 (trägt demnächst die Überschrift "Die Büchse der Pandora") reinzuschauen ;-)

Gruß
w.

von
Kaufmann-Berta-Siegfried

Ergänzung

Hallo Carmen,
wenn Sie die Ratschläge der beiden Vorredner befolgen, werden Sie vermutlich schnell feststellen, dass beim Durchblättern Ihrer (aktuellen) Rentenauskunft die Bezeichnungen von "Anlage 3" und "Anlage 4" überhaupt nicht auftauchen.
Die Vorredner sind noch immer im 2015er-Modus.
Mittlerweile wurden die "Anlagen" verbalisiert. Die Bedeutung jeder Anlage wird im Klartext auf jeder Seite in der Kopfleiste unterhalb der Versicherungsnummer angegeben.

Welche Anlage für welchen Inhalt steht, können Sie hier nachlesen (ganz unten)

https://www.ihre-vorsorge.de/index.php?id=46&no_cache=1&tx_mmforum_pi1[action]=list_post&tx_mmforum_pi1[tid]=31040&tx_mmforum_pi1[sword]=1.020#pid247194

von
Kaufmann-Berta-Siegfried

Zitiert von: Kaufmann-Berta-Siegfried

https://www.ihre-vorsorge.de/index.php?id=46&no_cache=1&tx_mmforum_pi1[action]=list_post&tx_mmforum_pi1[tid]=31040&tx_mmforum_pi1[sword]=1.020#pid247194

Sorry, falscher Link (ganz unten)

https://www.ihre-vorsorge.de/index.php?id=46&no_cache=1&tx_mmforum_pi1[action]=list_post&tx_mmforum_pi1[tid]=30201&tx_mmforum_pi1[sword]=qwertz#pid241009

von
LS

User Kaufmann-Berta-Siegfried
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Die Vorredner sind nicht im 2015-Modus.
Darlegung von mir:
" . . . (Anlagenbezeichnungen werden neuerdings nicht mehr verwendet), . . .
.
Wenn aber Carmen von Anlage 2, Anlage 3 oder Anlage 4 spricht, hat Sie keinen neueren Bescheid oder eine neuere Rentenauskunft, ergo sucht Sie auch nicht vergeblich.
.
User W*lfgang ist ebenfalls darauf eingegangen und führt dazu aus:
"(trägt demnächst die Überschrift "Die Büchse der Pandora") reinzuschauen . ."

Experten-Antwort

Hallo Carmen,

ergänzend zu den Ausführungen von LS und W*lfgang teile ich Ihnen mit, dass für die Ermittlung des Gesamtleistungswertes nicht nur für Beitragszeiten, sondern auch für Berücksichtigungszeiten Entgeltpunkte zugrunde gelegt werden. Eine verringerte Beitragsleistung, bedingt u. a. durch Zeiten der Kindererziehung bis zum 10. Lebensjahr des Kindes, soll hierdurch ausgeglichen werden. Die Entgeltpunkte für eine Berücksichtigungszeit wirken sich allein im Rahmen der Gesamtleistungsbewertung für die Bewertung der beitragsfreien und beitragsgeminderten Zeiten aus. Eine eigenständige Bewertung, die zu einem Monatsbetrag einer Rente führen könnte, ist damit nicht verbunden.

Für die Gesamtleistungsbewertung werden jedem Kalendermonat an Berücksichtigungszeiten wegen Kindererziehung die Entgeltpunkte zugeordnet, die sich ergeben würden, wenn diese Kalendermonate Kindererziehungszeiten wären.
Treffen die Zeiten nicht mit Beitragszeiten zusammen, erhält jeder Kalendermonat an Berücksichtigungszeiten wegen Kindererziehung für die Gesamtleistungsbewertung die Entgeltpunkte, die sich ergeben würden, wenn diese Kalendermonate Kindererziehungszeiten wären (bei einem Rentenbeginn nach dem 30.06.1998 sind es 0,0833 Entgeltpunkte). Auch Kinderberücksichtigungszeiten, die mit einer beitragsfreien Zeit, einer Rentenbezugszeit, einer geringfügigen Beschäftigung oder einer geringfügigen selbständigen Tätigkeit belegt sind, erhalten den Wert von 0,0833 Entgeltpunkten.

Treffen die Zeiten mit Beitragszeiten zusammen, erhalten sie zusätzlich 0,0833 Entgeltpunkte, es sei denn, der Kalendermonat erreicht zusammen mit den Entgeltpunkten aus Beitragszeiten den jeweiligen Höchstwert nach der Anlage 2b zum SGB VI. Dann werden die zusätzlichen Entgeltpunkte für Kinderberücksichtigungszeiten so begrenzt, dass sie in Summe mit den Entgeltpunkten für die zeitgleich zurückgelegten Beitragszeiten den jeweiligen nicht überschreiten.

Eine Zuordnung an Entgeltpunkten für Kalendermonate mit Berücksichtigungszeiten unterbleibt bei einem Rentenbeginn nach dem 31.12.2004 in dem Umfang, in dem bereits nach § 70 Abs. 3a SGB VI Entgeltpunkte zusätzlich ermittelt oder gutgeschrieben worden sind. Die gesamte Zeit der Kindererziehung (als Beitragszeit und als Berücksichtigungszeit) wird damit für die Gesamtleistungsbewertung mit demselben Wert versehen. Aufgrund der Erziehung eines Kindes bis zu dessen 10. Lebensjahr wird dadurch ein einheitlicher Wert für die Gesamtleistungsbewertung berücksichtigt.

Die Berechnung in Ihrer Renteninfo ist somit zutreffend erfolgt.

Freundliche Grüße

von
W*lfgang

Zitiert von: Kaufmann-Berta-Siegfried
Die Berechnung in Ihrer Renteninfo ist somit zutreffend erfolgt.
*hüstel, Sie meinen sicher den detaillierten Berechnungsweg in der Carmen vorliegenden Renten_auskunft_ ;-) ...was natürlich auch für nachfolgende/spätere Renteninformationen ohne Berechnungsdetails gilt.

Gruß
w.