BU für vor 1961 Geborene bei 2 Ausbildungen

von
Maike

Hallo,
ich bin 1955 geboren und habe von 1970-73 zunächst eine Ausbildung zur Bürokauffrau gemacht. Von 1978 bis 1980 bin ich vom Arbeitsamt zur Altenpflegerin umgeschult worden. Von 1980 bis 2001 habe ich in der Altenpflege gearbeitet. Ende der 80er Jahre begann bei mir eine fortschreitende Muskelatrophie. 2001 konnte ich aus der Pflege in den Betreuungsdienst beim Betreuten Wohnen wechseln, wo ich im letzten Jahr betriebsbedingt gekündigt wurde. In der Pflege kann ich nicht mehr arbeiten und auch PC-Arbeit bereitet mir zunehmend Probleme. Das Arbeitsamt empfiehlt mir den Antrag auf BU für vor 1961 Geborene. Meine Frage nun: Kann dieser Antrag wegen meiner ersten Ausbildung zur Bürokauffrau abgelehnt werden?

von
Bernhard

Aufgrund Ihres Geburtsjahrgangs können Sie die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen für eine "Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung bei Berufsunfähigkeit" (§ 240 SGB VI) erfüllen.

Wenn Ihnen die PC-Arbeit bereits Probleme macht, ist eine Beschäftigung als Bürokauffrau heutzutage nicht mehr möglich.

Maßgeblich wäre aber vor allem der zuletzt ausgeübte Beruf, da Sie sich vom zuerst erlernten Beruf ohnehin vollständig gelöst haben, nachdem Sie eine zweite Ausbildung gemacht und 21 Jahre lang in der Altenpflege und dann 6 Jahre im betreuten Wohnen gearbeitet haben.

Sofern Sie noch im betreuten Wohnen arbeiten könnten, wäre das der Maßstab.

Das Arbeitsamt will Sie vielleicht nur abschieben; eine solche BU-Rente wäre vermutlich auch nicht sehr hoch (Renteninformation: halbe Erwerbsminderungsrente), auch im Vergleich zum Arbeitslosengeld I.

Sie sind also besser beraten, wenn Sie zunächst einmal weiterhin nach Arbeit suchen, die Sie noch leisten können, im betreuten Wohnen ist neben der Bürotätigkeit auch sehr viel soziale Interaktion und Kommunikation erforderlich.

Könnten Sie das noch leisten? Sagen Sie das dem Arbeitsamt.

von
Maike

Hallo Bernhard,
vielen Dank für Ihre Antwort. Im betreuten Wohnen würde ich gerne weiter arbeiten, allerdings habe ich die letzten 7 Jahre schon Teilzeit mit 25 Stunden/Woche gearbeitet, weil es mir zu anstrengend wurde. Als Altenpflgerin besteht leider nur eine winzige Chance, in einem solchem Bereich eine Stelle zu finden, da in der Regel Sozialpädagogen bevorzugt werden.
Ich werde weiterhin nach einer vergleichbaren Teilzeitstelle suchen, der BA-Berater meinte aber, ich solle die BU-Rente parallel trotzdem beantragen.

Experten-Antwort

Den Ausführungen von "Bernhard" zu den Voraussetzungen für eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung bei Berufsunfähigkeit kann ich nur zustimmen.

Ergänzend möchte ich darauf hinweisen, dass Arbeitslosengeld auch neben einer Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung gezahlt werden kann. Das dem Arbeitslosengeld zugrundeliegende Bemessungsentgelt wird dann allerdings als Hinzuverdienst bei der Rente berücksichtigt und bringt diese dadurch eventuell voll zum Ruhen.

Im übrigen ist die Agentur für Arbeit berechtigt, leistungsgeminderte Bezieher von Arbeitslosengeld zur Stellung eines Antrags auf Leistungen zur medizinischen Rehabilitation oder zur Teilhabe am Arbeitsleben aufzufordern. Erfüllen diese Personen dann die Voraussetzungen für eine Rente wegen Erwerbsminderung, gilt dieser Reha-Antrag kraft Gesetzes als Rentenantrag.

Ich würde Ihnen deshalb raten, einen Rentenantrag zu stellen und sich daneben arbeitslos zu melden und sich um eine für Sie noch annehmbare Beschäftigung zu bemühen.

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