Die Riester-Problematik - Welche Strategie sollte man einschlagen?

von
Amadé

Ausser bei user Bernhard, Maria L. , meiner Wenigkeit und weniger anderer, war die Riester-Welt bis vor kurzer Zeit bei den allermeisten in diesem Forum ja noch voll in Ordnung. Das dem nun nicht mehr so ganz ist und politischer Handlungsbedarf besteht, lässt ist sich nicht mehr abstreiten. Insoweit wird auf Herrn Rürup, ARD plusminius und "Monitor" hingewiesen. Für den staatsgläubigen Laien, der sich ja auf keinen Fall die staatliche "Förderung" entgehen lassen möchte, stellt sich die Problematik am anschaulichsten im zuerst aufgeführten link dar. Wegen etwaiger nervöser Finger an der Löschtaste wird vorsorglich darauf hingewiesen, dass "die Linke" keine verfassungsfeindliche Organisation ist, sondern diese sogar auf Länderebene mit einer "staatstragenden" Volkspartei koaliert.

http://linkszeitung.de/content/view/158235/51/

http://www.wdr.de/tv/monitor/beitrag.phtml?bid=928&sid=175

http://www.daserste.de/plusminus/beitrag_dyn~uid,ryw32d2mo8i81l9r~cm.asp

Welche Strategien sollte einer, der beabsichtigt, einen Riestervertrag abzuschliessen, im Hinblick auf die bestehenden und KOMMENDEN Unsicherheiten nun verfolgen?

Als erstes sollte man wissen, dass der Staat ein äusserst unzuverlässiger Vertragspartner ist, der die Spielregeln in Sachen Versteuerung, Modalitäten der Förderung, Beitragspflicht zur Kranken- und Pflegeversicherung nach Belieben ändern kann und dieses auch tut. Dabei scheut er sich nicht, munter in bereits bestehende Verträge einzugreifen. So sind z.B. alle diejenigen, die In den Jahren 2002 bis 2003 über Ihren Betrieb einen Riestervertrag abgeschlossen haben, vom Gesetzgeber zum 01.01.2004 böse mit der VOLL-Verbeitragung zur Gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung überrascht worden. Wären die Vorsorgenden bereits in den Jahren 2002 bis 2003 umfassend über die Folgen der kommenden Gesetzgebung informiert worden, wären mit Sicherheit erheblich weniger Riesterverträge über den Betrieb abgeschlossen worden.

Jedes Kind im Lande hat davon Kenntnis erlangt, dass die maroden Kranken- und Pflegekassen einen enormen Finanzbedarf haben, der in Zukunft noch rasant steigen wird. Wer heute in der Lage ist, die Vollverbeitragung bei betrieblichen Riesterrenten einzuführen, der wird sich auch nicht scheuen, wenn eine genügende Anzahl von Menschen private Riesterverträge abgeschlossen und bespart haben, auch hier die Vollverbeitragung einzuführen.

Sinn privater Altersvorsorge kann es aber nun nicht sein, dass Risiko der Krankheit abzusichern, vielmehr soll ja das Risiko des Alters abgesichert werden.

Des Weiteren sollte man wissen, dass der Staat über die weitere Stellschraube sich ändernder Steuergesetze dazu in der Lage ist, die hochwillkommenen Sparerträge der fleissigen Vorsorgenden einfach zu Umzuverteilungszwecken zu nutzen.

Wie kann man sich gegen diesen wenig vertrauenserweckenden Vertragspartner eigentlich absichern???

Riester ist nur ein Baustein der Altersvorsorge - diese sagt die Deutsche Rentenversicherung ganz zu Recht.
Wer partout nicht auf die vermeintlichen Geschenke des Staates verzichten will, sollte zumindest vorsichtig sein und ein Riesterprodukt wählen, dass äusserst flexibel ist, von den Verwaltungskosten extrem niedrig ist und sich daher schnell und ohne Verluste VOR Beginn der Riesterrente kündigen lassen kann. Als einziges Produkt kommt hier ein förderungsfähiger Banksparplan in Betracht. Eine Kündigung von geförderten Rentenversicherungen oder Fondssparplänen wäre wegen des Kursrisikos und der hohen Verwaltungskosten nur mit Verlusten möglich.
Ein Banksparplan stellt hingegen für den langfristig Vorsorgenden die einzige Möglichkeit dar, flexibel auf künftige Fallen des Gesetzgebers zu reagieren, weil der Vertrag ggf. rechtzeitig vor Beginn der Riester-Rente verlustfrei gekündigt werden kann. Zeichnet sich z. B. ein Jahr vor Rentenbeginn ab, dass man lebenslang auf Grundsicherung/ Sozialhilfe angewiesen ist oder inzwischen eine Beitragspflicht zur Kranken- und Pflegeversicherung eingeführt worden ist, so hat man durch diese Art der Vorgehensweise wenigstens noch etwas von seinen Sparbemühungen statt für den Staat, die Krankenkasse oder andere gespart zu haben. Im Kündigungsfall wird die Förderung zwar einbehalten und ist vom Institut an den Finanzminister zurückzuzahlen, es verbleibt einem aber wenigstens das gesamte verzinste Guthaben.
Ein geförderter Banksparplan hat übrigens noch weiter Vorteile:

a) das Guthaben lässt sich problemlos vererben
b) das Guthaben kann hinsichtlich des Erwerbs einer selbstgenutzten Immobilie problemlos eingesetzt werden.

An Redaktion:

Da es um sehr viel Geld geht und diese Seite ja das Thema Altersvorsorge auf die Fahnen geschrieben hat, sollte eine Diskussion durchaus zugelassen werden. Das Forum hat ja nicht den Zweck, die Bürger anzuhalten, Vorsorge für das Risiko der Krankheit und der Pflegebedürftigkeit oder zur Sanierung des Staatshaushalts zu leisten. Zweifelsohne ist gerade NACH Rürup, ARD plusminus und Monitor weiterer Informationsbedarf - und zwar noch und nöcher -gegeben...

von
zuza

hi,

ich frage mich, warum du überhaupt einen bankspar-riester empfiehlst?

ich sehe darin überhaupt keinen sinn, da es ausreichend andere anlagemöglichkeiten gibt, die insbesondere flexibel, kostengünstig und je nach anlageform risikoarm/-reich sind ...

riester hat meiner meinung den gleichen "wert" wie die "gute" alte lebensversicherung - kann man vergessen. der vorteil könnte für den einzelnen allerdings darin liegen, dass das geld nicht so einfach angetastet werden kann, man also plötzlichen konsumwünschen nicht so einfach nachgeben kann.

ansonsten arbeitet riester meiner meinung mit der hartz IV - angst ... denn riester wirbt ja gerade damit, dass seine produkte hartz IV - sicher sind. und das wird für einige das kaufsargument schlechthin sein, da die negativen schlagzeilen - verwertung aller anlageformen vor hartz IV - den meisten gut in erinnerung sein werden.

gruß, zuza

von
Amadé

Riester empfehle ich überhaupt nicht. Es ist nur - wenn überhaupt - ein marginaler Baustein. Mein Vorschlag richtet sich vielmehr an die "Ängstlichen", die meinen, es könnten Ihnen "Geschenke" des Staates entgehen. Mit der vorgeschlagenen Strategie bleibt man flexibel und kann Maximalverluste, wie sie bei einer Kündigung einer geförderten Rentenversicherung auftreten, verhindern.

Welche Gesetze in Zukunft in Deutschland gelten werden, kann man niemand vorhersehen. Das dem Gesetzgeber aber nicht zu trauen ist, hat dieser mehrfach bewiesen.

von
Riesterer

http://www.welt.de/wams_print/article1547496/Riester-Rente_bleibt_ohne_Alternative.html

"Für jeden, der die Chance sieht, im Alter nicht vom Sozialamt abhängig zu sein, sollte die Riester-Rente die erste Wahl sein", sagt auch Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von "Finanztest".

von
Amadé

Für Gering- bis Mittelverdiener - zudem mit grossen durch Arbeitslosigkeit bedingten Lücken - kann Riester NICHT die erste Wahl sein. Die Zahl solcher Versicherten geht in die Millionen und kann nicht einfach als "Bagatelle" abgeschrieben oder als Kolateralschaden hingenommen werden.

Auf den "Renten-Gottvater" Rürup wird insoweit hingewiesen (Zitat aus dem besagten Monitor-Bericht):

Monitor:

"Der Wirtschaftsweise und Vater der Rentenreform Bert Rürup bestätigt das Problem und gibt jetzt zu, dass da wohl etwas schief laufe und korrigiert werden müsse."

Prof. Bert Rürup, Vorsitzender des Sachverständigenrates:

"Ein Problem bei der Riester-Rente besteht darin, dass ja ... die Auszahlungen auf die Grundsicherung im Alter angerechnet werden. Und das bedeutet für Geringverdiener, die erwarten, dass sie ja auf die Grundsicherung im Alter angewiesen sein werden, dass es für die durchaus rational ist eben, keinen Riester-Vertrag abzuschließen, so generös sie auch immer gefördert ist."

Wie nimmt nun Monitor zu den Angriffen von Herrn Riester Stellung?

http://www.wdr.de/tv/monitor/presse_080111.phtml

Abschliessend möchte ich darauf hinweisen, was uns die langjährige Erfahrung mit staatlicher "Förderung" lehrt:

Frage eines an der Vorsorge Interessierten:

http://www.ihre-vorsorge.de/Expertenforum-Thema.html?id=54394&dekade=1

Antwort des Experten:

http://www.ihre-vorsorge.de/Expertenforum-Thema.html?id=54397&dekade=1

Antwort eines erfahrenen Bürgers:

http://www.ihre-vorsorge.de/Expertenforum-Thema.html?id=54407&dekade=1

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Im Hinblick auf die künftige Entwicklung sollte man sich daher nach Möglichkeit alle Optionen offen halten und auf flexibles Handeln mit der Option auf Aussteigen aus der "Förderung" setzen.

von
Grundsicherungspabst

Wer sagt denn, das es in 20 oder 30 Jahren überhaupt noch Grundsicherungsleistungen gibt? Oder ob sie noch in der heutigen Höhe sind? Und was eventuell darauf anzurechnen ist?
Wer sagt denn, das die anderen Anlageformen nicht auch später anders/höher besteuert oder angerechnet werden? Auch hier kann der Staat doch jederzeit andere Gesetze bringen.
Auch bisher wurde und wird jegliches Einkommen oder Vermögen auf staatliche Leistungen wie Sozialhilfe oder Grundsicherungsleistungen angerechnet und das ist auch gut so.
Wenn die Prognosen von Amade in Erfüllung gehen und zig Prozent der Bevölkerung Grundsicherungsleistungsabhängig würden, wer soll das dann noch bezahlen? Dann wird der Staat dieser Leistung einen Riegel vorschieben. Es gibt ja keine Garantie auf Grundsicherungsleistung. Vorsorgen und mit eigenem Geld über die Runden kommen sollte das Ziel eines Jeden sein. Natürlich immer nur im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten.

von
Maria L.

Hallo Amadé,

klasse Beitrag von Ihnen.

Ich bin auch "hereingefallen" auf die staatliche Förderung der betrieblichen Altersvorsorge über Entgeltumwandlung und habe 2002 einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen (bei mir war es allerdings kein Riester-Vertrag, aber die Problematik ist die gleiche). Von der urplötzlich 2004 beschlossenen doppelten Beitragspflicht wurde ich "kalt erwischt".

Durch Arbeitgeberwechsel bin ich den Vertrag unterdessen elegant losgeworden (ich habe ihn beitragsfrei gestellt) - und natürlich werde ich nie wieder so einen Vertrag abschließen, schließlich bin ich in der Lage, aus meinen Fehlern zu lernen.

Es gibt einen hervorragenden Artikel zur Riester-Problematik, den ich hier mal verlinken möchte (man braucht allerdings den Acrobat Reader, um ihn öffnen zu können):

http://www.finanzuni.org/phpBB/artikel/Artikel_Riester.pdf

Die Finanzuni ist eine von Anbieter-Interessen und von staatlichen Interessen unabhängige und privat finanzierte Aufklärungsseite zur Altersvorsorge und ohne finanzielle Interessen des Herausgebers (er hat allerdings ein sehr lesenswertes Buch zum Thema herausgegeben, aber dessen Erträge dürften weit unter den Kosten liegen, die alleine die Bereitstellung dieser Aufklärungsseite verschlingt) - somit sehr glaubwürdig! Es lohnt sich sehr, dort mal unvoreingenommen zu lesen (und nicht abschrecken lassen, wenn manches beim ersten Lesen fragwürdig/rätselhaft erscheint). Fragen dazu beantworte ich gerne (soweit das hier im Rahmen des Expertenforums zugelassen wird, ansonsten kann man sich auch in der Finanzuni anmelden und dort Fragen stellen).

In einem Punkt bin ich nicht Ihrer Meinung, Amadé. Mit einem Banksparplan läßt sich das Problem meines Erachtens nicht lösen. Das Problem bei allen festverzinslichen Sparformen ist: niemand weiß, wie hoch in Zukunft die Inflation ausfallen wird. Nur wenige Jahre mit einer höheren Inflation (aktuell haben wir ja auch schon 3%) fressen die Zinserträge auf. Mit den geringen Renditen, die bei festverzinslichen Sparformen zu erwarten sind, ist mir das Risiko viel zu hoch, daß die Versorgungslücke damit nicht gefüllt werden kann.

Deshalb: ich spare jetzt in Aktienfonds, nachdem ich das endlich begriffen habe.

Achtung: vor dem Sparen in Aktienfonds sind einige Randbedingungen zu beachten, damit die durchaus vorhandenen Risiken (die mich selber auch jahrelang abgeschreckt haben) verschwinden. Genaueres hierzu findet man auch in der Finanzuni.

Gruß,
Maria L.

von
Amadé

Sie schreiben:

"Auch bisher wurde und wird jegliches Einkommen oder Vermögen auf staatliche Leistungen wie Sozialhilfe oder Grundsicherungsleistungen angerechnet und das ist auch gut so."

Das ist leider nicht "gut so", weil...

Prof. Bert Rürup, Vorsitzender des Sachverständigenrates:

"Die Akzeptanz eines Rentensystems schwindet in dem Maß, indem für langjährig Versicherte durch Beiträge erworbene Anwartschaften keine hinreichende Distanz eben zur Grundsicherung haben. Das ist das Problem und da muss man sich beschäftigen mit."

von
zuza

die sache ist nur, dass heute aufgrund der fraktalen erwerbshistorie vieler unserer mitbürger die riesterrente in welcher form auch immer die lebenswirklichkeit nicht trifft ... die erwerbshistorie ist eben heute nicht mehr "gleichförmig" als sozialversicherungspflichtig beschäftigter, sondern setzt auch aus arbeitslosenzeiten, selbständigkeit, sabbatical, fortbildung zusammen. hier trifft also die riesterrente gerade nicht den markt, die staatlich geförderte alternative - die rürup-rente - ist ja ein ziemlicher rohrkrepierer und nun wirklich kaum zu empfehlen.

anstatt für jeden beliebigen bürger ein schönes projektchen zu starten, wäre es doch am einfachsten, riester und rürup in der momentanen form einzustampfen und ein staatlich geförderte vorsorge allen bürgern gleichermaßen zu ermöglichen.

wäre aber wohl zu einfach ;-)

von
Antonius

"Auch bisher wurde und wird jegliches Einkommen oder Vermögen auf staatliche Leistungen wie Sozialhilfe oder Grundsicherungsleistungen angerechnet und das ist auch gut so."

Das sehe ich ganz genauso ! Warum sollte ausgerechnet die "Riester-Rente" gegenüber anderen Einkommens- oder Vermögensformen bevorzugt werden ? Die gesetzliche Rente wird schließlich auch auf den Grundsicherungsanspruch angerechnet. Soll man vielleicht auch das Arbeiten drangeben, weil das Arbeitseinkommen schließlich auch auf die Sozialhilfe angerechnet wird ?
Wäre es etwa gerecht, dass ein Rentner mit Grundsicherung und (anrechnungsfreier) Riester-Rente u.U. finanziell besser gestellt würde als ein Arbeitnehmer oder Rentner ohne Grundsicherungsanspruch und ohne eigenes Vermögen ?
Ich persönlich fand den Monitor-Beitrag hetzerisch und unseriös !

MfG

Experten-Antwort

Unter der vielversprechenden Überschrift verbirgt sich ein kritischer Beitrag zur Riester-Rente. Der Beitrag greift dabei die teilweise negative Presseberichterstattung der letzten Woche(n) auf. Im Kern geht es dabei um die Anrechnung der Riester-Rente auf die spätere steuerfinanzierte Grundsicherung (Sozialhilfe im Alter) .

Die Vertreter der Politik haben die kritische Berichterstattung zur Kenntnis genommen und teilweise in ihren Stellungnahmen Änderungen gefordert. Das Thema ist bei den politisch Verantwortlichen angekommen, die weitere Entwicklung wird sich mit der Zeit ergeben.

Die "Riester-Rente" ist eine von vielen Möglichkeiten Vorsorge fürs Alter zu betreiben. Wichtig ist, dass sich der Verbraucher eingehend über die am Markt vorhandenen Produkte informieren sollte. Dazu kann er die Informationsangebote wie sie beispielsweise von der Deutschen Rentenversicherung und den Verbraucherzentralen angeboten werden nutzen. Wer `s umfangreicher mag, kann auch an einem der bundesweit angebotenen Kurse "Altersvorsorge macht Schule" an den Volkshochschulen gegen geringe Teilnahmegebühr teilnehmen.

Die "Riester-Rente" wird staatlich gefördert. Und das nicht unattraktiv. Förderleistungen werden nur unter Einhalten bestimmter Regeln gewährt, folglich macht es Sinn, dass sich die Bevölkerung zu diesem Thema umfassend informiert.

Bei der ganzen Diskussion sollte zu dem nicht unbeachtet bleiben, dass auch künftig die große Mehrzahl der gesetzlich Rentenversicherten nicht von der Grundsicherung im Alter betroffen sein wird. Sparen bedeutet somit eine größere finanzielle Freiheit mit mehr Gestaltungsspielräumen im Alter.

Zwar ist es zutreffend, dass die steuerlichen Rahmenbedingungen in dreißig Jahren heute logischerweise noch nicht bekannt sind, aber steuerliche Änderungen würden nicht nur die geförderte Altersvorsorge sondern auch ungeförderte Vorsorgeprodukte betreffen können. Macht es folglich Sinn, heute auf mögliche Renditechancen zu verzichten? Wir Glauben das nicht. Vielmehr gehen wir davon aus, dass die "Riester-Rente" für große Teile der gesetzlich Rentenversicherten eine attraktive Möglichkeit darstellt zusätzlich Altersvorsorge zu betreiben.

von
Grundsicherungspabst

Das heisst m.E. aber eher das die Grundsicherung zu hoch angesetzt ist. Fürs Nixtun bekommt man in Deutschland genauso viel wie für 35 Jahre schuften am Band. Das ist doch der Ärger.

von
Amadé

Hallo Antonius,

leider haben Sie sich weder mit dem Monitor-Bericht noch mit meinen Ausführungen INHALTLICH auseinandergesetzt. Mit Ihrer Aussage, dass Sie den Monitor-Bericht "hetzerisch und unseriös" finden, sind Sie wohl doch etwas zu weit gegangen.
Lesen Sie doch noch bitte einmal nach, was Herr Rürup ausgeführt hat, war das auch "hetzerisch und unseriös"?

Wenn sich einer unseriös verhalten hat, so war es der verantwortliche Fachminister, der hat nämlich gar keine Stellungnahme abgegeben bzw. hat sogar "gekniffen". Auch Herr Riester, der laut Bundestagsbericht zahlreiche Neben-Einkünfte von diversen Banken- und Versicherungskonzernen hat - ein Schelm, der Böses dabei denkt - hat keine extrem gute Figur gemacht.

Führen Sie sich bitte nochmals die untenstehende Stellungnahme von Monitor zu Gemüte.
Niemand hat behauptet, man solle nicht mehr vorsorgen oder gar seine Arbeit niederlegen, um später von Sozialhilfe/ Grundsicherung zu leben. DIESE -nicht die Argumentation von Monitor - ist unseriös, das andere Wort gebrauche ich lieber nicht.

Nehmen Sie - als ein wirklich nicht aus der Luft gegriffenes Beispiel, was auch bei weitem kein Einzelfall ist- eine alleinerziehende Frisörin mit einem Kind, die volltags arbeitet. Wegen einer erziehungsbedingten Auszeit und vielleicht einigen Zeiten der Arbeitslosigkeit, kommt diese mit ihrer späteren Rente nie auf einen grünen Zweig und wird, obwohl Sie einen künftigen Beitragszahler erzogen hat und nicht zu vergessen auch selbst Beiträge gezahlt hat, auf Grundsicherung angewiesen sein.
Höchst unseriös ist, solchen Menschen vorzugaukeln, Sie würden mit Riester das Geschäft ihres Lebens machen. Das muss man den Menschen VORHER klar machen! Warum informiert man da nicht? Auch ist es nicht Anliegen eines Sparers, der ALTERSVORSORGE betreiben möchte, dafür zu sorgen, dass die Kranken- und Pflegeversicherung sich sanieren oder gar der Finanzminister seine Löcher stopft. Auch hierzu vermisse ich sowohl Ihren Beitrag, als auch die Stellungnahme des Experten.

Nun zur Monitor-Stellungnahme:

http://www.wdr.de/tv/monitor/presse_080111.phtml

oder Volltext:

Pressemeldung vom 11.01.2008


MONITOR weist Vorwurf unseriöser Berichterstattung zurück - Auch die Kritik von Walter Riester nicht haltbar
Das ARD-Politikmagazin MONITOR weist die Kritik des Bundesarbeitsministeriums an seiner Berichterstattung (Das Erste, 10.01.08, 21.45 Uhr) über die Riester-Rente mit Nachdruck zurück. MONITOR hatte gestern in der ARD berichtet, dass die private Riester-Rente auf die Grundsicherung im Alter angerechnet wird. Sowohl das Bundesarbeitsministerium, als auch Walter Riester haben diesen Sachverhalt wiederholt bestätigt. Der Vorsitzende des Sachverständigenrates Prof. Bert Rürup hatte in MONITOR gesagt, ein Problem bei der Riester-Rente bestehe darin, dass die Auszahlungen auf die Grundsicherung im Alter angerechnet werde. Das bedeute für Geringverdiener, die erwarten, auf Grundsicherung im Alter angewiesen zu sein, könne es durchaus rational sein, keinen Riester-Vertrag abzuschließen.
MONITOR hatte nicht dazu geraten, keine Riester-Verträge abzuschließen bzw. bestehende Verträge zu kündigen. Vielmehr wurde ein bislang offensichtlich wenig bekanntes Problem benannt und die bisher oft fehlerhafte und unvollständige Beratung der Bürger aufgedeckt.
Des weiteren stellt die MONITOR-Redaktion klar, dass in dem Papier der Deutschen Rentenversicherung nicht - wie vom Bundesarbeitsministerium behauptet - nur die "Zahlbeträge aus der gesetzlichen Rentenversicherung in den Blick genommen wurden", sondern auch die Riester-Rente. Die Deutsche Rentenversicherung rechnet in ihrem Modell vor, dass ein Versicherter mit 32 Beitragsjahren und durchschnittlichem Einkommen bei Renteneintritt im Jahr 2030 mit gesetzlicher Rente plus Riester-Rente nicht über das Grundsicherungsniveau kommen wird. Das wörtliche Fazit der Rentenversicherung für diesen Fall: "Der Riester-Rentenbetrag wird in voller Höhe angerechnet. "Riestern" lohnt sich nicht".
In dem Papier der Deutschen Rentenversicherung, auf das sich MONITOR gestützt hat, wird nicht etwa nur auf "Erwerbsphasen mit geringem Verdienst" abgestellt, sondern u.a. auf eine 32jährige Erwerbsbiographie mit insgesamt durchschnittlichem Einkommen. Die Riesterrente wurde 2002 eingeführt und kann daher erst nach Jahrzehnten ein relevantes Ansparniveau erreichen. Gleichzeitig greifen die bereits beschlossen Kürzungen des Rentenniveaus ebenfalls erst verstärkt in den kommenden Jahren. Deswegen ist nach Einschätzungen von Experten, etwa der OECD, völlig unstrittig, dass in Zukunft das Problem der Altersarmut und damit der Anteil der Grundsicherungs-Rentner massiv zunehmen wird. Deswegen hat die Deutsche Rentenversicherung in dem MONITOR vorliegenden Papier die Situation im Jahr 2030 untersucht.
Der Vorwurf von Walter Riester, MONITOR habe unseriös und unfair berichtet, ist nicht haltbar. Im ARD-Morgenmagazin (Das Erste, 11.01.08, 5.30 bis 9.00 Uhr) hatte Riester unter anderem erklärt, er sei vor dem MONITOR-Interview von dem Wirtschaftsweisen Bert Rürup gewarnt worden. Dieser habe gesagt, er fühle sich von MONITOR "über den Tisch gezogen und missbraucht zu einer Aussage, die er für ungeheuerlich halte". Bert Rürup bestätigte zwar heute dieses Telefonat, wies jedoch diese Darstellung Walter Riesters gegenüber MONITOR klar zurück. Er stehe zudem zu seinen Aussagen und fühle sich von MONITOR auch nicht missbraucht.

von
Antonius

Viele Betroffene halten die Grundsicherung im Alter für eine Art Rente, was sie ja wohl definitiv nicht ist. Wäre diesen Leuten bekannt, dass diese Grundsicherung nichts weiter ist, als die gute alte Sozialhilfe unter (etwas) erleichterten Bedingungen, dann würde selbst ihrer zitierten Frisörin einleuchten, dass eigenes Einkommen und Vermögen angerechnet wird. Jeder, der ALG_II oder Sozialhilfe beantragen muss, weiß das im Regelfall ! Als ich noch auf ergänzendes ALG_II angewiesen war, wurde meine BU-Rente, richtigerweise, auch fast vollständig angerechnet. Warum sollte ausgerechnet die Riester-Rente anrechnungsfrei sein ?
Von einem mündigen Bürger kann man verlangen, dass er sich selbst informiert und nicht alles ungeprüft glaubt, was ihm der Herr Kaiser von der Hamburg Mannheimer oder dessen Berufskollegen erzählen.
Anstatt seriös aufzuklären, hat der Monitor-Beitrag unzählige Menschen in Aufregung versetzt und zu voreiligen Vertragskündigungen
animiert. Ich müsste beispielsweise 150 € Auflösungsgebühr bezahlen, sollte ich meinen Riester-Vertrag vorzeitig beenden. Und da ich bisher, obwohl mein Vertrag schon seit mehreren Jahren ruht, eine recht beachtliche Rendite erzielt habe, die die Verwaltungskosten von 1,99 €/Jahr deutlich übersteigt, werde ich meinen Vertrag auch noch eine Weile behalten.
Die Stellungnahme der Monitor-Redaktion ist zwar nicht wiederlegbar. Entscheidend ist allerdings das, was die Zuschauer verstanden haben. Nämlich: Riester-Rente ist schei... !

MfG

von
Rosanna

@Antonius, ich kann Ihrem Beitrag uneingeschränkt beipflichten!

Wenn JEDER für sich eigenverantwortlich unter Zugrundelegung seiner JETZT zur Verfügung stehenden Mittel etwas für die Altersvorsorge tun würde (was leider nicht der Fall ist), gäbe es diese ganzen Diskussionen nicht! Aber nein, da wird überlegt, wie man das Grundsicherungsamt "austrixen" kann. In finanziellen Notlagen kann man bestimmte Verträge immer noch ruhen lassen/beitragsfrei stellen.

Die Leute, die heute schon in "Armut" leben, können selbstverständlich keine Beiträge zur Altersvorsorge leisten. Aber alle anderen!

MfG Rosanna

von
Antonius

"Aber nein, da wird überlegt, wie man das Grundsicherungsamt "austricksen" kann."

Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen, "Rosanna" !

MfG

von
dirk

"Riester-Rente ist schei... !"

Nee, aber auch nicht DIE eierlegende Wollmilchsau, für die es angepriesen wurde