Direktversicherung

von
Bernhard-W

Seit rund 10 Jahren habe ich eine Direktversicherung, die die Anforderung an die Pauschalversteuerung erfüllt und für die als sog. Altvertrag der Vertrauensschutz gilt.

Seit einem Jahr habe ich einen neuen Arbeitgeber, der als kirchliche Einrichtung obligatorisch einer Zusatzversorgungskasse angehört.

Nun ist es so, dass seitens meines neuen Arbeitgebers für mich zum Einen 4% des Bruttolohns in die Zusatzversorgungskasse eingezahlt werden, die nach § 3 Nr. 63 EStG steuer- und sozialversicherungsfrei sind, und zum Anderen 4,75% meines Bruttolohns in die Zusatzversorgungskasse gezahlt werden zur Umlagefinanzierung der Versorgungskasse. Diese 4,75% werden nach § 40b EStG pauschaliert versteuert, wobei der Arbeitgeber die Pauschalsteuer trägt.

Bezüglich meiner Direktversicherung, sagt nun mein neuer Arbeitgeber, könne keine Pauschalversteuerung mehr durchgeführt werden, da mit der Zahlung der 4,75% bereits der Maximalbetrag von 1752,-- Euro pro Jahr ausgeschöpft ist.

Das hieße für mich, dass ich aus voll versteuertem Einkommen meine alte Direktversicherung finanzieren soll. Dies wäre für mich um so ärgerlicher, weil ich im Rahmen anderer bereits seit vielen Jahren bestehender Kapitallebensversicherungen die Vorsorgeaufwendungen voll ausgeschöpft habe. Mit anderen Worten, ich könnte die Versicherungsbeiträge zur Direktversicherung auch nicht steuermindernd geltend machen.

Ist die von meinem neuen Arbeitgeber bezüglich meiner Direktversicherung vertretende Meinung, dass eine Pauschalversteuerung meiner Direktversicherung nicht möglich ist bei ihm aus den besagten Gründen richtig?

Ich wäre total gestraft hierdurch.

Ein Gestaltungsspielraum hat mein Arbeitgeber aufgrund Zwangsmitgliedschaft in der Zusatzversorgungskasse und dem Tarifvertrag auch nicht; er kann also nicht mich von der Zahlung der 4,75% freistellen.

Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort bzw. Hilfe.

von
bAV - Spezialist

Hallo Berhard-W,

ich verstehe nicht Ihr Problem : Ihr neuer Arbeitgeber zahlt doch quasi für Sie die alte "40 b-Zusage"(pauschal) weiter; Ihren Vertrag können Sie doch ruhen lassen; einziger Unterschied ist, dass Sie aus zwei Richtungen zum Renteneintritt Ihr geld bekommen.

Nebenbei : Wenn Sie in die alte DV umwandeln könnten, würden Sie die Pauschalsteuer selber tragen - dies ist kein Anrecht sondern eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers- Pflichtig ist es nur im Rahmen der tariflichen Regelung!!!

Mfg

von
Maria L.

Hallo Bernhard-W,

ich schließe mich der Meinung von bAV-Spezialist an: lassen Sie den alten Vertrag ruhen. Für den gesparten Beitrag hätte ich einen Verwendungsvorschlag (sofern Sie mindestens 20 Jahre auf die Rückzahlung verzichten können): investieren Sie das Geld in produktive Unternehmen, also in Aktien bzw. wegen der Risikostreuung besser in Aktienfonds.

Sie haben offenbar Ihre gesamte betriebliche und private Altersvorsorge nur über festverzinsliche Produkte abgesichert (so wirkt es jedenfalls). Diese vermeintlich "sicheren" Produkte werden sich mit einer nicht geringen Wahrscheinlichkeit in den nächsten Jahrzehnten als Groschengrab erweisen, nämlich dann, wenn sich die im Verlauf der Finanzkrise als zusätzliche Staatsschulden in die Welt gesetzten Milliarden bis Billionen Dollar und Euro irgendwann später einmal als galoppierende Inflation oder möglicherweise einer Währungsreform niederschlagen.

Die aktuelle Finanzkrise ist keine Krise des freien Marktes, sondern eine Krise des staatlich beeinflußten Marktes. Inflation wird von den Zentralbanken im Einvernehmen mit der Politik erzeugt, nicht bekämpft.

Wer also "sicher" für das Alter vorsorgen möchte, hat kaum eine andere Wahl, als sich den Risiken des freien Marktes zu stellen und in Beteiligungspapiere zu investieren. Als Ratensparplan geht das einfach und risikoreduzierend.

Gruß,
Maria L.

von
SCHMARRN

Liebe Maria L.,

das musste ja noch kommen...
Ich hätte noch einen weitern Vorschlag für Ihre Textkonserven:

"Mit Aktien können Sie 1000 Prozent verdienen, aber niemals mehr als 100 Prozent verlieren".

von
Unbekannt

@ Maria L.

Mich würde interessieren, wann Sie endlich lernen werden, nur zum Thema zu antworten.

Egal ob Sie Recht haben oder nicht, darum geht es nicht, nur behalten Sie bitte Ihre persönliche Meinung für sich. Sie nerven hier im Forum nicht nur mich.

von
Maria L.

Hallo Unbekannt,

die Antwort gilt in der Regel nicht nur dem Fragesteller (der damit vielleicht tatsächlich nichts anzufangen weiß - vielleicht aber doch, das kann ich vorher nie wissen). Die Antwort gilt auch den vielen stillen Mitlesern.

Es gibt eine gute Tradition in diesem Forum, kritisch zum Thema Altersvorsorge aufzuklären - durch User, die von der Redaktion dankenswerterweise toleriert werden. Ich bin durch Beiträge anderer User in diesem Forum auf die beträchtlichen Risiken der gesetzlich geförderten Altersvorsorge (einschließlich der gesetzlichen Rentenversicherung selbst) aufmerksam gemacht worden - zu meinem Glück, denn sonst würde ich immer noch orientierungslos durch das Dickicht vermeintlicher staatlicher Förderungen stolpern.

Wenn ich den Eindruck habe, jemand macht bei seiner betrieblichen und/oder privaten Altersvorsorge riesige Fehler, die ihm anscheinend nicht bewußt sind, dann nehme ich mir von Zeit zu Zeit das Recht heraus, darauf hinzuweisen. Wer gar nicht merkt, daß er Fehler macht, wird hier auch nicht die entsprechenden Fragen stellen. Also, ICH wäre SEHR DANKBAR gewesen, wenn mich jemand vor 20 Jahren auf diese Probleme aufmerksam gemacht hätte und nicht erst jetzt (bzw. vor wenigen Jahren), wo mir nur noch wenig Zeit bleibt, etwas zu korrigieren.

Wer von den regelmäßigen Mitlesern und Mitschreibern meine Einstellung bereits kennt und sich an meinen Beiträgen stört, braucht sie ja nicht zu lesen.

Schönen Gruß,
Maria L.

von
Mario EL

Nur der Vollständigkeit halber:

www.finanzunsinn.org

von
Rentner

ich gehe in wenigen Wochen mit 49 Beitragsjahren in Rente. Ich habe ohne Berater alles gemacht bzw. beobachtet, was sog. selbsternannte Experten mit Charts und Laptops analysieren. Ich habe ein Reihenhaus, Bausparveträge (getilgt), Bundesschatzbriefe, etwas Lebensversicherung. Den Goldpreis und div. Fonds habe ich beobachtet und so gerechnet, wie wenn ich sie "beigemischt" hätte.

Vor allem aber habe ich eine eine schöne DRV(BfA)-Rente.
Die ist sicher.

Das nur zu Ihrem fundierten Halbwissen.

von
ne, Maria L.

Der Citibank-Berater meinte auch, mein Mann mache einen riesigen Fehler. Als der (früher mal als ganz toll angepriesene) Aktienfond aufgelöst wurde, wollte er uns dafür Lehman-Zertifikate verkaufen. Mein Mann rechnete einen Abend am Pc hin und her "was wäre, wennn" und kam dann zu dem Schluss: "Ich verstehe die Dinger nicht, kaufe ich also nicht". Der Berater (vermutlich mit schlechterer kaufmännischer Ausbildung) war etwas herablassend.
Übrigens verkaufen Banken ja gerne die Aktien, die sie selbst loswerden wollen. Wie kann ich verhindern, dass sie die genau an die Fonds verkaufen, sie sie ausgeben und von denen ich Anteile habe? Wenn der Fond irgendwann zu schlecht läuft, löst man ihn eben auf (passiert bei den meisten) und legt neue auf.

von
Fondsbesitzer

Frage: Kann ich den Fonds AXA Immoselect (984645) heute zu Geld zu machen?

Antwort: Bis Ende Januar gibts nix.! Vorübergehend wegen Reichtum geschlossen.

Experten-Antwort

Zu prüfen wäre zunächst ob - so wie im öffentlichen Dienst - die Regelungen des § 3 Nr. 56 EStG greifen. Des weiteren kann geprüft werden ob sich durch die Regelung des § 40b Abs. 2 Satz 2 EStG ein günstigerer Höchstbetrag ergibt.

von
Maria L.

Hallo zusammen,

wenn hier mal sachliche Argumente genannt werden, dann gehe ich auch gerne darauf ein:

Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen, somit Forderungspapiere und somit riskant, weil sie bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten nicht gesichert sind. Anteile von Aktienfonds sind dagegen Sondervermögen, diese sind nach deutschen Gesetzen sehr sicher und auch im Falle der Insolvenz der Fondsgesellschaft oder der Depotbank geschützt. Und gegen die Insolvenz einzelner Unternehmen im Fonds schützt ja die Streuung, die ein Aktienfonds automatisch gewährleistet (dazu kommt die Streuung über mehrere Aktienfonds).

Wer an der FinanzUni "studiert", weiß jedenfalls schon lange und schon vor der Lehman-Insolvenz, daß Zertifikate Papierschrott sind (überspitzt formuliert).

Wer sich auf Bankberater verlassen muß, hat natürlich schlechte Karten, das ist ja auch eine der Kernaussagen der FinanzUni. Es hilft leider nur, sich selbst so viel Kompetenz anzueignen, daß man sich die Auswahl der richtigen Produkte in Eigenverantwortung zutraut.

Wer der Fondsindustrie nicht traut, kann sich ggf. noch an ETFs versuchen (aber auch diese werden ja von einem Unternehmen der Finanzbranche aufgelegt) oder direkt in Einzelaktien investieren. Das ist aber deutlich riskanter, weil man als Normalsparer da kaum eine ausreichende Risikostreuung hinbekommt.

@Fondsbesitzer: Mit Immobilienfonds kenne ich mich nicht aus, dabei handelt es sich aber nicht um Beteiligungspapiere, deshalb für die Altersvorsorge nicht geeignet.

Ob es zulässig ist, daß auch ein Aktienfonds vorübergehend die Rücknahme von Fondsanteilen einstellt, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Ich werde mich da mal informieren.

Aber selbst wenn: man investiert nur in Fonds, wenn man zuvor ein sofort verfügbares Finanzpolster zurückgelegt hat, das nur für Notfälle vorgesehen ist. Einen "plötzlichen" Geldbedarf, der zu einem vorzeitigen Verkauf von Fondsanteilen zwingt, gibt es demnach nicht (außer in sehr unwahrscheinlichen Fällen, die vom Finanzpolster nicht abgedeckt werden - hundertprozentige Sicherheit gibt es im Leben halt nicht).

Gruß,
Maria L.

von
Maria L.

Hallo Rentner,

seien Sie froh und dankbar, daß Sie noch eine gesetzliche Rente in nennenswerter Höhe bekommen. Ich trage mit meinen Rentenbeiträgen seit über 20 Jahren dazu bei! Dagegen werde ich KEINE gesetzliche Rente in NENNENSWERTER HÖHE erhalten, vielleicht sogar gar keine. Genaueres wird erst die Zukunft zeigen.

Seien Sie sicher: mit Ihrem Altersvorsorgemodell konnte Ihre Generation noch ausreichend vorsorgen, die jetzt Berufstätigen können das aber nicht mehr!

Unser Wohlfahrtsstaat auf Pump gelangt irgendwann an Grenzen, denn niemand (auch kein Staat) kann auf Dauer mehr Geld ausgeben als er einnimmt. Irgendwen wird es treffen, irgendwann in den nächsten Jahrzehnten (vielleicht auch schon in einigen Jahren, wer weiß).

Gruß,
Maria L.

von
Grimm J.

Es war einmal...

und wenn sie nicht gestorben sind, dann plappern sie noch heute.

von
Zornig

Liebe Maria L.,

woher Ihr Zorn und das bemühen, andere missionieren zu müssen.
kann das damit zusammenhängen, dass sie entsprechende produkte verkaufen müssen und dies im Augenblick nicht möglich ist ?

von
Bernhard-W

Vorab die Information, dass ich von den 4,75% nichts habe, da diese zur Umlagefinanzierung der Zusatzversorgungskasse dienen. Damit werden die heutigen Rentenempfänger finanziert, die in das alte System einer Umlagenfinanzierung eingezahlt haben. Heute hat die Zusatzversorgungskasse auf ein kapitalgedeckte Finanzierung umgestellt.

Meine alte Direktversicherung basierte auf eine Umwandlung von Lohn in Versicherungsbeiträgen. Die Beiträge sind also von mir selbst durch Lohnverzicht gezahlt worden, genauso wie die pauschale Lohnsteuer. Großer Vorteil war die geringere pauschalierte Lohnsteuer als mein individueller Einkommensteuersatz.

Die Anwendung des § 3 Nr. 56 EStG kommt nicht in Frage, da die die 4% steuerfrei nach § 3 Nr. 63 EStG gezahlt werden. Der erhöhte Betrag nach § 40b EStG, also die 2.148,-- €, werden bereits ausgeschöpft durch die 4,75%.

Wenn für meine Beiträge (durch Lohnverzicht) in die alte Direktversicherung keine pauschalierte Besteuerung möglich wäre wegen dieser "blöden" Umlagefinanzierung von 4,75%, dann würde eine Fortführung keinen Sinn mehr machen, weil ich sie aus voll versteuertem Einkommen ohne Steuervorteil bezahlen würde. Dann wäre sie eine Geldanlage wie jede andere. Allerdings wäre es für mich dann sinnvoller, diese 1.752,-- Euro in eine Versicherung mit Nettogeldumwandlung zu benutzen, weil ich dann die staatlichen Zulagen erhalte. Daher nochmals die Frage: Gibt es für mich in der jetzigen Situation eine Möglichkeit, die alte Direktversicherung mit der pauschalierten Lohnbesteuerung fortzuführen?