Druck durch Krankenkasse zum Rentenantrag?

von
GertraudH

Ich bitte die Experten um Rat:
Mein Mann ist seit Oktober 2013 an Lungenkrebs erkrankt. Die Chemo ist überstanden, aus der sich anschließenden Reha wurde er arbeitsunfähig entlassen. Nun macht die Krankenkasse Druck, mein Mann soll einen Rentenantrag stellen, da er im vergangenen Jahr sein 63. Lebensjahr vollendet hat. Kann die Krankenkasse die Zahlung des Krankengeldes einstellen, bevor der Anspruchszeitraum beendet ist? Muss die "Rente mit 63" beantragt werden? Wir sind eigentlich davon ausgegangen, dass die Möglichkeit einer Erwerbstätigkeit eintreten könnte, wenn evtl. auch nur stundenweise.
Was wäre bei einem "Muss" sinnvoller: Rente mit 63 oder Erwerbsunfähigkeitsrente?
Ich bedanke mich schon jetzt für jeden guten Rat.

von
KSC

Glauben Sie wirklich daran, dass ein knapp 64 Jähriger, der seit einem Jahr wegen Lungenkrebs nicht mehr arbeitet, nochmals ins Arbeitsleben zurückkehrt?
Und wenn, wäre das sinnvoll? Ist nicht Anderes viel, viel mehr wert?

Zum Rentenantrag kann die Kasse Ihren Mann nicht auffordern. Wohl aber zu einem Rehaantrag und zwar in der Hoffnung, dass die DRV diesen Rehaantrag in einen Rentenantrag umwandelt.....

Und wegen der Rentenhöhe empfehle ich ein persönliches Beratungsgespräch, dort kann Ihnen alles erklärt werden.

von
Sozialröchler?

Zu einem Rentenantrag kann die Krankenkasse Sie nicht auffordern. Für die Aufforderung zum Reha-Antrag sieht die Krankenkasse offenbar keinen Raum. Wenn Sie keine schriftliche Aufforderung erhalten, die Sie rechtlich überprüfen lassen können, können Sie das Drängen ignorieren. Man versucht es halt mal. Für die Einschränkung des Dispositionsrechts hat das Bundessozialgericht inzwischen im Rahmen der Rechtsprechung Regeln festgelegt, die durch die Krankenkassen häufig ignoriert werden.

Die "Grundsätze der Rentenversicherungsträger zum Dispositionsrecht des Versicherten" finden Sie hier:

http://www.deutsche-rentenversicherung-regional.de/Raa/Raa.do?f=SGB6_116ANL3

http://www.haufe.de/personal/personal-office-premium/jansen-sgbvi-116-besonderheiten-bei-leistungen-zur-t-22-antragsfiktion_idesk_PI10413_HI532364.html

von
Platzverweis

http://www.rentenberatung-rumm.de/cms/index.php?option=com_content&view=article&id=20&Itemid=21

"Es müssen hier einige Voraussetzungen erfüllt sein, um den Versicherten in eine Rente zwingen zu können.

Es muss durch ein qualifiziertes Gutachten dokumentiert sein, dass die Erwerbsfähigkeit eines Versicherten tatsächlich erheblich gefährdet oder gemindert ist.

Auch hat die Krankenkasse bei ihrer Entscheidung, ob ein Versicherter zur Antragsstellung aufgefordert wird oder nicht, ihr Ermessen pflichtgemäß auszuüben. Der Betroffene ist vor Erlass des ihn belastenden Verwaltungsaktes zu hören.

Die überwiegende Mehrzahl dieser Bescheide ist fehlerhaft.

Daher mein Tipp: Lassen Sie sich rechtzeitig beraten und nicht vorschnell von Ihrer Krankenkasse zu einer Reha- oder Rentenantragsstellung drängen."

http://www.dewezet.de/portal/anzeigen/themenwelten/themenwelten-recht-und-bildung_Vorsicht-Haeufig-werden-rechtswidrige-Fristen-gesetzt-_arid,169463.html

von
GertraudH

an KSC:
Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Für die anderen Antworten bedanke ich mich und werde mich ratsuchend z. B. an den Sozialverband, deren Mitglieder wir sind, wenden.

Experten-Antwort

Grundsätzlich hat die Krankenkasse die Möglichkeit, das Dispositionsrecht von Versicherten einzuschränken und sie in ihren Gestaltungsmöglichkeiten zu beschränken.
In der Regel deutet ohnehin der Rentenversicherungsträger den Reha-Antrag in einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente um, wenn ein Versicherter arbeitsunfähig entlassen wird. Um die Einstellung des Krankengeldes zu umgehen, bleibt Ihnen bei einem eingeschränkten Dispositionsrecht oft nur die Möglichkeit, dann auch einen entsprechenden Antrag auf Erwerbsminderungsrente zu stellen. Eine Aufforderung zur Beantragung der Altersrente mit 63 ist von der Krankenkasse nicht möglich. Sofern Ihr Dispositionsrecht noch nicht eingeschränkt wurde, wäre zu überlegen, gleich die abschlagsfreie Altersrente mit 63 mit einem gewünschten Rentenbeginn zum .... zu beantragen. Ich kann Ihnen nur empfehlen, sich in einer Auskunfts- und Beratungsstelle ausführlich beraten zu lassen, welche Möglichkeiten Ihnen offen stehen und welche Rente für Sie am günstigsten ist.

von
Ingo Kruse

Ich bin 57 Jahre jung und habe das gleiche Problem. Mein Onkologe empfiehlt die Wiedereingliederung. Die AOK möchte diese aber verweigern und mich in der Erwerbsminderungsrente sehen.
Das kann ich mir aber finanziell nicht leisten. Dann lieber am Krebs sterben?
Welche Rechte habe ich?
Dankbare Grüße
Ingo Kruse