Eine kurze Verständnisfrage: "gesonderte Meldung"

von
Roger B.

Hallo zusammen,

meinen Rentenantrag auf Regelaltersrente habe ich bereits im August gestellt. Seitdem warte ich ich auf den Bescheid. Hatte aber durch den freundlichen Hinweis eines Users auch erst im November damit gerechnet.

Nun erhalte ich gerade (Samstag) ein Schreiben der Rentenversicherung:

"Wir haben von ihrem Arbeitgeber die gesonderte Meldung für die Zeit vom 01.01.2021 bis 30.09.2021 am 13.09, angefordert.

Erinnert haben wir Ihren Arbeitgeber an die Abgabe dieser Meldung am 11.10. und ein zweites Mal mit heutigem Datum (07.11.). Ohne dies Meldung können wir keinen Rentenbescheid erstellen."

Da unsere Buchhaltung erst am Montag wieder erreichbar ist (und ich mal wieder nervös bin), würde ich gerne
verstehen, was da gewollt ist? Was ist mit dieser gesonderten Meldung gemeint? Ist die so kompliziert auszustellen?

Ich nehme an, die meinen, die Höhe der Versicherungsbeiträge von 01-09 um die Rente vorzuberechnen (?)

Ich bin bei einem großen eigentlich zuverlässigen Arbeitgeber. Das wundert mich zusätzlich. Wie soll ich da am Montag auftreten? Kann mein AG diese Daten elektronisch direkt übermitteln?

Herzlichen Dank
Roger B

von
Siehe hier

Hallo Roger B.,

wie die DRV schrieb, kann ohne diese Meldung Ihre Rente nicht berechnet werden.
Da Sie bei Rentenantrag noch im Arbeitsverhältnis standen (immer noch stehen?), meldet der Arbeitgeber monatlich normalerweise 'nur' die laufenden Monate. Und macht während eines laufenden Arbeitsverhältnisses dann noch eine Jahresmeldung und meldet Sie dann irgendwann 'ab' (bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses).

Diese gesonderte Meldung ist also quasi eine 'vorläufige Abmeldung' nämlich zum Datum des Rentenbeginns. Und da dafür 'im Voraus' bestätigt werden muss, was Sie in den letzten (vier) Monaten vor Rentenbeginn verdienen werden, ist diese Meldung erforderlich. (Sie werden damit nicht wirklich abgemeldet!!)

Sie kann wie die monatlichen Meldungen per Datenübermittlung erfolgen, ist dann also zeitnah bei der DRV, sofern Ihr Arbeitgeber nun endlich mal was tut.

Bis Montag könnten Sie noch die sehr ausführlichen Informationen zu diesem Thema in den GRA zum § 194 SGB VI lesen, damit Sie es selbst etwas besser verstehen, aber auch Argumente für Ihren Arbeitgeber sammeln können, mit dem Sie ihn auf die Füße treten.
Ist immerhin Ihr Geld, das nun durch ihn erst verzögert bezahlt werden wird.

Viel Erfolg und einen lesereichen gemütlichen Sonntag :-)

https://rvrecht.deutsche-rentenversicherung.de/SharedDocs/rvRecht/01_GRA_SGB/06_SGB_VI/pp_0176_200/gra_sgb006_p_0194.html#doc1575196bodyText28

von
Roger B.

Hallo Siehe hier,

ganz herzlichen Dank für die umfassende Antwort. Das klärt es für soweit, dass ich verstehe, worum es geht.

Bei meinem AG eigentlich vollkommen unvorstellbar; er ist einer der größten und auch sozial sehr engagiert. Ich frage mich, wie so was durchgehen kann. Naja ich werde es Montag erfahren.

Mal ein negatives Szenario:

- Meine Regelaltersrente beginnt zum 01.01.22
- Kontoklärung ist mit Feststellungsbeschei abgeschlossen.
- Also eigentlich keinerlei Unklarheiten

Was passiert, wenn ich den Rentenbescheid bis Ende Dezember
aufgrund dieser Umstände nicht erhalte. Muss ich dann im Januar
weiterarbeiten?

Viele Grüße
Roger B.

von
W°lfgang

Hallo Roger B.,

Murphys Law *g

Noch ist lange Zeit, das bis zum ersten Zahltag der Rente Ende Januar hinzubiegen, also nicht anfangen zu zappeln. Ihre PA ist ggf. überlastet, so dass erst die 'ältesten' Anfragen abgearbeitet werden, bevor Sie dran sind ...ob das nun morgen oder erst im Dez. für die Hochrechnung übermittelt wird, ist egal. Eine Nachfrage bei Ihrer PA könnte nicht schaden, warum die nicht auf die DRV-Anfrage reagieren ...

"Was passiert, wenn ich den Rentenbescheid bis Ende Dezember
aufgrund dieser Umstände nicht erhalte. Muss ich dann im Januar weiterarbeiten?"

Nun, der DRV ist die Beendigung Ihres Beschäftigungsverhältnisses ziemlich egal - aus Rentensicht ergibt sich kein 'Weiterarbeitszwang' bei nicht vorliegendem Rentenbescheid ;-)
Ihren AG werden Sie sicher über Ihr Beschäftigungsende informiert haben/Kündigung (oder Erreichen der Regelaltersrente = Ende Beschäftigung) ...wenn Ihr AG und Sie es wollen, ist auch eine Weiterbeschäftigung möglich - dann bei vorgezogener Rente die Hinzuverdienstgrenzen beachten!

Zusammengefasst: Ruhe bewahren, noch ist es viel zu früh, jetzt schon den Rentenbescheid haben zu wollen.

Gruß
w.
PS: hat Ihnen die Antragaufnehmende Stelle nicht gesagt, dass es bis Anfang Jan. mit dem Rentenbescheid dauern kann, ohne dass Sie bis dahin/vorher unruhig werden müssten?

von
W°lfgang

[quote=378201]Ihren AG werden Sie sicher über Ihr Beschäftigungsende informiert haben/Kündigung (oder Erreichen der Regelaltersrente = Ende Beschäftigung) ...wenn Ihr AG und Sie es wollen, ist auch eine Weiterbeschäftigung möglich - dann bei vorgezogener Rente die Hinzuverdienstgrenzen beachten!/quote]

Nachtrag:

"meinen Rentenantrag auf Regelaltersrente"

sorry für den 'überlesenen' Hinweis von Ihnen.

Gruß
w.

von
Roger B.

Hallo Wolfgang,

ebenfalls herzlichen Dank für die Ausführung. Ich denke auch die Sache wird sich morgen klären (ich werde berichten).

Eine kurze Zusatzfrage:

Wenn mein AG diese Meldung elektronisch übermittelt, kann
man dann sicher sein, dass die DRV auch tatsächlich erhalten hat?

Kann man das irgendwie kontrollieren?

Man spinnt ja schon vor sich hin: Was ist wenn die RV die Meldung,
obwohl gesendet, nicht bekommt? Erfahre ich das möglicherweise wieder erst nach einem Monat?

Ich glaub, ich mache mich da selbst verrückt ;)

VG
Roger

von
Siehe hier

Hallo Roger B.,

Ihr Arbeitgeber muss die Meldung elektronisch abgeben (seit 1.7.2021 Pflicht) und somit können Sie auch davon ausgehen, dass diese dann direkt bei der DRV vorliegt.

'Kontrollieren' können Sie es dort natürlich nicht. Sie könnten aber Ihren Arbeitgeber bitten Ihnen eine Kopie des Übermittlungsprotokolls für Ihre Unterlagen auszuhändigen
(bin mir grad nicht ganz sicher, ob er es ohnehin 'muss', aber ihn daran 'erinnern' schadet ja nicht).

Daraus können Sie dann selbst ersehen, wann die Daten übermittelt wurden.

Einen schönen Sonntagabend!

von
Roger B.

Perfekt!
Damit bin ich gut vorbereitet.
Danke für die Info.

Ich werde morgen berichten, woran es hakt ...

Einen schönen Abend noch :)

Roger

von
Werner67

Zitiert von: Siehe hier
Diese gesonderte Meldung ist also quasi eine 'vorläufige Abmeldung' nämlich zum Datum des Rentenbeginns. Und da dafür 'im Voraus' bestätigt werden muss, was Sie in den letzten (vier) Monaten vor Rentenbeginn verdienen werden, ist diese Meldung erforderlich. (Sie werden damit nicht wirklich abgemeldet!!)

Übrigens:
Das von "siehe hier" beschriebene Verfahren gibt es schon lange nicht mehr in der beschriebenen Form.
Der Arbeitgeber muss im Rahmen der gesonderten Meldung einfach nur melden, was Sie von Januar bis September verdient haben.
Die Hochrechnung für die danach bis zum Rentenbeginn verbleibenden Monate macht die Rentenversicherung selbst.
Für den Arbeitgeber sollte diese Meldung also wirklich kein Problem sein ...

Experten-Antwort

Hallo Roger B!

Für den Fall, dass sie die Angelegenheit noch nicht klären konnten:

Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber. Er muss lediglich die bisherigen beitragspflichtigen Entgelte für die Zeit vom 01.09.- 30.09. melden. Normalerweise erfolgt dieses unproblematisch elektronisch.

Falls wider Erwarten der elektronische Austausch nicht möglich sein sollte (absolute Ausnahmefall), bitten Sie ihren Arbeitgeber, dass er die angefragten Entgelte als Papiermeldung an den Rentenversicherungsträger sendet.

Eine rechtzeitige Bewilligung der Rente dürfte dann ohne weiteres möglich sein.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung

von
Roger B.

Hallo zusammen,

so die Situation ist geklärt: Die gesonderte Meldung ist tatsächlich erst gestern elektronisch übermittelt worden. Eine Kopie des Übermittlungsprotokolls habe ich auch bekommen. Nochmal ganz herzlichen Danke für euren Input und die Expertenantwort!

--------------------------------
Eine weitere Frage habe ich noch:

Heute morgen hatte ich ein kurzes Telefonat mit dem Herrn vom Versicherungsamt unserer Stadt, wo ich den Rentenantrag (Regelaltersrente 01.01.22) gestellt habe.

Er meint, bis der Rentenbescheid da wäre (RV Bund), könne es durch die Verzögerung durchaus Januar werden. Auf meine Frage, ob ich denn auch ohne was schriftliches in der Hand einfach am 21.12. aufhören könne zu arbeiten, meinte er:

"... Sicher, das wäre ja die Regelaltersrente, selbst wenn der Bescheid erst später kommt. Ich hätte ja gekündigt ..."

Ist das so?
Ich möchte nämlich schon pünktlich zum 01.01. in Rente gehe :)

Danke schon einmal - und ich hoffe,
ich "nerve" mit meinen Fragen nicht zu sehr ...

Viele Güße
Roger

von
Siehe hier

Hallo Roger B.,

dann hat es ja zumindest nun schon mal soweit geklappt. Prima!!

Und auch wenn der Rentenbescheid nicht mehr vor Weihnachten eintrudelt, sondern erst irgendwann im Januar 2022, können Sie - wie mit dem Arbeitgeber vereinbart - zuhause bleiben.

Die Rente wird ab beantragtem Rentenbeginn ohnehin frühestens am 31.01.2022 tatsächlich bezahlt (immer zum Monatsende), aber das eben auch entsprechend rückwirkend (falls der Bescheid noch länger dauert....).

Kleiner Tipp am Rande:
Wenn bis Ende Januar immer noch kein Bescheid da ist und Sie bei der DRV keinen ans Telefon bekommen rufen Sie einfach mal bei Ihrer Krankenkasse an. Die bekommen die Mitteilung nämlich auch und zwar per Datenübermittlung und wissen es deshalb oft wesentlich früher als der Rentner selbst :-)

Alles Gute weiterhin!

von
senf-dazu

Zitiert von: Roger B.
... Auf meine Frage, ob ich denn auch ohne was schriftliches in der Hand einfach am 21.12. aufhören könne zu arbeiten, meinte er:

"... Sicher, das wäre ja die Regelaltersrente, selbst wenn der Bescheid erst später kommt. Ich hätte ja gekündigt ..."

Ist das so?
Ich möchte nämlich schon pünktlich zum 01.01. in Rente gehe :)
...

Hi Roger!
Damit hat die Rentenversicherung nun wirklich nichts zu tun, da das hier Arbeitsrecht ist. Keiner hier weiß, wie Ihr Arbetisvertrag lautet, welche Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen gelten.
Oftmals ist es so, dass das Arbetisverhältnis automatisch endet, wenn die Regelaltersgrenze erreicht ist. Muss aber nicht sein.
Fragen Sie dazu noch einmal bei Ihrer Personalabteilung oder beim Betriebsrat nach. Die wissen das.
Und wenn wirklich eine Kündigung erfolgen muss, hat die Fristen, evtl. lässt aich das aber aus wichtigem Grund auch fristlos oder über einen Aufhebungsvertrag gestalten.
Aber, wie gesagt, fragen Sie die in Ihrem Betrieb, die sich damit auskennen.

von
Roger B.

Zitiert von: Siehe hier

Und auch wenn der Rentenbescheid nicht mehr vor Weihnachten eintrudelt, sondern erst irgendwann im Januar 2022, können Sie - wie mit dem Arbeitgeber vereinbart - zuhause bleiben.

Die Rente wird ab beantragtem Rentenbeginn ohnehin frühestens am 31.01.2022 tatsächlich bezahlt (immer zum Monatsende), aber das eben auch entsprechend rückwirkend (falls der Bescheid noch länger dauert....).

Ja, danke. Finanziell ist das auch kein Problem. Selbst wenn es noch ein paar Tage dauern würde. Es geht eher um die KV:

WDenn, wenn ich ab Januar zuhause bleibe (dass habe ich vor, ich habe ja auch gekünigt), was ist aber dann (ohne ausgestellten Rentenbescheid) WÄHREND des Januars bis zum Eintrudeln des Bescheides mit meiner Krankenversicherung (AOK)? Theoretisch wäre ich in dieser "Grauzone" nicht krankenversichert?

Oder sehe ich das falsch?

Nochmals danke, dass ihr euch die Mühe macht, auf meine
"Nöte" einzugehen ;-)

Grüße
Roger B.

von
KSC

Ja, das sehen Sie falsch, aber das klären Sie doch ganz einfach telefonisch mit Ihrer Krankenkasse.

Nach dem Telefonat werden Sie feststellen, dass das "alles kein Problem" ist.

Aber letztlich eben eine KV Angelegenheit.

von
Roger B.

Ja, das ist eigentliche auch logisch.
Sollte es also tatsächlich so kommen, dann werde ich
mich mit meiner Krankenkasse in Verbindung setzen.

-------------------------------

So, dann hab ich hier fertig :)

Nochmals ein großes Dankeschön für Erklärungen,
Informationen, eure Zeit und Einsatz. Ich finde es
ganz toll, dass es dieses Forum gibt!

Einen schönen Abend noch
und viele Grüße

Roger

Experten-Antwort

Hallo Roger B,

Sie müssen nicht über den 31.12. hinaus weiterarbeiten. Sofern Sie aber diesbezüglich Sorge haben, wenden Sie sich an Ihren Arbeitgeber und lassen sich das bestätigen.

Hinsichtlich der Krankenversicherung müssen Sie sich ebenfalls keine Sorgen machen, da sie bereits mit der Rentenantragstelllung krankenversichert sind.

Ich würde Ihnen aber empfehlen, sich mit ihrem Rentenversicherungsträger in Verbindung zu setzen, damit die Rente noch vor Weihnachten bewilligt wird; es dürften nun alle Unterlagen vollsltändig sein. Ich denke, das wird Ihnen die Sorge bzw. Ihre Ungewissheit nehmen.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung

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