Einkommensfreibetrag Grundrente bei Tod des Ehegatten

von
Claudia

Liebes Expertenteam,

ich habe folgende Frage:

ab wann gilt der verminderte Einkommensfreibetrag bei der Grundrentenprüfung von 1.250 € beim Tod des Ehegatten?

Die Altersrente des Ehemannes wurde mit dessen Tod (06/2021) rückwirkend zum 01.01.2021 neu berechnet und ein Grundrentenzuschlag gezahlt.

Im jetzt zugestellten Witwenrentenbescheid ist der Grundrentenzuschlag ebenfalls ausgewiesen, abgestellt wird auf den Freibetrag von 1.950 als Ehepaar (Einkommen aus Steuerbescheid 2019).

Ab wann legt die Rentenversicherung den Freibetrag als alleinstehende Person von 1.250 € zugrunde (ab dem 01.01.2022 oder erst im Jahr 2024, wenn der Steuerbescheid für das Jahr 2022 als alleinstehende Person vorliegt)?

Vielen Dank und freundliche Grüße
Claudia

von
GR

Angerechnet wird das Einkommen des vorletzten Jahres vor Rentenbeginn. Das müsste auch im Bescheid über den Grundrentenzuschlag stehen.

von
Claudia

Ich habe mich vielleicht missverständlich ausgedrückt: Das Einkommen ist tatsächlich aus dem letzten Einkommenssteuerbescheid übernommen worden, hier aus 2019.

Meine Frage bezog sich darauf, ab wann der verminderte Freibetrag als verwitwete Person (1.250 € anstelle 1.950 € bei Ehepaaren) gilt. Der Freibetrag von 1.950 wird eingehalten, aber wenn ich Alters- und nun Witwenrente zusammenrechne, liege ich deutlich über den 1.250 €.

von
Siehe hier

Hallo Claudia,

der Grundrentenzuschlag, der für die Hinterbliebenenrente festgestellt wurde, würde m.W. evtl. im Jahr 2022 mit Zahlen des Jahres 2020 und im Jahr 2023 teilweise (Januar bis Juni) mit dem höheren Freibetrag berechnet und kann m.W. dann nicht mehr geändert werden (mangels zu berücksichtigender Einkünfte) bzw. steht dieser nun mit Berechnung der Hinterbliebenenrente 'bereits fest' (hier bin ich mir nicht ganz sicher, das weiß dann spätestens der 'Experte' am Montag oder andere User noch am Wochenende).

Die Berücksichtigung des geringeren Freibetrages kann dann also nur noch über die Einkommensanrechnung lt. §97a SGB VI erfolgen.

Hier wird dann Ihre eigene Altersrente im Rahmen der Freibeträge auf die zu zahlende Hinterbliebenenrente (ohne Grundrentenzuschlag) angerechnet. Diese Berechnung erfolgt jährlich.

Zusätzlich werden zur Ermittlung des Freibetrages zum Grundrentenzuschlag Ihre eigene Rente, Ihr eigener Grundrentenzuschlag (sofern vorhanden) und die Hinterbliebenenrente ohne Grundrentenzuschlag berechnet.

Da im Jahr 2020 Ihr Mann noch lebte, gilt hier noch der höhere Freibetrag und wird im Jahr 2022 festgestellt.
Für das Jahr 2021 erfolgt eine Teilberechnung (Grundrentenzuschlag wird monatlich bezahlt). Diese erfolgt dann im Jahr 2023.

Da die Daten zu den Einkünften automatisch (jeweils im Oktober des Jahres) vom Finanzamt übermittelt werden, muss ein Steuerbescheid nicht abgewartet werden, weshalb es nicht zu einer Änderung erst im Jahr 2024 kommt.

Sobald berechnet wurde, ob Sie selbst auch einen Anspruch auf einen Grundrentenzuschlag haben (die Berechnungen sollen im Laufe des Jahres 2022 beendet worden sein), würden die Berechnungen (auch rückwirkend) korrigiert. Aber auch hier wäre dann jeweils das vorletzte Kalenderjahr für den Freibetrag für den (eigenen) Grundrentenzuschlag maßgeblich. Dieser würde dann jährlich neu berechnet und würde sich also entsprechend jeweils auf die Anrechnung der Hinterbliebenenrente auswirken.
Der Freibetrag ist abhängig vom Rentenwert und steigt deshalb, sofern dieser durch Rentenanpassung erhöht wird.

Zur 'getrennten' Berechnung Rente und Grundrentenzuschlag hier auch weitere Informationen:

https://rentenbescheid24.de/keine-zweite-einkommensanrechnung-auf-den-grundrentenzuschlag/

(leider konnte ich in den DRV-eigenen Broschüren/Quellen kein entsprechendes besseres Beispiel finden, dort fand ich nur die Variante 'Rentner ohne Grundrentenzuschlag/Witwer= Freibetrag 1.250 EUR' aber vielleicht habe ich auch nur nicht genau genug geguckt...).

Wann also genau die Höhe der dann zu zahlenden Renten tatsächlich berücksichtigt wird, hängt auch davon ab, wann die Berechnungen zu Ihrer eigenen Altersrente abgeschlossen werden.

Sollten Sie zu dem Thema noch präzisere/weitere Angaben benötigen, können Sie sich auch direkt an Ihre zuständige DRV wenden.

Ein schönes Wochenende und alles Gute!

Experten-Antwort

Hallo Claudia,

die Höhe der Freibeträge beim Grundrentenzuschlag ist an die übermittelten Festsetzungsdaten aus dem vorvergangenen beziehungsweise vorvorvergangenen Kalenderjahr gebunden. Die tatsächlich aktuellen Verhältnisse im Familienstand bleiben daher unberücksichtigt.

Als Einkommen sind grundsätzlich die von den Trägern der Rentenversicherung nach § 151b SGB VI automatisiert abzurufenden, bei den Finanzbehörden jeweils bis zum 30.09. für das vorvergangene Kalenderjahr vorliegenden Festsetzungsdaten zugrunde zu legen. Liegen für das vorvergangene Kalenderjahr keine Festsetzungsdaten vor, sind die Festsetzungsdaten des vorvorvergangenen Kalenderjahres maßgeblich.

Erst wenn die Einkünfte und der Familienstand für das Jahr 2022 Grundlage der übermittelten Festsetzungsdaten werden, muss der geringere Freibetrag für Alleinstehende berücksichtigt werden. Mindestens bis zum 31.12.2023 und möglicherweise sogar bis zum 31.12.2024 gilt daher der höhere Freibetrag für Verheiratete weiter.

Viele Grüße
Ihr Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung

von
Claudia

Herzlichen Dank für die schnelle und konkrete Beantwortung meiner Frage!

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