EM-Rente, ,ärztl. Untersuchung

von
Aaron

Hallo an die Experten,
ich bin 57 Jahre alt, weiblich, und seit über 5 Jahren arbeitslos gemeldet, seit 2 Jahren ohne Bezug.
Habe Anfang September den Antrag auf EM-Rente eingereicht und habe bereits Anfang dieser Woche einen Termin beim Gutachter (Orthopäde) gehabt. Zum Verständnis: Ich stehe vier Wochen vor der zweiten Hüft-OP (1. Hüfte vor 4 Jahren) und habe außerdem ein chronisches HWS-Syndrom verbunden mit sehr vielen Migräneanfällen. Kurz gesagt, ich habe eigentlich immer Schmerzen trotz Tabletten. Ein aussagefähiges Attest meines Hausarztes habe ich dem Gutachter vorgelegt, selbstverständlich auch alle anderen Untersuchungsergebnisse.
Nun lief die Untersuchung folgendermaßen ab: Eine Mitarbeiterin - keine Ärztin - arbeitete mit mir einen Fragebogen ab und maß den Blutdruck. Ich war zu diesem Zeitpunkt noch der Meinung, dass das ausführliche Arztgespräch ja noch kommen müsse. Danach wartete ich eine knappe Stunde bis ich zur Untersuchung gerufen wurde. Der Gutachter testete meine Bewegungsfähigkeit von Kopf bis Fuß, was ca. 20 Minuten in Anspruch nahm. Danach konnte ich mich anziehen. Während des Anziehens stand der Arzt bereits an der Tür mit der Hand an der Klinke und teilte mir mit, dass ich orthopätisch gesehen "meinem Alter entsprechend in einem guten Zustand" wäre. Die Kernspin- und Röntgenbilder interessierten ihn nicht. "Von den dort eingezeichneten Kringeln", wie er sich ausdrückte, hielt er nichts (damit war eine Geröll-Zyste am Gelenkkopf gemeint). "Wenn er die Fußgängerzone entlang ginge, hätten ca. 60 % aller Menschen die ihm entgegen kämen, genau die selben Probleme wie ich." Also, eine EM-Rente käme seiner Meinung nach nicht in Frage. Auf meinen Allgemeinzustand hingewiesen (jahrelanges Nichtschlafenkönnen, Erschöpfungszustand, daraus resultierende Depressionen), ließ er mich gar nicht erst ausreden, und meinte, ich wäre bei ihm sowieso nicht am richtigen Platz, vielmehr hätte ich ein Gutachten vom Neurologen oder Psychiater beantragen müssen, wenn ich der Meinung wäre ,nicht Arbeiten zu können oder "zu wollen". Ich war dermaßen geschockt, dass ich ganz sprachlos war. Der Arzt hat sich überhaupt kein Bild über meinen Allgemeinzustand gemacht, noch haben wir überhaupt ein Gespräch geführt, dass ihm Einblick verschafft hätte. Nach ca. 25 Minuten war ich wieder draußen. Ich frage mich, wie will dieser Arzt, der sich durch mich nur belästigt fühlte, ein Urteil über meinen Allgemeinzustand im Hinblick auf einen Arbeitseinsatz abgeben? Ich wusste auch nicht, das 60 % aller Menschen mit zwei künstlichen Hüftgelenken herumlaufen und unter chronischen Halswirbelproblemen leiden, die mich hindern, länger als eine Stunde am PC zu sitzen und die durch die jahrelangen Schmerzen körperlich und psychisch ausgebrannt sind.
Mein Hausarzt hat das ausführlich in seinem Attest erwähnt, aber bei dem Hinweis von mir, hat der Gutachter nur abgewinkt. Er selbst hätte es im Rücken, das hätte doch jeder.
Ich bin noch heute am Boden zerstört, so hatte ich mir eine Begutachtung meines körperlich und psychischen Zustandes nicht vorgestellt. Das kann doch nicht richtig sein. Was kann ich denn nun machen? Den wahrscheinlich abschlägigen Bescheid von der Rentenversicherung abwarten,oder diese über den Ablauf des Gutachtertermins unterrichten. Ein weiteres Gutachten beantragen evtl. bei einem Neurologen? Ober erst meine Hüft-OP abwarten? Nach der Reha werde ich vom Reha-Arzt sicherlich noch einmal begutachtet. Ich bin dankbar für Ihren Rat.

von
dirk

Der Verlauf Ihrer Begutachtung ist leider kein Einzelfall! Dies soll Ihnen Mut machen, da Sie nicht Allein dastehen. Sie können nun erst einmal die DRY von Verrlauf dieses Gutachtens unterrichten. Dabei könnte Ihnen die folgende Literturempfehlung sicher helfen:

"Das ärztliche Gutachten für die gesetzliche Rentenversicherung" Hinweise zur Begutachtung Herausgegeben von der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte, Landesversicherungsanstalten,
Bundesknappschaft, Bahnversicherungsanstalt und Seekasse
im Verband Deutscher Rentenversicherungsträger
Die finden Sie hier im Netz.

Weiterhin müdssen Sie die Entscheidung abwarten und nachlage der Dinge wohl Widerspruch einlegen.

Vor der nächsten Begutachtung sollten Sie folgendes lesen:
http://www.rentenburo.de/html/frm_100.html

Viel Glück auf Ihrem leider langen Weg

von
Knut Rassmussen

Bitte nicht abwarten, handeln. Informieren Sie die Rentenversicherung. Fordern Sie Begutachtung auf allen Leidensgebieten.

Recht hat der Gutachter allerdings, wenn es um das Nichtbeurteilen von fachfremden Leidensgebieten geht (ist ja wohl auch besser so). Eine Aussage zu einem med. "Allgemeinzustand" ist ohnehin eher den behandelnden Ärzten vorbehlten (Befundberichte, Arztbriefe).

von
Josef

Leider ist das , was Ihnen dort passiert ist kein Einzelfall. Machen Sie nicht den Fehler und deneken Sie,
diese Ärzte wollen Ihnen helfen. Nein, genau das Gegenteil ist der Fall.
Die " Gesundbegutachtung "
ist gewollt und dient dem zweck Ihnen keine EM-Rente zahlen zu müssen.
" Des Lied ich singe , des Brot ich esse " ist das Motto dieser Ärzte.
Der Eid des Hippokrates wird gerne bei solchen Untersuchungen mal ausser Kraft gesetzt.
Während der Untersuchung sind diese Ärzte n i c h t neutral und unabhängig.
Ich habe fast genau ähnliches erlebt wie Sie ( und das schon 2 mal !!!! )

Mein Rat :
Erstellen Sie ein Gedächtnisprotokoll dieser
" Begutachtung "
Teilen Sie schon jetzt der Rentenversicherung mit, was sich dort abgespielt hat.
Wenn der ablehnenden Rentenbescheid kommt,
legen Sie sofort Widerspruch ein.
Bitte nicht selber , sondern gehen Sie gleich zu
einem Fach-Anwalt für Sozialrecht.

Alleine haben Sie NULL Chancen Ihre Rechte durchzusetzen !!

Die Rentenversciehrung wird mit allen Mitteln versuchen Ihnen keine Rente zu zahlen.

Es wird schwer, aber ich wünsche Ihnen alles Gute für Ihren Kampf !

von
ööö

Diese Begutachtungen sind oft menschenunwürdig! Zur oftmals körperlichen Erkrankung wird ein unnötiger extremer psychicher Druck aufgebaut.

Mich bewegt nur, warum die DRV keine Qualitätskontrollen unternimmt und das Problrem verschweigt.

Wir leben doch in der Demokratie? oder de DRV schon ausserhalb ??

von
Josef

@ööö
Stimme Ihnen voll zu.
Menschenunwürdig und
psychisch krankmachend.
Vor allem wenn man psychisch bereits erkrankt ist, sind diese Untersuchungen Horror
Pur.
Alleine das Leute psychisch unter Druck gesetzt werden, zeugt doch davon wie der hase läuft.

Zum Thema Qualität der Gutachten. Das hatten wir hier im Forum doch schon unzählige Male.
Warum sollte die Rentenversicherung eine " Qualitätskontrolle " einführen ??

Solche " Gutachten " sind doch gewollt und entsprechen
im Ergebnis der von der Rentenversicherung gewollten Qualität.

Traurig , das man das so sagen muß.

Ich habe bei meinen Untersuchungen soviel
erlebt, da könnte ich ein Buch schreiben.

Allerdings werde ich kein Buch schreiben, sondern mein Fall wird vor dem
Sozialgericht bis zur letzten
Instanz durchgefochten.

Und dann kommen Details auf den ( Richter )-Tisch ,
wo ich dann mal gespannt bin
wie sich die Damen und Herren der Rentenversicherung sowie die beteiligten Ärzte zu stellen.

Experten-Antwort

Wie Ihnen "dirk", "Knut Rassmussen" und "Josef" bereits geraten haben, teilen Sie den Ablauf der Untersuchung, z. B. so wie Sie es hier schon geschildert haben, bereits jetzt Ihrem zuständigen Rentenversicherungsträger mit. Weisen Sie auch auf Ihre weiteren Leistungseinschränkungen hin und regen ein ggf. weiteres (Fach-)Gutachten auf diesem/n Gebiet/en an.

Sollte Ihr Antrag auf Rente wegen Erwerbsminderung abgelehnt werden, haben Sie die Möglichkeit, innerhalb von einem Monat Widerspruch gegen die Ablehnung einzulegen.

von
ooo

Sie haben leider soo recht!

Die DRV wäre m.E. verpflichtet, im Interesse ihrer Versicherten ( denn das sind wir, und keine Kunden!) alles gegen diese Praktiken zu tun.

Oder zu akzeptieren und zuzugeben, das die Bestandteil einer "Kostendeckelung" ist. mit drr dann damit verbundenen öffentlich-machung und dem dann entsprechenden Ansehen !

von
Josef

Ein beliebtes Spiel der Gutachter ist auch folgendes :

Zu Rückenschmerzen zum Beispiel :

Der Orthopäde sagt : Das ist
Interessiert mich nicht. Ich finde nichts. Das ist etwas für den Psychiater !

Der Psychiater sagt : Das interessiert mich nicht.
Das ist etwas für den Orthopäden !

So spielt man sich die Bälle hin und her.

Jeder Fach(arzt ) sieht nur mit dem berühmten " Tunnelblick " sein Fachgebiet ohne über den
Tellerrand hinaus zu schauen.

So kann es sein, das beide Gutachter zu dem Schluß kommen ( müssen ) : Voll Arbeitsfähig.

Zusammen betrachtet ergebe sich jedoch ein ganz anderes
Bild, was die arbeitsfähigkeit anbelangt.

und genau das w ä r e die Aufgabe der ärztlichen Abteilung im Hause der Rentenversicherung !

Und raten Sie mal warum die das nicht machen ????????

von
ooo

Das ganze Spielchen, der Umgang mit Kranken und Schwerkranken ist einfach nur zum K O T Z E N !

von
derbarbar

Mal neugierig gefragt, darf man bei diesen Untersuchungen eine Person seines Vertrauens mitnehmen?
Hat man einen rechtlichen Anspruch darauf?

von
Josef

Ja, natürlich. Es ist so gar dringend angeraten jemanden zur Begutachtung mitzunehmen.

Wichtig auch um z.b. nachher belegen zu können, wie lange die Untersuchung gedauert hat. Manche Untersuchungen - die diese Bezeichnung gar nicht verdient haben - dauern auch schon mal nur 10-20 Minuten.

ABER : Der Arzt kann es jedoch verweigern, das der Zeuge während der begutachtung anwesend ist - leider - !! Er muß dann im Wartezimmer Platz nehmen.

Verweigert der Arzt Ihren Wunsch, ja dann wissen Sie ja schon was jetzt für eine " Untersuchung " kommen wird ....

Nur wer etwas zu verbergen hat, wünscht keine Zeugen bei seinem tun......

von
Knut Rassmussen

Bei bestimmten Erkrankungen ist gerade wichtig, dass niemand dabei ist. Beispielhaft möchte ich nur den dominanten Partner erwähnen, der in einer psychatrischen Untersuchung absolut fehl am Platz ist.

Josef, übertragen Sie bitte nicht Ihren persönlichen Frust auf alle anderen Fälle.

von
Roll the Bone`s

schon gestern hatte ich mehrmals Beiträge zu den DRV Ärzten hier geschrieben die dann natürlich von er werten Redaktion gelöscht wurden.Es waren zwar keine politische Beiträge dafür aber um so zynischer denke ich.
Ich wiederhole mich nochmals.Was erwarten Versicherte neudeutsch jetzt Kunden von Ärzten der DRV die einstmals Bundswehrärzte waren?Oder beim Gesundheitsamt.Siche ich will nicht alle über en einen berühmten Kamm scheren.Aber!Leider ist es halt so,dass diese Ärzte meinen für ihren Dienstherren freundliche Gutachten abliefern zu müssen.Das sind die tatsächlichen Götter in Weiss.Sie spielen sich wie sonst was auf weil ihnen ja in der Norm keiner was kann.Ihre Handlungen werden ja schließlich von § und Weisungen und Vorschriften vorgeschrieben.Und daher frage ich mich was kann ich denn von solch einem Arzt erwarten?Ein Arzt der für die Verwaltung tätig ist und nicht für den Patienetn.Er therapiert nicht er verornet nicht.Er beurtreilt "etwas" meist nach Aktenlage ohne die Person den Kunden jemals gesehen zu haben.Telefonisch sind diese Damen und Herren auch nie zu sprechen.Nur schriftlich.
So und nun liebe Redaktion könnt Ihr wieder löschen.

von
RIM

dann sollten Sie sich bitte mal die statistiken der DRV ansehen.
Wenn alle ärzte angeblich so DRV freundlich arbeiten würden, wieso
werden dann etwa 70 % der gestellten Anträge auf EM bewilligt?

von
dirk

Ich kann Ihnen nur zustimmen und hoffe, der Beitrag wird nicht gelöscht. Weil er Wahr ist

(5 malige Erfahrung bei mehreren Rentenverfahren)

von
dirk

Wenn ich mir die alten Beitrage anschaue, finde ich den, wo von 20% Fehlerquote bei den
Bewilligungen und bis 92% Fehlern in den Gutachten die Rede und die Nachweise vorhanden waren. wobei die Fehlerquote u.a. von einem ex-Mitarbeiter der RV ermittelt wurden.

Es fehlt Qualitätskontrolle

von
Neutraler

User "RIM" hat völlig Recht ! Und wenn Sie, werter "Dirk", bereits so viele negative Erfahrungen mit Rentenverfahren hatten, dann sollten Sie vielleicht einmal in Erwägung ziehen, dass das an Ihrer Person liegen könnte.
Vielleicht sind Sie ja tatsächlich nicht erwerbsgemindert, wer weiß !

von
dirk

Ich sprach von 3 Rentenverfahren:

1 mal beendet , Patient arbeitsfähig aber verstorben

1 mal beendet, Rente

1 in Arbeit, letztes Gutachten muß Personenverwechselung sein, so unsinnig

Sehr geehrter Herr oder Frau V.Neutraler, die Gutachten werden nicht besser, wenn Sie mich pers. angreifen

MfG

von
Neutraler

User "RIM" hat trotzdem Recht ! Die allermeisten Antragssteller werden völlig korrekt begutachtet. Sonst gäbe es nicht so viele Frührentner in Deutschland.
Und außerdem erwähnten Sie zunächst 5 (!) Rentenverfahren und nicht "nur" 3 !