EM-rente oder Wiedereingliederung?

von
tigerdame

Ich bin ratlos & würde mich über Aufklärung freuen. Ich bin 35 jahre alt, seit knapp 2 Jahren beziehe ich EM-rente. Bewilligung läuft bis Juni 2012. Ich habe vorsichtig meine Fühler ausgestreckt in Richtung Wiedereingliederung am alten Arbeitsplatz, der nach wie vor besteht. Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich das überhaupt noch schaffe. Habe auch Angst, zu "versagen". Wenn ich die Eingliederung antrete, erlischt meine rente, oder? Ich habe so hart um sie gekämpft! Und was mache ich, wenn die Massnahme schiefläuft? Ich bin wg.psychischer probleme berentet. Ich fühle mich an einem Scheideweg: Soll ich mich weiterhin für die Berentung einsetzen, oder nicht? Wenn ich so in mich reinhöre, fühle ich mich dem Druck der Arbeitswelt nicht mehr gewachsen.

von
Schade

Ja und wer im Forum soll Ihnen da einen guten Rat geben?
Es kennt Sie und Ihre Krankheit doch keiner!

Ich an Ihrer Telle würde im Frühjahr die Verlängerung beantragen, wenn Sie dann immer noch das Gefühl haben, Sie könnten nicht arbeiten.

Tipp: fragen Sie Ihren Arzt oder (nicht Apotheker) sondern Therapeuten....

von
Klemens

Aus eigener - leidvoller - Erfahrung kann ich ihnen nur raten, auf keinen Fall die Wiedereingliederung zu früh anzugehen !

Letztlich müssen Sie aber natürlich in Zusammenarbeit mit ihrem Psychiater/Psychologen die Entscheidung ob überhaupt und wenn ja wann WE selbst treffen.

Aus ihren Äußerungen geht - meiner Meinung nach - sehr deutlich hervor, das Sie derzeit und bis auf weiteres eine WE nicht durchstehen würden - von einer Vollzeitbeschäftigung danach mal ganz abgesehen. Sobald bei Ihnen selbst noch die geringsten Zweifel daran bestehen, ob die WE gut geht oder scheitert, würde ich die WE nicht anfangen.

Persönlich habe ich auf Druck des Chefs , der lieben Arbeitskollegen wegen und weil ich selbst - fataler Weise - der Meinung war die Arbeit wieder zu schaffen, eine WE viel zu früh begonnen. Gerade bei psychischen Erkrankungen ist die Einschätzung der Realtität ja etwas verfremdet...

Die WE endete nach 2 Monaten in einem erneuten kompletten psychischen Zusammenbruch mit anschließendem 6 Monatigem Aufenthalt in der Psychiatrie.

Danach wurde ich sofrt vom AG gekündigt. Also Arbeitsplatz u n d Restgesundheit durch die gescheitere WE verloren....

Deshalb warne ich davor, eine WE ( so prima diese Möglichkeit des Wiedereinstiges in die Arbeitswelt auch theoretisch sein mag ) zu früh zu beginnen.

Wenn ihre EM-Rente erst im Juni 2012 ( also erst in mehr 1,5 Jahren ! ) abläuft, ist es heute und bis auf weiteres doch eigentlich mehr als muessig , sich über eine Wiedereingliederung auch nur Gedanken zu machen.

Niemand weiss - auch Sie nicht ! - wie sich ihr Gesundheitszustand in dieser langen Zeit noch verändern wird ( verbessern oder verschlechtern ) .

Vielleicht können Sie ja auch erst mal im Rahmen der 400 Euro Zuverdienstregelung bei einer vollen EM-Rente, bei ihrer alten Firma arbeiten und somit auf diesem Wege ihre Belastbarkeit zu prüfen ?

Außerdem könnte ihr Arbeitgeber auch in nächster Zeit bzw. bis zum Ende der Berentung ja noch eine Kündigung aussprechen und dann ist eine WE sowieso vom Tisch....

Persönlich würde ich aber abwarten und Tee trinken, versuchen gesund zu werden und dann zu gegebener Zeit
( Anfang 2012 ) das Thema WE angehen oder eben eine weitere Rentenverlängerung beantragen.

von
Tigerdame

Hallo Klemens,

herzlichen dank für Ihre ehrliche, ausführliche Antwort, mit der ich auch wirklich was anfangen kann! Sie haben Recht, es klingt natürlich verlockend, so ttheoretisch in's Berufsleben wieder einzusteigen, aber die Praxis sieht nochmal anders aus. Zumal auch mein Arbeitsplatz seinen Teil zur Erkrankung beigetragen hat. Ich werde es jetzt langsam angehen, habe gsd einen tollen Therapeuten hinter mir stehen & Anfang 2012 mache ich mir wieder Gedanken zum Thema Arbeit. Die Idee mit dem Minijob behalte ich im Hinterkopf...

Tigerdame

Experten-Antwort

Hallo Tigerdame,

von Expertenseite gibt es dem Verlauf der Diskussion nichts hinzu zufügen.