Entgeldpunkte für berufliche Ausbildung

von
IRIS

Stimmt es, dass die ersten 36 Monate der Beschäftigung immer als Ausbildungszeit gelten?
Auch wenn man nur 24 Monate tatsächliche Ausbildung hatte?

von
senf-dazu

Hallo IRIS!

Sie müssen unterscheiden zwischen ECHTER Ausbildungszeit und den 36 Monaten, die nur im Rahmen der Gesamtleistungsbewertung als Ausbildungszeit GELTEN.

Experten-Antwort

Hallo IRIS,

Zeiten der beruflichen Ausbildung werden nur nach Vorlage eines Nachweises, dass eine Ausbildung tatsächlich vorgelegen hat, auf den Wert von 0,0833 Entgeltpunkten pro Kalendermonat angehoben. Als Nachweis dient der Ausbildungsvertrag, Prüfungszeugnis oder Gesellenbrief.
Eine Anhebung erfolgt ausschließlich für tatsächlich zurückgelegte Zeiträume der Berufsausbildung.

von
Rentenguru

Zitiert von: Experte/in
Hallo IRIS,

Zeiten der beruflichen Ausbildung werden nur nach Vorlage eines Nachweises, dass eine Ausbildung tatsächlich vorgelegen hat, auf den Wert von 0,0833 Entgeltpunkten pro Kalendermonat angehoben. Als Nachweis dient der Ausbildungsvertrag, Prüfungszeugnis oder Gesellenbrief.
Eine Anhebung erfolgt ausschließlich für tatsächlich zurückgelegte Zeiträume der Berufsausbildung.

Da muss ich Ihnen leider teilweise widersprechen. Gemäß § 71 Absatz 3 Satz 2 gelten die ersten 36 Kalendermonate mit Pflichtbeiträgen für Zeiten einer versicherten Beschäftigung oder selbständigen Tätigkeit bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres stets als Zeiten einer beruflichen Ausbildung. Bedeutet, dass in diesem Fall noch zwölf Monate überbleiben würden, die mit 0,0833 Entgeltpunkte im Rahmen der Gesamtleistungsbewertung berücksichtigt werden können (siehe hierzu auch Beispiel 3 aus den GRA zu § 71 SGB VI).

Lediglich bei der begrenzten Gesamtleistungsbewertung in § 74 SGB VI werden nur die tatsächlichen Berufsausbildungszeiten höher bewertet, wenn die Entgeltpunkte aus der Gesamtleistungsbewertung höher sind als die tatsächlichen Entgeltpunkte aus der Berufsausbildung.

von
senf-dazu

Hallo Rentenguru!

Da muss ich Ihnen widersprechen, denke ich ...

SGB VI §71 Absatz 3 gilt im Rahmen der Gesamtleistungsbewertung. Hier werden die ersten 36 Monate mit Pflichtbeiträgen (vor dem 25. Geburtstag) als Berufsausbildung angenommen (satz 2).
Satz 1 Nr. 2 bewertet diese dann mit 0,0833 EP und nicht als beitragsgeminderte Zeiten.
Im Rahmen der Gesamtleistungsbewertung, wohlgemerkt (Zitat:
"(3) Für die Gesamtleistungsbewertung werden jedem Kalendermonat ...")

SGB VI § 74 hingegen verwendet den Gesamtleistungswert und ergibt aufgrund einer gedeckelten Bewertung (75% und 0,0625 EP) der Berufsausbildungszeiten einen Zuschlag, der den erarbeiteten Entgeltpunkten hinzugefügt wird.

Also
- echte Ausbildungszeit wird bewertet und erhält ggf. einen Zuschlag
- bis zu 36 Kalendermonate sind im Rahmen der der Gesamtleistungsbewertung fiktive Ausbildungszeit.

Sorry, @IRIS, aber das ist halt kein so einfaches Thema, auch wenn es anfangs so aussieht.

von
IRIS

Zitiert von: senf-dazu
Hallo Rentenguru!

Da muss ich Ihnen widersprechen, denke ich ...

SGB VI §71 Absatz 3 gilt im Rahmen der Gesamtleistungsbewertung. Hier werden die ersten 36 Monate mit Pflichtbeiträgen (vor dem 25. Geburtstag) als Berufsausbildung angenommen (satz 2).
Satz 1 Nr. 2 bewertet diese dann mit 0,0833 EP und nicht als beitragsgeminderte Zeiten.
Im Rahmen der Gesamtleistungsbewertung, wohlgemerkt (Zitat:
"(3) Für die Gesamtleistungsbewertung werden jedem Kalendermonat ...")

SGB VI § 74 hingegen verwendet den Gesamtleistungswert und ergibt aufgrund einer gedeckelten Bewertung (75% und 0,0625 EP) der Berufsausbildungszeiten einen Zuschlag, der den erarbeiteten Entgeltpunkten hinzugefügt wird.

Also
- echte Ausbildungszeit wird bewertet und erhält ggf. einen Zuschlag
- bis zu 36 Kalendermonate sind im Rahmen der der Gesamtleistungsbewertung fiktive Ausbildungszeit.

Sorry, @IRIS, aber das ist halt kein so einfaches Thema, auch wenn es anfangs so aussieht.

Ja, das habe ich auch gemerkt, dass das keine einfache Sache ist.
Nur für mich zur Klarstellung nochmal:

Die 24 Monate die meine Ausbildung gedauert hat werden mit einem Zuschalg berechnet bis die 0,0833 erreicht sind.
Danach (ab dem 25. Monat) werden dann die dem Gehalt entsprechenden Punkte herangezogen

von
senf-dazu

Nein!
Für die Ausbildung werden erst einmal die anhand des Entgelts ermittelten Entgeltpunkte genommen.

Für die Gesamtleistungsbewertung (und nur hier!) werden dann bis zu 36 Kalendermonate als fiktive Ausbildungszeit mit dem Durchschnittsentgelt bewertet. Aus dieser Rechnung kommt letztlich der sog. Gesamtleistungswert heraus, dieser wird für (echte!) Berufsausbildungszeiten auf 75% bzw. 0,0625 EP begrenzt und aus der Differenz zur den echten Entgeltpunkte ein Zuschlag berechnet.
Wenn anhand eines geringen Einkommens auch ein geringer Gesamtleistungswert berechnet wird, dann wiwrd auch der Zuschlag klein ausfallen ... es kommt halt immer drauf an.

von
W°lfgang

Zitiert von: Experte/in
Hallo IRIS,

Zeiten der beruflichen Ausbildung werden nur nach Vorlage eines Nachweises, dass eine Ausbildung tatsächlich vorgelegen hat, auf den Wert von 0,0833 Entgeltpunkten pro Kalendermonat angehoben. Als Nachweis dient der Ausbildungsvertrag, Prüfungszeugnis oder Gesellenbrief.
Eine Anhebung erfolgt ausschließlich für tatsächlich zurückgelegte Zeiträume der Berufsausbildung.

...'Schnellschuss' - ohne vollständige Sachverhaltserfassung ;-)

Gruß
w.

von
IRIS

Zitiert von: senf-dazu
Nein!
Für die Ausbildung werden erst einmal die anhand des Entgelts ermittelten Entgeltpunkte genommen.

Für die Gesamtleistungsbewertung (und nur hier!) werden dann bis zu 36 Kalendermonate als fiktive Ausbildungszeit mit dem Durchschnittsentgelt bewertet. Aus dieser Rechnung kommt letztlich der sog. Gesamtleistungswert heraus, dieser wird für (echte!) Berufsausbildungszeiten auf 75% bzw. 0,0625 EP begrenzt und aus der Differenz zur den echten Entgeltpunkte ein Zuschlag berechnet.
Wenn anhand eines geringen Einkommens auch ein geringer Gesamtleistungswert berechnet wird, dann wiwrd auch der Zuschlag klein ausfallen ... es kommt halt immer drauf an.

Ehrlich gesagt bin ich jetzt komplett verunsichert und kapier gar nichts mehr.
Aber vielleicht hilft es wenn ich das Ganze mit ein paar Zahlen unterlege:
In meiner Rentenauskunft steht u. a.:
Zeiten beruflicher Ausbildung:
August 71 - Juli 74
maßgebender Wert 0,0833 Entgeldpunkte x 36 Monate
= 2,9988 Punkte
berücksichtigte Entgeldpunkte - 1,0771 Punkte
Endgeltpunkte zusätzlich 1,9217 Punkte

Zusätzliche Entgeldpunkte für Zeiten
beruflicher Ausbildung = 1,9217 Punkte

Berechnet wurden also 36 Monate obwohl meine tatsächliche Ausbildung (lt. Lehrvertrag) nur 24 Monate war.

von
W°lfgang

Zitiert von: IRIS
Zitiert von: senf-dazu
Nein!
Für die Ausbildung werden erst einmal die anhand des Entgelts ermittelten Entgeltpunkte genommen.

Für die Gesamtleistungsbewertung (und nur hier!) werden dann bis zu 36 Kalendermonate als fiktive Ausbildungszeit mit dem Durchschnittsentgelt bewertet. Aus dieser Rechnung kommt letztlich der sog. Gesamtleistungswert heraus, dieser wird für (echte!) Berufsausbildungszeiten auf 75% bzw. 0,0625 EP begrenzt und aus der Differenz zur den echten Entgeltpunkte ein Zuschlag berechnet.
Wenn anhand eines geringen Einkommens auch ein geringer Gesamtleistungswert berechnet wird, dann wiwrd auch der Zuschlag klein ausfallen ... es kommt halt immer drauf an.

Ehrlich gesagt bin ich jetzt komplett verunsichert und kapier gar nichts mehr.
Aber vielleicht hilft es wenn ich das Ganze mit ein paar Zahlen unterlege:
In meiner Rentenauskunft steht u. a.:
Zeiten beruflicher Ausbildung:
August 71 - Juli 74
maßgebender Wert 0,0833 Entgeldpunkte x 36 Monate
= 2,9988 Punkte
berücksichtigte Entgeldpunkte - 1,0771 Punkte
Endgeltpunkte zusätzlich 1,9217 Punkte

Zusätzliche Entgeldpunkte für Zeiten
beruflicher Ausbildung = 1,9217 Punkte

Berechnet wurden also 36 Monate obwohl meine tatsächliche Ausbildung (lt. Lehrvertrag) nur 24 Monate war.

Hallo IRIS,

Sie haben bei diesen Zahlen in Ihrer Rentenauskunft in die _Anlage zur Berechnung des Gesamtleistungswertes geschaut_ - hat nichts mit den tatsächlich vorhanden Zeiten der Berufsausbildung und deren Bewertung zu tun. Wurde aber oben im Beitrag schon treffend erläutert.

Für Ihr Verständnis ist es sicher besser, bei Gelegenheit mal die nächste Beratungsstelle aufzusuchen, die Ihnen diese Sachzusammenhänge Schritt für Schritt erläutern kann ...warum tatsächlich/persönlich nur 24 Monate Berufsausbildung vorhanden sind/bewertet werden, ABER an anderer Stelle der Rentenberechnung BEI JEDEM 36 Monate Berufsausbildung 'eingebaut' werden, auch wenn er/sie null Monate hat.

Lesen Sie in der Anlage "Entgeltpunkte für beitragsfreie und beitragsgeminderte Zeiten" den einleiteten Text – ist in einfacher Sprache gehalten - zu diesem Berechnungsteil noch mal langsam nach, warum hier immer/stets (!!!) die ersten 36 Monate der Pflichtbeitragszeit als Berufsausbildung 'gewertet' werden, statt sich gleich in den Berechnungs-/Darstellungsteil zu versteifen.

Gruß
w.

von
Jonny

Senf-dazu hat schon alles richtig beschrieben. Ich versuche es noch einmal mit anderen Worten.
Grundsätzlich wird die Rente aus Entgeltpunkten berechnet. Das sind die Punkte, die das vVerhältnis des versicherten Entgelts zum Durchschnittsentgelt aller Versicherten widerspiegeln.
Es gibt aber auch Zeiten, für die gar keine Entgelte erzielt worden sind und die trotzdem Entgeltunkte erhalten (z.B. Schwangerschafr und Mutterschutz), sog. Beitragsfreie Zeiten. Für bestimmte Zeiten mit sehr niedrigen Beiträgen (sog. Beitragsgeminderte Zeiten) gibt es Zuschläge. Dazu gehören auch die erwähnten 24 Als Berufsausbildung nachgewiesene Beitragszeiten. Für sowohl beitragsfreie als auch beitragsgeminderte Zeiten ist ein Gesamtleistungswert zu bestimmen. Damit dieser Durchschnittswert aus allen Zeiten ein bestimmtes Niveau hat, werden stets die ersten 36 Monate mit Pflichtbeiträgen vor dem 25. Lebensjahr mit einem Monatsdurchschnittswert von 0,0833 (= Durchschnittsverdienst) in die Gesamtleistungswertberechnung eingespeist. Mit einem Zuschlag werden aber nur die nachgewiesenen 24 Monate so bewertet, dass sich ein schließlich der ohnehin vorhandenen Entgeltpunkte maximal 0,0625 pro Monat ergeben.

von
Rentenguru

Zitiert von: senf-dazu
Hallo Rentenguru!

Da muss ich Ihnen widersprechen, denke ich ...

[...]

Also
- echte Ausbildungszeit wird bewertet und erhält ggf. einen Zuschlag
- bis zu 36 Kalendermonate sind im Rahmen der der Gesamtleistungsbewertung fiktive Ausbildungszeit.

Sorry, @IRIS, aber das ist halt kein so einfaches Thema, auch wenn es anfangs so aussieht.

Richtig, so meinte ich das. Bei der fiktiven Berechnung des Gesamtleistungswertes werden 0,0833 EP für maximal 36 KM vor VE des 25. Lebensjahres angerechnet. Die tatsächliche Höherbewertung mit 75 % des Gesamtleistungswertes, maximal aber 0,0625 EP pro Monat, erhalten nur tatsächliche BAB-Zeiten.

von
IRIS

Zitiert von: Rentenguru
Zitiert von: senf-dazu
Hallo Rentenguru!

Da muss ich Ihnen widersprechen, denke ich ...

[...]

Also
- echte Ausbildungszeit wird bewertet und erhält ggf. einen Zuschlag
- bis zu 36 Kalendermonate sind im Rahmen der der Gesamtleistungsbewertung fiktive Ausbildungszeit.

Sorry, @IRIS, aber das ist halt kein so einfaches Thema, auch wenn es anfangs so aussieht.

Richtig, so meinte ich das. Bei der fiktiven Berechnung des Gesamtleistungswertes werden 0,0833 EP für maximal 36 KM vor VE des 25. Lebensjahres angerechnet. Die tatsächliche Höherbewertung mit 75 % des Gesamtleistungswertes, maximal aber 0,0625 EP pro Monat, erhalten nur tatsächliche BAB-Zeiten.

Na geht doch, jetzt hab' ich's auch verstanden.
Warum nicht gleich so (enfach erklärt)?