Entgeldpunkte Ost vs West

von
meruv

Hallo Leute,

habe heute meiner jährlichen Renteninformation erhalten (Geschiedene wissen, wovon ich rede). Zum erstenmal habe ich mir den Passus zu den Rentenentgeltpunkten genauer durchgelesen. Kurz danach hat mich fast der Schlag getroffen:

Sachverhalt:

Ich arbeite seit 1985. Bis 31.12.90 im Osten Deutschland.
Seit 1.1.1991 bin in Westdeutschland bei einer westdeutschen Firma beschäftigt, zahle also wie alle anderen dort beschäftigten Arbeitnehmer "normale" Rentenbeiträge.

Jetzt fiel mir zum ersten Mal auf, dass in dieser Renteninformation ein Unterschied in den Rentenentgeltpunkten gemacht wird. Im Westen beträgt der Wert 26,13 EUR, im Osten 22,97 EUR.
Ich dachte mir jahrelang nix böses, vermutete ich doch, dass der Ostwert für meine Arbeitsjahre von 1985 - 1990 zählen, der Westwert ab 1991.

Pustekuchen, weil ich am 18.5.1990 (Unterschriftsdatum unter den Einigungsvertrag) im Ostteil Berlins lebte, wird mir mein ganzes Leben lang NUR der Ostwert der Rentenentgeltpunkt verrechnet. Ich zahle zwar genauso viel Rentenbeitrag, wie meine Kollegen, die am 18.5.1990 im Westteil lebten, erhalte aber, wenn ich mit 67 Jahren in Rente gehe, mehr als 10% weniger Rente ausgezahlt.

Ich wollte wissen, ob Euch das auch schon aufgefallen ist, oder ob ich hier völligen Müll schreibe.

Wäre toll, zu hören, was Ihr dazu zusagen habt.

DANKE

von
Karl-Heinrich

Mit Verlaub, Sie schreiben Müll (sorry, Ihre Formulierung...). Schauen Sie sich einmal die Renteninfo (warum wissen nur Geschiedene davon Bescheid?? Die bekommt doch jeder....) genauer an. Für die Zeiten im Osten erhalten Entgeltpunkte Ost und für die Zeiten in den alten Bundesländern Entgeltpunkte. Die Punkte werden dann jeweils mit dem aktuellen Rentenwert Ost bzw West bewertet. Bei einem Wohnsitz am 18.05.1990 in den alten Ländenr wären alle Zeiten mit Entgeltpunkte West bewertet. Ich denke also genauer Schauen lohnt sich....

Übrigens: auch im Osten werden "normale" Beiträge gezahlt. Der Beitragssatz ist überall gleich, egal ob München Hamburg Potsdam oder Leipzig.

von Experte/in Experten-Antwort

§ 254d SGB VI regelt, dass Beitragszeiten im Beitrittsgebiet und im ehemaligen Reichsgebiet grundsätzlich anstelle der sonst für die Rentenberechnung maßgeblichen Entgeltpunkte besondere Entgeltpunkte (Ost) erhalten. Die Vorschrift dient damit der Konkretisierung des Grundsatzes, wonach bis zur Herstellung einheitlicher Einkommensverhältnisse im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland für die Ermittlung des Monatsbetrages der Rente aus Zeiten außerhalb der alten Bundesländer Entgeltpunkte (Ost) und ein aktueller Rentenwert (Ost) gebildet werden, die an die Stelle der Entgeltpunkte und des aktuellen Rentenwerts treten.

Entgeltpunkte (Ost) erhalten u.a. grundsätzlich Beitragszeiten im Reichsgebiet. Eine Ausnahme besteht für zurückgelegte Beitragszeiten vor dem 19.05.1990 nur dann, wenn der Versicherte am 18.05.1990 seinen Wohnsitz bereits in den alten Bundesländern hatte. Das bedeutet auch, dass für zurückgelegte Beitragszeiten im Beitrittsgebiet nach dem 18.05.1990 stets Entgeltpunkte (Ost) zu berücksichtigen sind.

Für zurücklegte Beitragszeiten in den alten Bundesländern erhalten Sie jedoch Entgeltpunkte und nicht Entgeltpunkte (Ost).

von
Schwarzwälder

Im Grunde ist es sogar umgekehrt wie sie behaupten. Die Entgeltpunkte Ost sind später u.U. sogar mehr wert als bei gleichem Beitrag bewertete West Beiträge, da der Ost Rentenwert irgendwann mal dem West Niveau enstprechen soll. Dies geschieht durch unterschiedliche Anpassungen in Ost und West je nach Entwicklung schneller oder langsamer.