Entgeldumwandlung oder Riester?

von
Kirstin

Da ich heute diese Frage von Caro gelesen habe hier im Forum, wollte ich auch eine Frage an die Teilnehmer stellen. Ich bin auch 84 geb. ledig ohne Kind, eine Frage zur Entgeltumwandlung.Ich habe ca. 2200 Euro Brutto, ca. 1400 Netto. Heute hatten wir vom Arbeitgeber aus Versammlung mit einer Person von der Allianz, die uns schlau machte über Altersvorsorge. Meine Frage, ich bekomme 100 Euro vom Brutto abgezogen,Entgeldumw. zusätzlich 10 % vom Arbeitgeber. Ich bezahle 110 Euro mon. in die Versicherung ein und habe 52 Euro weniger Netto. Was mir Sorgen macht, mit 67 J. in fast 40 J. bekomme ich 211 Euro garantierte Rente, kann aber auch bis zu 400 Euro sein. Ich frage mich was sind in 40 J. noch 200 Euro wert. Und diese 100 Euro jeden Monat vom Brutto weniger, fehlen diese nicht bei der gesetzlichen Rente? Danke für Auskunft

von
Caro Caro

Ich kann Ihnen keine abschließende Antwort darauf geben.

Ich würde aber auf jeden Fall darauf achten, daß ich einen rabattierten bzw. besonderen Tarif bekomme, da sie ja ggf. über ihren Arbeitgeber abschließen. Und aufpassen, daß man ihnen dennoch nicht still und heimlich einen Normaltarif unterjubelt. In der Presse las man, daß das verschiedenen Versicherungsgesellschaften getan haben.

Im Endeffekt kann man nur mit dem garantierten Rentenbetrag kalkulieren, gerade bei einer solangen Laufzeit.

Auch wenn der Anbieter Allianz heißt. Es gibt immer Tricks, wo die Versicherer ihre Kunden übern Tisch ziehen können. So kann man beispielsweise bestimmtes Geschäft in eine besondere Gesellschaft einbringen und diese Gesellschaft dann an einen wenig renommierten Investor verkaufen. Dieser Investor kann dann diese Gesellschaft ausquetschen oder aussagen, so daß sie letztendlich auf ihrer garantierten Rente sitzenbleiben.

Das ist zwar eher eine worst-case-Betrachtung, bei einer solangen Laufzeit aber durchaus nicht abwegig.

von
zelda

Hallo,

grundsätzlich würde ich skeptisch sein, wenn mich ein Vertreter / Mitarbeiter mich über die Altersvorsorge "schlau machen" will. Diese Person wird in den seltensten Fällen objektiv beraten können, sondern eher seine Produkte verkaufen wollen / müssen.

Gegen die Idee einer zusätzlichen Altersvorsorge ist auch grundsätzlich nichts einzuwenden, aber wenn Sie dies über eine Entgeltumwandlung bei Ihrem Gehalt betreiben wollen, so schmälern Sie damit zunächst mal Ihre ohnehin nicht üppige gesetzliche Rente und auch evt. Arbeitslosengeld und Krankengeld. Aber dies hatten Sie ja bereits erkannt.

Sparen in diesem Fall tut nur Ihr Arbeitgeber, namentlich seine Anteile an den Sozialversicherungsbeiträgen.

Sie betreiben dann keine zusätzliche Altersvorsorge, sondern teilen Sie nur neu auf.

Zu den (weiteren) Nachteilen ist dieser Forumseintrag sehr informativ:

http://www.ihre-vorsorge.de/drv-forum.html?tx_mmforum_pi1%5Baction%5D=list_post&tx_mmforum_pi1%5Btid%5D=20755

Dort sind auch die Auswirkungen in der Auszahlungsphase (z.B. Kranken- und Pflegeversicherungspflicht sowie evt. Steuerpflicht ) beschrieben.

Natürlich haben z.B. auch die verschiedenen Formen der Riesterrente ihre Nachteile.

Informieren Sie sich besser z.B. bei der Verbraucherzentrale oder ähnlichen Organisationen, z.B. bei der Stiftung Warentest.

MfG

zelda

von
ralli_ratte

Beachten Sie bitte bei einer Direktversicherung (Entgeldumwandlung) das Sie bei einer Kapitalauszahlung den vollen Krankenkassenbeitrag und die Pflegeversicherung für 10 Jahre bezahlen müssen (nicht nur den hälftigen Beitrag). Dies macht bei einer Versicherungsleistung von rund € 80.000,00 circa € 14.000,00 Beitrag aus. Daraufhin habe ich bei der Versicherung eine Aufteilung beantragt, da ich etliche Jahre den LV-Beitrag selbst bezahhlt habe. Die Versicherung teilte mir nun mit, das der Krankenkasse nur die Summe von € 45.000,00 gemeldet wird. Das macht aber immer noch einen Beitrag für die KK von fast € 8.000,00 aus. Ich muss dazu sagen, ich habe immer über der Beitragsbemessungsgrenze verdient habe, also keinen Cent an Beiträgen gespart habe. Ich habe das alles vorher nicht gewusst. Die Gesetze wurden nachträglich geändert. Insofern ist zu überlegen, ob sich eine Entgeldumwandlung überhaupt noch lohnt!!

von
Rechner

Beachten Sie auch, daß ihr garantierter Zins bei der Allianz gerade mal 1,75% beträgt.
Bei zukünftig hoher Inflation, machen sie bei jeder Einzahlung, jeden Monat, Verlust !!!

von Experte/in Experten-Antwort

Eine betriebliche Altersvorsorge kann durchaus Vorteile haben:
Sie müssen sich nicht um die Durchführung und die damit verbundenen Formalitäten kümmern. Dies übernimmt Ihr Arbeitgeber. Er führt auch die Beiträge für Sie ab.
Die Verwaltungs- und Abschlusskosten sind teilweise günstiger als bei der privaten Altersvorsorge, weil sie auf eine größere Personengruppe verteilt sind oder Ihr Arbeitgeber einen Mengenrabatt vom Anbieter erhält. Unter Umständen gibt es auch speziell auf das Unternehmen zugeschnittene Tarife mit niedrigeren Verwaltungskosten.
Beachten Sie aber auch, dass Sie von der späteren Betriebsrente Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge (bei gesetzlicher Krankenversicherung) sowie Steuern zahlen müssen. Grundsätzlich sind Ihre Aufwendungen für die betriebliche Altersversorgung in der Einzahlungsphase – zumindest in gewissem Umfang – steuerfrei, während Sie die spätere Betriebsrente voll versteuern müssen.
Schauen Sie sich hierzu auch gern nochmal die ausführliche Antwort des Experten an:

http://www.ihre-vorsorge.de/drv-forum.html?tx_mmforum_pi1%5Baction%5D=list_post&tx_mmforum_pi1%5Btid%5D=20755

Wenn Sie Teilbeträge Ihres Gehalts für den Aufbau einer Betriebsrente umwandeln, ohne davon Sozialabgaben zu zahlen, fällt Ihre spätere gesetzliche Rente entsprechend geringer aus. Sie zahlen schließlich weniger Rentenbeiträge ein. Auch eine eventuelle Erwerbsminderungsrente fällt geringer aus. Eine beitragsfreie Entgeltumwandlung verringert auch die Höhe Ihres Arbeitslosengeldes und Ihren Anspruch auf Krankengeld von der gesetzlichen Krankenversicherung.
Sofern Sie unsicher sind wie Sie sich entscheiden sollen, empfehle ich Ihnen eine unabhängige Beratung bei den Verbraucherzentralen.

von
Herr Müller-Vorhalter

Kostenfallen oder Probleme können bei der Übertragung der betrieblichen Altersvorsorge auftauchen. Scheidet man aus und will die Altersvorsorge zu seinem neuen Arbeitgeber mitnehmen, kann sich z. Beispiel der neue Arbeitgeber querstellen. Die Versicherungsgesellschaft kann ihnen für die Übertragung weitere Kosten "abknöpfen". Das sollte vorher geklärt werden. Am besten man läßt sich zeigen wo was im Vertrag steht und läßt sich nicht mit Lippenbekenntnissen des Vermittlers abspeisen.
Insgesamt scheinen mir die betriebliche Altersvorsorge-Produkte sehr tückisch zu sein. Insofern scheint mir das Riestern transparenter und einfacher zu handhaben zu sein.

von
Tafelspitz

Zitiert von: Herr Müller-Vorhalter

Kostenfallen oder Probleme können bei der Übertragung der betrieblichen Altersvorsorge auftauchen. Scheidet man aus und will die Altersvorsorge zu seinem neuen Arbeitgeber mitnehmen, kann sich z. Beispiel der neue Arbeitgeber querstellen. Die Versicherungsgesellschaft kann ihnen für die Übertragung weitere Kosten "abknöpfen". Das sollte vorher geklärt werden. Am besten man läßt sich zeigen wo was im Vertrag steht und läßt sich nicht mit Lippenbekenntnissen des Vermittlers abspeisen.
Insgesamt scheinen mir die betriebliche Altersvorsorge-Produkte sehr tückisch zu sein. Insofern scheint mir das Riestern transparenter und einfacher zu handhaben zu sein.

Ich habe von einem Fall gehört. Da hat einer einen Pensionskassenvertrag in der Baubranche gehabt. Da er die Branche vor Renteneintritt gewechselt hatte, hat man das als Anlaß genommen die Rente um einen erheblichen Betrag zu kürzen. Dies war rechtlich so vereinbart gewesen. Quintessenz: Man muß sich vorher schon genau informieren.

von
Ehemann

Meiner Frau wurde vor Jahren auch eine baV angeboten.
Sie hat das nicht gemacht, sondern sich für einen Riestervertrag aus dem Nettoeinkommen entschieden.
Vor 2 Jahren wurde Ihr Arbeitgeber aufgekauft und der neue Arbeitgeber hat ihren Platz wegrationalisiert.
Jetzt hat sie wieder einen neuen Arbeitgeber, der wiederum ein eigenes baV-System hat.
Zum Glück hat sie ihren unabhängigen, eigenen Riestervertrag, den kann sie in Eigenregie überall besparen.

Gruß
Ehemann