Entlassungsarztbrief

von
Gudrun

Liebe Experten,

nachdem mir ein netter Experte hier umfangreich geantwortet und festgestellt hat:
"Wenn sich ein Patient nicht sicher ist und daher die Angaben (die nicht zur unmittelbaren Behandlung erforderlich sind) verweigert, kann man ihn letztlich nicht zwingen." habe ich Fragen zum Entlassungsarztbrief.

Ich soll jetzt nach einer Woche Reha einen Vordruck ausfüllen und unterschreiben, wer den endgültigen Reha-Entlassungsbericht bekommen soll. Zur Auswahl stehen Krankenkasse, Hausarzt und weiterbehandelnder Arzt. Wieso kriegt man selbst keinen und nimmt den zu den Ärzten mit?

Wieso steht auf dem Formblatt da eigentlich nicht die DRV drauf?

Wieso soll man bereits jetzt nach einer Woche Reha eine Schweigepflichtentbindungserklärung unterschreiben? Meine Mitpatienten fragen das auch, was das soll. Man weiß doch gar nicht, ob das, was im Bericht steht, richtig ist. Im Internet kursieren die tollsten Geschichten über "rachsüchtige" Behandler und negative Aussagen in den Berichten. Da soll es sogar Stempel geben, mit denen sogar dem Hausarzt verboten wird, den Bericht seinem Patienten zu zeigen.

Ist das eigentlich rechtens?

von
Alex

Den Rehaentlassbericht können Sie natürlich bekommen. Da haben Sie sogar einen Rechtsanspruch drauf.

Sie sollten dies in der Rehaklinik ( ihrem zuständigen Arzt ) angeben
und um Zusendung des Entlassberichtes bitten.

Wenn medizinisch - meistens aus psychischen Gründen - nichts dagegen spricht, wird dies auch gemacht.

Bekommen Sie ihn dann von dort - aus welchen Gründen auch immer - nicht, können Sie ihn von ihrem behandelndem Arzt oder direkt bei dem Kostenträger der Massnahme ( RV / KK ) anfordern und bekommen ihn dann auch.

Das ihr behandelnder Arzt den Bericht kriegen sollte - wenn nicht gar muß - ist doch wohl klar.

Wie soll er sonst wissen wie Sie dort behandelt wurden und welche Vorschläge die Rehaärzte für die Weiterbehandlung - die ihr Arzt dann ja durchführt - gemacht haben...

Das Sie jetzt erst nach 1 Woche die Schweigepflichtserklärung unterschreiben sollen ist sogar relativ spät.

ich kenne es so, das gleich am 1 oder 2 Tag so ein Formular ausgefüllt werden muß.

Aber das ist sicher von Klinik zu Klinik verschieden.

Das man nicht mit der Schweigepflichtsentbindung warten kann bis nach dem Ende der Reha und bis in dann jeder Patient zur Kenntnis genommen hat und " abgesegnezt " hat , ist doch wohl auch völlig klar.

Wie sollte so etwas wohl in der Praxis gehen ? Soll die Klinik alle Berichte erst an die Patienten senden und um Genehmigung / Freigabe
bitten sie dann erst an die entsprechenden Stellen weiterleiten zu dürfen oder wie ?

Und das ganze " Verfahren " dauert dann Wochen oder Monate dadurch länger ?

Das ist doch völlig Wetlfremd so etwas zu fordern..

Warum die DRV auf dem Formular nicht drauf steht ?

Fragen Sie doch einfach in der Klinik mal nach. Dann wissen Sie auch das.

Vielleicht weil es verschiedene Formulare gibt ?

Vielleicht weil die Krankenkasse in ihrem Fall der Kostenträger ist und nicht die RV ?

Dann hätte die RV ja mit der Rehamassnahme nichts zu tun und warum sollten die dann auch einen Bericht automatisch erhalten und dafür dann eine unnötige Freigabe erteilt werden.

Ansonsten rate ich ihnen grundsätzlich auch zur Vorsicht mit der Freigabe der Daten/Berichte , aber
" Stammtischparolen " , nicht nachprüfbare Storys aus dem Internet, übermässige Vorsicht und Mißtrauen gegen jeden und alles was dort in der Klnikik abläuft , bringen Sie nun auch nicht weiter.

Wenn Sie die Weitergabe von Berichten grundlos verweigern , könnte ihnen dies als Verletzung ihrer Mitwirkungspflichten ausgelegt werden und entsprechende Folgen für Sie haben.

von
Elisabeth

Hallo Gudrun!
Die Schweigepflichtentbindung gegenüber deinen Ärzten solltest du abgeben. Es könnte nämlich passieren, dass du ohne Arzt gar nicht in die Unterlagen schauen darfst.
Wenn du so wenig Vertrauen gegenüber deinen Ärzten hast, solltest du sie wechseln.

von
Heinerich

Diesen Stempel, dass der Patient keine Einsicht in den Bericht bekommen soll gibt es.

In der Regel wird dieser bei bestimmten psychischen Erkrankungen verwendet, wenn z.B. Suizidgefahr besteht.

Am besten einfach den Arzt seines Vertrauens angeben und den dann um eine Kopie bitten.

von
Elisabeth

http://www.aekno.de/page.asp?pageID=287

Hallo Gudrun!

Das Patientenrecht auf Akteneinsicht ist gut im Rheinischen Ärzteblatt August/07 dargestellt.
Den Link habe ich dir gleich geschickt.

Experten-Antwort

Im Wesentlichen ist den bisherigen Ausführungen zuzustimmen.

von
Gudrun

Lieber Heinerich,

ich bin Glatteisopfer und habe einen unkomplizierten linken Oberarmbruch, der genagelt wurde. Ist wohl Standard in der Medizin, wurde mir jedenfalls gesagt. Da das Schultergelenk bei sowas einrostet ist eine Reha notwendig. Es geht auch nicht darum, dass mir jemand die Einsicht in den Arztbrief verweigern will, sondern um die Frage, warum eine Schweigepflichtentbindungserklärung pauschal und ohne Kenntnis des Inhaltes, geht ja nicht, da noch zwei Wochen anstehen, abgegeben werden soll.

Ich finde das strange. Wer kauft schon einen Gebrauchtwagen ohne vorherige technische Überprüfung? Sie? Ich jedenfalls nicht.

von
Gudrun

Liebe Elisabeth,

selbstverständlich kann ich ohne Arzt in die mich betreffenen Arztbriefe schauen. Wäre ja noch schöner, wenn ich etwas freigebe, was ich nicht kenne.

Grüße

Gudrun

von
Gudrun

Lieber Alex,

danke für die umfangreiche Antwort.

"Warum die DRV auf dem Formular nicht drauf steht ?

Fragen Sie doch einfach in der Klinik mal nach. Dann wissen Sie auch das."

Ich habe gefragt und zur Antwort bekommen, dass die DRV meint, dass die Ärzte der Klinik, ist eine GmbH, gegenüber der DRV nicht der ärztlichen Schweigepflicht unterliegen würden. Deshalb sei das im Formblatt, welches die DRV entwickelt hat, nicht vorgesehen.

Ich habe dann bei der Ärztekammer nachgefragt und zur Antwort bekommen, dass die Ärzte selbstverständlich auch gegenüber der DRV schweigepflichtig sind. Das ergebe sich aus § 100 SGB X. Und nun?

Das mit den Mitwirkungspflichten verstehe ich nicht. Wobei soll unsereins denn nach der Reha noch mitwirken, wozu die DRV oder die KK den Arztbrief bräuchte? Leistungen gibt es danach von der DRV nicht mehr. Krankengeld gibt es ggfs. über den vom behandelnden Arzt unterschriebenen Zahlschein.

von
Gudrun

Lieber Experte,

wie kommt die DRV auf die Idee, dass die ärztliche Schweigepflicht ihr gegenüber nicht gilt? Die zuständige Ärztekammer hat mir gesagt, dass die für alle Ärzte gilt und auf § 100 SGB X hingewiesen.

Und, um die Antwort von Alex aufzugreifen, woran soll man denn nach der Reha noch mitwirken, da es ja keine Leistungen von der DRV mehr gibt?

Also braucht die DRV den Arztbrief doch gar nicht.

von
Hans G.

Ich frage mich ernsthaft :

Können oder wollen Sie das nicht begreifen ??

Wie kann man nur so ein Theater machen, wegen so eine Lapalie....

Haben Sie sonst keine anderen Sorgen ?

von
Gudrun

Lieber Hans,

das Theater machen ganz andere. Da werden unnötige Fragen gestellt, die mit der Behandlung der Folgen eines Oberarmbruchs mit anschließender OP nix zu tun haben.

Dann soll man auch noch pauschal irgendwelche Kätzchen im Sack kaufen, ääh pardon, Schweigepflichtentbindungserklärungen unterschreiben, ohne den Inhalt es Arztbriefes zu kennen.

Also entmündigen laß ich mich nicht, um Objekt eines undurchsichtigen Systems zu werden. Wer etwas will, soll sagen warum und wofür und nicht hintenrum kommen. Unterschreiben Sie mal hier, das Kleingedruckte ist umwichtig. Lieber Hans, nicht mit mir.

von
Elisabeth

Hallo Gudrun!

Ich wurde von der Agentur für Arbeit, vom Versorgungsamt und der DRV begutachtet, und alle Gutachter durften diese Gutachten mit einem Sperrvermerk versehen. Die DRV-Beratung hat mich auch auf die Möglichkeit hingewiesen, dass es durchaus möglich ist, dass ich ein Gutachten nicht einsehen darf. Ich denke, dass ich durch die Veröffentlichung des Artikels aus dem Rheinischen Ärzteblatt dieses Problem erklärt habe.

von
Gudrun

Liebe Elisabeth,

ich begehre ja gar keine Einsicht in die Aufzeichnungen der Ärzte sondern nur eine Einsicht in das, was die ggfs. meinem Hausarzt oder Chirurgen schreiben wollen. Wenn die mir das nicht zur Genehmigung vorlegen wollen verschweigen die mir was und ich habe kein Vertrauen mehr in die. Und dann gibt es auch keine Unterschrift.

Umsomehr gilt das, wenn die was an die KK oder die DRV schreiben wollen oder sollen. Warum soll man dem zustimmen ohne zu wissen, was man da erlaubt. Mir geht diese Heimlichtuerei ganz gewaltig auf den Keks.

Ist mir übrigens schon beim Antragsformular für die AHB aufgefallen, wo man ausdrücklich einer weiteren Nutzung der ärztlichen Angaben widersprechen muß und kein Platz vorgesehen ist, um das tun zu können. Und dann diese Drohung mit angeblichen Nachteilen, wenn man widerspricht.

von
Hans G.

Ihnen ist - leider - dann nicht mehr zu helfen.

Trotzdem alles Gute und viel Erfolg bei ihrem Ansinnen.

von
Gudrun

Ich brauche keine heimlich und zwangsweise verordnete Fürsorge. Wer sich heimlich medizinische Daten besorgt führt garantiert nix Gutes im Schilde.

Interessant ist für mich, dass niemand hier mir erklärt, wieso ein Arzt einer Reha-Klinik gegenüber der DRV nicht von seiner Schweigepflicht entbunden werden muß, wohl aber gegenüber KK, Hausarzt und Facharzt. Und dann noch dieser Stempel zur Verweigerung der Einsicht in Reha-Entlassungsberichte zum "Wohle" des Patienten.

Aber vielleicht kommt ja noch eine Erklärung.

von
Elisabeth

Hallo Gudrun!

Vielleicht solltest du dich vom Datenschutzbeauftragten beraten lassen. Ich bin dort immer freundlich und nett behandelt worden. Wenn dein Leistungsträger für die jetzige Kur die KK ist, musst du wegen der Zuständigkeit aufpassen. Für die AOK ist beispielsweise das Land und für die Barmer der Bund. Das ist bei der DRV auch so, da gibt es auch eine Landes- und Bundeszuständigkeit.

von
???

Als Leistungsträger erhält die DRV grundsätzlich den Entlassungsbericht. Dem haben Sie mit Ihrer Unterschrift bei der Antragstellung zugestimmt. An alle anderen "Interessenten" (= behandelnder Arzt, KK ...) wird der Bericht nur zugesandt, wenn Sie die Ihnen ausgehändigte Schweidepflichtserklärung unterschreiben. "Heimlich" geschieht somit gar nichts.
Warum Sie es in diesem Maße als problematisch empfinden, dass die DRV eine Rückmeldung über die Kur und deren Durchführung/Erfolg erhält, ist für mich nicht nachvollziehbar. Bitte bedenken Sie bei Ihren Recherchen im Internet, dass hier eigentlich nur die Problemfälle auftauchen. Da Sie sich als "unproblematischen Fall" beschreiben, kann Ihnen doch nichts passieren, oder ? Sollten Sie Interesse an den bei der DRV vorliegenden Unterlagen haben, können Sie jederzeit und ohne besonderen Grund Akteneinsicht beantragen.

von
Ratgeber

Wenn man die Postings hier verfolgt, psassen @Gudrun und@Elisabeth sehr gut zusammen.

Die eine ist misstrauischer als die andere....

Ihr solltet euch privat mal treffen oder per PN austauschen - aber nicht hier.

von
Gudrun

Hallo Dreifragezeichen,

im Antragsformular zur AHB, Formular 250, steht nichts vom Entlassungsbericht. Der Weitergabe des Befundberichtes zur Antragsbearbeitung und der anderen ggfs. vorhandenen medizinischen Daten (können da nicht vorliegen) habe ich ausdrücklich handschriftlich widersprochen. Setze mir doch keine Läuse in den Pelz.

Was die Problemfälle betrifft, die im Internet kursieren, so hat unsereiner eben nicht die Absicht zu einem solchen zu werden.

Als Soziologin weiß ich, dass sich Menschen, die für Institutionen arbeiten, immer geschönt darstellen. Lernt man spätestens in den Vorlesungen und Übungen zur empirischen Sozialforschung.

Ich werde mir doch nicht in den Entlassungsbericht mangelnde Compliance reinschreiben lassen, wenn die Ergebnisse der Reha nicht so sein sollten wie erwartet, nur weil die Zusammenstellung und Ausführung der Therapien nicht so war, wie es dem medizinischen Standard entspricht oder die Ursache in schlampiger Ausführung der OP zu finden ist. Hat ja bereits eine verzögerte Knochenheilung gegeben.