Erneute Antragstellung

von
Tinka

Nach einem Jahr Arbeitsunfähigkeit wegen einer psych.Erkrankung und RLS und auf Anraten meiner Neurologin habe ich einen Antrag auf Erwerbsunfähigkeit gestellt, der mir nach einer Reha und dem Gutachten des dortigen Arztes abgelehnt wurde. Ich habe Widerspruch eingelegt, da mein GEsundheitszustand weiterhin instabil und nun ein halbes Jahr nach der Reha wieder wie vorher ist (Erbkrankheit). Auch der Widerspruch wurde abgelehnt. Für eine Klage und weitere Gutachten hatte ich auf Grund meiner psych. Belastung keine Kraft und habe resigniert. Meine Ärztin rät mir dringend erneut einen Antrag auf Erwerbsunfähigkeit zu stellen, da Sie - wie ich selbst auch - der Meinung ist, dass eine grundlegende Besserung in Zukunft nicht möglich ist und die Medikamente, die ich nun schon seit 10 Jahren in wechselnden Sorten und Dosis einnehme nur die Symptome dämpfen können.Ich bin auch durch diese Situation in einer schwierigen finanziellen und familiären Lage und sehe nur den Ausweg, noch einmal die Erwerbsunfähigkeitsrente zu beantragen. Meine Frage dazu. Welche Frist ist gesetzlich zwischen der Ablehnung des 1. Antrags und einer erneuten Beantragung einzuhalten und welche weiteren Informationen können Sie mir dazu geben, was muss ich noch beachten?
MfG Tinka

von
Auskenner

Nach Zugang des Widerspruchsbescheides müssen Sie innerhalb 1 Monats dagegen vor dem Sozialgericht Klage erheben.
Nach Ablauf dieser Frist ist der Bescheid dann rechtskräftig.

Das Sie seinerzeit nicht den Klageweg beschritten haben , war natürlich ein großer Fehler.
Gerade vor dem Sozialgericht werden noch sehr viele EM-Renten zuerkannt. Die ärztlichen Unterlagen werden dort völlig neu geprüft ( eventuell sogar extra auch ein neues Gutachten erstellt ) und nicht selten vom Gericht anders bewertet als dies die RV getan hat....

Um gegen die RV etwas zu erreichen muss man - leider - manchmal einen sehr langen Atem haben.

Einen neuen EM-Antrag und ein neues Verfahren können Sie unmittelbar nach der Monatsfrist stellen.
Eine " Wartefrist " für einen neuen Antrag gibt es nicht.

Erfolgversprechend ist ein neuer Antrag auf jeden Fall dann, wenn sich ihre Erkrankungen weiter verschlechtert haben und Sie somit neueste ärztliche Atteste/Befundberichte etc.
vorlegen können.

Aber auf jeden Fall sollten Sie sich vor vorne herein auf ein langes Verfahren mit Entscheidung vor dem SG einrichten. Wenn der Antrag dann früher gewilligt wird umso besser.

Denken Sie an den Spruch :

Wer aufgibt , hat schon verloren !

Alles Gute und viel Erfolg.

von
Nur Mut...

Eine erneute Antragstellung ist an keinerlei Fristen gebunden. Sie können also jederzeit einen erneuten Antrag stellen. Interessant zu erfahren wäre jedoch, mit welchem Ergebnis Sie aus der Reha entlassen wurden. Sofern Sie nämlich arbeitsfähig aus der Reha entlassen wurden, ist die Ablehnung der EM-Rente zu verstehen. Das Beste wäre jedoch, Sie suchten die nächstgelegene Beratungsstelle der DRV auf. Dort stehen Ihnen qualifizierte und hilfsbereite BeraterInnen zur Verfügung, die Ihnen mit Sicherheit weiterhelfen können!

von
Aha

Wichtig: aus welchem Grund wurde der erste Rentenantrag abgelehnt? Reha war zu 'erfolgreich', Sie waren (damals) noch 'zu gesund' oder aber hatten Sie keinen ausreichenden Versicherungsschutz mehr?

Es gibt keine 'Wartefrist' zwischen zwei Anträgen; wurde damals Widerspruch und ggf. Klage geführt? - Haben Sie sich fachkundigen Rat und Hilfe geholt???

Falls 'nein': WARUM NICHT!? Es gibt viele Stellen, die gut und meist unentgeltlich helfen - Sie sind nicht allein!!!

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Tinka,

Sie können einen neuen Antrag stellen, ohne irgendwelche Fristen zu beachten. Ob dieser Antrag Aussicht auf Erfolg hat, können wir von hier aus natürlich leider nicht beurteilen.
Wenn Ihre Ärztin Sie dabei unterstützt, wäre es gut, wenn diese auch gleich neuere Unterlagen zur Verfügung stellen könnte. Und Sie müssen natürlich damit rechnen, dass nochmal ein Gutachten erstellt werden wird.
Alles Gute!

von
Tinka

Vielen Dank für die schnellen Antworten.
Ich habe mir nach der Ablehnung meines Rentenantrags den Abschlussbericht von meinem behandelnden Arzt der Reha erbeten, da dieser in einem Abschlussgespräch mit mir, erklärt hatte, dass ich meinen Beruf nicht mehr ausüben könnte und unter Berücksichtigung aller gesundheitlichen Einschränkung eine leichte Arbeit von ca. 3 Stunden am Tag möglich wäre. Dem stimmte ich zu, da es meiner eigenen Einschätzung entsprach. Nun in diesem Bericht musste ich zu meinem Erstaunen und mit Enttäuschung lesen, dass der behandelnde Arzt eine Arbeitszeit von 6 Stunden täglich bei einer leichten Arbeit für möglich hält. Ich habe leider keinen Zeugen bei diesem Gespräch dabei gehabt und glaubte auch nicht, dass so etwas nötig sei. Der beh. Arzt erklärte mir in diesem Gespräch außerdem, dass er von der Knappschaft als Gutachter bei Gericht tätig ist und sich darum gut auskennt. Kann so ein Artz dann eigentlich ein neutrales Gutachten erstellen, ist er dann nicht seinem "Auftraggeber" verpflichtet - also befangen?
Diese Situation hat mich sehr mutlos gemacht, so dass ich deshalb keine Klage beim Sozialgericht eingereicht habe. Nun bin ich wütend über mich selbst, dass ich so schnell resigniert habe und über die Unehrlichkeit dieses Arztes.
Ich werde also noch einmal Rat einholen und dann den Antrag erneut stellen. Vielen Dank für die Hilfe.
Alles Gute Tinka

von
Auskenner

Das was Sie erlebt haben hinsichtlich des Rehaabschlussgespräches mit ihrem Rehaarzt und der dann damit im schriftlichen Gutachten nicht übereinstimmenden sozial-medizinischen Prognose, war bei mir ganz ähnlich und ist demnach wohl kein Einzelfall.

Auch bei mir wurde nicht das beim Abschlußgespräch festgelegte sozial-medizinische Ergebnis wie mündlich besprochen , dann auch exakt so im Gutachten nieder geschrieben.

Das ist im übrigen auch nicht unbedingt böser Wille des Arztes gewesen, sondern vielleicht einfach auch nur aufgrund eines Fehlers passiert. Gerade an solchen Entlasstagen führt der Arzt dann ja mehrere Entlassgespräche hinter einander und bei der späteren Niedrschrift des Gutachtens kann da nun schon mal etwas durcheinander geraten.

Denken Sie daran, auch Ärzte sind nur Menschen und machen auch Fehler !

Aber warum haben Sie diese wirkliche gravierende und vielleicht sogar entscheidende Sache der Rentenversicherung damals nicht mitgeteilt ??

Das müssen Sie denen sofort mitteilen, " riechen " kann die RV das ja nun auch nicht....

Wenn Sie dies seinerzeit im Widerspruchsverfahren oder
dann spätestens vor dem Sozialgericht ( wo Sie ja nicht waren und leider nicht hin wollten !) eingebracht hätten, wäre ihr Verfahren sicher ganz anders und zwar positiv für Sie verlaufen.

Der Rehaarzt wäre dann seitens der RV angeschrieben worden und um Stellungnahme
bzw. Korrektur seines Rehaberichtes gebeten worden.

Ich habe seinerzeit sogar persönlich den Chefarzt der Rehaklinik nett, freundlich aber auch sehr sehr bestimmt angeschrieben, das das Gutachten sofdort abzuändern ist und zwar so wie es der Wahrheit entsprícht und besprochen wurde.

Nach nicht mal 1 Woche hatte ich das geänderte Gutachten samt Entschuldigung auf dem Tisch....

Sie müssen sich in solchen Sachen auch immer und unbedingt Hilfe holen und zwar beim VDK/SoVD oder einem Fachanwalt für Sozialrecht.

Das sind dort Experten auf diesem Gebiet und die warten nur auf solche Fehler wie in ihrem Verfahren, um diese dann der RV " um die Ohren zu hauen ".

Bei ihrem neuen Antrag sind Sie jetzt ja ein bischen schlauer - hoffentlich.

Viel Erfolg für Sie.

von
Tinka

Vielen Dank, Sie haben Recht, doch in der Phase einer schweren Depression war ich nicht in der Lage diese Dinge anzugehen. Nur in meinem Widerspruch an die Knappschaft habe ich den Sachverhalt geschildert.
Ich werde jetzt hoffentlich mehr Kraft zum Kämpfen haben und durch Ihre Antworten auch mehr Zuversicht, danke.

von
Auskenner

@tinka

Hatte selbst eine schwere Depression. Kann ihre Situation absolut nachvollziehen.

Da geht dann wahrlich gar nichts und gerade mit so einem Sachverhalt wie Gutachten, Rente etc. ist man ja schon als Laie überfordert und als schwer depressiv Erkrankter natürlich noch viel mehr.

Alles Gute für Sie und ein schönes Wochenende.