Erwerbsminderungsrene für Berufsanfänger

von
Dina

Guten Tag, Folgende Situation: ein junger Mann(30 Jahre) hat nach Abitur, FSJ und Studium mit BA-Abschluss durch eine psychische Erkrankung (mit 50% Schw.) große Probleme im Beruf und keine Verlängerung des befristeten Vertrages(halbe Stelle). Nach (nur) 15 Monaten (zwei Arbeitgeber)und fast 24 Monaten Krankengeldbezug (zwei Zeiträume) ist eine LTA bewilligt. Ein untersuchenden Arzt hat Erwerbsminderungsrente angesprochen, aber nicht weiter thematisiert. Eigenes Abfragen (drv, VdK oder sonstwo) von mir angeregt, wird ausgeschlossen, da auf die LTA gesetzt wird. Was aber, wenn dies nicht zuende gebracht werden kann? Was geht dann noch? Nach eingehendem Lesen in Foren und auf drv-seiten, habe ich Hinweise zur EM-Rente für Berufsanfänger (voll erwerbsgemindert und in den zwei Jahren davor zwölf Monate Pflichtbeiträge) gefunden. Wenn diese Rente bewilligt würde, was kann da an Rente (kaum Beiträge) erwartet werden? Ich hätte einfach nur gern Gewissheit, ob in diesem Fall dies eine Option ist. Eine beendete LTA und ein neuer Job sind allemal besser.
Vielen Dank für die Mühen

von
W°lfgang

Zitiert von: Dina
habe ich Hinweise zur EM-Rente für Berufsanfänger (voll erwerbsgemindert und in den zwei Jahren davor zwölf Monate Pflichtbeiträge) gefunden.

Hallo Dina,

da liegen Sie richtig, was die Bedingungen für EM-Rente betrifft/Auszug aus einem DRV-Merkblatt:

"Unter bestimmten Voraussetzungen haben Sie die allge­meine Wartezeit von fünf Jahren vorzeitig erfüllt. Das ist der Fall, wenn Sie (...)
vor Ablauf von sechs Jahren nach Beendigung einer Ausbildung voll erwerbsgemindert geworden sind und in den letzten zwei Jahren vorher mindestens ein Jahr Pflichtbeiträge für eine versicherte Be­schäftigung oder Tätigkeit gezahlt haben. Der Zeitraum von zwei Jahren vor Eintritt der Erwerbs­minderung verlängert sich um Zeiten einer schulischen Ausbildung nach Vollendung des 17. Lebens­jahres, längstens jedoch um sieben Jahre. Haben Sie die allgemeine Wartezeit vorzeitig erfüllt, ist für Sie die besondere versicherungsrechtliche Voraus­setzung nicht von Belang."

So viel zu den Versicherungsvoraussetzungen für sehr junge EMRT-Kanditaten - abhängig vom Eintritt der EM geht da grundsätzlich was.

> was kann da an Rente (kaum Beiträge) erwartet werden?

Die EMRT wird bis zur aktuellen Regelaltersgrenze (65+8) hochgerechnet = 'geschenkte'/zusätzliche Quasi-Beschäftigungs-/Beitragszeit - und diese Zeit bis dahin mit dem erreichten Durchschnittswert aus den bisherigen Beiträgen bewertet. Grundsätzlich werden dabei die ersten 36 Monate der Pflichtbeitragszeit mit 100 % gerechnet - kurzum (ist viel Rentenmathematik/Verständnis dafür erforderlich) würde sich eine EMRT von 1000+ EUR mtl. ergeben können.

Gruß
w.

von
****

Hallo Dina,
könnte in diesem Fall könnte die fiktive Wartezeiterfüllung §53 SGB 6 greifen, nur mit einer EMRT 1000.- + wird der junge Mann wohl nicht rechnen können.
Da der Betreffende bei Beginn der ersten Beschäftigung ca. 26 1/2 Jahre alt war
(30 J minus 39 Monate (15 Arbeit + 24 Krankengeld) werden die Beitragszeiten (FSJ, befristeter Vertrage(halbe Stelle nur 15 Monaten und fast 24 Monaten Krankengeldbezug)
nur mit den tatsächlichen Entgeltpunkten bewertet für die
SV-Beiträge gezahlt wurden, eine fiktive Höherbewertung der ersten 36 Kalendermonate Beitragszeit gem. §246 SGB 6 entfällt bei einem Rentenbeginn ab 01.01.2009 für Zeiten nach Vollendung des 25. Lebensjahres, da es sich nicht um echte Zeiten der Berufsausbildung handelt. Die Zeiten der Schul- und Hochschulausbildung werden nicht bewertet, somit wird sich für die Bewertung der Zurechnungszeit bis 65+8 nur ein geringer Gesamtleistungswert ergeben, heißt nur wenige EP für die Berechnung der EM-Rente und noch 10,8 % Kürzung.
Mein Tipp ca. 150 - 250.- Euro brutto.

Eine LTA und anschließende Berufstätigkeit mit entsprechenden Verdiensten ist eindeutig die bessere Option.
Noch einen schönen Abend

von
Verwundert

Zitiert von: W°lfgang
würde sich eine EMRT von 1000+ EUR mtl. ergeben können.

Zitiert von: ****

Mein Tipp ca. 150 - 250.- Euro brutto.

Bei einer so gewaltigen Abweichung der beiden Angaben, ist glaube ich eine Antwort von einem Experten dringend erforderlich. Nur so kann man eine brauchbare Aussage bekommen.

von
Nicht verwundert

Zitiert von: Verwundert
Zitiert von: W°lfgang
würde sich eine EMRT von 1000+ EUR mtl. ergeben können.

Zitiert von: ****

Mein Tipp ca. 150 - 250.- Euro brutto.

Bei einer so gewaltigen Abweichung der beiden Angaben, ist glaube ich eine Antwort von einem Experten dringend erforderlich. Nur so kann man eine brauchbare Aussage bekommen.

So etwas kommt dabei heraus, wenn man rein spekulativ in einem Forum nachfragt.
Warum lassen Sie nicht einfach über den zuständigen Rententräger eine Proberentenberechnung erstellen, dann hätten Sie die Angaben schwarz auf weiß und hier müsste niemand ein Ergebnis raten, dessen Grundlage reine Spekulation ist?
Da dürfen Sie sich über abweichende Antworten letztendlich nicht beschweren.
Warten wir mal die Antwort des Experten ab!

Experten-Antwort

Hallo Dina,
wir müssen dem Antwortgeber Ihrer Frage „Nicht verwundert“ zustimmen. Die Aussage der Vorredner bzgl. der Hochrechnung des Durchschnittsgehaltes bis zum 65. Lebensjahr und 8 Monate als geschenkte Beitragszeit, sowie eine Kürzung der Rente um 10,8 % können wir uns anschließen, aber alles weitere ist reine Spekulation und ist vom Einzelfall abhängig. Aus Ihrer Schilderung „Eigenes Abfragen (drv, VdK oder sonstwo) von mir angeregt, wird ausgeschlossen, da auf die LTAgesetzt wird.“ schließen wir, dass der Versicherte sich selbst aus welchen Gründen auch immer nicht bei der Deutschen Rentenversicherung informieren möchte. Dies ist aber zwingend erforderlich, um zumindest eine ungefähre Richtung für die Höhe der Rente zu erhalten. Falls die Person, um die es geht weiterhin nicht vorstellig werden möchte, könnte auch jemand anderes in Vollmacht eine Auskunft- und Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung besuchen. Hier ein Link, an welchen Orten wir vertreten sind:
https://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Navigation/5_Services/01_kontakt_und_beratung/02_beratung/01_beratung_vor_ort/01_servicezentren_beratungsstellen_node.html

von
Dina

Danke für die Antworten: mir geht es nicht um einen exakten Rentenbetrag, da habe ich eher den Hinweis des Experten erwartet. Was mir wichtig ist/war: fällt man mit dieser Ausbildungs- und Berufsbiografie und über 30 noch unter den Personenkreis der "Berufsanfänger". Also Studienabschluss nicht in der Regelzeit wegen Krankheit usw. usw. Muss man mit einem bestimmten Alter einen Abschluss erreicht haben? Da ich in diesem Forum sehr viel gelesen habe, hoff(t)e ich dazu auf eine Antwort.
Nochmals Dank, Dina

Experten-Antwort

Hallo Dina,
das tut uns leid, dass wir Ihre Fragestellung falsch verstanden haben. Grundsätzlich muss aus versicherungsrechtlicher Sicht eine Vorversicherungszeit von 5 Jahren bestehen (Die allgemeine Wartezeit muss erfüllt sein). Dies scheint im vorliegenden Fall nicht gegeben sein. Aber es könnte der Tatbestand der vorzeitigen Wartezeiterfüllung gemäß § 53 Abs. 2 SGB VI erfüllt sein. Dieser Absatz besagt, dass die allgemeine Wartezeit auch erfüllt ist, wenn Versicherte vor Ablauf von 6 Jahren nach Beendigung der Ausbildung voll erwerbsgemindert geworden sind und in den letzten 2 Jahren vor dem Leistungsfall mindestens 1 Jahr lang Pflichtbeiträge gezahlt wurden. Nach Ihrer Schilderung zu urteilen, könnte dieser Tatbestand erfüllt sein und demnach eine Erwerbsminderungsrente gezahlt werden. Eine abschließende Prüfung wird dennoch die Sachbearbeitung der Deutschen Rentenversicherung vornehmen.

von
Nicht verwundert

Zitiert von: Dina
Danke für die Antworten: mir geht es nicht um einen exakten Rentenbetrag, da habe ich eher den Hinweis des Experten erwartet. Was mir wichtig ist/war: fällt man mit dieser Ausbildungs- und Berufsbiografie und über 30 noch unter den Personenkreis der "Berufsanfänger". Also Studienabschluss nicht in der Regelzeit wegen Krankheit usw. usw. Muss man mit einem bestimmten Alter einen Abschluss erreicht haben? Da ich in diesem Forum sehr viel gelesen habe, hoff(t)e ich dazu auf eine Antwort.
Nochmals Dank, Dina

Sie scheinen Ihre eigene Ausgangsfrage nicht zu kennen.
So schreiben Sie unter anderem "Was kann an Rente erwartet werden?".
Wenn das jetzt doch nicht so wichtig ist, warum dann überhaupt die Frage?
So kommt es dann aufgrund der unausgegorenen Fragestellung zu entsprechenden Antworten.