Erwerbsminderungsrente

von
Lisa Benjamin

Folgender Sachverhalt ist gegeben. Ich bin Jahrgang 1959 und im erlernten Beruf als Verwaltungsfachangestellte durchgehend seit 32 Jahre in Vollzeit berufstätig. Ich habe bereits einen Schwerbehindertenausweis mit 60 %. Vor zwei Monaten bin ich sehr schwer erkrankt und komme gerade von einer Reha Maßnahme zurück. Ich befinde mich gerade in der Eingliederungsphase 4, 6 und 8 Stunden und bin mir nicht sicher, ob ich danach wie bisher vollzeit arbeiten kann. Ich habe daher meinen Arbeitgeber gebeten mir eine Teilzeitstelle anzubieten. Er ist dazu nur bereit, wenn ich meine wöchentliche Arbeitszeit bis auf 25 Stunden reduziere. Dies wäre für mich finanziell nur möglich, wenn ich eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung von der Rentenversicherung bekäme. Ich bin mir sicher, dass ich die gesundheitlichen Voraussetzungen für eine Rente erfülle, möchte aber auf gar keinen Fall eine Vollrente, da mir sehr an meinem Arbeitsplatz gelegen ist und ich diese Stelle auf gar keinen Fall aufgeben möchte. Was imuss ich unternehmen, dass ich nur eine Vollrente bekomme.
Für eine baldige Antwort dankt Lisa

von
Helferlein

Hallo Lisa,

ich glaube in Ihrem letzten Satz meinten Sie doch sicher "damit ich nur eine Teiltrente bekommen kann" oder???

Also grundsätzlich gibt es in den Antragsformularen keine Auswahl für eine Rente wegen teilweiser EM. Sie können jedoch zu der Frage auf dem Vordruck R 210 (das ist die Anlage zum Rentenantrag über Ihre Erkrankungen) wo es um die weitere Beschäftigungsmöglichkeiten geht ja schreiben, dass Sie Ihren bisherigen Beruf unter Kürzung der regem. Arbeitszeit gerne weiter ausüben möchten. Ich glaube kaum, das ein Gutachter das übersieht.
Wenn Sie also eine Rente wegen teilweise EM erhalten würden, müssten Sie nur darauf achten, dass die Tätigkeit mit 25 Std. den zulässigen Hinzuverdienst für diese Rente nicht überschreitet. Andernfalls steht diese dann nämlich nur hälftig zu oder gar nicht.
Es kann jedoch sein, dass Sie nach Prüfung/Begutachtung von der DRV einen Bescheid erhalten, nach dem Sie voll EM sind. Zwar dürften Sie dann natürlich trotzdem arbeiten, aber nur im Rahmen Ihrer indiv. Hinzuverdienstgrenzen. Schlechtestenfalls wird die Rente nicht gezahlt, da der Hinzuverdienst überschritten wird. Ein anderes Problem sehe ich noch aufgrund Ihres Berufes. Sie sind bestimmt im öffentl. Dienst angestellt oder? Nehmen wir jetzt mal an, die DRV bewilligt Ihnen eine volle EM auf unbestimmte Dauer, dann kann Ihr Arbeitgeber Sie aufgrund dessen kündigen. Bzw. das Beschäftigungsverhältnis würde durch die Rentenbewilligung (Dauerhafte Verrentung) enden. (Das habe ich zumindest mal im Tarifvertrag so gelesen. Vielleicht ist das ja auch gar nicht mehr aktuell???)

Ich würde Ihnen empfehlen in die nächste Beratungsstelle zu gehen und mal eine Prognose erstellen zu lassen. Volle EM-Rentenhöhe und teilweise EM.
ggf. können Sie ja dort auch gleich den Antrag stellen.
So haben Sie mal ein paar Zahlen vorab. Vielleicht haben Sie ja auch eine relativ aktuelle Renteninfo daheim, da steht die Rentenhöhe auch drauf. die teilweise EM sind genau 50 % der vollen EM.

Gruß vom Helferlein

von
FragenderEMR

Hallo,

mein Interesse ist ähnlich gelagert. Teilerwerbsminderungsrente bekommen, aber auf keinen Fall eine volle EMR.

Im Formular R210 unter Frage 8 wird man ja gefragt: "Welche Arbeiten können Sie nach Ihrer Auffassung noch verrichten? (Art und Umfang - wie viel Stunden täglich)". Wenn man dort nun etwas in der Art "Leichte Bürotätigkeit - 3h bis unter 6h" hinschreibt, sollte das nicht ausreichen, die volle EMR zu vermeiden?

von
FragenderEMR

Hallo Lisa,

wie Helferlein schon kurz erwähnte könnte Ihnen die Hinzuverdienstgrenze noch einen "Strich durch die Rechnung" machen.

Falls Sie für die 25h einigermaßen "fair" bezahlt werden UND die letzten Jahre nicht sehr viel mehr verdient haben, dann ist anzunehmen, dass ihr Verdienst für die 25h Ihre INDIVIDUELL berechnete Zuverdienstgrenze soweit überschreitet, dass die eventuelle Teilerwerbsminderungsrente zumindest nochmal halbiert wird.

Soweit ich weiss ist das Hinzuverdienstgrenzensystem bei einer tEMR zweistufig. Überschreitet der Verdienst die erste Stufe wird die tEMR halbiert, überschreitet der Verdienst die zweite Stufe, so fällt die tEMR komplett weg.

von
KSC

ich würde auf jeden Fall dazu raten nichts zu überstürzen und auch nochmals mit Ihren Ärzten zu reden.
Was meinte der Arzt in der REHA zu diesem Thema, was meinen Hausarzt,etc - ich hoffe doch, dass Sie dort das Rententhema angesprochen haben?

Irgendein Doktor scheint ja auch die Wiedereingliederung befürwortet zu haben - der war wohl der Meinung, dass Vollzeitarbeit klappen könnte, sonst wäre das wohl kaum eingeleitet worden?

Den Eingliederungsversuch sollte man abwarten, wenn es klappt mit den 8 Stunden Arbeit hat sich das Rententhema ohnehin erübrigt.

Wenn nicht kann man immer noch schauen, Sie weiter au schreiben und das Ergebnis des Rentenverfahrens abwarten.

Was machen Sie wenn Sie jetzt die Arbeitszeit reduzieren und die Rente abgeleht wird? Meinen Sie dass dann Ihr AG die Zeit wieder auf ganztags abändert?
Oder wenn Sie mit 25 Stunden über den Grenzen für die Teilrente leigen? Der AG ist sicherlich nicht begeistert den Vertrag dann nochmals zu ändern.

Somit ist es vielleicht besser das Arbeitsverhältnis so wie bisher zu belassen, bis über die Rente entschieden ist.

von
Lisa Benjamin

Bei mir liegt der Fall so, dass ich von Geburt an eine Gehbehinderung habe, die aber bei meiner Tätigkeit als Verwaltungsangestellte bisher überhauptnicht hinderlich war und auch künftig nicht hinderlich ist. Aufgrund dieser Behinderung habe ich einen Schwerbehindertenausweis. Nun wurde durch eine verschleppte Virusinfektion mein Herz beeinträchtigt. Ich habe mich zwar wieder erholt aber so wie früher wird es halt nicht mehr werden. Meine Ärztin bei der REHA meinte, dass ich weiterhin Vollzeit arbeiten kann. Aber sie kannte mich natürlich und damit meine Motivation und meine Liebe zum Job. Aber eine 39 Stunden Woche schaffe ich glaube ich nicht mehr. Mein Arbeitgeber ist nur bereit meine wöchentliche Arbeitszeit zu reduzieren, wenn ich bis auf 25 Stunden zurückgehe oder gar nicht. Mein Hausarzt würde eine Teilzeittätigkeit bestimmt befürworten. Aber ich befürchte halt, dass der Rentenversicherungsträger das Gesamtkrankheitsbild sieht und dann evtl. eine Vollrente bewilligt, was das Ende meiner Tätigkeit im öffentlichen Dienst bedeuten würde. Ich selbst sehe mich dazu in der Lage 30 Stunden zu arbeiten. Das will ich auch unbedingt, weil mir der Job guttut, was ich jetzt während der Eingliederungsmaßnahme feststelle. Länger krank schreiben will ich mich nicht lassen,weil die Kollegen in den letzten 2 Monaten schon überbelastet waren. Außerdem kann ich ja tatsächlich Teilzeit arbeiten aber ob dass der Arzt beim Rentenantrag auch so sieht. Der Arbeitgeber macht Mordsdruck. Was tun???

von
KSC

"wie der Arzt es beim Rentenantrag sieht" kann kein Forumsteilnehmer voraussagen.

Allerdings ist der Fall wirklich selten, dass der Rentenarzt für die Vollrente ist, d.h. meint man kann unter 3 Std. täglich abeiten,
es jedoch tatsächlich möglich ist 25 oder 30 Wochenstunden abzuleisten.

Aber nichts ist unmöglich.

Unmöglich erscheint es mir allerdings zu sein, dass Ihr Arbeitgeber im ÖD Sie 25 Stunden beschäftigt, falls der Rentenarzt tatsächlich volle EM feststellt - das gibt es doch etwas wie Fürsorgepflicht des AG?

Wählen Sie den Rentenantrag (und dann haben Sie in 2 Monaten Klarheit) oder arbeiten Sie halt weiter.

Die Entscheidung liegt bei Ihnen.

von
Lisa Benjamin

Ich habe mich verschrieben. Die Ärztin von der REHA meinte ich könnte Vollzeit arbeiten.
deswegen dauert mein Beschäftigungsverhältnis noch an . Lisa

von
Wolfgang Amadeus

Hallo Lisa Benjamin,

Du sagst, dass Du vor kurzem in Reha warst, und dass die Reha-Ärztin gesagt hat, dass Du Ihrer Meinung nach noch voll arbeiten kannst.

Es ist davon auszugehen, dass sie das auch so in den Entlassungsbereicht geschrieben hat (Du hat übrigens das Recht, eine Kopie des Entlassungsberichtes von der Rentenversicherung anzufordern).

War es so und stellst Du jetzt einen Rentenantrag, ist es wahrscheinlich, dass keine neue Untersuchung gemacht wird, sondern auf den Reha-Entlassungsbericht zurückgegriffen wird.

Und das würde dann bedeuten, dass Dein Rentenantrag abgelehnt würde.

Anders würde es aussehen, wenn Du z.B. erst in einem halben Jahr einen Rentenantrag stellst. Dann wäre der zeitliche Abstand zur Reha zu groß und es würde höchstwahrscheinlich ein neues ärztliches Gutachten erstellt werden, das im Ergebnis dann ganz anders aussehen könnte wie die Beurteilung im Reha-Entlassungsbericht.

von Experte/in Experten-Antwort

Ihr Fall ist tatsächlich nicht ganz einfach, wegen der widersprüchlichen Aussagen und einem ÖD-AG.
Ich kann nur auf die Beiträge von "KSC" von 18:12 Uhr und "Wolfgang Amadeus" verweisen.
Entscheiden müssen letztendlich Sie alleine.

von
neptun

Hallo Lisa,

man kann auch einem Rentenbescheid widersprechen und begründet auf Abhilfe drängen.

Dazu dürfte es der DRV gefallen, wenn sie nicht eine volle EM-Rente zahlen müßte, falls sie selbst diesen Anspruch erkennen würde, sondern auf Ihren Vorschlag mit Teil-EM-Rente rückgreifen kann.

Und Sie haben durch den Status einer Schwerbehinderten auch Anspruch auf einen behindertengerechten Arbeitsplatz. Der kann durchaus eine Teilarbeitszeit beinhalten, die sich nicht nach dem Wunsch des Arbeitgebers richtet, sondern nach den Möglichkeiten des Arbeitnehmers.

Das wäre dann außerhalb und zusätzlich zum Teilzeit- und Befristungsgesetz.

LG Neptun

von
Küecke

Wie wird eine private Bu-Rente als hinzuverdienst zur
Gesetzlichen-Erwerbsminderungsrente einbezogen.

von
Wolfgang Amadeus

Gar nicht.

Allerdings ist die private BU-Rente steuerlich zu beachten. Sie ist mit dem Ertragsanteil zu versteuern (jedoch Sonderregelungen bei Riester oder Rürup).

Die gesetzliche Rente ist nach dem sogenannten Kohortenmodell zu versteuern; d.h. sie erhält einen Freibetrag, welcher sich nach dem Jahr des Rentenbeginns richtet. Bei einem Rentenbeginn 2008 wäre der Freibetrag 44 % der Jahresrente, wobei der Freibetrag nur für die ersten beiden Kalenderjahre ab Rentenbeginn berechnet wird und dann eingefroren wird.

von Experte/in Experten-Antwort

Siehe Beitrag von "Wolfgang Amadeus".

von
Pittiplatsch

Hallo Lisa, habe mit Interesse deine Frage gelesen und bitte dich unbedingt in erster Linie an deine Gesundheit zu denken und dann reelle Möglichkeiten einer Teilzeittätigkeit prüfen zu lassen. Ich war in einer ähnlichen Situation, erhalte inzwischen TEMR und arbeite noch 4 Stunden im ÖD. Die Zuverdienstgrenze überschreite ich damit nicht. Ich glaube im ÖD muss man dir mit der TZ im Zusammenhang mit TEMR entgegenkommen lt. Tarif. Viele Grüße und alles Gute für dich