Erwerbsminderungsrente ab wann?

von
nedjeljko

Guten abend, mein Fall scheint etwas verwirrend zu sein... Im Mai 2006 hatte ich einen Arbeitsunfall. Die BG hat bis Dez. 2009 Verletztengeld bezahlt und ich bin der Zeit noch 4 operiert worden, natürlich für eine Verbesserung. Danach kam dann Arbeitslosengeld 1 und im Juli 2010 habe ich einen Rentenantrag gestellt. Übrigens für Teilhabe am Arbeitsleben hat sich bei mir keiner gekümmert. Die Erwerbsminderungs-
rente ist bewilligt worden, ab Antragstellung aber ab Unfalltag.
Aber die BG bezahlt doch nicht solange für nichts.Was kann ich machen da machen, das nicht der Unfalltag als Minderung angerechnet wird.

von
W*lfgang

Hallo nedjeljko,

> Was kann ich machen da machen, das nicht der Unfalltag als Minderung angerechnet wird.

Der Unfalltag wird DAS Ereignis schlechthin für den Eintritt der Erwerbsminderung gewesen sein - mit diesem Zeitpunkt ging eben nix mehr, der Rentenfall aus med. Sicht liegt seit dem vor.

Da spielt es auch keine Rolle, wie lange Sie mit dem Rentenantrag zögern, wie spät Sie ihn stellen, das Datum ist unverrückbar. Allerdings ist dann der Rentenantrag ('jetzt erst') nicht rechtzeitig gestellt worden, als das die Rente ab Unfalltag rückwirkend laufen könnte. Die dafür erforderliche 3-Monats-Frist ist 'etwas' überschritten worden. Daher gilt hier das Antragsprinzip - Rente beginnt mit dem 1. des Antragsmonats und somit seitens der Rentenversicherung alles richtig gelaufen/festgestellt. Warum dann z. B. das Arbeitsamt nicht früher auf vorrangige Sozialleistungen hingewiesen hat (sprich, stell mal einen Rentenantrag) ist eine andere Geschichte - die haben sich eben nicht dafür interessiert. Kleiner Vorwurf auch an Sie: früher mal eine Rentenberatungsstelle fragen, welche Auswirkungen da auf mich zukommen, wie die Fristen sind.

> Was kann ich machen da machen, das nicht der Unfalltag als Minderung angerechnet wird.

Zeitreise ? ...um den Unfall ungeschehen zu machen - dauert aber noch ein paar Jahre bis das Beta-Stadium zuverlässig zur bugfreien Vers. 1.0 führt ;-) Sie können daran nichts mehr ändern - es sei denn, Sie können (med. gesichert) hieb- und stichfest nachweisen, dass die Minderung der Erwerbsfähigkeit nicht durch das Unfallereignis eingetreten ist, sondern erst irgendwann 'später'.

Rentenrechtlich dürften Sie wohl keinen Nachteil haben. Ab Rentenfall/Unfall ist die verbleibende Zeit als Zurechnungszeit bis 60 hochgerechnet und bewertet worden. Ein rückwirkender Rentenbeginn ab Unfalltag würde nur zu Verrechnungen der einzelnen Sozialleistungsträger führen ...wo ein Mehr/Weniger in Ihrem Einkommen liegt, lässt sich ohne Kenntnis der Höhe der zwischenzeitlichen Leistungen nicht beurteilen. Ist aber Geschichte, da die Rentenversicherung erst ab Antragstellung für Sie 'zuständig' ist.

Gruß
w.

von
Sozialrechtler

Zitiert von: nedjeljko

Guten abend, mein Fall scheint etwas verwirrend zu sein... Im Mai 2006 hatte ich einen Arbeitsunfall. Die BG hat bis Dez. 2009 Verletztengeld bezahlt und ich bin der Zeit noch 4 operiert worden, natürlich für eine Verbesserung. Danach kam dann Arbeitslosengeld 1 und im Juli 2010 habe ich einen Rentenantrag gestellt. Übrigens für Teilhabe am Arbeitsleben hat sich bei mir keiner gekümmert. Die Erwerbsminderungs-
rente ist bewilligt worden, ab Antragstellung aber ab Unfalltag.
Aber die BG bezahlt doch nicht solange für nichts.Was kann ich machen da machen, das nicht der Unfalltag als Minderung angerechnet wird.

Lassen Sie sich kompetent beraten. Igendetwas stimmt in Ihrer Darstellung nicht (Aus SGB VII):

"§ 56 Voraussetzungen und Höhe des Rentenanspruchs
(1) Versicherte, deren Erwerbsfähigkeit infolge eines Versicherungsfalls über die 26. Woche nach dem Versicherungsfall hinaus um wenigstens 20 vom Hundert gemindert ist, haben Anspruch auf eine Rente."

Und dann:

§ 46 Beginn und Ende des Verletztengeldes

...

Die Rechtsbeistände der Sozialverbände könnten Ihnen helfen, aber dazu müßten Sie Mitglied sein oder werden.

Experten-Antwort

Wahrscheinlich ist bei Ihnen die Erwerbsminderung durch den Unfall eingetreten.
Eine späte Rentenantragstellung hat lediglich Auswirkungen auf den Rentenbeginn – nicht jedoch auf den Leistungsfall.

von
nedjeljko

Das ist ja eben das was ich nicht verstehe.
Jede weitere OP wurde zur Verbesserung durchgeführt und in dem Krankenhaus wo ich das 1 maloperiert worden bin, sagte man mir das ich 2007 ab Januar wieder arbeiten kenn. und dann kamen die weieren OP`s. Das habe ich auch schriftlich. Also kann ja mit dem Leistungsfall irgendwas nicht stimmen..

von
Feli

Unabhängig davon, wie die Prognosen vom Krankenhaus usw. gestellt wurden, kommt es für die Festlegung des Leistungsfalles allein darauf an, dass Sie tatsächlich nach dem Unfall nicht wieder so weit hergestellt waren, dass Sie voll berufstätig hätten sein können.
Die Behandlung in der Zwischenzeit diente natürlich Ihrer Gesundung, hat offenbar das vollständige Leistungsvermögen jedoch nicht wieder hergestellt.

von
RFn

Sie können entweder Widerspruch einlegen oder, wenn die 4 Wochen Widerspruchsfrist bereits verstrichen sind, einen Überprüfungsantrag zur Prüfung des Datums des "Eintritts der Erwerbsminderung" beantragen und wie folgt begründen:
...Da ich ALG 1 erhalten habe, bedeutet das, dass ich zur Arbeitsvermittlung zur Verfügung stand, also zu diesem Zeitpunkt nicht erwerbsgemindert sein konnte. Den Rentenantrag habe ich während des Bezuges von ALG 1 gestellt. Deshalb müsste des Datum des Rentenantrages als Eintritt der Erwerbsminderung gelten...

Nehmen wir an, dem wird stattgegeben. Dann liegt der neue Rentenbeginn bei einer befristeten Rente am 01.01.2011(7 Monate nach Eintritt der EM).
Die bis zum 31.12.2010 ausgezahlte Rente müssten Sie zurückzahlen.
Die neue Rente basiert auf den bis zum 30.06.2010 zurückgelegten Versicherungszeiten. Dafür fällt die Zurechnungszeit vom Unfalltag bis zum 30.06.2010 weg. Das kann duzu führen, dass der neue Rentenbetrag niedriger ausfällt, kann aber auch einige Cent höher sein.

Unterm Strich empfehle ich Ihnen dringend, lassen Sie es so wie es ist.
Oder Sie opfern mindestens 100 Euro, gehen zu einem privatem Rentenberater, lassen alles durchrechnen. Falls mehr herauskommt, können Sie den obigen Antrag stellen. Wie aber die RV entscheidet, ist ungewiss.

von
chris

Wenn Sie zwischen Unfall und Rentenantrag nicht arbeiten konnten, also durchgehend Au waren, so wird von einer Erwerbsminderung ab Unfall ausgegangen.

Anders läge der Fall, wenn zwischenzeitlich eine Beschäftigungszeit läge, und sei es lediglich eine MAE der Arge (ein Euro Job).
Somit wären Sie in diesem Zeitraum nämlich wieder eine Weile erwerbsfähig gewesen und der Leistungsfall träte später ein.

von
nedjeljko

Jetzt habe ich heute aber in einem Internet - Portal gelesen, das die Erwerbsminderungsrente ganz anders berechnet wird. Dort steht der maßgebliche letzte Jahresbruttoverdienst wird berechnet. Dies kann ja aber wohl nicht vom AG 1 gelten?

von
W*lfgang

Zitiert von: nedjeljko

Jetzt habe ich heute aber in einem Internet - Portal gelesen, das die Erwerbsminderungsrente ganz anders berechnet wird. Dort steht der maßgebliche letzte Jahresbruttoverdienst wird berechnet. Dies kann ja aber wohl nicht vom AG 1 gelten?

Hallo nedjeljko,

für Renten der gesetzlichen Rentenversicherung gilt Ihre 'Lebensleistung' bis zum Rentenfall. Da zählt jeder Betrag nach Schulende bis zum Beginn der Rente, die Restzeit bis 60 wird auch noch dazugerechnet und erhöht die Rente.

Für die EM-Rente ist nicht das letzte Einkommen maßgebend - da haben Sie das mit Unfallrente verwechselt/falsch gelesen, die rechnen so.

Gruß
w.

von
RFn

Vergessen Sie, was Sie gelesen haben.

Die Höhe der EM-Rente errechnet sich nicht aus dem letzten Jahresbrutto, sondern aus Ihren gesamten Versicherungszeiten bie zum Eintritt der Erwerbsminderung plus, je nach dem Lebensalter, einer Zurechnungszeit.

Ich kann nur erraten, dass Sie eventuell auf die Berechnung des Übergangsgeldes während einer Reha-Massnahme gestossen sind.