Erwerbsminderungsrente / Altersrente / Hinzuverdienst

von
Heinz

Guten Tag,

ich - geb. 1957, GdB 100, Beschäftigungsverhältnis besteht noch - beziehe derzeit Krankengeld, welches am 25.02.2021 endet.

Mein Reha-Antrag vom Juli 2020 wurde umgedeutet, ich werde eine Rente wegen voller Erwerbsminderung erhalten.
Der Bescheid wird lt. Auskunft der Sachbearbeiterin aber noch etwas dauern.

Da ich mir den Aufwand und die Belastung ersparen möchte, werde ich keinen Antrag auf Arbeitslosengeld stellen. Stattdessen habe ich mit meinem Arbeitgeber vereinbart, dass ich mich ab 26.02.2021 nicht mehr krankschreiben lasse und stattdessen Urlaub nehmen werde.

Ich habe noch einen Urlaubsanspruch von 45 Tagen und viele Überstunden, die mir mit Bewilligung der Erwerbsminderungsrente ausgezahlt werden.
Diese Auszahlung wird den Betrag von 6.300 Euro überschreiten.

Um das Problem einer Kürzung der Rente zu umgehen, überlege ich mir, hilfsweise gleich die Altersrente für schwerbehinderte Menschen zu beantragen.

Sind meine Überlegungen hierzu überhaupt richtig? Kann ich eine Umstellung in die Altersrente beantragen, obwohl ich noch keinen Bescheid über die Erwerbsminderungsrente habe? Welches Rentenbeginn-Datum soll ich sinnvollerweise für die Altersrente wählen?

Die Sachbearbeiterin konnte / wollte sich hierzu leider nicht äußern.

Vielen Dank

Experten-Antwort

Hallo Heinz,

auch bei der Altersrente für schwerbehinderte Menschen müssten Sie bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze die Hinzuverdienstgrenze i. H. v. 6.300 Euro beachten. Die Regelaltersgrenze erreichen Sie als Jahrgang 1957 mit 65 Jahren und 11 Monaten, d. h. im Jahr 2023.

Unabhängig davon sollten Sie sich dennoch mit Ihrer zuständigen Rentenversicherung in Verbindung setzen und beraten lassen, ob die Umwandlung in eine Altersrente für schwerbehinderte Menschen in Ihrem Fall günstiger ist.

Viele Grüße
Ihr Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 26.05.2021, 14:12 Uhr]

von
Heinz

Zitiert von: Experte
Hallo Heinz,

auch bei der Altersrente für schwerbehinderte Menschen müssten Sie bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze die Hinzuverdienstgrenze i. H. v. 6.300 Euro beachten.

Viele Grüße
Ihr Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung

Aber für das Jahr 2021 gilt für Altersrenten doch eine Hinzuverdienstgrenze von 46.060 Euro oder etwa nicht?

Und ich gehe doch davon aus, dass der Bescheid über die Erwerbsminderungsrente noch in diesem Jahr erstellt wird!

Experten-Antwort

Hallo Heinz,

Sie haben recht, für 2021 gilt bei Altersrenten die erhöhte Hinzuverdienstgrenze i. H. v. 46.060 Euro.

Nichtsdestotrotz empfehlen wir Ihnen bezüglich einer evtl. Umwandlung in eine Altersrente die direkte Kontaktaufnahme mit Ihrem zuständigen Rentenversicherungsträger.

Dies wäre auch formlos bereits vor dem Bescheid über Ihre Rente wegen Erwerbsminderung möglich.

Viele Grüße
Ihr Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung

von
Siehe hier

Zitiert von: Heinz
Guten Tag,

ich - geb. 1957, GdB 100, Beschäftigungsverhältnis besteht noch - beziehe derzeit Krankengeld, welches am 25.02.2021 endet.

Mein Reha-Antrag vom Juli 2020 wurde umgedeutet, ich werde eine Rente wegen voller Erwerbsminderung erhalten.
Der Bescheid wird lt. Auskunft der Sachbearbeiterin aber noch etwas dauern.

Da ich mir den Aufwand und die Belastung ersparen möchte, werde ich keinen Antrag auf Arbeitslosengeld stellen. Stattdessen habe ich mit meinem Arbeitgeber vereinbart, dass ich mich ab 26.02.2021 nicht mehr krankschreiben lasse und stattdessen Urlaub nehmen werde.

Ich habe noch einen Urlaubsanspruch von 45 Tagen und viele Überstunden, die mir mit Bewilligung der Erwerbsminderungsrente ausgezahlt werden.
Diese Auszahlung wird den Betrag von 6.300 Euro überschreiten.

Um das Problem einer Kürzung der Rente zu umgehen, überlege ich mir, hilfsweise gleich die Altersrente für schwerbehinderte Menschen zu beantragen.

Sind meine Überlegungen hierzu überhaupt richtig? Kann ich eine Umstellung in die Altersrente beantragen, obwohl ich noch keinen Bescheid über die Erwerbsminderungsrente habe? Welches Rentenbeginn-Datum soll ich sinnvollerweise für die Altersrente wählen?

Die Sachbearbeiterin konnte / wollte sich hierzu leider nicht äußern.

Vielen Dank

Hallo Heinz,
auch ich bin der Meinung, dass sich der Experte bezüglich des Hinzuverdienstes bei einer Rente wegen Schwerbehinderung geirrt hat. ausgeschlossen von dieser Erhöhung sind lediglich die EM-Rentner.
Wenn Sie aber Ihre 35 Beitragsjahre voll haben, können Sie auch diese Rentenart (ohne SB) wählen, dann gilt der erhöhte Zuverdienst auf jeden Fall.

Da der Bescheid für die EM-Rente noch nicht vorliegt, weiß noch keiner genau, welches Datum als 'Leistungsfall' festgelegt wurde (kann auch vor Reha-Antrag liegen) und somit dann der Rentenbeginn. Bei einer befristeten EM-Rente würde dann der Rentenbeginn ab dem 01. des siebten nachfolgenden Monats sein.
Geht man davon aus, dass das Umdeutungsdatum auch Leistungsfalldatum ist (also Juli 2020), würde die EM-Rente also ab 01.02.2021 bezahlt werden.
Wenn zu diesem Zeitpunkt aber das Arbeitsverhältnis noch besteht und erst später beendet wird, gelten auch die (Einmal)Zahlungen, die nach EM-Rentenbeginn erfolgen, als Hinzuverdienst für die EM-Rente.
Wenn Sie also Ihre vorgezogene Altersrente zum 01.02.2021 stellen und die Auszahlung dann erst im Februar erfolgt, gelten die erhöhten Hinzuverdienstregelungen für die Altersrente, nicht mehr die für die EM-Rente.
Da eine Urlaubsabgeltung erst mit Beendigung des Arbeitsverhältnisses erfolgen kann, würde der Abrechnungsmonat Februar als Beitragsmonat gelten und somit auch als 'Zufluss'-Monat. Unter Umständen kann ein Teil des Bezuges auf das Vorjahr entfallen, Stichwort 'Märzklausel' (mit Lohnbüro/Steuerberater klären), und läge dann (vielleicht) so oder so vor Rentenbeginn.
Die 'Märzklausel' kann sich aber auch ungünstig auswirken, wenn nämlich die EM-Rente rückwirkend deutlich früher beginnt als 01.02.2021 und somit die Beitragsmeldung (=Zufluss) innerhalb des EM-Rentenzeitraumes fällt.

Den Antrag auf EM-Rente haben Sie auf jeden Fall deutlich vor dem Antrag auf eine vorgezogene Altersrente gestellt. Wenn dieser EM-Rentenantrag noch nicht abschließend bearbeitet wurde, muss dies bei der vorgezogenen Altersrente dennoch berücksichtigt werden. Denn wenn der Anspruch auf EM-Rente grundsätzlich gegeben ist, bleibt dieser Anspruch erhalten und die nachfolgende Altersrente ist darauf basierend zu berechnen.

Wenn Sie also das Ende Ihrer Tätigkeit nicht noch hinausschieben können/wollen, dann scheint das Antragsdatum 01.02.2021 für die vorgezogene Altersrente sinnvoll zu sein.

Sie sollten dies aber bitte noch einmal mit Ihrer zuständigen DRV in einem (zzt. nur telefonisch möglichem) Beratungstermin bestätigen lassen, dort liegen ja auch Ihre konkreten Unterlagen vor. Und Sie können in diesem Gespräch auch dann entsprechend gleich Ihren Antrag telefonisch aufnehmen lassen.

Viel Erfolg und alles Gute!

von
ICKE

Hallo,

bitte beachten Sie folgenden Auszug aus der rechtl. Arbeitsanweisung der Dt. RV (https://rvrecht.deutsche-rentenversicherung.de/SharedDocs/rvRecht/01_GRA_SGB/06_SGB_VI/pp_0026_50/gra_sgb006_p_0034.html#doc1576704bodyText39):

Zitat: "Tritt eine (neue) Rente zu einer bereits bestehenden Rente hinzu, beispielsweise eine Altersrente zu einer Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit, hat die Hinzuverdienstprüfung für jeden Anspruch getrennt zu erfolgen. Dabei ist bei der bisherigen Rente der Hinzuverdienst für das gesamte Kalenderjahr beziehungsweise bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze zu berücksichtigen. Bei der neu hinzutretenden Rente ist der Hinzuverdienst vom Rentenbeginn bis zum Jahresende beziehungsweise bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze zu berücksichtigen."

D.h., wenn Sie im Jahresverlauf die Umwandlung in eine Altersrente beantragen und die Auszahlungen erst danach erhalten, sollte das bei Hinzuverdienstgrenze 46.060 Euro für die Altersrente unschädlich sein, aber für die Erwerbsminderungsrente wird die Zahlung dennoch angerechnet, auch wenn diese dann schon nicht mehr gezahlt wird.

von
Siehe hier

Zitiert von: ICKE
Hallo,

bitte beachten Sie folgenden Auszug aus der rechtl. Arbeitsanweisung der Dt. RV (https://rvrecht.deutsche-rentenversicherung.de/SharedDocs/rvRecht/01_GRA_SGB/06_SGB_VI/pp_0026_50/gra_sgb006_p_0034.html#doc1576704bodyText39):

Zitat: "Tritt eine (neue) Rente zu einer bereits bestehenden Rente hinzu, beispielsweise eine Altersrente zu einer Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit, hat die Hinzuverdienstprüfung für jeden Anspruch getrennt zu erfolgen. Dabei ist bei der bisherigen Rente der Hinzuverdienst für das gesamte Kalenderjahr beziehungsweise bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze zu berücksichtigen. Bei der neu hinzutretenden Rente ist der Hinzuverdienst vom Rentenbeginn bis zum Jahresende beziehungsweise bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze zu berücksichtigen."

D.h., wenn Sie im Jahresverlauf die Umwandlung in eine Altersrente beantragen und die Auszahlungen erst danach erhalten, sollte das bei Hinzuverdienstgrenze 46.060 Euro für die Altersrente unschädlich sein, aber für die Erwerbsminderungsrente wird die Zahlung dennoch angerechnet, auch wenn diese dann schon nicht mehr gezahlt wird.

Dies würde bei einem vorgezogenen Altersrentenbeginn zum 01.02.2021 dann aber schlimmstenfalls dazu führen, dass die EM-Rente für den Monat Januar 2021 zu 100% gekürzt wird, die Altersrente aber ab 01.02.2021 nicht.
Oder mache ich hier gerade einen Denkfehler?
Das klärt sich aber sicherlich sonst spätestens auch in dem persönlichen Beratungsgespräch, das dringend wahrgenommen werden sollte.

von
ICKE

Zitiert von: Siehe hier

Dies würde bei einem vorgezogenen Altersrentenbeginn zum 01.02.2021 dann aber schlimmstenfalls dazu führen, dass die EM-Rente für den Monat Januar 2021 zu 100% gekürzt wird, die Altersrente aber ab 01.02.2021 nicht.
Oder mache ich hier gerade einen Denkfehler?
Das klärt sich aber sicherlich sonst spätestens auch in dem persönlichen Beratungsgespräch, das dringend wahrgenommen werden sollte.

Nein, kein Denkfehler. Genauso ist es. Aber man muss es wissen, dass der Hinzuverdienst ab Beginn der Altersrente eben trotzdem auch eine Auswirkung auf die im gleichen Kalenderjahr davor bezogene Erwerbsminderungsrente hat. Ist - glaube ich - vielen nicht bekannt bzw. bewusst.

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