Erwerbsminderungsrente - Beginn

von
Stefan Hamburg - 1952

Hallo Leute,

bin schon seit 31.03.2010 gekündigt, weil ich eine Berufs-Allergie bekommen habe, die dazu führt, dass ich seitdem überhaupt nicht mehr in meinem Malerberuf arbeiten kann.
Die Allergie wird nicht als Berufskrankheit anerkannt, weil ich so schnell gekündigt wurde (aus "betrieblichen Gründen"), und demnach nich lang genug krankgeschrieben werden konnte.

Nach einem verlorenen Rechtsstreit gegen die BG habe ich am 26.01.2013 den Rentenantrag eingereicht. Neben teilweiser Erwerbsminderung auf Dauer liegt volle Erwerbsminderung auf Zeit vor. Ab dem 01.02.2013 bekomme ich 240€ teilw. EM-Rente, ab dem 01.08.2013 bekomme ich 480 € volle EW-Rente.

Nach § 101 Abs. 1 SGB 6 wird die EM-Rente ab dem "siebten Kalendermonat nach dem Eintritt der Minderung der Erwerbsfähigkeit geleistet". Da die MdE ja schon 2010 bestand und damit länger als 7 Monate zurückliegt, steht mir die Rente doch schon ab dem ersten Renten-Monat zu, oder nicht? In einem Gutachten vom April 2011 wird mir eine MdE von

von
Stefan Hamburg - 1952

von
Stefan Hamburg - 1952

10 bescheinigt. Jetzt habe ich aber Angst das dort hinzuschicken, da ich befürchte, die Rentenversicherung gibt mir nur die halbe EM-Rente von 240€, obwohl ich nicht arbeiten gehen kann.

Nachdem ich Arbeitslosengeld bekommen habe, lebte ich seit über 1 Jahr bis zum Rentenantrag ohne einen Cent zu bekommen. Vielleicht ist es Wunschdenken, aber kann man die EW-Rente auch rückwirkend beantragen?

Danke, danke für jede Antwort.
Viele Grüße

(in der ersten Nachricht wurde ein Teil meines Beitrages abgeschnitten, sorry dafür)

von
vielleicht

Vielleicht ist es so, dass die Beiträge der halben Rente auf Dauer nachgezahlt werden können, die Beträge der vollen Rente jedoch nur ab dem 7. Monat nach der Feststellung der Berechtigung der ganzen Rente.

von
Stefan Hamburg - 1952

Zitiert von: vielleicht

Vielleicht ist es so, dass die Beiträge der halben Rente auf Dauer nachgezahlt werden können, die Beträge der vollen Rente jedoch nur ab dem 7. Monat nach der Feststellung der Berechtigung der ganzen Rente.

Ja das ist so wischiwaschi formuliert. Soll ich einfach die Rentenkasse fragen, ob sie mir nicht vielleicht die halbe Erwerbsminderungsrente ab der Kündigung/dem Gutachten freiwillig zahlt?

"Ab dem 7. Monat nach der Feststellung der Berechtigung der ganzen Rente" ist wieder so interpretationsfähig. Berechtigt wäre ich eigentlich schon 2011 (nach dem ALG) gewesen, hätte ich damals den Antrag gestellt. Aber im Gesetz steht wie oben zitiert, dass es 7 Monate nach "Eintritt der Minderung der Erwerbsfähigkeit" sind.

Bleibt nur noch die Frage, ob ich eigentlich normal Rente ab 01.01.2013 oder 01.02.2013 bekommen würde, wenn ich nichts im Nachhinein zurückerstattet bekäme?

von
Nane

Was steht als Zeitpunkt des Eintritts der Erwerbsminderung im Bescheid?

von
Stefan Hamburg - 1952

Der Zeitpunkt des Eintritts der Erwerbsminderung wird nicht erwähnt. Ab dem 25.01.2013 sind jedoch die "Anspruchsvorraussetzungen" erfüllt, da ich an diesem Datum den Antrag abgeschickt habe, nachdem ich gesehen habe, ich bekomme nichts von der Berufsgenossenschaft.

von
-/-

Vielleicht wäre es sinnvoller am Montagmorgen zum Telefonhörer zu greifen als nachts Einzefallprobleme in einem Forum diskutieren zu wollen ....

Egal. MdE ist Sache der zuständigen BG und hat grundsätzlich nichts mit einer Erwerbsminderung zu tun.

Was den Inhalt des Bescheides betrifft, scheint aufgrund Ihrer Angaben alles zu passen. Leistungsfall im Januar, Dauerrente ab Folgemonat, Zeitrente sieben Monate später.

von
???

Die Rentenversicherung hat für den Versicherungsfall auf Ihren Rentenantrag abgestellt, da Sie nicht direkt vorher arbeitsunfähig waren. Anscheinend gab es keinen anderen Anhaltspunkt für den Gutachter. Wenn Sie einen anderen Versicherungsfall wollen, werden Sie das belegen müssen. Ob ein MdE von 10 dazu ausreicht, weiß ich nicht. Selbst wenn Sie einen Versicherungsfall in 2010 durchsetzen können, werden Sie höchstens eine Rentenzahlung ab 01/2013 bekommen, da der Antrag dann verspätet gestellt wurde.

von
tacki

bei 480 euro voller ew, stellt sich die frage wie lange sie eigentlich pflichtversichert waren????

dass kann ja nicht dolle gewesen sein!!!

sind sie 1952 geb? wenn ja dann waren sie wahrscheinlich selbständig tätig???

denn von was lebt man 1 jahr lang ohne jegliche einkünfte???

und auch von 480 euro monatlich kann man ja wohl nicht leben!!!

von
Stefan Hamburg - 1952

An sich ist das Telefonieren ja keine schlechte Idee. Aber weil ich schon schlechte Erfahrungen mit der BG gemacht habe, wende ich mich diesmal nicht für eine telefonische Beratung an meinen "Antragsgegner" ...

von
Stefan Hamburg - 1952

Zitiert von: tacki

bei 480 euro voller ew, stellt sich die frage wie lange sie eigentlich pflichtversichert waren????

dass kann ja nicht dolle gewesen sein!!!

sind sie 1952 geb? wenn ja dann waren sie wahrscheinlich selbständig tätig???

denn von was lebt man 1 jahr lang ohne jegliche einkünfte???

und auch von 480 euro monatlich kann man ja wohl nicht leben!!!

Gearbeitet im Ausland habe ich bis 30 Jahre. Von dort aus kann ich mit einer Rente von 50-100€ rechnen, weil damals die Bezahlung auch mies war.
In Deutschland habe ich dann 27 Jahre gearbeitet. Jetzt besitze ich eine kleine Wohnung und unsere kompletten Ersparnisse sind schonmal weg. Würde ich jetzt noch die Wohnung verkaufen, wären wir in 10 Jahren auf Almosen angewiesen.

von
Stefan Hamburg - 1952

Zitiert von: ???

Die Rentenversicherung hat für den Versicherungsfall auf Ihren Rentenantrag abgestellt, da Sie nicht direkt vorher arbeitsunfähig waren. Anscheinend gab es keinen anderen Anhaltspunkt für den Gutachter. Wenn Sie einen anderen Versicherungsfall wollen, werden Sie das belegen müssen. Ob ein MdE von 10 dazu ausreicht, weiß ich nicht. Selbst wenn Sie einen Versicherungsfall in 2010 durchsetzen können, werden Sie höchstens eine Rentenzahlung ab 01/2013 bekommen, da der Antrag dann verspätet gestellt wurde.

Einmal möchte ich die volle Erwerbsminderungsrente ab dem 01.01.2013, da ich den Antrag zu spät eingereicht habe.

Zur Zur teilweisen Erwerbsminderungsrente habe ich folgendes gefunden: "Wird ein Antrag auf Rehabilitation in einen Rentenantrag umgedeutet, kann bereits das Datum des Antrags auf Rehabilitation als Rentenantragsdatum gelten."

Dazu habe ich ein Schreiben von der BA für Arbeit vom 10.2010, dass sie für die "Förderung zur Teilhabe am Arbeitsleben (berufliche Rehabilitation)" nicht zuständig sei und die Unterlagen an die Rentenversicherung weiterleten würde. ALG habe ich von Anfang 06.2010 bis zum 12.2011 bekommen.

Könnte ich mir unter "guten Umständen" Chancen auf die teilweise Erwerbsminderungsrente ab Ende 2011 ausrechnen?

von
???

Wie wurde denn über den Antrag auf LTA entschieden? Sie müssten ja auch von der DRV einen Bescheid bekommen haben. Wenn LTA bewilligt wurden, würde dies bedeuten, dass Sie evtl. einen Anspruch auf teilweise EM-Rente wegen Berufsunfähigkeit haben könnten. Dazu müssten Sie aber als Maler als Facharbeiter gearbeitet haben.
Bei einer Ablehnung kommt es auf den Grund an.

von
Stefan Hamburg - 1952

Zitiert von: ???

Wie wurde denn über den Antrag auf LTA entschieden?
.... Dazu müssten Sie aber als Maler als Facharbeiter gearbeitet haben.
...

Gearbeitet habe ich als Maler und Lackierer in einer Zeitarbeitsfirma.

Am 03.2011 kam ein Bescheid von der DRV:

"auf Ihren Antrag vom 10.2010 stellen wir Ihnen Leistungen zur Erlangung eines Arbeitsplatzes als Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben in Aussicht." Fristablauf für eine Unterstützung bei Vermittlung war der 31.03.2013.

Da ich aber vom 06.2010 bis 12.2011 ALG bekommen habe, bin ich mir nicht sicher, ob ich das dann eigentlich erst ab dem 12.2010-01.2011 beantragen soll, oder schon ab dem 10.2010. Aber dann käme es zu einer Überschneidung und das wär ein Kuddelmuddel mit Rückzahlung ans Arbeitsamt und Erstattung seitens der DRV.

von
=//=

Zitiert von: Stefan Hamburg - 1952

Zitiert von: ???

Wie wurde denn über den Antrag auf LTA entschieden?
.... Dazu müssten Sie aber als Maler als Facharbeiter gearbeitet haben.
...

Gearbeitet habe ich als Maler und Lackierer in einer Zeitarbeitsfirma.

Am 03.2011 kam ein Bescheid von der DRV:

"auf Ihren Antrag vom 10.2010 stellen wir Ihnen Leistungen zur Erlangung eines Arbeitsplatzes als Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben in Aussicht." Fristablauf für eine Unterstützung bei Vermittlung war der 31.03.2013.

Da ich aber vom 06.2010 bis 12.2011 ALG bekommen habe, bin ich mir nicht sicher, ob ich das dann eigentlich erst ab dem 12.2010-01.2011 beantragen soll, oder schon ab dem 10.2010. Aber dann käme es zu einer Überschneidung und das wär ein Kuddelmuddel mit Rückzahlung ans Arbeitsamt und Erstattung seitens der DRV.

1. Der LTA-Antrag von 3/2011 kann - auch nachträglich - NICHT in einen Rentenantrag umgedeutet werden, da ja LTA bewilligt wurden und seinerzeit keine Erwerbsminderung vorlag.

2. "Die Anspruchsvoraussetzungen sind erfüllt..." = Leistungsfall!

3. Vermutlich sind Sie auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt 3 - unter 6 Stunden arbeitsfähig. Das bedeutet: Da Sie arbeitslos sind, erhalten Sie eine teilweise EM-Rente auf Dauer ab 2/2013 (Folgemonat des Leistungsfalles) und eine volle EM-Rente auf Zeit. Diese beginnt immer ab Beginn des 7. Kalendermonats nach Eintritt des Leistungsfalles. Hierbei handelt es sich um die sogenannte "Arbeitsmarktrente".

4. Mit der BG und der Einstufung in 10 % bei der Unfallversicherung hat die Rente von der DRV gar nichts zu tun.

Meine Empfehlung:

Lassen Sie das Ganze auf sich beruhen. Es könnte sich nur eine Änderung ergeben, wenn Sie NACHWEISLICH ab einem früheren Zeitpunkt erwerbsgemindert waren. Aber am Rentenbeginn würde sich nichts ändern, da der Rentenantrag erst im Januar 2013 gestellt wurde. Weshalb Sie diesen nicht vorher schon gestellt haben, weiß ich nicht. Auch nicht, was der Rechtsstreit mit der BG mit der EM-Rente zu tun hat.

Experten-Antwort

Hallo Stefan Hamburg - 1952,
lassen Sie sich individuell und konkret in einer Auskunfts- und Beratungsstelle der Deutschen rentenversicherung beraten. Alles andere sind Vermutungen.
Vermutlich Leistungsfall in 01/2013, dadurch Rente auf Dauer ab 02/2013 und Rente auf Zeit ab 08/2013.
Die Feststellungen zum Leistungsfall kann man prüfen lassen (Eintritt der Erwerbsminderung schon zu einem früheren Zeitpunkt??).
Auch die Rentenantragstellung kann man prüfen lassen (ist noch irgendwie der Reha-Antrag von damals in einem Rentenantrag umdeutbar??).

Aber das sind alles nur Vermutungen. Sie brauchen keine allgemeinen, sondern auf Ihren Fall bezogene Beratung. Bitte nehmen Sie das Angebot der Beratung durch eine Auskunfts- und Beratungsstelle in Anspruch.

von
Stefan Hamburg - 1952

Zitiert von: ???

...Wenn LTA bewilligt wurden, würde dies bedeuten, dass Sie evtl. einen Anspruch auf teilweise EM-Rente wegen Berufsunfähigkeit haben könnten. ...

Ich lasse mich zwar beraten, möchte aber davor noch dringend hier etwas abklären.

Ich habe die Berufskrankheit NICHT anerkannt bekommen, im Gutachten steht aber, ich sei immer wieder wegen der Allergie Arbeitsunfähig gewesen und "mit weiterführender Exposition sei mit einer Verschlimmerung zu rechnen". Ist die Anerkennung der Berufskrankheit sozusagen Pflicht für eine Berufsunfähigkeit? Ansonsten hätte ich Angst, meine teilweise Erwerbsminderung wegen "nicht vorhandener Berufsunfähigkeit" auch noch zu verlieren.

Das Gutachten bräuchte ich aber als Nachweis, um Rückwirkend etwas zu bekommen.

von
=//=

Zitiert von: Stefan Hamburg - 1952

Zitiert von: ???

...Wenn LTA bewilligt wurden, würde dies bedeuten, dass Sie evtl. einen Anspruch auf teilweise EM-Rente wegen Berufsunfähigkeit haben könnten. ...

Ich lasse mich zwar beraten, möchte aber davor noch dringend hier etwas abklären.

Ich habe die Berufskrankheit NICHT anerkannt bekommen, im Gutachten steht aber, ich sei immer wieder wegen der Allergie Arbeitsunfähig gewesen und "mit weiterführender Exposition sei mit einer Verschlimmerung zu rechnen". Ist die Anerkennung der Berufskrankheit sozusagen Pflicht für eine Berufsunfähigkeit? Ansonsten hätte ich Angst, meine teilweise Erwerbsminderung wegen "nicht vorhandener Berufsunfähigkeit" auch noch zu verlieren.

Das Gutachten bräuchte ich aber als Nachweis, um Rückwirkend etwas zu bekommen.

Nein, die Anerkennung einer Berufskrankheit durch die BG interessiert die DRV nur soweit, dass bei einer Unfallrentenzahlung diese auf die Rente aus der gesetzlichen RV angerechnet wird. Ansonsten hat dies keine Auswirkungen.

von
=//=

Außerdem möchte ich nochmal auf meine Antwort vom 14.10. verweisen. Ich denke nämlich nicht, dass Sie die teilweise EM-Rente wegen BERUFSUNFÄHIGKEIT erhalten. Das müßte dann so im Rentenbescheid stehen.