Erwerbsminderungsrente Bonus?

von
Hugo

Stimmt es das es bei der Erwersbsminderungsrente einen Bonus gibt?

Beispiel: Man geht mit 45 Jahren in Erwerbsminderungsrente das dann dieser Bonus bis zum 60. Jahr hochgerechnet wird? Man bekommt also 15 Jahre noch mit angerechnet?

Wird dann der Abschlag auf die Erwerbsminderungsrente wieder ausgeglichen?

Bekommen diesen Bonus nur behinderte Menschen oder auch Menschen ohne behinderung?

Ist die Erwerbsminderungsrente für behinderte Menschen anders als für nicht behinderte Menschen?

Ist die höhe der Erwerbminderungsrente bei behinderten Menschen höher als bei nicht behinderten?

Haben behinderte Menschen irgendwelche Vorteile bei der Erwersbsminderungsrente als nicht behinderte?

von
Opa

Nein

von
Bernhard

Unter Bonus verstehen Sie wahrscheinlich die Zurechnungszeit.

Die Zurechnungszeit bewirkt, dass die Höhe der Erwerbsminderungsrente so berechnet wird, als ob bis zum 60. Lebensjahr weiterhin Beiträge in Höhe des bisherigen Durchschnitts bezahlt werden würden.

Ein Bonus ist das aber eigentlich nicht, denn wenn ein Versicherter nur bekommen würde, wofür er sowieso schon Beiträge eingezahlt hat, dann könnte man nicht von einer Versicherung für den Fall der Erwerbsminderung sprechen, dann täte es ein Banksparplan auch.

Der Abschlag von 10,8 % (in Ihrem Beispiel) wird aber trotzdem abgezogen, was einen Teil der Gutschrift durch die Zurechnungszeit wieder zunichte macht.

Es gibt bei Erwerbsminderungsrenten keinerlei Unterschiede zwischen behinderten und nicht behinderten Menschen.

von
Uwe

Ist die Erwerbsminderungsrente niedriger als die normale Rente?

Oder ist die Erwerbsminderungsrente höher als die normale Rente?

Ist in der Renteninformation bei der Erwerbsminderungsrente die Zurechnungszeit bis zum 60. Lebensjahr und der Abschlag berücksichtigt?

Sind das bei der Renteninformationen richtige Werte oder sind diese nur geschätzt?

Ist die Rente wirklich so hoch wie in der Renteninformation steht?

Oder könnte sie später niedriger oder noch höher ausfallen?

von
Bernhard

Eine Erwerbsminderungsrente ist immer niedriger als eine Regelaltersrente; das liegt an den bis zu 10,8 % Abschlag, es wird also immer unterstellt, dass der Bezieher einer Erwerbsminderungsrente eine Altersrente so früh wie möglich und mit höchstmöglichen Abschlägen beantragt hätte (die Zulässigkeit dieser Annahme ist rechtlich umstritten für EM-Fälle, die vor Vollendung des 60. Lebensjahres eingetreten sind, BSG-Urteil).

Zurechnungszeit und Abschlag sind in der Renteninformation berücksichtigt.

Die Angaben in der Renteninformation gelten nur eine sofort eintretende Erwerbsminderung, der künftige Versicherungsverlauf (u.a. Höhe der Beiträge, rentenrechtliche Lücken, Arbeitslosigkeit etc. pp.) kann und wird i.d.R. die Höhe einer tatsächlichen EM-Rente verändern.

von Experte/in Experten-Antwort

Bei der Umwandlung einer Erwerbsminderungsrente in eine Regelaltersrente (65. Lebensjahr) wird diese umgewandelte Erwerbsminderungsrente in der Regel in der gleichen Höhe weitergeleistet, weil nach dem Eintritt des Leistungsfalles der vollen Erwerbsminderung keine weiteren Beiträge mehr eingezahlt werden. Wird dagegen eine volle Erwerbsminderungsrente in Anspruch genommen und ein vergleichbarer Versicherter arbeitet weiter bis zur Vollendung des 65. Lebensjahres, wird dagegen die Regelaltersrente die höhere Rente sein.
Grundsätzlich sind bei der EM-Rente Rentenabschläge zu berücksichtigen (diese Rechtsfrage ist jedoch umstritten, die weitere Rechtsprechung hierzu bleibt abzuwarten).
Zurechnungszeit und Rentenabschläge sind in der Renteninformation zu berücksichtigen.
Die Angaben in der Renteninformation gelten für eine sofort zu zahlende Renten wegen Erwerbsminderung.
Desweiteren können Sie der Renteninformation den Zahlbetrag einer nach dem aktuellen Stand berechneten Altersrente mit Vollendung des 65. Lebensjahres entnehmen (Regelaltersrente). Außerdem wird die Altersrente auf das 65. Lebensjahr mit zwei möglichen Varianten hochgerechnet. Aufgrund der den Dynamisierungswerten zugrunde liegenden langfristigen Annahmen kann die Dynamisierung der Hochrechnungsbeträge in der kurzen Frist zu ungenauen Werten führen.

von Experte/in Experten-Antwort

Wie bereits von "Bernhard" ausgeführt dient die Zurechnungszeit als Ausgleich für die entgangene Beitragsleistung vom Eintritt der Erwerbsminderung bis zur Vollendung des 60. Lebensjahres. Dadurch werden die Abschläge abgefedert, die in einer vor dem 63. Lebensjahr beginnenden Rente wegen Erwerbsminderung enthalten sind.

Die Erwerbsminderungsrente ist für behinderte und nicht behinderte Menschen an die gleichen Anspruchsvoraussetzungen geknüpft und wird auch in gleicher Höhe gezahlt.

Zu den weiteren Fragen von "Uwe":

Die Rente wegen Erwerbsminderung wird grundsätzlich nach den gleichen Berechnungsfaktoren wie die Altersrente berechnet. Unterschiede in der Rentenhöhe können sich natürlich durch die Berücksichtigung der Zurechnungszeit und durch die unterschiedliche Höhe der Abschläge, die durch den jeweiligen Beginn der Rente sowohl in den Altersrenten als auch in den Renten wegen Erwerbsminderung enthalten sind, ergeben.

In der Renteninformation sind bei der Rente wegen Erwerbsminderung sowohl die Zurechnungszeit als auch die jeweiligen Abschläge berücksichtigt.

Die Aussagen in der Renteninformation zur Rente wegen Erwerbsminderung und zur bislang erreichten Altersrente entsprechen dem aktuellen Stand des jeweiligen Versicherungskontos und den derzeit geltenden gesetzlichen Bestimmungen. Für die Aussagen zur künftigen Altersrente und zur Rentenanpassung wurde bestimmte Werte angenommen.

Natürlich kann die später tatsächlich in Anspruch genommene Rente höher oder niedriger ausfallen (z. B. durch weitere Beitragsleistung oder durch Rechtsänderungen).