Erwerbsminderungsrente

von
kurani

Wieviel bleibt mir bei einer EM-Rente von ca. 700 Euro ( Beitrag ges. KK etc.).

Und ist EM und EU-Rente das Gleiche?

von
Orko

EU-Rente ist die Abkürzung einer älteren Rentenart: Erwerbsunfähigkeitsrente; das höhere Gegenstück zur Berufsunfähigkeitsrente.

Nach aktuellem Recht gibt es nur noch Renten wegen teilweiser Erwerbsminderung und voller Erwerbsminderung, als Oberbegriff abgekürzt EM-Renten.

Von der Bruttorente werden i.d.R. Beiträüge zur Kranken-/Pflegeversicherung und ggf. Zusatzbeitrag KV abgezogen.

von
Aha

Bei gesetzlicher Pflicht-KV:

Eigenanteil bei Rentenbezug 9,85 % mit und 10,10 % ohne Nachweis der Elterneigenschaft (in Sachsen etwas mehr)
- ggf. zzgl. 8 EUR je nach Kasse!

Experten-Antwort

700,00 Euro (brutto)

- 55,30 Euro (KV)

- 13,65 Euro (PV)

631,05 Euro (netto)

von
gerhard

Es ist eine Schande wie gering die Höhe der Erwerbsminderungsrenten sind.Der Durchschnitt liegt bei 600 euro zahlbetrag. Im endefekt nicht höher als die Grundsicherung. Die hälfte des zugangs zur Grundsicherung sind bereits Erwerbsminderungsrentner.
Liebe Grüße Gerhard

von
Aha

Grundsicherung gibt es aber nur, bei voller EM auf Dauer (und wenn keine nennenswerten Rücklagen da sind!)

von
Tschacka

Hallo Gerhard,
ich teile nur bedingt Ihre Meinung...

Die EM-Rente wird grundsätzlich mit (individuell) ermittelten sog. Zurechnungszeiten "aufgerwertet"
Soll heißen: Jeder/Jede bekommt die verbleibende Zeit bi s zum 60.Lebensjahr als Zurechnugszeit dazu. Das kann durchaus unterscheidlich sein, da ja auch unterschiedliche Beitragszahlungen erfolgen. Ist nun ein "Frührentner" der vielleicht einen echten Rentenanspruch (sagen wir mal er ist 40 Jahre alt) con ca. 450.- € aus den bis zum Leistungsfall eingezahlten Beitragen. Nun kommt die Zurechnungszeit dazu und er bekommt 800.-€ EM-Rente.
Grundsicherung gibt es überigens nur, wenn eine unbefristete volle EM vorliegt!!

Unser Frührentner hier bekommt also 350.- € mehr, weil er aufgrund seiner Erwerbsminderung derzeit nicht in der Lage ist arbeiten zu gehen. Soweit sind wir uns doch einig oder?

In den letzten Jahren hat die Zahl der Erwerbsminderungsrenten dramatisch zugenommen (auch wenn hier immer das Gegenteil behauptet wird), so dass immer mehr "junge" Menschen Frührentner werden. Die Gründe hierfür liegen m.E. an der Arbeitsmarktsituation. Jeder EM-Rentenantrag beinhaltet i.d.R. die Angabe einer psychosomatischen Erkrankung aufgrund von Mobbing/Arbeitsplatzverlust/Existenzängsten/Kündigung ohne Grund/Depressionen/Panik...
Ich könnte noch weiter machen, aber das reicht doch schon. Die Menschen in unserem Lande werden systematisch krank gemacht und geschimpft wird dann immer auf die niedrige EM-Rente. Da stimmt aber was nicht, denn ich sage es immer wieder...
Jeder kann nur soviel erwarten wie er gibt.

Beitragseinzahlung=Rentenhöhe.

Die Menschen die noch arbeiten können und wollen und müssen, sind die Bezahler dieser Renten und müssen mit allen Konsequenzen (Gehaltskürzungen/Wegfall von Sonderzahlungen/Streichung der Überstundenvergütung etc) leben solange es gesundheitlich geht. Das sind die Frührentner von Morgen!

Es ist eine Misere, die total übergangen wird, bis die Bombe platzt!

Ich wünsche jedem alle Gesundheit und Erfolg dieser Welt (einschließlich mir), aber irgendwann ist der Akku alle, wenn das so weitergeht!

Also die EM-Renten sind schon einigermaßen human, nur die Zahl der Frührentner ist beängstigend meine Sie nicht auch?

MfG
Tschacka

p.s. ich hoffe, es fühlt sich hier jetzt niemand gekränkt!
Wäre nicht meine Absicht gewesen!

von
gerhard

Die Zahl der Neuzugänge sind in den letzten Jahren zurückgegangen von 200000 auf etwas 160000. Es wurden seit die Erwerbsminderungsrenten eingeführt wurden strengere Maßstäbe angesetzt. Viele Neurenten wurden wegen psychischer Probleme gewährt. Selbst habe ich eine Psychose und bekomme Ewerbsunfähigkeitsrente von 961 Euro netto. Zusätzlich habe ich privat vorgesorgt und bekomme eine private Berufsunfähigkeitsrente von 681 Euro netto. Was ich nicht ok finde ist, daß die Rente nicht mehr zur lebensstandartsicherung beitragen. Selbst die Altersrenten gehen bergab. Die heutige Männergeneration hat noch eine Durchschnittsrente von 970 Euro. Jetzt kommt langsam die Generation herein, die unterbrochene Lebensläufe hat. Diese Generation bekommt nur mehr 820 Euro Rente.
Teilweise ist es doch so, daß heutzutage eine Erwerbstätigkeit nicht mehr ausreicht, um über die Runden zu kommen. Minijobs, Praktikas und geringe Löhne haben seit langem das Lohnniveou nach unten gedrückt. Die reguläre sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist von 80 auf 60% zurückgegangen. Prekäre Beschäftigung ist auf 25% gestiegen.
Da braucht man sich nicht mehr zu wundern, daß keine vernünfige Renten mehr herauskommt
Liebe Grüße
Gerhard

von
Tschacka

Hallo nochmal,

also allein im Jahr 2008
sind insgesamt 57.411 EM-Renten bewilligt worden aufgrund psychischer Erkrankungen!
Männer = 26.287
Frauen = 31.124

fast 60.000 Erwerbsminderungsrenten in einem Jahr!!! Rechnen Sie das mal weiter... Das ist einfach nicht mehr finanzierbar von den übriggebliebenen Beitragszahlern!

Quelle: Statistik der DRV-Rentenzugang 2008

MfG
Tschacka

von
Gerhard

Das ist eben die falsche Denke. Die durchökonomisierung der Gesellschaft wird den Egoismus in der Gesellschaft nach oben bringen. Das ist klar wie dicke tinte. Wie wollen sie die wirtschaft wieder in Gang bringen mit dieser Spirale nach unten. Die neoliberale Masche mit flexiblen Arbeitsbedingungen und niedrigen Löhnen und dem weltweiten Konkurrenzdenken hat uns vor dem wirtschaftlichen Kollaps geführt.
Wie kann man die wirtschaft wieder ankurbeln ? Das geht nur mit höhren Gehältern, höhren Renten und Sozialleistungen und nicht mit ihrer Denke: das können wir uns nicht leisten.
Sie sollten sich mal gedanken machen wie ein Wirtschaftskreislauf überhaupt funktioniert. In vielen Bereichen wurde in den letzten Jahren der Staat herausgenommen. Aber der Markt regelt nur seinen Gewinn. Diese weltweite Gewinnmaximierung einzelner Konzerne und Personen hat zu diesen Verwerfungen geführt. Von oben dringt das Geld nicht mehr nach unten durch.
Ich bin es leid dass bei Kindern und Rentnern und Behinderten immer von Kosten geredet wird.
In Deutschland sollte man sich mal wieder die Systemfrage stellen. Wollen wir dieses System eigentlich, wo nur mehr einzelne das sagen haben.

Liebe Grüße
Gerhard

von
Tschacka

klar, da gebe ich Ihnen 100 %'tig Recht!!!

Anständige Löhne und Gehälter in Kombination mit anständiger Arbeit und endlich die Einführung von Mindestlöhnen! Jeder soll für seine Arbeit auch anständig bezahlt werden!

Die DRV arbeitet jedoch im Umlageverfahren, da kann nix "angekurbelt" werden.

Je mehr Menschen arbeiten und anständig entlohnt werden, desto stabiler ist der Rentenversicherungsbeitrag und die Rente ein jeden Einzelnen. Aber ich glaube, das ist ein Wunschdenken von mir :-)

Ich wünsche jedenfalls allen die gesund und munter sind weiterhin viel Kraft in unserer Heimat einigermaßen zurechtzukommen und denen, die auf die Hilfe derer angewiesen sind genauso!

Einen schönen Abend noch!

LG
Tschacka

von
Maria

Zur Systemfrage: Das Einzelne das Sagen haben bzw. dass es sich immer mehr dreist ganz offen dahin entwickelt, glaubt Normalo so drastisch doch 'noch' garnicht. Der Grossteil ist den 'fürsorgenden' Staat gewohnt und glaubt an unsere Demokratie und das Bemühen derer, die 'das Sagen' haben.
Ich glaube kaum, dass der Beitragsaustausch von Gerhard und Tschacka die meisten Menschen interessiert. Da sehe ich das grösste Problem.
Sie sind selbst bei Krankheit mit dem Ringen um die eigene Existenz ausgelaugt.
Erstmal Informationsbeschaffung bei den unterschiedlichsten Behörden: Der eine ist hier,
der andere da nicht zuständig.
Anschliessend dann oft hier ein Widerspruch, dort eine Klage... man, man!
Aufklärung tut not. Wäre ein bisschen mehr Realpolitik nicht besser, als in der Schule zu
lehren, wie ein Hartz4-Antragsformular ausgefüllt wird?
Nur z.B.: Wie funktioniert unser Rentensystem?
Könnte auch gerne für die Älteren durch Medien vermittelt werden: Schmackhaft gestaltet, wie Richterin Salesch's Sendung...

von
uwe

"Jeder EM-Rentenantrag beinhaltet i.d.R. die Angabe einer psychosomatischen Erkrankung aufgrund von Mobbing/Arbeitsplatzverlust/Existenzängsten/Kündigung ohne Grund/Depressionen/Panik..."

Aber, wenn man die Rente wegen einer selteneren organischen Erkrankung beantragt, kommt es vor, dass der med. Beratungsdienst eine psychosomatische Konstruieren will!!!
Entgegen der Diagnosen der Fachärzte!

von
Tschacka

Hallo Maria,

das gibt es schon seit vielen Jahren. Ich meine die Erklärungen "wie das Rentenversicherungssystem" funtkioniert.
In jeder Beratungsstelle der DRV werden mehrmals im Jahr kostenlose Veranstaltung durchgeführt.
Themen sind u.A.

Sozialversicherung allgemein, Altersrenten "wer, wann und wie", Hinterbliebenversorgung etc.

Das "Seminar" über die Begrifflichkeit, Leistungen und Ansprüche nennt sich "Rentenkurs für Einsteiger gefolgt vom Rentenkurs für Fortgeschrittene und geht jeweils über 4 Tage á ca. 2 Stunden. Hier wird ganz genau erklärt, was die gesetzliche Rentenversicherung bedeutet, bietet und versorgt!

Habe selbst schon so ein Seminar besucht und es ist echt aufschlussreich.

Einfach mal auf die Seite der DRV klicken und Vorträge/Seminare anschauen, da ist für jeden etwas dabei :-)

Weiterhin bietet die DRV auch Kurse/Seminare an verschiedenen Volkshochschulen an, die kosten aber glaube ich was.

Also das die DRV nicht aufklärt und informiert, stimmt so einfach nicht. Nur man muss schon auch ein wenig selber tun.

Im Falle eines Falles ist es leichter zu sagen: "das habe ich nicht gewusst, hat mir niemand gesagt", als zuzugeben, dass man durch Schusseligkeit versäumt hat sich zu melden (egal welcher Fall).

MfG
Tschacka

von
Tschacka

Hallo Uwe,
ja, da stimme ich Ihnen zu.
Wenn die Schulmedizin versagt, ist es immer eine "Macke"...
wenn Sie verstehen wie ich's meine :-)

MfG
Tschacka

von
uwe

Nur zu gut

Wenn nach Jahren der Macke ein EKG dann dort doch mal betrachtet wird, - wie kommt die Macke als falsche Zacke aufs Bild :-)

von
Maria

Hallo Tschacka,

genau darin sehe ich das Dilemma: Irgendwo 'sitzen' die Info's für alles und jedes (na ja, fast;-) ). Im Falle des Falles wird man zwangsläufig danach suchen und sie nach und nach finden. Ich habe nicht gemeint, dass die DRV nicht genug tut! Wahrscheinlich mehr als andere öffentliche Behörden.
Abgesehen von wirklich Daneben-Fragen wird auch hier deutlich, dass oft auf andere öffentliche Stellen verwiesen werden muss. Man jagt im 'Falle' von Amt zu Amt und kann froh sein, wenn man dazu überhaupt noch in der Lage ist... was die meisten entweder nicht sind oder dadurch noch kränker werden.
Sicher gibt es Rentenberater, Sachbearbeiter etc., auf deren Auskunft man sich dann verlässt.
Gut, man sollte sich vorher kümmern.
Aber um was alles: Du bist halber Fachmann in Sachen Stromlieferant, Versicherungen aller Art, Steuer etc. und hast den Ehrgeiz fachlich im Job auf der Höhe zu bleiben, dies neben dem täglichen Arbeitsgeschäft. Die Familie fordert ihre Beachtung und Freizeit soll's auch noch geben. Das ist fast so, als könne ich als Minister für X genauso gut Minister für Y sein und das ohne Einarbeitungszeit. Unrealistisch, finde ich.
Mein Beispiel mit dem in der Schule gelehrten Ausfüllen eines Hartz-Antrag's zeigt eigentlich, dass die Informationsversorgung leider da ansetzt, wo das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Das Funktionieren des Rentensystems war eher in Richtung politische Bildung gedacht. Damit würden aber Kritiker geschaffen, was kaum gewollt sein dürfte.
Da das hier kein Forum für politische Diskussionen ist, mache ich hier mal lieber einen Punkt.

Viele Grüsse.

von
Maria

Sah man am Beispiel der Helicobacter (Magen) auch recht deutlich.