Erwerbsminderungsrente nach Ausbildung

von
Alexej

Ich habe im Jahr 2016 meine Ausbildung abgeschlossen. Danach habe ich nicht genug gearbeitet, um die notwendigen Pflichtbeitragszeite für eine Erwerbsminderungsrente zu erfüllen.

Jetzt habe ich aber erfahren, dass man die Voraussetzungen auch erfüllen kann, wenn die Erwerbsminderung in den sechs Jahren nach Ausbildungsende eintritt. Die sechs Jahre wären bei mir ja erst 2022 vorbei. Ich habe aber zwischendurch gearbeitet mit Abführung von Pflichtbeiträgen, nur halt nicht genug um den Anspruch zu erfüllen. Gilt diese sechs Jahres Frist trotzdem, obwohl ich schon gearbeitet habe ?

von
Ioi

Von welcher Art Ausbildung sprechen Sie denn? Schulische Ausbildung und Studium zählen bspw nicht. Sie müssen während der Ausbildung Pflichtbeiträge entrichtet haben.

von
Valzuun

Was los schreibt ist -in Bezug auf die von Ihnen angefragt Rechtslage- vollkommener Unsinn.

Aber bestimmte Pflichtbeiträge müssen Sie sogar entrichtet haben, wenn Sie von der von Ihnen angesprochene Vorschrift profitieren möchten. Nachzulesen in § 53 Abs. 2 SGB VI:

"(...) wenn Versicherte vor Ablauf von sechs Jahren nach Beendigung einer Ausbildung voll erwerbsgemindert geworden oder gestorben sind und in den letzten zwei Jahren vorher mindestens ein Jahr Pflichtbeiträge (...)"

P.S. 3 in 5 wird dann auch nicht mehr benötigt.

von
Alexej

Es war keine schulische Ausbildung und auch kein Studium. Es war eine zweijährige Ausbildung in einem Berufsförderungswerk.Diese ist im Versicherungsverlauf unter berufliche Ausbildung im geschützten Rahmen vermerkt.

Experten-Antwort

Hallo Alexej,

unter bestimmten Voraussetzungen haben Sie die allgemeine Wartezeit von fünf Jahren vorzeitig erfüllt. Das ist beispielsweise der Fall, wenn Sie vor Ablauf von sechs Jahren nach Beendigung einer Ausbildung voll erwerbsgemindert geworden sind und in den letzten zwei Jahren vorher mindestens ein Jahr Pflichtbeiträge für eine versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit gezahlt haben. Der Zeitraum von zwei Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung verlängert sich um Zeiten einer schulischen Ausbildung nach Vollendung des 17. Lebensjahres, längstens jedoch um sieben Jahre.

Haben Sie die allgemeine Wartezeit vorzeitig erfüllt, ist für Sie die besondere versicherungsrechtliche Voraussetzung (3 in 5) nicht von Belang.

gerne können Sie sich einen telefonischen Beratungstermin geben lassen um Ihre Möglichkeiten prüfen zu lassen.

von
Alexej

Zählen die Pflichtbeiträge von Kindererziehungszeiten auch für diese nötigen 12 Pflichtbeiträge? Ich habe nämlich das Kind erzogen, meine Frau ist arbeiten gegangen

von
KSC

Es könnte auch sein dass Sie erwerbsgemindert sind und dies schon vor Ihrer Ausbildung im geschützten Bereich waren.

Es könnte somit auch sein dass die EM vor Ihrem Eintritt in die Versicherung erfolgte, dann bestünden keine Ansprüche.

Das lässt sich aber im Forum nicht klären, Gewissheit haben Sie wenn Sie die Entscheidung über einen gestellten Rentenantrag in Händen halten.

von
Mayfair

Zitiert von: Valzuun
Was los schreibt ist -in Bezug auf die von Ihnen angefragt Rechtslage- vollkommener Unsinn.

Aber bestimmte Pflichtbeiträge müssen Sie sogar entrichtet haben, wenn Sie von der von Ihnen angesprochene Vorschrift profitieren möchten. Nachzulesen in § 53 Abs. 2 SGB VI:

"(...) wenn Versicherte vor Ablauf von sechs Jahren nach Beendigung einer Ausbildung voll erwerbsgemindert geworden oder gestorben sind und in den letzten zwei Jahren vorher mindestens ein Jahr Pflichtbeiträge (...)"

P.S. 3 in 5 wird dann auch nicht mehr benötigt.

Mal Interesse halber... Was für Beitragspunkte werden dann für so einen Fall in die Hochrechnung einbezogen?
Nur dieses eine Jahr mit, vermutlich geringen, SV Einzahlungen kann ja nicht als Berechnungswert gehen.

von
Krauter

Es könnte somit auch sein dass die EM vor Ihrem Eintritt in die Versicherung erfolgte, dann bestünden keine Ansprüche.
[/quote] Das heißt, wer von Geburt an behindert /erwerbsgemindert ist, wird ein lebenslanger Sozialfall? Gruselige Vorstellung, da Hartzis und Grusis nicht gerade üppig bedacht werden. Was für ein Leben, im anderen dt. Staat gab es für solche Fälle eine Invalidenrente für behindert Geborene.

von
Valzuun

Zitiert von: Mayfair

Mal Interesse halber... Was für Beitragspunkte werden dann für so einen Fall in die Hochrechnung einbezogen?
Nur dieses eine Jahr mit, vermutlich geringen, SV Einzahlungen kann ja nicht als Berechnungswert gehen.

Im Groben ganz einfach: Alle Zeiten bis zum Eintritt der Erwerbsminderung und von da an die Zurechnungszeit - also nicht anders als in „normalen“ Fällen.

In der Realität können ganz unerwartete Ergebnisse dabei herauskommen, da Anrechnungszeiten, beitragsgeminderten Zeiten und Lücken plötzlich immense Bedeutung zukommt. Im Ergebnis steht die Rente dann plötzlich außerhalb jeden Verhältnisses zu den tatsächlichen Einzahlungen (entweder nach oben oder nach unten).

von
Valzuun

Zitiert von: Krauter

Es könnte somit auch sein dass die EM vor Ihrem Eintritt in die Versicherung erfolgte, dann bestünden keine Ansprüche.

Das heißt, wer von Geburt an behindert /erwerbsgemindert ist, wird ein lebenslanger Sozialfall? Gruselige Vorstellung, da Hartzis und Grusis nicht gerade üppig bedacht werden. Was für ein Leben, im anderen dt. Staat gab es für solche Fälle eine Invalidenrente für behindert Geborene. [/quote]

Jein.
Wenn trotzdem 20 Jahre eingezahlt werden (z.B. Werkstatt für Behinderte) gib’s anschließend Rente. Andernfalls haben Sie Recht.

P.S. Im anderen Deutschen Staat saßen Systemkritiker auch im Knast. Die Zeiten ändern sich nunmal.

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