Erwerbsminderungsrente nach Verbeamtung auf Zeit

von
Timo

Ich arbeitete als wissenschaftlicher Angestellter (gemäße TVL) vom 04/2006 bis 09/2012 und zahlte die Plichtbeiträge zur Rentenversicherung. Von 10/2012 bis 10/2019 war ich "Beamter auf Zeit" (Nicht auf Widerruf oder Probe) und zahlte nicht in die Rentenversicherung ein. Ab 11/2019 arbeite ich voraussichtlich wieder als wissenschafltlicher Angestellter (gemäß TVöD) und werde Plichtbeiträge zur Rentenversicherung leisten.

Meine Frage ist nun: Kommt es innerhalb der ersten drei 3 Jahre nach 11/2019 (also bis 11/2022) zu einer Berufsunfähigkeit, würde ich dann eine Erwerbsminderungsrente erhalten? Angenommen die medizinischen Voraussetzungen wären erfüllt.

Im SGB VI, §43 (4) heißt es, dass die Zeit von den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung verlängert werden kann. Würde dies in meinem speziellen Fall eintreten?

Vielen Dank im Voraus.

von
Frage

Nachversicherung?

von
Timo

Eine Nachversicherung in der Rentenversicherung erfolgt nicht, ich erhalte für die Beamtenzeit Altersgeld (Land Baden-Württemberg).

Wäre die Nachversicherung eine Möglichkeit den Anspruch auf Erwerbsminderungsrente sicherzustellen und den besonderen versicherungsrechtlichen Voraussetzungen zu entsprechen?

von
Valzuun

Zu Ihrer ursprüngliche Frage:
Nein, es würde (durch die Zeit als Beamter) keine Verlängerung des 5-Jahres-Zeitraums erfolgen.

Zu Ihrer Folgefrage:
Ja, denn durch die Nachversicherung würden echte Pflichtbeitragszeiten entstehen. Es wäre also (noch nicht mal) ein Verlängerung erforderlich.

Ich fürchte Sie müssen nun eine nicht ganz einfache Entscheidung treffen...

von
Timo

Vielen Dank für die schnellen und klaren Antworten. Darauf kann ich eine Entscheidung fällen, auch wenn sie sicher nicht leicht fällt:-)

Experten-Antwort

Hallo Timo,

für einen Anspruch auf Rente wegen Erwerbsminderung aus der gesetzlichen Rentenversicherung müssen u. a. in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung drei Jahre mit Pflichtbeiträgen für eine versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit belegt sein (sogenannte 3/5-Deckung). Der Fünfjahreszeitraum kann unter bestimmten Voraussetzungen verlängert werden (z. B. durch Anrechnungszeiten, Berücksichtigungszeiten oder Zeiten des Rentenbezuges). Zeiten als "Beamter auf Zeit" zählen jedoch nicht dazu. Eine Verlängerung des Fünfjahreszeitraumes kommt daher nicht in Betracht.

Nachversicherte Personen werden rentenrechtlich so gestellt, als wenn sie in ihrer versicherungsfreien Beschäftigung versicherungspflichtig gewesen wären. Diese Zeiten würden also bei der "3/5-Deckung" mitzählen.

Hingewiesen sei noch darauf, dass die "3/5-Deckung" nicht erforderlich ist, wenn die Erwerbsminderung aufgrund eines Tatbestandes eingetreten ist, durch den die allgemeine Wartezeit vorzeitig erfüllt ist (z. B. Arbeitsunfall, Wehr- oder Zivildienstbeschädigung, volle Erwerbsminderung innerhalb von sechs Jahren nach einer Ausbildung).

Mit freundlichen Grüßen

von
senf-dazu

Da bereits vor > 13 Jahren die erste Pflichtbeitragszeit erfasst ist, wird eine vorzeitige Wartezeiterfüllung hier keine Rolle spielen.
Variante A wäre also für die Beamtenzeit nachversichern zu lassen mit allen Folgen (mehr Zeiten für einen frühen Altersrentenbeginn und erfüllte 3/5 Prüfung für die Situation Erwerbsminderung)
Variante B mit paralleler Pension und Altersrente, aber erst in gut drei Jahren Erüllung der Wartezeit für die EM-Rente.
Wenn der Versicherungsfall dann aber auf 2019 festgelegt wird, helfen Ihnen die weiteren Pflichtbeiträge auch nicht.

Lassen Sie sich noch mal gut beraten (von der DRV und vo Dienstherren), damit Sie dann in Ruhe entscheiden können, was geht.

von
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Zitiert von: Timo
Eine Nachversicherung in der Rentenversicherung erfolgt nicht, ich erhalte für die Beamtenzeit Altersgeld (Land Baden-Württemberg).

Wäre die Nachversicherung eine Möglichkeit den Anspruch auf Erwerbsminderungsrente sicherzustellen und den besonderen versicherungsrechtlichen Voraussetzungen zu entsprechen?

Hallo Timo,
bevor sie sich für einen Anspruch auf Altersgeld entscheiden, sollten sie eine fiktive Rentenauskunft bei der DRV anfordern.

http://rvrecht.deutsche-rentenversicherung.de/Raa/Raa.do?hl=altersgeld&f=SGB6_109R8